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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1971-04-01 · No. 29 (April 1971) · p. Seite 4

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1971
Issue
No. 29 (April 1971)
Date
1971-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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DIE Umwelt hat einen wesentlichen Einfluss auf die Prägung der Persönlichkeit, insbesondere ist der Jugendliche durch die Gesellschaft beeinflussbar. Wenn in einer fremden Umwelt eine kleine Minderheit ihre Eigenart bewahren will, tut sie gut, sich ein eigenes Milieu zu schaffen. Die jüdischen Studenten waren an den deutschen Universitäten eine solche Minderheit. So lag es nahe, jüdische Studenten-Vereine zu bilden. Innerhalb der jüdischen Studentenschaft waren die Thoratreuen eine Minderheit. Manche aus frommen Häusern stammenden Studenten wurden ihrer Thora-Tradition untreu. So war es das Gegebene, dass die thoratreuen Studenten eine eigene Vereinigung bildeten. Darum wurde die Vereinigung Jüdischer Akademiker (V.J.A.) gegründet. Hier sollten sich diejenigen Studenten als Bundesbrüder vereinigen, für die die Thora in Leben und Lehre im Mittelpunkt ihrer Persönlichkeit stand. Doch dieser Gründung stellte sich eine Schwierigkeit in den Weg. Die thoratreue Judenheit war selbst nicht einheitlich. Es gab ideologische Differenzen in Bezug auf den Zionismus, die Gemeinde-Politik, u.a. Die neue Vereinigung durfte sich auf keine dieser Ideologien festlegen, sollte sie alle Gruppen der thoratreuen Studenten umfassen. Im Hinblick auf das grosse gemeinsame Ziel durften und mussten diese ideologischen Differenzen in den Hintergrund treten. So wurde das “Neutralitäts-Prinzip” festgelegt, das besagt, dass die Vereinigung als solche zu diesen Differenzen keine Stellung nehme; kein Beschluss durfte gefasst werden, der eine dieser ideologisch differierenden Gruppen verletzen könnte. Dies bedeutete keine Bagatellislerung der Probleme — im Gegenteil, sie waren heutige Themen in den wissenschaftlichen und sachlichen Aussprachen. Das Neutralitäts- Prinzip ermöglichte allen gesetzestreuen Studenten, gleichgültig welche Einstellung sie zu diesen Fragen hatten, Anschluss und Lebensgemeinschaft in der V.J.A. zu finden. Es ist interessant, retrospectiv einen Blick in den Kreis der Gründer der ersten V.J-A. in Berlin, im Jahre 1903, zu werfen. Nomina sunt omina. Da waren die Rabbiner der “Adass Jisroel” Dr. Esra Munk und Dr. Meier Hildesheimer; die Studenten Isi Kahn (später Dr. jur., Vorsteher der “Jüdischen Gemeinde” in Berlin), das Bruderpaar Möller, die im deutschen Misrachi eine führende Rolle spielten (Sam Moeller wurde der erste V.J.A.- Praeside); der Dozent für Religionsphilosophie am Rabbiner-Seminar Dt. Joseph Wohlgemuth (bekannt als Herausgeber des Jeschurun); Dr. med. et phil. Eduard Biberfeld, Rabbiner am alten Beth Hamidrasch; Dr. Julius Preuss, Verfasser des Standard-Werks “Biblisch-talmudische Medizin”; lehavdil ben Chayim lechayim Moses Auerbach, der Gründer des thoratreuen modernen Schulwerks in Erez Jisrael; und der spätere Sekretär der Yeshiva- University Max Baer. Von den anderen Gründern sei noch ein junger Student der Medizin, der im 1. Weltkrieg uns früh entrissene Ivan Haarburger hervorgehoben. Eine interessante Persönlichkeit, war er die verkörperte Lauterkeit und Gerechtigkeit, gepaart mit bundesbrüderlicher Treue und Frömmigkeit, ein charaktertreuer Wahrer der Tradition und der Bundes-Beschlüsse, ein persönlicher Garant für das “Neutralitäts-Prinzip”. Im Jahre 1906 traten die V.V.J.A. München und Strassburg