Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 43 (April 1978)
- Date
- 1978-04-01
- Page
- Seite 32 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/7411685-7412598-7496846--0746-7412630- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Obarkanfor " _ Davidsohn ZUR 100. WIEDERKEHR SEINES GEBURTSTAGES Fast bis zu seinem letzten Atemzug war er interessiert und optimistisch-lebensbejahend geblieben. Mit all Fasern seines Herzens hing Magnus Davidsohn an der Musikpflege, an seinem Fach, an der Fortbildung des Kantorennachwuchses. Oft und gern führten ihn seine Gedanken und Erinnerungen in die lange Zeit zurück, die sein Wirken umspannte. Alles das, eng verwoben mit Episoden, mit Begegnungen auch mit nichtalltäglichen Zeitgenossen, klang immer wieder aus seinen Briefen, seinen populären Zeitungsaufsätzen, die die Festtags- und Sabbatliturgie zum Gegenstand hatten, auch aus seinen fachlichen Darstellungen. Stets wollte er noch “dabei“ sein, ein Wort mitsprechen, offen seine Meinung äussern. Davidsohn starb am 21. August 1958 in Düsseldorf. Mit ihm, für viele “der Oberkantor“ geblieben, auch wenn ihm während seiner Londoner Amtstätigkeit an der Synagoge der “New Liberal Jewish Congregation“ (heute: “Belsize Square Synagogue“) in den Jahren 1939 bis 1956 der Rev.-Titel verliehen worden war, schwand ein Stück jüdischreligiösen Lebens im einstigen Berlin, ein Stück Jüdisch-liberalen Kultus’. Man denkt zurück an die von ihm mitgestalteten Gottesdienste in der Berliner Synagoge in der Fasanenstrasse (1912— 1938), an die Jüdische Lehrerbildungsanstalt, an der er das Fach Synagogenmusik und Chasanut vertrat, an den Allgemeinen Deutschen Kantorenverband, dessen Vorsitzender er lange war (und dazu noch, zeitweilig, der Redakteur der Zweimonatszeitschrift “Der Jüdische Kantor“, Hamburg). Am 2. November 1877 in Beuthen/Oberschlesien als Sohn eines Kantors geboren, ging Magnus Davidsohn nach dem Besuch der Musikakademie und des Rabbinerseminars in Berlin, angeregt vor allem durch den Operndirektor Angelo Neumann (Wien, 1838 — Prag, 1919), zunächst an die Prager Oper. Aber schon bald drängte es ihn zum Kantorenberuf zurück. 1900 fand er in Gleiwitz/Oberschlesien seine erste Stellung, und von dort wurde er 1912 an die neuerbaute Fasanenstrasse-Synagoge in Berlin berufen. Bis ins hohe Alter ist er sich treu geblieben. Er behielt seine würdevolle Erscheinung, die dazu noch durch sein schlohweisses Haar unterstrichen wurde. Sein Wesen blieb geprägt durch einen gewissen selbstherrlichen Stolz auf Stand, Stimme und Sprache. In diesem Kantor steckten, äusserlich und innerlich, viele Merkmale von Künstlertum und Musikalität; insoweit war er kein durchschnittlicher Vertreter seines Fachs. Dr. E. G. Lowenthal (Berlin) (Fortsetzung von Seite 31) Der in der Liste erwähnte Gemeindeschulmeister, der auch im Gründungsedikt erwähnt wird, unterrichtete diejenigen Kinder, deren Eltern sich keine Privatlehrer leisten konnten. Der ferner in der Liste aufgeführte “10-Gebote-Schreiber“, (d.h. Thorarollenschreiben-Sofer) Benjamin Löbel war kein Bedienter der Gemeinde, sondern sorgte u.a. für die Instandhaltung der Thorarollen, die von ihm oder anderen geschrieben wurden, und für die Anfertigung der hebräischen