Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1977
- Issue
- No. 41 (April 1977)
- Date
- 1977-04-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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„Jom Choschech we Or" Merkblatt für Pessach Im Kriegs-Jahr 1941 für die jüdischen Gemeinden in Deutschland HERAUSGEGEBEN VON DEM OBER-RABBINER DR. JOSEPH CARLEBACH, HAMBURG Im Nachstehenden bringen wir ein trauriges Erinnerungskapitel, das wir von der Tochter des mit seiner Familie in Riga umgekommenen unvergessenen Ober-Rabbiners Dr. Joseph Carlebach, Frau Mirjam Gillis geb. Carlebach erhalten haben, die in Israel Im Begriff Ist, ein Buch über den Lebensgang ihres grossen Vaters herauszugeben. Folgende Anweisungen sind von Ihm gegeben worden: Wenn ln diesem Jahre und nur für dieses Jahr Sonderbestimmungen für das Pessachfest getroffen werden, so wisse jeder, dass eine Kulah (Erleichterung) nur unter dem Zwange der Umstände zulässig, dass sie dann aber auch berechtigt ist. Milch bevorzugt werde Condensmilch. Wo diese nicht zu erhalten und Milch nicht entbehrt werden kann, soll die gewöhnliche Milch vor dem Aufkochen durch ein dichtes Tuch durchgeseiht werden. Butter möglichst in fabrikmässlger Verpakkung. Vor dem Gebrauch soll die Butter ca. 10 Minuten in einem besonders dafür bestimmten Gefäss gewässert werden. Fette, die sonst zugelassenen Margarinen und Hartfette nehme man in fabrikmässlger Verpakkung. Wo man nur angeschnittene Stücke erhalten kann, ist mit einem Faden die oberste dünne Schicht der Schnittfläche zu entfernen und das Uebrige dann ebenfalls kurz zu wässern. Pflanzliche Oele sind nur in geschlossenen Blechkanlstem, oder fabrikmässig geschlossenen Flaschen zu verwenden. Quark wird am Pessach nur für dringende Fälle und Frauen zugelassen. Zucker, hier sei man besonders vorsichtig. Feinzucker nur in fabrikmässlger Verpackung zu nehmen, wo nicht erhältlich ist brauner Rohzukker, oder Würfelzucker in Paketen, zu verwenden. Die Zuckerraffinerie, Tangermünde, FR. Meyer, Sohn A.G. stellt diesen (Raffinade) in Packungen her. Kartoffelmehl und Salz, nur der Packung der Fabrik entnehmen. Gewürze, nur in fertigen Fabrikpackungen, wo nicht erhältlich, nur ganze Gewürze kaufen und selbst mahlen. Kako, Tee nicht lose, nur in fabrikmässlger Verpackung. Kaffee ungemahlen kaufen, vor Pessach verlesen, mit trockenem Tuch abreiben und in eigener jontefdicker Mühle mahlen. Getrockenete Früchte (Backobst) war sonst Brauch an Pessach nicht zu verwenden. Man nehme sie nur, wenn Frischgemüse und frische Früchte nicht erhältlich sind. Getrocknete Pilze, sowie Dörrobst sind dann vor Pessach auf feinem Durschlag gründlich kalt zu waschen und gut zu trocknen. Konserven wie Spargel, Karotten u.s.w. (Keine Erbsen) kann man nur für Kranke und in dringenden Fällen erlauben. Ebenso Fruchtkonserven, jedoch für den 8. Tag Pessach sind sie allgemein zulässig. Besonders gilt folgender Fingerzeig: Man hüte sich vom dem Kleineinkauf zu Pessach, weil an allen Gefässen und Waagen Spuren von Chomez anhaften. Alle Einkäufe in Kolonialwarengeschäften sind vor Pessach zu machen: Für Säuglinge und Kleinkinder als Zusatz zur Flaschenmilch nehme man möglichst Kartoffelmehl zu einem dünnen Brei gekocht. Sind auf ärztliche Anordnung Reis, oder Maispuder (Mondamin) nicht zu entbehren, so verwende man ebenfalls nur fabrikmässige Packungen. David Hoffmann s.A. empfiehlt in solchen Fällen den Reis erst in kochendem Wasser abzubrühen und dann einen Reisschleim daraus zu kochen. Zum Kochen müssen besondere Gefässe verwendet werden, die für andere Zwecke nicht benutzt werden dürfen. Anhang: Räucherfische: David Hoffmann erklärt in seinem Buch, dass für den Fall von Fleischnot an Stelle Räuchertorfische am Pessach erlaubt sind, wenn man vorher die Haut entfernt. Anstelle desSeraua (Knochen) amSederkann man auch Fisch oder was anderes verwenden. Das Ober-Rabbinat von Hamburg Nachbemerkung der Redaktion: Viele unserer Leser werden sich wundem, dass wir dieses Merkblatt überhaupt in unsere Zeitung aufgenommen haben. Wir halten dies aber als ein historisches Dokument das von dem rührigen und allgemein beliebten Ober-Rabbiner Dr. Joseph Carlebach herausgegeben wurde, in einer Zeit, in der die Deportation vor der Türe stand. Die Möglichkeit auszuwandern, hat er ausgeschlagen und erklärt: Ich