zu einem Bunde zusammen: Bund jüdischer Akademiker — “B.J.A.” Diese waren vertreten durch Salomon Ehrmann, der in Wort und Schrift für das Thorajudentum eintrat und dessen spätere Beteiligung am Rettungswerk zur Zeit der Nazis erfolgreich war. Von Strassburg kam Isaac Breuer, der Denker und Wegweiser des modernen Thorajudentums, der die Devise seines Grossvaters Samson Raphael Hirsch “Thora im Derech Erez” in “Thora im Derech Erez-Jisrael” modifizierte. * Der gesellschaftliche Rahmen eines Freundschaftsbundes der thoratreuen Studenten war indessen viel weniger bedeutsam als der Inhalt der V.J.A. — Aufgabe: die Bearbeitung des grossen Problems “Thorajudentum und moderne Wissenschaft”. In den Hörsälen hörten die jungen Studenten Ansichten und wissenschaftliche Theorien, die im Gegensatz zur jüdischen Weltanschauung standen. Hier war es die grosse Aufgabe der V.J.A. die jungen Studenten mit dem kritischen geistigen Rüstzeug zu versehen, um ein Gegengewicht gegen die Autorität der Professoren zu schaffen und darzulegen, dass wahre Wissenschaft keinen Gegensatz zum Judentum bilde. Schon die Aussprache mit den Kommilitonen konnte von Nutzen sein, in grösserem Masse waren die Unterredungen mit den “alten Herren” von Wert, die sich mit den Problemen schon gründlich beschäftigt hatten und auf geeignete Literatur hinweisen konnten. Wissenschaftliche Vorträge und Diskussionen fanden wöchentlich statt und erweiterten den Blick der Studenten, indem sie auf Probleme auch auf anderen Arbeitsgebieten und Fakultäten hinwiesei^ Demselben Ziele der Klärung diente eine B.J. A.-Literatur, in der das Problem Judentum und Wissenschaft von sachkundiger Feder den Mitglie- Vereinigung f | jüdischer | | Akademiker t (V. J. A.j I Dr. med. JACOB LEVY — Jerusalem dern des B.J.A. dargelegt wurde; besonders auf dem Gebiet der Naturwissenschaft und Archaeologie, der Religionswissenschaft, der Geschichte wurden wichtige Arbeiten publiziert. Neben dem der organisatorischen Arbeit dienenden “B.J.A.-Korrespondenzblatt” erschienen die “Mitteilungen”, die “Schriftenreihe” (für umfangreichere Arbeiten) und die regelmässig herausgegebene Zeitschrift “Unser Weg”. Von Anfang an wurde Wert darauf gelegt, die Studenten an die Quellen des jüdischen Schrifttums zu führen. Dafür sorgten regelmässige Schiurim. Doch stellte es sich immer mehr heraus, dass das nicht genügte, um das notwendige gründliche Wissen auf dem Gebiete des “Lernens” zu übermitteln. So wurden talmudische Ferienkurse veranstaltet, es wurde ein Fonds geschaffen, um einen längeren Besuch auf einer lithauischen oder ungarischen Jeschiwah zu ermöglichen, ausschliesslich für solche Bundesbrüder, die nicht den Rabbinerberuf ergreifen wollten. Auch die Pflege der Kenntnisse über Erez Jisroel und die dortigen Probleme kam im Laufe der Jahre immer mehr zur Geltung. Der Konnex mit den bereits in Erez Jisroel wirkenden “alten Herren” kam diesen Bestrebungen zu statten. Erwähnt seien hier: Dr. Moses Auerbach und Dr. Joseph Carlebach s.A. (der selbst das Amt eines Bundes- Präsident eine Zeit lang bekleidete), die über reiche pädagogische Erfahrung im “Lande” verfügten. Neben der ernsten Arbeit kam auch die Geselligkeit zu ihrem Recht. Es wurde versucht, den gemütlichen Veranstaltungen einen mehr jüdischen Charakter zu verleihen. Um die üblichen Studentenlieder, die absolut nicht der jüdischen Einstellung entsprachen, zu verdrängen, wurde ein eigenes Liederbuch herausgegeben, das geeignete Lieder in deutscher und hebräischer Sprache enthielt. Bei letzteren kam auch die Literatur der mittelalterlichen Renaissance zur Geltung. Um die vielen in