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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1977-04-01 · No. 41 (April 1977) · p. Seite 4

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1977
Issue
No. 41 (April 1977)
Date
1977-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Geschieh i ite und... Ges chichten Von JAMES YAAKOW ROSENTHAL, Jerusalem Was macht die bescheidenerweise "Mitteilungen” betitelte, Zeitschrift des “Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel” so allgemein fesselnd, auch für Juden ohne unmittelbare Wurzeln in Breslau oder sonstwo in Schlesien? Ich meine die Symbiose zwischen Menschlichem, ohne Selbstlob oder Sentimentalitäten und weitgespanntem Sachrahmen, und zwischen Gedenken, ohne Versinken in Vergangenheit, und jenem, dem ostdeutsch-jüdischen Stamm von eh und je eigenen Rudertrieb neuen Stationen entgegen, mit liebevoller Nutzung Eigentumgewordenen guten Erbgutes. Hinzu kommt, dass die Zeitschrift nicht „retrospektiv provinziell” ist, dJi. in ihren Sujets und Mitarbeitern gern auch über die Grenzen jenes Wurzelgebietes und seines Hauptortes hinausgreift. Und wenn man hinzunimmt, dass der Redakteur nicht eben nur Redakteur, sondern ... einfach alles ist und ganz gewiss kein Journalist, — so ist das Gebotene und nicht zuletzt die Jahrelang gewahrte Kontinuität zumindest eindrücklich und denkenswert. Wie kann man das Gesagte glaubwürdig machen? Indem man, zumal als "Mann vom (Presse) Bau” auf das Gelesene reagiert. Und das geschieht hier in Freundschaft, zumal auch ich zu Breslau doch einige, räumliche wie seelische, "Tuchfühlung“ hatte: Zu unseren uns nächststehenden Verwandten gehörten “Hut - Rosenthals” vom Blücherplatz (Wohnung: Räuschestrasse), mit Plätzen im "Storch”, und da machte ich, noch Gymnasiast, die schöne Bar Mizwa-Feier des Sohnes (jetzt Sydney) mit und lernte dabei die beiden Männer kennen, die Thora-Erziehung formten und lebten: Die Rabbiner Dr. Moses Hoffmann und Dr. Max Simonsohn s.A. deren Bundesbruder (B.J.A.) mir später grosse Genugtuung bereitete. Zunächst gehe ich sehr gern in die “mischpochologische Falle”, die mein treuer Jugendfreund, Kollege, Bundesbruder und Lebensweg- Genosse, Mordechai Noy auf S. 11 der Rosch Haschana Ausgabe, ln seinem Aufsatz über R’ Akiba Eger, gestellt hat: Noy lässt Eger, wenn auch in diplomatischer Redeweise ("Als Rabbiner”) unmittelbar von Breslau nach Märkisch- Friedland übersiedeln. Das verschleiert das Lebensbild. Schon 1780, erst 19 Jahre alt und doch schon ein reifer, ■ Gelehrter, Forscher und Menschenbildner, siedelte Eger nach Llssa über, damals und auch noch später eine wahre Muttergemeinde des ostdeutschen Judentums und noch eine ganze Zeit judenreicher als selbst Berlin. Dort erwuchs ihm eine grosse Familie und ein lichtvolles Lehrzentrum, mit ihm als Haupt, und dort wurde er zum Responsen-Brennpunkt der jüdischen Welt, damals vielleicht der “Thronerbe” des grossen Rabbi Elijahu, “Gaon von Wilna”. Erst 1791 folgte er dem Ruf auf den Rabbinatsstuhl von Märkisch-Friedland, mehr nolens als volens, wahrhaft der Not gehorchend, denn er war in Lissa plötzlich ganz verarmt und sein Haus abgebrannt. Noy fragt nach Bleichrodes Verbindung mit Eger. Dr. Isidor Bleichrode, zu unserem Stolz auch er unser Bundesbruder, aus Stettin stammend, 1868 geboren, war ein Urenkel Egers. B. war einen grossen Teil