Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1977
- Issue
- No. 41 (April 1977)
- Date
- 1977-04-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Dr. phil. und Dr. jur. LUDWIG COHN Lektor für Blindenkunde an den Universitäten Breslau und Prag. 1877 bis 1977 Der bekannte hochangesehene und ausserordentlich beliebte Dr. Ludwig Cohn ist am 22.2.1877 ln Marklissa, Kreis Lauban, in Schlesien, geboren und gehörte zur jüdischen Gemeinde Görlitz. Erblindet im 7. Lebensjahr, besuchte er die interne Schule in der Blindenanstalt, Leipzig, wo er alles Blindenhandwerk erlernte. Sein Lebensweg ist so umfangreich und in einem unermesslichen Aufstieg gekennzeichnet. Sein starker Wille, sein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, hat ihn zu diesem grossen Mann gemacht, der Unendliches für die Blinden leistete. Nach Abschluss des Gymnasiums in Lauban, Universitätsstudium Philosophie - Nationalökonomie und Jura wurde er 1903 zum Doktor phil. ernannt. Als Vortragender und Journalist war er Fachmann im Blindenwesen und Blindenausbildung. 1910—33 wohnhaft in Breslau, war er Dozent an der Humboldt Akademie '— Blindenfürsorger der Provinz Schlesien, Gründer der schlesischen Blindenbibliothek und des Arbeitsbeschaffungsamtes für Blinde in Breslau. Als Logenbruder bereiste er ganz Deutschland und seine Vorträge waren immer überfüllt. Er promovierte in Breslau als Dr. jur. im Jahre 1923 mit der Dissertation “Der Blinde im Reichsrecht”. 1933—1940 war er in Prag Fürsorger und Berufsberater, 1940—43 aus Prag geflüchtet nach Amsterdam, von wo aus deportiert nach Westerborg, Bergen-Belsen und zuletzt nach Theresienstadt, wo nach dem unmenschlichen Transport seine Frau gestorben ist. Verwandte und Freunde standen ihm bei. Wieder zurück nach Holland. 1945—62 Wohnsitz Rotterdam, von wo er im Jahre 49 durch Regierung, Malben, Joint zum Aufbau des Blindenwesens nach Israel gerufen wurde. 1951 gründete er die Zentral-Bibliothek in Natania, die seinen Namen trägt und die seit Beginn bis heute unter der bewundernswerten Leitung von Mrs. Chaja Boehm steht, die damit für ihr Schaffen sich selbst ein Denkmal gesetzt hat. Am 22,2.1957 hat die Hollandia-Loge, Den Haag, mit Beihilfe der Distrikt Gross-Loge des Bnej Brith Ordens in Zürich, anlässl. seines 80ten Geburtstages, seit 42 Jahren Mitglied des Ordens, und Ehrenmitglied der Hollandia Loge, seine Biographie als Buch herausgegeben. "EIN WEG ZUM GLÜCK” Selbst gegangen und dargestellt die grossen Verdienste, die dieser einmalige Mann zum Nutzen der Blinden, besonders ln Israel, sich erworben hat, hier hervorzuheben. Am 22. April 1962 starb er kurz nach seinem 85ten Geburtstag. Sein Sohn Rudi Cohn wohnt in Rotterdam und stehen wir mit ihm in Verbindung. All das hätte der grosse Mann nicht leisten können, wenn er nicht in Israel und insbesondere in Natania sich einen Stab von freiwilligen Helfern und Mitarbeitern erzogen hätte, die mit Hingabe und grosser Opferbereitschaft sein Werk fortsetzen. Absichtlich bringen wir hier nicht die Namen der Mitarbeiter, damit wir keinen vergessen. Jeder dieser Helfer, die in allen Schichten der Blindenfürsorge tätig sind, fühlt den Dank der vom Leben nicht gerade Begünstigten. Wir erinnern uns gut, dass bei Vorträgen von Dr. Ludwig Cohn in den grossen Sälen von Breslau, kein Platz zu finden war. Sein Andenken lebt in seinem Werke fort. Es ist uns unmöglich im Rahmen der Zeitung Verband ehemaliger Breslauer in Israel In Memoriam