Deutschland und auch ausserhalb dieses Landes verstreuten Bundesbrüder Zusammenzuschliessen, fanden alle zwei Jahre Bundestage statt. Hier wurden alte Freundschaftsbande erneuert, neue Freundschaften geschlossen; sie dienten vor allem aber dem Meinungsaustausch über die aktuellen wissenschaftlichen Probleme. Im Laufe der Jahre wuchs die Organisation, an vielen Universitäten wurden V.V.J.A. gegründet. Die Leser dieses Blattes werden einige Erinnerungen an die Mitglieder der Breslauer V.J.A. interessieren, die 1906 gegründet wurde. Hier wirkte Rabb. Dr. Max Simonsohn. Er hatte die Befähigung, die Jugend an sich zu fesseln. So hat er auch die Studenten zum Thora-Lernen und zur Thora- Weltanschauung geführt und ihnen den Weg nach Erez Jisrael gewiesen. Da war Dr. Wilhelm Freyhan, dessen begeisterte Rede und gediegene Schriften von nachhaltigem Einfluss auf die Jugend waren; auch hier im Lande konnte er sein Werk fortsetzen. Das Haus Falk (Mejer und Arthur Falk) bot den Bundesbrüdern jüdische Geselligkeit uni geistige Anregung. Dr. Daniel Frankel konnte hier im Lande als Direktor der “Haoleh”-Bank manch einem die wirtschaftliche Einordnung erleichtern. Dr. Max Kober arbeitet hier an führender Stelle im Bet-Jaakow-Schulwerk, wo er Gelegenheit hat, mit seinem reichen Thora-Wissen und seiner akademischen Bildung die Ausbildung der Lehrerinnen zu leiten. Dr. Hugo Stark war längere Jahre das geistige Zentrum der Breslauer V.J.A. er und Esraeer in Jerusalem. Siegfried Wollheim, später Mitglied des B.J.A.-Bundespräsidium, ist jetzt ein geschätzter Paedagoge des religiösen Schulwerks im Negev. Theo Breslauer, Max Ebstein, A. Czollak, die Brüder Sklarz und manche andere hatten regen Anteil an dem Breslauer V.J.A.-Leben. Im Laufe der Jahre wuchs die Mitgliederzahl des B.J.A. auf über 600 an. Es ist dies wohl eine Besonderheit in der Kulturgeschichte des jüdischen Volkes, dass eine solche Zahl von Akademikern, die treu zur Thora hielten, sich zusammenfanden, um eine m.G.H. gelungene geistige Gemeinschaftarbeit im Sinne des Thorajudentums zu leisten. Während der 30 Jahre seiner Existenz hat der B.J.A. viel dazu beigetragen, einen Typ des thoratreuen Akademikers zu prägen, der in allen Situationen seinen Mann steht. Eine Würdigung dieser Arbeit findet sich in dem Buche des Londoner Dayan Dr. I. Grünfeld (“Three Generations”). Die Katastrophe des deutschen Judentums sprengte auch die Bande des B.J.A., und viele Bundesbrüder fielen ihr zum Opfer. Einem Teil gelang es m.G.H. sich und ihre Familien zu retten. Manche gingen nach England und Amerika. Dort führten sie ihre thoratreue akademische Arbeit fort, als Rabbiner und Paedagogen, als Aerzte und Juristen. Der grosse Teil der V.J.A. er fand jedoch seinen Weg nach Erez Jisrael. Hier waren sie im Aufbau des Landes tätig. Wir finden sie bei der Schaffung der religiösen Kibbuzim, als Rabbiner, Jeschiwah-Gründer und Dozenten, als Initiatoren und Leiter des religiösen Schulwerks im Lande, als Aerzte und Krankenhausdirektoren. Zwei Rektoren der Jerusalemer Universität gingen aus der V.J.A. hervor. Manche wirken als Chemiker in Forschung und Industrie, als Schriftsteller und Herausgeber literarisch bedeutsamer Werke, als Juristen, Bibliothekare und Politiker — auch in Minister-Positionen, in denen sie nun im Staate Israel im Sinne des überlieferten Judentums tätig sind. Die Generation der B.J.A.-01im hat hier im Lande Wurzel geschlagen, sie können G.sD. auf Kinder und Enkel blicken, die im Sinne der Väter das B.J.A.-Ideal hier verwirklichen. So lebt B.J.A. in Erea Jisrael weiter. — 4

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