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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1971-04-01 · No. 29 (April 1971) · p. Seite 11

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1971
Issue
No. 29 (April 1971)
Date
1971-04-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Zur deutschen Übersetzung der „Gespräche der Israelischen Soldaten" HERAUSGEGEBEN V. D. KIBBUZBEWEGUNG. MELZER VERLAG. Die Gesprächsammlung hat eine bedeutende Rolle im Kulturleben des Landes gespielt. Immer wieder findet man sie zu Beweis und Erläuterung herangezogen. Es handelt sich hier nicht um eine Sammlung von Reportagen von Kriegsberichterstatern, sondern um zwanglose Unterhaltungen mit Rückkehrern aus dem Sechs-Tage-Krieg, die auf Band aufgenommen wurden. Trotzdem der sogenannten Sechs-Tage-Krieg vorbei ist, gehört das, worüber hier verhandelt wird, nicht der Vergangenheit an. Die Gespräche zeigen die jungen Israelis, wie sie mit ihrer ganzen Existenz sich sowohl der Vergangenheit, wie der Gegenwart und Zukunft konfrontiert fühlen und nicht vom sozialistischen oder nationalen Standpunkt, sondern von ihrem ganzen Menschentum her. Die Herausgeber haben zuerst gezögert, die Gespräche zu veröffentlichen, in der Befürchtung eine Indiskretion zu begehen, wenn individuelle Gefühle und Ansichten der Öffentlichkeit preisgegeben werden. Doch wir können dankbar sein, dass es doch zur Veröffentlichung kam. Durch diese Gespräche kann man vom grossen Experiment des zionistischen Aufbaus mehr erfahren als von soziologischen Untersuchungen. Die Gesprächsammlungen zeigt unsere Jugend, die an den friedlichen Aufbau des Landes geglaubt hat, deren Väter die Kibbuzim gegründet haben und die plötzlich mit der grausamen Wirklichkeit des Krieges konfrontiert wurde. Die Moralfrage, wann ist Töten erlaubt, spielt eine grosse Rolle. Einer fragt: Wenn ich die Araber nicht hasse, was für ein Recht habe ich, Klein Muhameds Vater oder Patimas Ehemann auszulöschen? Ein anderer fügt hinzu, dass sie ihm nur leid taten. Die Machthaber wie Nasser spielen nur mit ihnen wie mit Schachfiguren und sie müssen es leiden. Einer erinnert sich, als er eine Gruppe anführte, sah er sich gegenüber Soldaten, die ihm zuwinkten, doch dazwischen lagen andere Soldaten, die nie mehr aufstehen. Und als er all die Zerstörung sah, wollte er der ganzen Menschheit zurufen, ob sie verrückt geworden sei. Solche Gedanken wohnen in den Herzen der israelischen Soldaten. Einer berichtet, dass beim Vormarsch in bewohntem ägyptischem Gebiet, der Kompanieführer dem Battallionschef in Khan Yunis benachrichtigte, dass er in einem Raum acht verletzte Kinder entdeckt habe, die man sofort evakuieren muss. Das war nicht nach der Eroberung des Platzes, sondern noch mitten im Gefecht. Er nennt das einen Beweis unserer “Waffenreinheit”. Martin Bubers Wort: Wenn Du in eine Situation gerätst, in der Du töten musst — kannst Du nicht anders, wird zitiert. Das traurige Schicksal, das Dani Mass aus Jerusalem 1948 erfuhr, ist noch unvergessen. Er hatte eine Gruppe von 35 mit Waffen und Munition zum Entsatz für Kfar Ezion geführt. Sie trafen auf einen Araber, liessen ihn frei. Dieser verriet sie und dadurch liefen sie in die Todesfälle. Das Geschehen am Anfang des Krieges, als Nasser, entgegen dem internationalen Abkommen Scharm es Scheich, den Ausgang zum Golf von Elath besetzte, die UNO-Truppe abzog und sich keine helfende Hand erhob, hat den Glauben an Moral im Völkerleben erschüttert. So stellt der Leiter des Kibbuzgymnasiums bei En Charod