Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 43 (April 1978)
- Date
- 1978-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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(Fortsetzung von Seite 6) Wollniederlage. Hier kam aber den Inhabern alsbald wieder die Judenpolitik in die Quere. Das frühere Königreich Sachsen geniesst den traurigen Ruhm, die Judenemanzipation am längsten unter allen deutschen Staaten verzögert zu haben. Bis zum Jahre 1809 war es keinem Juden gestattet, sich innerhalb der sächsischen Grenzen niederzulassen, ausser in den beiden grossen Städten Dresden und Leipzig. Der Leibzoll wurde hier erst 1813 aufgehoben. Den Leipziger Juden war bis 1814 nicht einmal die Anlegung eines Friedhofes gestattet. Erst 1834 wurden die Juden zu den Handwerken zugelassen, 1843 zu bürgerlichen Ehrenämtern. Die Gleichberechtigung erhielten sie erst durch das norddeutsche Bundesgesetz von 1869. Bis dahin blieb vor allem die Zuwendung auswärtiger Juden aufs Äusserste erschwert. Etwas besser behandelt wurden die Juden in den kleinen thüringischen Staaten, in denen damals allerdings nur wenige von ihnen lebten. Sachsen-Weimar und Sachsen-Meiningen, deren Namen in der deutschen Literaturgeschichte und Theatergeschichte fortleben, zeigten sich als Kulturstaaten auch in der Judenfrage. Ebenso begannen die Fürsten von Reuss in den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts “versuchsweise“ in ihren Ländchen einzelne “qualifizierte“ Juden hereinzulassen, d.h., solche Juden, von denen Förderung des Gewerbefleisses zu erwarten war. In den Städten Gera und Greiz ist seit Jahrhunderten die Wollweberei ebenso wie im benachbarten sächsischen Vogtlande einheimisch; sie hat auch dort im 19. Jahrhundert durch die Fortschritte der Wollerzeugung und -Verarbeitung einen bedeutenden Aufschwung genommen. Dieser Entwicklung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse verdankt es die Familie Schneider, dass sie auf deutschem Boden Heimatrecht erlangte. In Sachsen erreichte eine seit längerer Zeit betriebene Hetze im Jahre 1836 ihr Ziel: auswärtigen fremden Personen, d.h. der jüdischen Konkurrenz, wurde der Wollhandel untersagt; die erteilten Konzessionen wurden zurückgezogen. Mit Wirkung von Anfang des Jahres 1842 ab wurde sogar allen auswärtigen jüdischen Kaufleuten der Aufenthalt im Königreich verboten. Die Brüder Samuel und Jacob Schneider richteten daher von ihrem damaligen Aufenthaltsort Reichenbach aus an die Regierung des benachbarten Fürstentums Reuss älterer Linie Gesuche um Konzession zur Errichtung einer Wollniederlage in der Landeshauptstadt Greiz; zugleich baten sie aber auch um Aufnahme als “Untertanen“. Zuerst wurden sie abgewiesen, weil kein ausreichendes Vermögen nachgewiesen war. Das war nur ein Vorwand. Denn nachdem die Firma ein Vermögen von 15.000 Gulden nachgewiesen hatte, blieb es gleichwohl bei der Ablehnung, weil, wie der dem Fürsten erstattete gutachtliche Berich der Regierung von 6.5.1841 besagt, “insbesondere wenn die jüdischen Handelsleute Samuel und Reichel zu Untertanen allhier aufgenommen werden sollten, sonst der jüdischen Familien, die einen und denselben Erwerbszweig haben, allhier zu viele werden dürften.