Dokumente, die z.B. bei Heiraten und Scheidungen benötigt wurden. Auch weiterhin stieg die Zahl der jüdischen Gemeindebedienten, wie sich aus der Breslauer Judenliste vom Jahre 1776 ergibt, über die ich in der Fortsetzung berichten werde. Rabb. Dr. BERNHARD BR ILLING Münster i/W. Professor Abraham (Adolf) Frankel liebte Breslau nicht... Professor Abraham (Adolf) Fränkel, gebürtig in München, der im Jahre 1965 im Alter von 74 Jahren in Jerusalem aus dem Leben schied, war eine Persönlichkeit von ungemeiner Vielseitikeit. Hervorragender Mathematiker, dem seine Forschungen Weltruhm eintrugen, Professor an zwei deutschen und der Hebräischen Universität in Jerusalem, ausgezeichneter Kenner des Talmud und der jüdischen Wissenschaften, insbesondere Experte auf dem Gebiet des jüdischen Kalenders, Sportler noch im hohen Alter, Naturliebhaber und aktiv im Organisationsleben [er war u.a. Grosspräsident der Bnei Brith-Logen in Israel, war er ein prominentes Vorbild des auf dem Boden der deutsch-jüdischen Orthodoxie erwachsenen Prinzips “Thora im Derech Erez” (Synthese von wurzelhaftem Judentum und Umwelttskultur], Es sei bemerkt, dass auch seine Gemahlin, Wilma geborene Prins, die unter uns weilt (bis 120!), Bedeutendes geleistet hat, sie rief den “Fond für unsere Kinder” (Keren Jeladenu) ins Leben und leitet ihn seit Jahrzehnten, und zeichnet damit verantwortlich für dessen wichtige Arbeit auf dem Gebiet der Fürsorge und Produktivisierung gefähdeter Jugend. Prof. Fränkel schrieb seine Lebenserinnerungen, die im Jahre 1965 unter dem Titel “Lebenskreise“ als Veröffentlichung des Leo Baeck Instituts im Verlage der Deutschen Verlagsanstalt — Stuttgart erschienen. Das hochinteressante Werk umfasst die Geschichte seines Lebens bis zu seiner zweiten Einwanderung nach Palästina im Jahre 1933, als er dort die unterbrochene Lehrtätigkeit an der Hebräischen Universität wieder aufnahm. Uns interessiert hier insbesondere die lebhafte Schilderung des Studiensemesters im Jahre 1914, das Fränkel in Breslau verbrachte. Es war sein letztes, er arbeitete schon damals an seiner Habitilationsschrift, nachdem er schon Angebote an Universitäten hatte. Fränkel fühlte sich in Breslau nicht glücklich, weder persönlich noch wissenschaftlich. Die flache Landschaft war ihm, dem gebürtigen Münchener und begeisterten Bergsteiger, nicht sympatisch. In der Innenstadt, wo er wohnen wollte, weil dort die meisten Juden wohnten, fand er “kein von Ungeziefer freies Zimmer“... Die weitgehende Zersplitterung des jüdischen Lebens stösst ihn ab. Andererseits machte der junge Gelehrte dort viele Bekanntschaften, darunter mit bedeutenden Persönlichkeiten, wie Israel Levy, dem hervorragenden Talmudisten des Jüdisch- Theologischen Seminars, den Rabbinern Ferdinand Rosenthal und Jakob Guttmann, den drei Brüdern Kober (Joseph, Wilhelm und Aron), deren verschieden geartete Einstellung in jüdisch politischer Hinsicht der Verfasser hervorhebt, wobei er von einem scharfen Zusammenstoss mit Aron Kober in einer Aguda-Versammlung berichtet — ungeachtet dessen dass Aron’s Gattin, geborene Auerbach, seine Grosskusine war. Fränkel erwähnt noch den bedeutenden Mathematiker Steinitz, und vor allem Frau Martha Badt, die Witwe des klassischen Philologen