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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1977-04-01 · No. 41 (April 1977) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1977
Issue
No. 41 (April 1977)
Date
1977-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Dr. M. WIZNITZER Die Anfänge Arnold Zweigs (ERSTE STATIONEN: GLOGAU, KATTOWITZ, BRESLAU) Es gibt wenige deutsch-jüdische Schriftsteller, die sich schon vor dem ersten Weltkrieg so sehr für den Zionismus interessiert haben wie Arnold Zweig, der den Schauplatz seines ersten Romans nach dem Lande Israel verlegt. Der in der niederschlesischen Festungsstadt Glogau am 10. November 1887 Geborene hat dies in seinem ersten Werk “Aufzeichnungen über eine Familie Klopfer” getan. In seinem Briefwechsel mit Sigmund Freud erwähnt Zweig einmal (1932) seinen Bruder. In seinem Buch “Der Tod des Dichters”, das 1974 in der DDR erschien, erzählt H. Kamnitzer von dem Besuch der Schwester des Schriftstellers Ruth, die nach Brasilien ausgewandert war. In der gleichen Schrift finden sich auch einige Angaben über die Vorfahren Zweigs, unter denen auch holländische Juden waren. Zweig selbst führte seinen Stammbaum auf südfranzösische Ursprünge zurück. In Niederschlesien ist seine Familie zu Beginn des 19. Jahrhunderts nachweisbar. Noch hatte der kleine Arnold sein sechstes Lebensjahr nicht vollendet, als sein Vater, der Kaufmann Adolf Zweig, auf Grund eines Erlasses des preusischen Kriegsministers, der dem Festungskommandanten untersagte, Einkäufe bei jüdischen Kaufleuten zu tätigen, seine Existenz verlor. So verliess die Familie Zweig die Festung Glogau, um sich in der oberschlesischen Industriestadt Kattowitz niederzulassen, wo Zweigs Vater den früher von ihm ausgeübten Beruf eines Sattlers wieder aufnahm. Arnold, der Sohn, trat in die Oberrealschule der Stadt als Schüler ein, wo er unter Leitung hervorragender Lehrer gut vorwärts kam. Eine Kindheitserinnerung aus der Glogauer Zeit hat der Schriftsteller später in einem (in der Neuen Weltbühne) am 2. März 1939 erschienenen Aufsatz, der den Titel “Meine Unfälle” führt, festgehalten. In dem Absatz, der von dem dritten dieser Unfälle handelt, wird berichtet: Der kleine fünfjährige Arnold wurde von einem Karren umgeworfen, der von einem Grossgrundbesitzer gefahren wurde. Obschon dieser für d. Unfall nicht verantwortlich war, hegte der kleine Arnold von Stund an Hassgefühlte gegen jene “Kaste”. Dieser Hass, so meint er, bestimmte in gewissen Masse sein späteres Werk. Von Zeit zu Zeit bekam indes auch der junge Zweig Anzeichen des im wilhelminischen Deutschland latent vorhandenen Antisemitismus zu spüren. Es gibt darüber eine Beschreibung in dem Buch “Aufzeichnungen über eine Familie Klopfer”, Rabbiner Dr. Bleichrade (Fortsetzung von Seite 2) Die Institution des Gemeinde Rabbiners, des Seelsorgers, des Familienfreundes, der an Freud und Leid Teil hat, kannte man nie in Israel, und den europaeischen Rabbinern fehlten die Moeglichkeiten und die Mittel, oder die stuetzende Organisation sich durchzusetzen. Vielleicht ist sie auch nur in einer ruhigen, mindestens seelisch ausgeglichenen Zeit und Gemeinschaft, möglich gewesen, beeinflusst von den Seelsorgern der christlichen Umgebung. Aber sie hat viele unseres Kreises geformt, ihnen die ersten jüdischen Erlebnisse übermittelt. — Und deshalb haben wir das Bild eines Rabbiners jener abgelaufenen Periode heraufbeschworen, einen Schatten der Vergangenheit nachgezeichnet, vielleicht die Vergangenheit- Herbert Walter Goldstern. wo der Schüler Peter Klopfer — in dem wir unschwer Arnold Zweig selbst erkennen — ein Selbstgespräch voll Bitterkeit vom Stapel lässt. “Eines Tages erfährst du, dass du ein kleiner Jude bist und was es bedeutet, einer zu sein. Die Jungens schreien es dir auf der Gasse nach, so dass dir die Wut die Kehle zuschnürt, die Lehrer lassen es dich mit schneidendem Spott fühlen, und bisweüen kehren deine Klassengenossen dir den Rücken”. 1.) A. Zweig: Aufzeichnungen über eine Familie Klopfer, (Langen-Verlag, München 1911, Seite 40 bis 41). Ferner erfahren wir aus dem Buch, dass zur gleichen Zeit — Peter Klopfer war damals 15 — jene seltsame zionistische Bewegung aufkam, die die Juden zu einer grösseren Einheit als nur der des Bekenntnisses zu bringen sich unterfing. Wir lesen darin noch, dass der Vater sich dafür sehr interessierte und “obgleich er weiter Husar und deutscher Patriot” verblieb, eine Zeitlang Vorstand der Ortsgruppe jener “so jungen und so oft belächelten” Partei war. Demnach muss also Arnold Zweig schon um 1902 seine ersten Kontakte mit dem Zionismus gehabt haben. In Kattowitz gab es ein intensives Kulturleben, und Arnold Zweig konnte sein Interresse für Musik befriedigen (“Von Bach bis Mahler” pflegte er später zu sagen) und vor allem las er viel. Nachdem er seine Reifeprüfung bestanden hatte und ein kleines Stipendium ihm gewährt worden war — das von einem jüdischen Buchhändler der Stadt herrührte — schlug er die Berufslaufbahn eines Lehrers ein, inskribierte an der Breslauer Universität (1907) und hörte dort Vorlesungen in den Fächern der Deutschen Literatur, Geschichte und modernen Sprachen. Später zogen ihn die Philosophie, die Psychologie, Kunstgeschichte und sogar Nationalökonomie in ihren Bann. Nun begann ein Wanderleben von Universität zu Universität, das bis 1915 andauerte. In den grossen Universitätsferien von 1909, die er bei seiner Familie in Kattowitz verlebte, gründete er mit einigen ehemaligen Mitschülern eine literarische Zeitschrift, die den Namen “Die Gäste” erhielt. Obgleich dieses Unternehmen mit Begeisterung betrieben winde (die Zeitschrift erschien alle 2 Monate In 50 Exemplaren und wurde an Abbonenten abgegeben), konnte es nicht von langer Dauer sein, denn die Mitarbeiter zerstreuten sich bald darauf. Im Ganzen erschienen 6 Nummern. Arnold Zweig veröffentlichte in den Spalten der Zeitschrift einige Gedichte, die erste Fassung des biblischen Dramas “Abigail und Nabal” (das, welches 1913 herauskommen sollte), Novellen und kleinere Aufsätze, sowie das erste Kapitel der “Novellen um Claudia”. Schliesslich begann er im gleichen Jahre an der Novelle “Aufzeichnungen über eine Familie Klopfer” zu arbeiten, mit der er seinen Eintritt in die deutsche Literatur vollzog. Aus der grossen — in Paris 1976 erschienen — französisch geschriebenen Biographie Arnold Zweigs übersetzt und mit verbindenden Zwischentexten versehen. A. TOBIAS, Natania AN ALLE CHEMNITZER! Wir bitten alle Chemnitzer Freunde zu veranlassen, sich mit Siegmund Tittmann, Tel-Aviv, Rupinstrasse 3, zwecks Erstellung einer Chemnitzer Welt-Kartothek in Verbindung zu setzen. Wie soll ich dich bezeichnen? Wie soll ich DICH bezeichnen, Dich benennen. Dich Namenlosen, der die Seelen kennt Und den mein Mund, stammelnd und unzureichend, Mit armen Worten GOTT und HERR benennt? DICH Fordernden, die Universen schaffend. — Verwaiste Schwingungsteilchen werden Licht. — Wie wird Organisches aus Unvorhandnem? Aus Menschenfratzen — gütig — ein Gesicht. Wie soll ich DICH bezeichnen, DICH benennen Ratlos vor Unbegreiflichen gestellt, Dass dem Dämonischen, den Qualbezirken, Dem dunklen Teil des Lichts, der Mensch verfällt? DAVID NEUMANN JÜDISCHES SCHICKSAL VON GESTERN UND HEUTE Anni Löwenstein (Evenari): “Länder und Leute”, Verlag des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel, Ramat- Gan. 194 S. Ein ansprechender Band mit attraktivem Titelblatt “Blick auf Jaffa” (n. einer Originalradierung v. I. Marbach) umfasst diese sechs fliessend und in klarer Sprache geschriebenen Novellen. Bunt, wie die geschilderten, gleichsam vorübergleitenden Länder und Landschaften wechselt auch der StU oft vom traumhaft Zarten ins modern Realistische, werden dem Leser die handelnden Personen vorgestellt — es scheint fast, als hätte sich die Autorin in origineller Weise einen zumindest grossen Teil jenes Traumas vom Herzen geschrieben, das heute den Jüdischen überlebenden dieser zweiten Jahrhunderthälfte im Rückblick bewegt und beschäftigt. Die Prägnanz ist vorbildlich, sei es im beklemmenden “Wiedersehen in Frankreich”, noch ganz unter dem Eindruck der Katastrophe und ihrer Folgen entstanden, sei sie eingefangen ln der Problematik jener unvergessenen jüdisch - palästinensisch - englischen Periode in der spannenden Erzählung “Irrfahrt”, oder in Erinnerung ans Miterleben in “Als Israel jung war”. — Dagegen bewegen sich die drei folgenden Novellen, “Ich bin schuld”, “Berenike findet ihren Weg” und der höchst abenteurliche “Wüstenausflug” in einem uns allen bis dato gegenwärtigen Milieu, erfüllt von Themen wie Kibbuzleben, Neueinwanderer, Gastarbeiter, alles aber auch als Entwicklung gesehen, unter dem Aspekt einer eher “biblischen Nachgestaltung”, mit der Anführung von Zitaten und Verheissungen untermauert. Angesichts der Aktualität des behandelten Stoffes nimmt es nicht wunder, dass alle Novellen in Zeitschriften und Zeitungen erschienen sind und die erste bei einem Hörspielwettbewerb in Bonn angenommen wurde. Ein lesenswertes Buch, das für unsere Jugend eine hebräische Übersetzung erfahren sollte und das zunächst in deutsch-sprachigen Kreisen viel Anklang finden wird. FRIEDA HEBEL STATIONERY — BOOKSELLER JOSEF FREYHAN formerly Dr. Wilhelm Freyhan 63431 Tel-Aviv, Ben Jehudastr. 60 empfiehlt: Lehrbücher, Lehrmittel NEUESTE LANDKARTEN IN ALLEN MASSTÄBEN Spezial-Abteil.: Israel Reiseführer TEL. 280564 3

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