“ Die genannten Glaubensgenossen waren eben den Brüdern Schneider zuvorgekommen und suchten den Zuzug der Konkurrenz zu hintertreiben. Schliesslich hatten jedoch weitere Gesuche besseren Erfolg. Am 7.8.1841 wurden Samuel und Jacob Schneider durch einen Erlass der Regierung des Fürsten Heinrich XX zu Preussischen Untertanen und — mit gewissen Einschränkungen — zu Staatsbürgern aufgenommen. Gleichzentig wurde ihnen die Konzession zur Errichtung einer Wollhandlung erteilt. Ihre Nachkommenschaft wurde noch einmal verpflichtet, den erblichen Familiennamen Schneider fortzuführen. Vor allem wurde ihnen aber eingeschäärft, dass “sie und ihre Nachkommen, wegen Religionsverschiedenheit, auch einen Anspruch, Staats- und Communal- Ämter bekleiden zu können, nicht haben, und ebensowenig Mitglieder einer Innung der Handwerker in den hiesigen Fürstl. Landen werden können“. Dagegen haben die beiden Brüder im selben Jahre 1841 auch das Bürgerrecht in der Stadt Greiz erlangt. über den geschätlichen Ruf der Firma Salomo Schneider spricht sich ein den Aufenthaltsgesuchen beigefügten Zeugnis von sächsischen Geschäftsfreunden aus. Am 24.2.1841 bescheinigen neun christliche Kaufleute und Fabrikanten in Reichenbach im Vogtlande, “dass Salomon, Samuel und Jacob Schneider, Vater und Söhne, aus Hirschin, sich während eines Zeitraumes von 18 Jahren, die Söhne in den letzten 10 Jahren, bis Ende 1840 grösstenteils in Reichenbach aufgehalten, Wollniederlagen gehabt und sich sowohl durch Reelität, im Handel als auch ihr solides tadelloses Betragen die Achtung ihrer Geschäftsfreunde erworben haben; diese bedauern, dass die beiden Schneider sich nicht mehr in ihrer Mitte befinden." Salomon Schneider starb am 15.12.1851 in Steingrub. Seine Frau Sara war ihm am 9.3.1851 im Tode voraufgegangen. Der älteste Sohn Samuel starb früh. Danach führte Jacob Schneider von 1852 ab das väterliche Geschäft in Greiz allein weiter, später nahm er seinen Landsmann Schwarz als Teilhaber auf. Im Jahre 1847 heiratete Jacob seine erste Frau Eva Rosa Freund aus dem böhmischen Orte Posteiberg im Bezirk Saaz (geb. 27.7.1821). Ihr Vater Emanuel Freund, der dort ein Getreidegeschäft betrieb, hatte das Vertrauen des in der Umgegend von Postelberg begüterten Fürsten Johann Adolf zu Schwarzenberg (des österreichischen Ministers) gewonnen und war als “Hoffaktor“ oder, wie er wohl auch — ohne böse Meinung — genannt wurde, als “Hausjude“ des Fürsten damit betraut, die Erzeugnisse der fürsterlichen Güter zu verkaufen;. beim Einkauf von Wolle lernte Jacob Schneider die Familie seines späteren Schwiegervaters kennen. Es bestanden übrigens noch andere als rein geschätfliche Beziehungen zwischen der fürstlichen Hofhaltung und dem Hause des jüdischen Hoffaktors Freund. Der kunstsinnige Fürst versammelte in Wien, wie auch auf seinen Landgütern allerhand Künstler um sich und diese fanden bald heraus, dass der Hoffaktor ein gebildeter Mann war und zudem mehrere schöne Töchter besass. Es gab eine Zeit, in der die Künstler im Posteiberger Hause Freund ein- und ausgingen. Zum Dank für die genossene Gastfreundschaft verewigten sie den Hausherrn und seine Töchter in Bildnissen, von denen einige noch in der Famüie erhalten sind. Aus der Ehe Jacob’s