Professor Benno Badt, und deren Kinder, darunter die später als Schriftstellerin bekannt gewordene Bertha Badt-Strauss, und insbesondere Hermann, den er mit Recht eine einmalige Erscheinung in der letzten deutsch-jüdischen Generation nennt, wurde er doch Ministerialdirektor im Preussischen Ministerium des Innern und Bevollmächtigter Preussens im Deutschen Reichsrat, dabei war er Zionist und strenggläubig. Der Breslauer Aufenthalt Abraham Fränkel’s, wie gesagt von ihm nicht als eine der anziehendesten Perioden seines reichen Lebens geschätzt, nahm sein Ende als ihn auf einer Tour im Riesengebirge (er war immer eifriger und wagender Alpinist), die Nachricht von der Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Sarajevo erreichte. Kurz danach wurde er Soldat. Das von Abraham Fränkel in seinem Buche entworfene Selbstporträt ist von ungewöhnlichem Interesse, als Lebensbild eines aussergewöhnlich und vielseitig begabten Mannes, von festem Charakter und ungewöhnlicher Leistungsfähigkeit. Wer das Verdienst hatte, ihn persönlich zu kennen, erfuhr von ihm viele bereichernde Anregungen. Mitgeteilt von MORDECHAI NOY Dr. Max Salzberger 94 Jahre Breslau - Montevideo Der schon in Breslau weit bekannte Arzt, Dr. Max Salzberger, ein aufrichtiger Freund unseres Verbandes, begeht in Montevideo am 29. April seinen 94. Geburtstag. Der Jubilar wirkt auch hier seit fast 40 Jahren als Wissenschaftler, Naturforscher und Arzt und erfreut sich eines grossen Ansehens. In den letzten Jahren hat er neue Talente in sich entdeckt: Malerei der verschiedensten Motive. Seine Vorträge im Radio und an andern Stellen lassen sein Wissen in der Natur aufs Höchste bewundern und beweisen trotz seines Alters die Frische und Lebendigkeit seines Geistes. Dr. Salzberger erfüllt aber auch selbst, was Aerzte raten: älter werden, aktiv bleiben. Wir haben viel von ihm gelernt und wir sind ihm dankbar, dass wir teilnehmen dürfen an der Fülle seines Wissens. Alle seine Freunde in Israel und der übrigen Welt, aber auch in Montevideo, sprechen Ihnen die herzlichsten Glückwünsche aus und hoffen noch viele Jahre, mehr nur Gutes über Sie berichten zu können. P. T. SUCHANZEIGEN: Wer kann bezeugen, dass ich in der Zeit von Juni 1935 bis November 1935 bei der Firma Leo Neumann, (Breslau, Theaterstr. 2 neben dem Schauspielhaus, in der Knopf und Mantelfutterwerkstatt gearbeitet habe? Alle Unkosten werden gern zurückerstattet. Zuschriften an MIRIAM RAS geb. GOLDSTEIN, Kirjat-Chaim, Haifa, Hascheara Str. 11, Israel. Gesucht wird LUCIE COHN geb. Markus, die von 1935 bis 1939 Sekretärin an der Jüdischen Schule (Gymnasium) genannt Rhedigerschule gearbeitet hat. Dringende Zuschriften an den Verband ehemaliger Breslauer in Israel, Ramat-Gan, Mazadastr. 27 (Erich Lewin). Gesucht werden folgende Personen: HEINZ TICHAUER, früher Ratibor O/S, HANS GOLD¬ MANN geboren am 6.11.1922 in Breslau, sowie PETER GOLDMANN. Ausserdem KURT SIE- RADZKI. Zuschriften an den Verband ehemaliger Breslauer in Israel, Ramat Gan, Mazadastr. 27, (Erich Lewin). Wer hat mit RUTH LITTMANN im Jahre 1935 in Breslau zusammen gearbeitet? Sie war szt. 19 Jahre alt und arbeitete als Sekretärin. Zuschriften an den Verband ehemaliger Breslauer in Israel. Adresse wie vorstehend. 32 76