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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1977-04-01 · No. 41 (April 1977) · p. Seite 5

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1977
Issue
No. 41 (April 1977)
Date
1977-04-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Von der Erneuerung der Tage Es Ist ein schöner Zug unserer jüdischen Religion, dass wir G”tt um die Erneuerung unserer Tage bitten: “chadesch jamenu kekedem”! Erneuere unsere Tage wie ehemals. Es muss also unseren Altvorderen von altersher klar gewesen sein, dass das Leben nicht in einem dauerndem besteht, sondern in einem ewigen Neuwerden. So muss das Samenkorn zugrunde gehen, wenn die Aehre sprlessen soll. Das Neuwerden ist nur durch das Absterben des Alten möglich. Leben ist ein ewiger Prozess von Sterben und Neuwerden. Goethe hat es mit den schönen Worten ausgedrückt: "Aber wenn du das nicht hast, Dieses Stirb und Werde, Bist du nur ein trüber Gast Auf der alten Erde.” Wenn jemand ein neues Kleidungsstück trägt, sagen wir ihm nicht: trag’s in Gesundheit, sondern: “titchadesch” - werde ein Neuer; denn wir wissen, dass nur in diesem Neuwerden alle Entwicklungsmöglichkeit auf Erden liegt. Auch sagt das Sprichwort: meschaneh makom - meschaneh masal, Aenderung des Platzes - Aenderung des Schicksals. Nun aber ist aber dieses Neuwerden — eben durch das Absterben des Veralteten — gar oft ein schmerzhafter Prozess. Und darum wehrt sich die Sucht nach Beharrung gegen die Strapazen des Neuwerdens und versucht mit aller Gewalt, das Alte zu erhalten, im alten Schlendrian fortfahren zu können. Diese Sucht nach Beharrung ist oft eine grosse Gefahr. So heisst es am Ende von “Wallensteins Lager” von Schüler. "Und setzt ihr nicht euer Leben ein, Nie wird auch das Leben gewonnen sein”. Aber das Leben einzusetzen ist eine gefährliche, eine riskante Sache, und gar zu gern verzichtet der Mensch auf die Neugewinnung des Lebens, wenn er damit die Gefahr, das Risiko des Neuwerdens umgehen kann. Nur weiss man nicht immer, ob nicht der alte Schlendrian im Grunde gefährlicher ist als der Einsatz des Lebens. Gerade wir Ueberlebenden der Judenkatastrophe im dritten Reiche haben gesehen, wieviele kluge und reiche Brüder in Deutschland, die also die Möglichkeit gehabt hatten, sich rechtzeitig vor den deutschen Judengreueln zu retten, aus Beharrungsbedürfnis in Deutschland blieben, bis man ihnen ihr Vermögen wegnahm und sie schliesslich nach Auschwitz in die Gaskammer deportierte. Wir wissen alle sehr genau, dass die Auswanderung in ein fremdes Land eine sehr schwere und oft opferreiche Angelegenheit ist, die häufig lange Zeit grosse Verzichte erfordert und schwere Anstrengungen körperlicher und geistiger Art. Es ist und bleibt ein grosses Risiko, vor allem, wenn man über die erste Jugendfrische bei der Auswanderung schon hinaus ist. Manch einer mag auf dem Wege das Liedchen vor sich hinträllem: Marlborough s’en vat-en guerre... Hier Zulande waren es sogar vier Kriege, denen wir entgegenzogen. Von der Mühsal des Geldverdienens zu schweigen. Das alles war für die Juden, die in bestehende, grosse, christliche Länder gingen, leichter, aber immerhin noch mühselig genug. So ist es gekommen, dass die Hälfte der deutschen Judenheit zugrunde ging, trotzdem nur ihnen das Schicksal Jahre lang Zeit liess, sich zu retten. Glücklich waren noch diejenigen daran, die sich wie mein Vetter, der ehemalige Studienrat Willy Cohn krampfhaft einredeten, dass alles harmlos und nicht so schlimm sei und die Deportierten noch 1941 Umsiedler nannten. Diese Gutgläubigen waren zu beneiden, aber sie waren wohl nur in der Minderheit. Die meisten sahen wohl klarer, — als es zu spät war. — "Es kann ja nicht immer so bleiben, hier unter dem wechselnden Mond”. Dieses Liedchen hörte ich schon im Künderzimmer von unserer Kinderfrau. Es ist ein sehr weises Wort: auch im täglichen, zivüen Leben geht es um die Erneuerung der Tage und nicht um ein dauerndes Beharren. Schon mancher ist aus Furcht vor einer unterlassenen Operation zugrunde gegangen, und mancher hat sich durch eine schwere Stunde unter dem Messer des Chirurgen das Leben für weitere Jahrzehnte erneuert. Wer lebt und leben wül, muss dieses Gesetz der Erneuerung der Tage dauernd vor Augen haben, damit er dem Neuwerden gewachsen ist, wenn ihn die Stunde dazu aufruft. Als Schriftsteller kennt man diese Situation besonders gut. Nach jedem Aufhören einer gros- In alter Zeit ist ausser dem Kanon der Heiligen