mit Eva Rosa gingen fünf Kinder hervor: Thekla, Sigismund, Joachim Leopold, Sidnoie (später verheiratet mit Richard Hirsch in Pilsen) und Siegfried. Bei der Geburt des jüngsten Sohnes starb die Mutter, 36jährig, am 25.7.1857. Jacob Schneider schloss im Jahre 1865 eine neue Ehe mit der Tochter seines Freundes und Geschäftsteilhabers, Anna Schwarz (1823— 1866). Aus dieser Ehe stammt eine Tochter Olga (geb. 11.12.1866). Jacob starb am 27.9.1884 in Greiz. Mit ihm erlosch die Firma Salomo Schneider. Von Jacobs Söhnen blieben Joachim Leopold und Siegfried unverheiratet. Nur der Älteste Sigismund (1849—1913) pflanzte den Familiennamen fort. Er besuchte bis 1867 das Gymnasium in Greiz, dann die Handelsschule in Gera, und genügte von 1869—1870 seiner Militärpflicht als Einjährig-Freiwilliger, zunächst beim 2. Garde-Regiment zu Fuss in Berlin, dann beim 7. Thüringischen Infanterie- Regiment Nr. 69. Mit diesem Regiment nahm er am Deutsch-Französischen Kriege (1870/71) 'teil, wurde in der Schlacht bei Beaument, die zur Einschliessung der französischen Armee in der Festung Sedan und zur Gefangennahme des Kaisers Napoleon III. führte, durch einen Schuss in den Oberschenkel schwer verwundet und infolgedessen im November 1870 aus dem Heeresdienste entlassen. Er hat später seinen Kindern von seinen Erinnerungen an Kaiser Wilhelm I. und an den General-Feldmarschall von Moltke, die auf dem Schlachtfelde die Verwundeten besuchten, oft erzählt. Nach dem Kriege erhielt Sigismund seine kaufmännische Ausbildung bei einem Bruder der Stiefmutter in dessen Tuchhandelsgeschäft in Prag, ging aber dann zum Bankfach über. Diese Tätigkeit führte ihn nach Wien, wo er im Mai 1873 den “Wiener Krach“ erlebte, nämlich den Zusammenbruch zahlreicher Aktiengesellschaften infolge des “Gründerschwindels“; dann nach Lüneburg und gegen das Ende der siebziger Jahre nach Berlin. Hier arbeitet er erst bei der Dresdner Bank, dann als Teilhaber der Firma Albert Samson, und schliesslich als Prokurist der Preussischen Pfandbriefbank, die er im Jahre 1908 verliess. Er starb 1913. Aus seiner Ehe mit Ida Auerbach (1864—1919), aus einer seit 1654 in Vreden in Westfahlen ansässigen, später in Köln wohnenden Familie, gingen 3 Kinder hervor: Doris (geb. 1.9.1889), Charlotte (geb. 13.12.1891) u. Georg (geb. 1.9.1894). Charlotte wurde im Jahre 1916 meine Frau; ich verlor sie 1923. Sie ist auf dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde in Berlin- Weissensee bestattet. Der Gedanke an ihr fernes, für uns Ausgetriebene unerreichbares Grab, mag uns an die vielen unbekannten Vorfahren erinnern, für die ihre Austreibung die schwerste Heimsuchung vor allem deshalb bedeutete, weil sie ihnen die Möglichkeit nahm, an den Gräbern ihrer Lieben zu beten. I I! /^nü j u?br> I Ob es Briss ist, oder Chuppe, | Lieber Freund, das ist ganz schnuppe, | Du musst dich an Tchelcth wenden, | dort bist Du in besten Händen. | Denn das Fest im Tcheleth - Saal | ist erfreulich allzumal. | „TCHELET" | TEL-AVIV, SHEINKINSTB. 59. * TEL. 22 05 45 I I I I I I I \ \ I 1 I I I I ALLE NEUERSCHEINUNGEN LIEFERT LANDSBERGER TEL-AVIV, BNE JEHUDASTR. 9. TEL. 563 30 SPEZIALABTEILUNG FÜR DEUTSCHES ANTIQUARIAT AN- UND VERKAUF ZU GÜNSTIGEN PREISEN 7