die Frage: Wie sollen wir unsere Kinder erziehen, nachdem deutlich geworden ist, dass wir uns nur behaupten konnten, weil wir stark waren? Die Kinder werden zu Zynikern werden. Gerechtigkeit gibt es nicht, die Vereinigten Nationen sind Quatsch! Trotzdem muss unsere Maxime bleiben, nicht zu Militaristen zu erziehen und mit Menschenleben nicht leichtsinnig umzugehen. Als ein Positivum wird empfunden, dass es diesen jungen Soldaten, die die Elterngeneration in ihrem heldenhaften Pioniertum anerkannten, erst jetzt im Krieg gelang, sich ebenbürtig zu fühlen. Auch der Gesichtspunkt, dass die orientalische und die europäische Jugend durch den Krieg zusammengeschweist wurde, tritt in Erscheinung. Aber sie erkennen die zwiespältige Situation, die die zionistische Siedlung mit sich gebracht hat: dass sie Krieg führen mussten und Araber durch den Krieg vertrieben wurden, sonst wären sie selbst umgebracht worden. Und indem man sich darüber klar geworden ist, dass es keine andere Alternative gab als den Krieg, wird gefragt: Unsere Grossväter und Urgrossväter hatten in ihrer religiösen Verwurzelheit die Kräfte, ewig Verfolgte zu sein und sich doch nicht aufzugeben. Werden wir die Enkel so erziehen können, dass sie den immerwährenden Existenzkampf mit derselben Willenskraft tragen können? Dass man bei Bergung von Verwundeten immer wieder eine Einsatzbereitschaft erlebte, die an Selbstmord grenzte, wird auf Seite 70 erzählt. Und es wird gefragt, wie es möglich sei, dass nicht Einzelne, sondern ein ganzes Heer, sich so verhielt. Einer erzählt von seiner Verwundung beim Kampf um Jerusalem. Er streckte seine Hand einem ebenfalls verwundeten Kameraden hin und sie halfen sich gegenseitig zum Sammelplatz, wo sie vor Erschöpfung hinfielen und von dort ins Hospital gebracht wurden. Die Taktik des israelischen Offiziers, der selbst der Gruppe vorangeht und seiner Mannschaft zuruft: Mir nach! — wird nicht als militärische Taktik, sondern als soziale Moral gedeutet, die mit An diesem Rosch haschonoh war ich in Genf, im frommen Tempel, bei den deutschen und polnischen Juden, und als es zu unsanne tokew kam, da fing der Chasen mit einer Melodie an, die mich aufs Tiefste erschütterte. Emes, ki ato jodea, genau in der Melodie, wie sie Dein seeliger, yon mir so sehr geliebter Vater in den ersten Jahren in Ratibor gesungen hat. Und in dieser für mich so fremden Welt sind plötzlich mit unheimlicher Macht all die schönen Erinnerungen unserer Jugendzeit emporgestiegen, an denen Dein Vater den allergrössten Anteil hat. Vielleicht macht es Dir eine kleine Freude zu hören, dass er der Mensch war, den ich, nächst meinem Vater, am meisten geliebt habe. Weisst Du noch, wie wir beide zu dem Lithographen Mosler in der Neuen Strasse gingen und die Notenhefte abholten? Und wie unser Schmerz über das Ende der grossen Ferien von dem einen Gedanken überstrahlt und verschönt wurde: jetzt beginnen die Chorproben! Ich sehe Deinen Vater vor mir, die Stimmgabel am Mund, das linke Bein schlenkernd seitwärts gestreckt, und er begann mit: emmes, ki ato jodea, und unser erster Ton war: wechossef. Und dann war ich traurig, wenn er nur mit mezza voce markierte und nicht gesungen hat, denn es war meine höchste Lust, ihn singen zu hören und wenn ich damals in der Bibel las von den Posaunen von Jericho, die so mächtig waren, über alles menschliche Mass, da dachte ich immer, dass sie so geklungen haben, wie die Stimme Deines Vaters, als er bei Nilah dem Kibbuz-Prinzip des Selbstarbeitens verwandt ist. Tatsächlich ist die Zahl der