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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1971-04-01 · No. 29 (April 1971) · p. Seite 12

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1971
Issue
No. 29 (April 1971)
Date
1971-04-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Die Frage Ester Rabin, Haifa, früher Breslau, hat ln diesen Tagen ein Buch herausgebracht (ln deutscher Sprache), das in besonders schöner Ausstattung — Einband von einem bedeutenden Israelischen Künstler verfertigt —, sich als Geschenk im In- und Ausland sicherlich eignet und, wir können es aufs Beste empfehlen. Zu beziehen durch den Massada Verlag, Ramat Gan, Derech Jabotinski 21 oder in der Buchhandlung Josef Freyhan, Tel-Aviv, Ben Jehudastr, 60, zum Preise von 9.— IL oder vom Ausland aus 5 $. Wir bringen nachstehend das Vorwort zu dem Buche und dann auch die Aufzeichnungen vom Einband: Die folgenden Geschichten sind ein Versuch, eine Idee bildhaft zu veranschaulichen, einer Frage und ihrer Antwort körperliche Gestalt zu verleihen. Die Frage hat den Geist des Juden aufgewühlt, seit Hiob seine Klage vor G”tt erhob; er gehe zu Grunde wie ein faulendes Aas und wie ein Kleid, das die Motten verzehren, und seit er an die Klage die verzweifelte Frage schloss: Warum hat mich G"tt den Ungerechten übergeben, warum lässt mich in der Hand der Gottlosen umkommen? Hiob wollte von G”tt eine Antwort: ‘‘Lass mich wissen, warum Du mit mir haderst!” Der Glauben des Juden an G”tt ist das Vertrauen in eine heilige Kraft, die nie körperlich zu schauen ist. G”tt ist für den Juden keine mit den Sinnen zu erfassende Gestalt. Er ist eine Stimme. Er steht vor G”tt als seinem Richter, dessen Unellsspruch er hören will. Die Grossen im Jüdischen Volke haben diese Stimme in Wahrheit gehört. Die Kleinen haben nie d. Mahnung vergessen, dass sie versuchen müssen, sie in der betäubenden Hast des Lebens zu hören. Die Stimme gab dem Juden Antwort: Das wesentliche für den Menschen Ist nicht ein Leben, das wie eine Schale offensteht, um die Güter dieser Welt zu empfangen. Es ist die Bestimmung, durch sittliche Tat jedes elnzelnnen eine reine Welt zu gestalten. Und ferner: Das Leben des Menschen wird nicht durch die Gewalt seines Schicksals bestimmt, das ihn auf Höhen erhebt oder ln den Abgrund schleudert, sondern durch die Entscheidung, ' die er selber für Ziel und Weg seines Lebens trifft. Immer war der Weg des jüdischen Volkes unter den Völkern von schweren Heimsuchungen begleitet. Verachtung und Anprangerung, Verfolgung und Heimatlosigkeit, Feuer und Schwert, Scheiterhaufen und Progrom und in der nahen Neuzeit Ausrottung wie giftiges Gewürm haben stets Hiobs Klage und Frage In der erschütterten Seele aufgerührt. Von frühen Zeiten an hat der Jude eine alle Zweifel und Verzweiflung lösende Antwort gesucht. Denn ohne die Versöhnung mit G”tt gibt es keinen Glauben an die Bedeutung des Lebens noch an die Werte, die über das individuelle Leben hinaus in die Welt der Sittlichkeit führen. In den Szenen aus der Zeit der Gewaltherrschaft der Römer über das jüdische Volk im Lande Israel stützt sich die Antwort auf die Berichte von Leben und Leiden der Bildner und Bewahrer des jüdischen Geistes, auf ihre überlieferten Worte und die Traum Vorstellungen, mit denen das Volk in seiner Phantasie das Schicksal Uberspann. Die Verfasserin nahm die Äusserungen der Weisen in dem Bewusstsein auf, das das Wort geprägt hat: \ “DAS GESPRÄCH DER VÄTER IST DER SCHLÜSSEL ZUR ERLÖSUND.” Text des Einbandes letzte Seite DR. ESTER RABIN, geboren in Deutschland (Provinz Hannover), Studium: Literatur, Geschichte, Philosophie. Promotion zum Dr. Phil. Universität Breslau. Witwe des Dozenten am jüdisch-Theologischen Seminar zu Breslau, Dr. Israel A. Rabin. 1935 — Übersiedlung nach Israel. In Israel, wie in Deutschland, Tätigkeit auf dem Lehrgebiet und in sozialer und politischer Arbeit. Veröffentlichte in Deutschland Erzählungen und „Richtung Breslau11 (Forts, v. S. 5) Die Breslauer selbst fanden sich zwar im Lager der Konservativen, und fast alle waren sie in ihren Häusern Hüter der Gebote, aber sie forderten kein Monopol zur Aufzwingung ihrer Anschauungen auf andere. Aus dieser Hochschule gingen keine Eiferer hervor. Sie waren Wissenschaftler, nicht Eiferer G”ttes Feuer, sondern — Logik. Manche deuteten dies zum Guten, andere — zum Schlechten. Es ist möglich, dass ohne die Breslauer das Judentum der Zerstreuung noch zerspaltener geworden wäre, und dass ln vielen Gemeinschaften die Tradition vergessen und verstossen geworden wäre. Vielleicht auch — gerade umgekehrt: Breslau erleichterte die Abwendung vom Judentum des Verwurzeltseins, zu einem Judentum der Assimilation ohne innere Stärke, und schuf so den Mangel an Entscheidung zwischen den beiden extremen Lagern, und verlängerte den Streit. Wie dem auch sei — Breslau wurde immer von beiden Richtungen aus angregriffen... Aber, während die