Schrift nur ein einziges Buch schriftlich fixiert worden. Das ist die sogenannte “Fastenrolle” — (Megilat-Taanit), in der etwa 30 Gedenktage an freudige Ereignisse aus der Zeit des Zweiten Tempels festgehalten wurden, z.T. auch noch aus der Zeit nach seiner Zerstörung. Diese Tage sind noch bis ins 3. oder 4. Jahrhundert als Halbfeiertage begangen worden, nach Ansicht des Historikers Graetz, der sich hierbei auf talmudische Queüen (u.a. Rosch Haschana 18,6) stützt. Später erst sind diese Gedenktage — mit Ausnahme von Channuka und Purim — infolge der “Not der Zeiten” ausser Kraft gekommen. Es sei nun die Frage aufgeworfen, ob auch in frühbiblischen Zeiten solche Gedenkdaten existiert haben, wenn man von den eigentlichen Fest- und Fasttagen einmal absieht. Auf den ersten Blick scheint sich hierfür kein Beleg zu finden. Es gibt wohl im Tenach eine Reihe genauer Datenangaben für Ereignisse, allerdings in zwei Perioden, die weit auseinander liegen: In den Büchern der Thora einerseits und vor allem auch in den Schriften der Spätzeit, wie etwa bei denen der späteren Propheten, wie Chagai und Jecheskel, in den memoirenartigen Aufzeichnungen von Nechemia und auch im Estherbuch. Bei keinem dieser Daten allerdings lässt sich irgendeine Bedeutung erkennen, die über das einmalige Ereignis irgendwie hinausführt. Doch scheint es auch hier Ausnahmen zu geben, und die Wiederholung eines dieser Daten scheint auf Spuren eines frühen historischen Bewusstseins hinzuweisen. Der 10. Nissan scheint ein solches Datum zu sein. Im bedeutenden 12. Kapitel des 2. Buch Moses wird dieser Tag recht feierlich als Beginn der Vorbereitung für das Pessachopfer und hiermit auch als Auftakt für die Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft genannt. Einer Tradition zufolge soll dieser Tag ein Schabbat gewesen sein, der dann in der Folge den Ehrennahmen des “Grossen Schabbat” (Schabbat Hagadol) erhielt, da an ihm das Volk als geschichtliche Persönlichkeit in Erscheinung getreten ist. Nun erscheint dieses Datum ein zweites Mal ausdrücklich, und auch diesmal wieder in einem sen Arbeit fällt man in ein tiefes Loch und bittet das Schicksal, dass es einem eine neue Arbeit schicken möge, dass man neu werden könne. Denn erzwingen lässt sich da nichts. Das ist alles Gnade. "Man hat es oder hat es nicht...” So gibt es Schriftsteller, die den täglichen Anteil ihrer Arbeit niemals an einem Absatz abschliessen, sondern stets am Anfang eines neuen aus Angst, es gehe nicht mehr weiter und ein Absterben trete ein, bevor die Erneuerung der Tage da ist. Bei uns Juden ist die Erneuerung der Tage ein historisches Gesetz: auf das grauenvolle Massaker der europäischen Juden folgte die Gründung des Staates Israel. Und so war es oft in unserer Geschichte seit dem Auszuge aus Aegypterland u. hat uns durch die Not der Zeiten hindurch geführt und uns weiter leben lassen. Möge es auch weiter so bleiben: Chadesch jamenu kekedem! WEG. geschichtlich1 entscheidendem Moment. Im 4. Kapitel des Buches Joschua (19. Vrs) wird der 10. Nissan als Tag erwähnt, an dem das Volk Israel den Jordan überschreitet und in Gllgal lagert. Dieses Ereignis wird durch ein besonderes Mahnmal für künftige Zeiten festgehalten. Soll das blosser Zufall gewesen sein? Auch bei der Rückkehr aus dem babylonischen Exü stossen wir, wenn auch indirekt, auf das gleiche Datum. Im 8. Kapitel des Buches Esra wird erzählt, wie sich der Zug der “Zweiten Alijah” formiert, und wie Esra am Ufer des Ahva-Flusses die letzten Vorbereitungen trifft. Drei Tage sind der Sammlung, der Einkehr, dem Fasten und den Gebeten geweiht. Dann erst setzt sich der Zug am 12. Nissan ln Bewegung. Der 10. Nissan steht also auch hier im Mittelpunkt der Vorbereitungsperiode, die der Leiter gewiss im Hinblick auf historische Traditionen des Auszugs aus Aegypten auf die Tage vor dem Pessach Fest gelegt hat, um eine Kontinuität zu betonen, die zu Esras Zeiten ja auch schon fast auf .ein Jahrtausend zurückbllcken konnte. Hier hat das Bewusstsein von der “Wiederkehr des Gleichen” (was ja der eigentliche Sinngehalt Jedes Festes ist) instinktiv auf den gleichen Takt zurückgegriffen, der diese Wiederkehr recht sinnfällig zum Ausdruck bringt. A. Tobias, Natania jj | X PAPIERWAREN ROTKOWITZ jf BUROBEDARF ROTKOWITZ GESCHENKE ROTKOWITZ ROTKOWITZ Office Equipment and Stationery Tel-Aviv, Rambam Str. 24 Tel. 625420 Ein unbeachteter Gedenktag (Kalender Miszellen der Bibel) 5

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