seines Lebens in Berlin — Absolvent des Rabbiner-Seminars, wahrhaft begnadeter Lehrer, Leiter einer Religionsschule der Jüdischen Gemeinde, später Gemeinderabbiner, Dozent an der "Freien Jüdischen Volkshochschule’” für Erwachsenenbildung, hochangesehener Philologe, Herausgeber eines s.zt. sehr beliebten “Siddur für Schule und Haus” (mein Vater s.A. hielt ihn in seinem Synagogenpult und erachtete ihn als seinen Andachtsleitstern), samt seinem Freund und Studienkollegen Dr. Josef Wohlgemuth s.A., Herausgeber und Teilübersetzer einer modernen, in der Ueberlieferung wurzelnden Bibelübersetzung, die dann, 1914, als “Kriegsbibel” für jüdische Soldaten neugestaltet, sehr populär wurde. Vorzeitig, in voller Rüstigkeit, trat er 1930, zum Schmerz von Gemeinde und Schülern, in den Ruhestand, verwirklichte seinen, wahrhaft “parteilosen” Lebenstraum, und siedelte nach Jerusalem über, wo er noch etwa 20 Jahre, von viel Liebe — zumal nach 1933 seitens ehemaliger Schüler, die ihm dann hierher gefolgt waren — umgeben, stets lernend, auch lehrend, in Frohsinn und Bescheidenheit allgeachtetes Vorbild. (Es sei mir gestattet zu bemerken, dass er, auf unsere Bitte, auf allseits generationsaiter Freundschaft fussend, hier unser Messader Keduschim war.) Ein Enkel Egers war Abraham Mosche Bleichrode, der 1862 in Berlin Egers Glossen zu “Orach Chajim” und “Joreh Deah”, im Rahmen der Herausgabe des gesamten Glossariums von Eger zum “Schulchan Aruch”, herausbrachte. Bei dieser Gelegenheit eine Bitte an die Redaktion: Auf der gleichen Seite erscheint ein Bericht: "Eger-Feier in Märkisch Friedland”aber leider ohne Quellenangabe und Datum von Feier und ursprünglicher Berichts-Publikation. Es wäre gut, das nachzuholen. Und in gleichem Zusammenhang — Jizchak Pragers Briefe sind in Jedem Betracht sehr gute historische Dokumentation, ebenso wie, in der früheren Ausgabe Briefe von Kisch, Professor Guido Kischs Vater, 10 Jahre vor Pragers Briefen geschrieben. Aber bei Prager fehlt eine Essentiale: Wohin schrieb er, woher stammte er, wo wohnten die Angeschriebenen, dii. seine Eltern? Wes Geistes Kinder waren sie? Anscheinend doch Thorabewandert, denn sonst hätte der Sohn kaum sein Herz über Änderung der Nuancen im Halacha-Lernen (z.B. Acharonim, Pilpul statt Sacharja Frankels Rischonlm - Durchleuchtung) ausgeschüttet. (Nebenbei bemerkt: in Kassel gab es keinen “Ober- Rabbiner”, sondern der Titel des für das sogenannte “Hessen-Kassel” bezw. “Kur-Hessen” zuständigen Haupt-Rabbiners war “Land-Rabbiner”, wohl entsprechend dem “Landgraf-Titel” des Landesherrn, dem erst relativ spät auch “Hessen- Hanau” und “Hessen-Homburg” zufielen, die eigene Rabbinate behielten). Und nun zu etwas, ich glaube einzigartig, gerade weil wohl unfreiwillig, heiterem: Herr Martin Schüftan in Florida “berichtet Historie” über “Juden in Carlsruhe 0/S.” Da ist eine ernste Zeitschrift einer “Purim-Taure” aufgesessen (wenn der Verfasser einen König “In Zores” kommen lässt, darf ich wähl “Taure” schreiben...): Der “König von Württemberg” hatte in Oberschlesien “sein Herzogtum”? Sieh und staune! Doch weiter, im Kampfe voran: “Die Plasten Herzoge aus Oppeln waren nahe daran, ihn im Kampfe zu vernichten. Und all das wann? “Um 1820 herum.” Oh Saus und Graus! Und das kann kein Schreibfehler sein, denn es ist ja vom "König” von Württemberg die Rede und den gabs erst seit der Rheinbund Gründung, 1806. Und 1820 herrschte in ganz Mittel-Einopa tiefer Frieden, und Schlesien (ausser den 1763 bei Habsburg gebliebenen kleinen Grenzgipfeln) gehörte voll und ganz zu Preussen, ohne dass Württembergs König dort “sein”, oder auch nur ein, “Herzogtum”, hatte, also auch keinen Krieg führen konnte. Und dann der grösste Sprung über die Zeiten: Die Piasten Herzöge in Schlesien starben... 