kleinen Studenten das hinkende Kompromiss schufen, schufen die grossen Schüler Breslaus, und deren Schüler, die Wissenschaft des Judentums so wie sie bis zum heutigen Tage bei uns besteht. Die Wissenschaft des Judentums kann nicht ohne die Arbeit der Breslauer Lehrer gedacht werden, ohne die Geschichte eines Graetz, ohne die Darkel Mishna, der Einleitung zum Jarushalml und den juristischen Studien eines Dr. Zecharja Fraenkel, die historischen Arbeiten Brann’s und so bis zu den Lehrern der letzten Generation — Prof. Michael Gutmann .Heinemann, Levkowitz und Rabin. Und unter den Grossen der Schüler: Guedemann, der Oberrabbiner von Wien in Herzl's Tagen, mit seinen Werken — über die Geschichte der Erziehung in Israel und seinen vergleichenden Studien zwischen der Geschichte der Religiösen; Rabbi Binjamin Seev Bacher der Tannaitisehen Aggadoth, Rabbi Moshe Gaster, der Chacham der Londoner Sefardim, Jakob Guttmann, der Forscher der jüdischen Philosophie, Morris Jastrow, der Wegebahner der assyrischen Sprachforschung, Dr. Kaufmann, der sich in hundert Sparten auskannte und seine Persönlichkeit der Rabbinerausbildung in Ungarn aufprägte, und last not least — Hermann Cohen, der Philosoph der jüdischen Morallehre. Wissentlich oder imwissentlich breitete sich der Einfluss aller dieser Gelehrten Uber die gesamte Diaspora aus. Vieles von dem, was Achad Haam träumte, und mehr noch was an der Hebräischen Universität und in den “Mekizei Nirdapjnp Fülle von Essays literarischen und geschichtlichen Inhaltes. Einige wurden in englischer Übersetzung in Amerika publiziert. In Israel erschienen fünf Bücher aus ihrer Feder in hebräischer Sprache. Über das Buch: Aus dem Lebensbild des jüdischen Volkes im Lande Israel während der grausamen Römerherrschaft, die dem unglücklichen Ende des Bar-Koehbaufstandes folgte, erwächst das Wunder des Glaubens an G”tt, den Mitmenschen und das eigene Volk. Mystische Volksvorstellungen und Visionen geben den Hintergrund für das Ringen der Helden um ihre Stellung zu G”tt. Doch nie verlässt die Erzählung die kulturgeschichtlich interessante Wirklichkeit des vergangenen Lebens in Israel. Diese Vergangenheit erklärt die Gegenwart. Ihr geistiges Heldentum macht die Volkskraft des Wiederaufbaus der alten Heimat ln der Neuzeit verständlich. mim” Gesellschaften vom Petersburg des Zaren bis nach New York unserer Zeit getan wird, stammt aus dem bescheidenen Hause in Breslau. Ja — die Linie nach Breslau ist durchstossen. Nicht weit von dort haben die Deutschen die Verbrennungsöfen von Auschwitz errichtet. Die Illusion, man könne auf dem Wege der Aufklärung und des Wissens das Judenproblem lösen, ist widerlegt. Nicht weil es uns an Aufklärung und Wissen fehlte, nicht weil wir etwa Finsterlinge geblieben wären, sondern, weil sie, die Nichtjuden noch so weit vom Verständnis entfernt sind, noch so wild und finster sind. Diese Erkenntnis — fehlte den Breslauern. Sie waren vollkommen in allen Tugenden, Forscher von Genauigkeit, tiefe Denker. Durch Generationen hindurch sassen sie und holten aus der Tiefe der Vergessenheit jüdischer Kulturgut herauf, suchten alle Verborgenheiten der jüdischen Geschichte, und dabei kannten sie auch und erforschten die Geschichte der Völker und ihre Kulturschätze. Wie kam es, dass sie nicht das fühlten was wir heute angesichts der Verbrennungsöfen fühlen? Als sie die Geschichte der Deutschen mit der Israels verglichen —erkannten sie nicht den Abgrund? Hunderte und Tausende von Breslauer Schülern wohnten zerstreut in Städten und Städtchen in ganz Europa, sassen gebeugt Uber alten Schriftstücken in den Archiven und übertrugen von dort in Treue alle Erinnerungen, Verhängnisse, Verbote, Austreibungsbefehle und Verbrenungsdekrete, die jene Völker über uns verhängt haben. Hundete aus vielen Orten de3 Landes waren sich bewusst, und Tausende ehemaliger “Breslauer” fügten die Glieder von Ketten aneinander, mit Bienenemsigkeit, — König David, Rabbi Akiba und der Baal Shem Tov auf dieser und Kaiser Karl der Grosse, und Friedrich der Grosse auf jener. Und trotzdem wurden sie von den Flammen von Ausehwitz überrascht... Kurzsichtigkeit? Übersteigerte Begeisterung und jüdisches Sich-Selbst-Verkleinern vor den Goyim? Oder der alteingepflanzte naive jüdische Glaube an den Menschen, der im Ebenbild geschaffen wurde, den Menschen der zum Guten strebt, ein Glaube, den alle Könige des Abend- und Morgenlandes nicht erschüttern konnten und nicht erschüttern werden?... Nachwort: Dieser Aufsatz ist im “Maariw" erschienen zur Zeit, da Breslau im Jahre 1945 von 2 Seiten angegriffen wurde. Er ist aus der Feder des bekannten und beliebten Gründers und Chefredakteurs des “Maariw” Dr. Esrlel Carlebach s_A. Er ist uns von unserem lieben Josef Walk, Jerulem zum Abdruck überlassen worden. Übersetzung stammt von Herrn Manfred Mordechai Noy (Neuberger), Ramat Chen, Israel. 12

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