Irma Rau Passender können wir dieser bescheidenen Persönlichkeit nicht gedenken, als wenn wir an den grossen Artikel über Dr. Ludwig Cohn diese Zeilen anschliessen. Irma Rau wurde 1905 in Breslau als Tochter des Dozenten am Rabb. Seminar, Saul Chaim Horovitz geboren. Sie hatte eine traditionelle und allgemeine Bildung genossen und ihr juristisches akademisches Studium abgeschlossen. Nach der Machtübernahme der Nazis kam sie zur Alijah und fand ihren Aufgabenkreis in dem damaligen Anwaltsbüro Dr. M. Smolra und Felix Rosenblüth (heute Pinchas Rosen). Dort lernte sie auch ihren Ehemann, Arthur Rau, kennen, einen bedeutenden Juristen, der später Organisator der Rechtsabteilung der Bank Leumi wurde. Schon im Eltemhause hat sie sich für die Blinden stark interessiert, hat die Brailleschrift gelernt, um Blinde darin zu unterweisen. Hier im Lande hat sie ihre ganze Kraft und Energie ehrenamtlich für die Blindenfürsoge eingesetzt. Sie wirkte im Stillen, ihr Haus war ein Treffpunkt der Blinden. Sie sorgte für Tonbandgeräte und Braille-Schreibmaschinen. Wir konnten am Jom Haschloschim .(dem 30ten Tag nach ihrem Ableben) in einer bekannten Schule In Tel-Aviv die neuesten Maschienen verschiedenster Art bewundern, die sie, meistens von ihrem eigenen Geld, ins Land brachte, und die den Blinden zur Verfügung stehen. Sie hat ein 15 bändiges Wörterbuch für Blinde, englisch - hebräisch, herausgegeben, ohne Nennung ihres Namens. Durch ihre Initiative ist das vorerwähnte Buch “Ein Weg zum Glück” von Dr. Ludwig Cohn, ins hebräische übersetzt worden. Für uns Blinde war Irma Rau schon zu Lebzeiten zu einer Legende geworden und sie wird unvergessen bleiben. Entnommen aus dem Artikel von Jerucham Tolkes, dem bekannten blinden Gelehrten. BEREITSEIN wenn die Sonne sich neigt und noch einmal mit ihrem Glanz über die Dächer streicht sehen die Fensterscheiben wie Spiegel in dem versinkenden Licht die Menschen auf den Wegen achten darauf nicht nur wenn man schaut hindurch — hinunter gehen alle in dem Wirbel der Strasse unter doch ich erblicke eine Frau, sie trägt nicht nur Kuchen In ihrer Hand ihre Seele zu den Blinden fand zu helfen zu lösen wie gestrandete Schifflein von ihrem Leiden möchte sie ihnen ein wenig Freude bereiten in dieser Dämmerung möchte ich es an alle Häuser und Laternen schreiben stets soll es uns mahnen und in Erinnerung bleiben still und fein mahnte auch sie mich — schliesse Du auf eine kleine Weile Deine Augen zu dann weisst Du allein was es heisst — blind zu sein. ERNI GOLDSCHMIDT, Tel-Aviv Das auf Seite 3 besprochene Buch von ANNI LOEWENSTEIN “Länder und Leute” ist zum Preis von IL 18.— plus Mehrwertssteuer in folgenden Geschäften zu haben: in Tel-Aviv: Buchhandlung Landsberger, Ben Jehudastr. 7 Buchhandlung A-B-C, Allenbystrasse Freyhan, Ben Jehudastr. 60 Dr. Lichtenstein, Schenk! nstr. 12 in Ramat-Gan: Ilse Blumenfeld, in Jerusalem: Ludwig Mayer, Schlom Zion Hamalkastr. Heatid, Chawazeletstr. Friedmann, Ben Jehudastr. 1 Die Botschaft der Bundes Republik Deutschlands in Tel-Aviv hat durch ihren Botschafter, Dr. Per Fischer, eine grössere Summe als Spende zur Erhaltung unseres Verbandsblattes, aus freien Stücken beigetragen, wofür wir auf diesem Wege nochmals unseren herzlichsten Dank aussprechen. VERBAND EHEMALIGER BRESLAUER IN ISRAEL ALLE NEUERSCHEINUNGEN LIEFERT LANDSBERGER TEL-AVIV, BNE JEHUDASTR. 9. TEL. 5 63 30 SPEZIALABTEILUNG FÜR DEUTSCHES ANTIQUARIAT AN- UND VERKAUF ZU GÜNSTIGEN PREISEN 17