1675(!) aus, also 145 Jahre vor jenem “Angriff” der dem (Sagen) König “Zores” machte. Na, schon “um 1820 herum” wurde wohl kein vernichtungsdrohender Angriff in Mittel- Europa mehr “mit Knüppeln, und noch dazu siegreich, zunichte gemacht.” Und wenn man mir nicht glaubt: gern füge ich mich einem Gutachten meines von mir menschlich wie in Geschichte der Juden hochgeachteten alten Freundes, Dr. Dr. Bernhard Brilling... Nun noch eine Anregung: Das letzte autoritative Oberhaupt des “ostelbischen” deutschen Judentums vor dem ersten Weltkrieg war der Posener Ober Rabbiner Dr. Wolf Feilchenfeld s.A. — dessen beinahe einzigartige Rolle, als Brücke zwischen Zeitaltern und zwischen West und Ost, als Vorbild, Lehrer und in gewissen Sinne, auch metahalachischer Volksführer, Wahrer und auch Schöpfer von Tradition, sehr wohl darstellungs- und würdigungswert ist. Binnen kurzem jährt sich zum 150. Mal sein Geburtsdatum. Beim 100. war das Jüdische Posen zusammengeschrumpft, und sein grosser Nachfolger, Dr. Jacob Freimann, s.A., sass schon “auf gepackten Koffern” und wurde bald darauf Rabbiner und Rosch Beth Hadin unserer Berliner Jüdischen Gemeinde. So fand die Hundertjahrfeier in der Berliner “Alten Synagoge” Heidereuter Gasse, statt, denn dort war damals das neue “Zelt” des im besten Sinne klassischen Posener Judentums. Also — auf zur Ehrung des Andenkens und der Durchleuchtung des vitalen Erbes von Feilchenfeld. Zum Abschied von den Spalten der Zeitschrift lassen Sie mich, was ich zu bemerken hatte, dem Andenken meines guten, bewährten Freundes, Kollegen und vorbildlichen Benei-Brith-Ordensbruders Martin Bielski s.A. widmen, der unser öffentliches Leben bereichert und durch sein allzufrühes Hinscheiden viel, viel ärmer gemacht hat. BRIEFE AUS DEM BRESLAUER I RABBINER SEMINAR Auf verschiedene Anfragen bezgl. der Eltern der in Nr. 39 u. 40 geschriebenen Briefe von Isaak Prager aus dem vorigen Jahrhundert, ist zu bemerken: Der Vater von Isaak Prager, dem späteren Rabbiner von Kassel, war Joseph Prager. Die Briefe sind an seine Eltern nach Lendzin gerichtet, ein Oberschlesisches Dorf, dicht an der polnischen Grenze, Kreis Berun, bei Myslowitz (an der 3 Kaiser Ecke). Der Vater Joseph Prager war ein einfacher, aber im jüdischen Schrifttum wohl bewanderter Jude, der einen kleinen Ausschank und Waren Laden betrieb und im Dorf grosses Ansehen genoss, was aus d. Schrift d. Grabsteins auf d. Friedhof in Alt Benin zu ersehen ist. Die Mutter entstammte einer in Oberschlesien wohlbekannten Rabbiner Familie Fernbach. Unser hochgeehrtes Mitglied, Dr. Joseph Prager, Haifa, ist also der Enkel von Joseph Prager von Lendzin. Wir freuen uns, dass wir den Anfragen unserer Leser diesbegl. nachkommen können und wünschen in diesem Zusammenhang unserem, weit über 90 Jahre alten Mitglied, Dr. Joseph Prager, weiter dieselbe Spannkraft in körperlicher nnd geistiger Beziehung. VERBAND EHEMALIGER BRESLAUER IN ISRAEL 4

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