gehe mit meiner Gemeinde mit, wohin sie auch verschlagen wird. Er hat diese Einstellung mit seinem und dem Leben eines Teils seiner Familie bezahlt. Es ist als Kadosch (Heiliger) in die Geschichte eingegangen. Soeben ist im Verlage Bronfman, Tel-Avlv, ein neues Buch aus der Feder der uns bestens bekannten Schriftstellerin Dr. Ester Rabin erschienen. Es trägt den Titel: “Jom Choschech we Or” (Ein Tag der Finsternis und des Lichtes) und gibt ein interessantes Kulturgeschichtliches Bild von dem Leben des jüdischen Volkes im Lande Israel u. in der Golah in der Zeit des Bar-Kochba- Aufstsandes. Die Erzählung beschreibt in 2 Bänden die Erlebnisse eines Liebespaares in Freud und Leid. Josef und seine Braut Rachel werden durch ein hartes Geschick auseinander gerissen und aus der Heimat Modi’in nach Laodikea in Mesopotamien geführt. Eine Gruppe der Bürger aus Modi’in ist in Folge eines Aufstandes gegen die Römer von diesen gefangen genommen worden. Josef folgte ihnen mit einem Freunde, um die Befreiung der Gefangenen zu erreichen. In den vielen Wirrungen, die mit der Befreiungsaktion verbunden sind, entwickelt sich vor uns das Leben der Juden in der Golah, die Grausamkeit der Römer-Herrschaft und die Seelenkämpfe des Helden, der vor der Frage steht: Sollen die Gefangenen mit Waffengewalt aus ihrem Kerker befreit werden oder durch den Übertritt zum Christentum, dessen Missionäre bereit sind, sie in die Freiheit zu führen. Die Tronbesteigung Hadrians bringt das Wunder, die Befreiung politischer Gefangener, und damit die Heimkehr des Liebespaares in die Heimat der Väter. DIE REDAKTION BAR KOCHBA MAKKABI — DEUTSCHLAND 1898—1938 Im Aufträge der Vereinigung ehemaliger Barkoch - baner - Hakoahner herausgegeben von Dr. Robert Atlasz / Tel-Aviv Der Verfasser hat es als eine Verpflichtung empfunden, Festzuhalten und Kunde zu geben von allem, was in Jener Epoche die Herzen dieser Sportler höher schlagen liess. Unter Benützung vorhandenen Materials von Dr. Richard Blum, und auch unter Mitwirkung bewährter Sportfachleute wie Mautner, Lewinsohn, Rosenberg, Hanak, Raban, Fisher, Gabriel-Wolf ist hier ein Werk von geschlichtlicher Bedeutung entstanden. Jüdischer Sport in allen Facetten seiner Pflege wird in diesem “Sport-Atlasz” aufs Eingehendste und Liebevollste analysiert. Ein Tor tut sich hier auf auch für alle die, die am Sportleben unbeteiligt waren. Besonders interessant lesen sich auch die Kapitel von den Makkabi-Verelnen im damaligen Deutschland, ausserhalb Berlins, z.B. von München, Nürnberg, Köln, Breslau und anderen Grosstädten, und deren Leistungen. Es fehlen nicht Tabellen, Listen, Berichte über Sportfeste, Turnwesen, persönliche Erinnerungen usw. Zusammengefasst findet sich in 17 ausführlichen Kapiteln ein Kaleidoskop, wertvollen Materials jüdischen Sportgeschehens. Der Verfasser ist allen erdenklichen Spuren nachgegangen, der Leser erlebt alles aufs Neue oder empfindet nach, was er nicht kannte und wusste. Jawohl, das alles gab es einmal und wir können stolz sein auf diese Fakten! Auch Fesselnde Bilder geben Zeugnis von all diesem Sport-Geschehen. Ein Anhang ist — in etwas gekürzter Form — in hebräischer Sprache beigefügt, damit auch die Kreise in Israel, die nicht die deutsche Sprache verstehen, darüber informiert werden, dass der Sport der Juden in Deutschland ein wichtiger Begriff war, nicht wegzudenken aus damaligem jüdischem Leben. Auf alle Fragen einschlägiger Art erfolgt sozusagen eine umfassende und klare Antwort. Dieser “Atlasz” ist buchmässig geschmackvoll ausgestattet. Man wünscht dem Verfasser hohe Auflagen. J. S. ERMÜDUNG VON CAESAR FLEISCHLEN Lass nicht die Arme sinken, so gross das Gezerr! Du hast es noch immer gezwungen Und wirst auch diesmal Herr. Wenns andere leichter sich machen, Du bist nicht sie. Und Helfer zu Deinen Zielen Hattest Du nie. Du hast noch immer fast alles, Bezahlt weft über den Kauf, Lass es Dich nicht verdriessen, Sei stolz darauf. Und was Du selber gegeben, War immer wohl mehr. Als auf der Waage gewogen Nötig gewesen wär. Doch ohne Opfer und Einsatz Von Herz oder Hand Kommt auf der Welt Überhaupt kein Wert zustand. Es gibt eben zweierlei Menschen Und zweierlei Mass, Ein Baum will Früchte tragen, Und Gras bleibt Gras. — Lass nicht die Arme sinken, So gross das Gezerr. Du hast es noch immer gezwungen Und wirst auch diesmal Herr. 16