Offiziere unter den Kibuzniks imverhältnismässig hoch und so auch die Zahl der Gefallenen in den Kibbuzim. Die feindliche Haltung Sowjetrusslands, das sie als den Verwirklicher des Sozialismus noch immer verehrten, hat bei vielen ein tiefes Erschrecken hervorgerufen. Und wie steht diese Jugend, die teilweise der religiösen Tradition fern ist, zu Jerusalem? Einer erzählt: als sie in ihrer Einheit vom Transistorgerät von der Eroberung Jerusalems hörten, da gab es keinen, dem nicht die Tränen kamen. Auch ihm; denn er spürte zum ersten Male, dass er nicht nur Israeli war, sondern auch Jude! Ein anderer sagt, dass er, weil er Pilot war, erst nach dem Kriege nach Jerusalem kommen konnte. Und als er da war, da hatte er das Gefühl, wenn er jetzt seine Ahnen versammeln könnte, so möchte er sagen: “Meine Herrschaften, ich stehe an der Westmauer (des Tempels). Ja, wir haben ein historisches Gepäck, das wir mitschleppen. Von einem Gesprächsteilnehmer werden die Worte des Schweizer Schriftstellers Max Frisch angeführt, der, als er in Israel war, sagte: “Warum komme ich nach Israel? Mich interessiert, wie man nach 2000 Jahren die kulturellen, geistigen und nationalen Elemente eines Volkes erneuern kann?” Und mit ihm wird gefragt, wie weit sind Vitalität und Urtümlikchkeit zum Wiedererwecken des Judentums im Lande auch wirklich vorhanden? Ein andrer sagt deutlich: Man hat im Erziehungsministerium eingesehen, dass die sozialistischen Ideologien die Prüfung der Zeit nicht bestehen und den tiefen religiösen Glauben der Menschen nicht ersetzen können. Das Volk existiert durch die Religion. Der Ernst, mit dem hier die Gegenwart erfasst ist, gibt einem das Gefühl, dass diese Menschen auch der Zukunft zu begegnen wissen werden und man versteht, dass die Veröffentlichung in Europa beschlossen wurde, weil diese Gespräche zeigen, wie lächerlich es ist, die Israel-Soldaten als Militaristen und Erober zu diffamieren. Anni Loweenstein Ramat Chen adauschem hu hoelaukim gesungen hat. Alle diese Eindrücke waren so stark, dass sie mich durch mein ganzes Leben begleitet haben und heute noch so lebendig sind, dass ich seine Stimme noch höre. Weisst Du noch, wie wir ihm, diesem Riesen, nach w’hakauanim geholfen haben, aufzustehen? Damals, als wir alle um ihn herumstanden und alles aus nächster Nähe hörten? Jetzt, wo ich viel gehört habe, weiss ich erst, was für eine künstlerische Leistung dieser unser Chor war und welche Liebe und Sorgfalt dazu gehört hat, dass alles herauszubringen und es so herauszubringen, dass es die Erinnerungen eines ganzen Lebens so stark ausfüllt. Das ganze 'Glück unserer Jugend haben wir alle diesem Mann zu verdanken, und das muss ich Dir einmal sagen. Und auch mein Zusammenhang mit dem Judentum, der unauslöschlich ist und im letzten Teil meines Lebens immer stärker wird, beruht auf dieser Wurzel. — Ich habe noch Deinen Knaben-Alt im Ohr, Dein droheho darche nauam, weisst Du noch? — Am 26. September bin ich im Haag. Da werde ich Freitag Abend in die Synagoge gehen, in der Dein Vater von mehr als vierzig Jahren gesungen hat, bevor Ihr nach Breslau kamt. Du siehst, ich weiss noch alles, von Grabow angefangen. Die Eindrücke meiner Jugend sind stark und werden immer heller und klarer, und an jedem ersten Tag Schowuaus denke ich an den Geburtstag Deines Vaters, während ich dann am zweiten Tag, am Geburtstag meines seeligen Vaters zu Maskir in Schul gehe. Brief von Lex Engel an Mn Rosenthal von 15. September 31 aus Chamoni 11

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