Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1992
- Issue
- No. 56 (1992)
- Date
- 1992-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/7506414-7412132-7492276--087-7412137- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
THEOLOGISCHEN SEMINARS IN BRESLAU ZACHARIAS (SECHARIA) FRANKEL sA (RELIGIOES-NATIONALE WELTANSCHAUUNG IM ZEITALTER DER ASSIMILATION IN DEUTSCHLAND) Von M. E. HAUSCHNER Die Persönlichkeit Zacharias Frankels wurde von den meisten Historikern nicht verstanden und nicht genügend gewürdigt. Nur drei Forscher, welche sich mit dieser Materie befassten, konnten ihm gerecht werden. Prof. Isaak Heinemann in dem Kapitel über Frankel in seinem Buch „Ta'ame Mizwot B’Sifrut Jisrael“ (über die Gründe der Gebote im Schrifttum Israels); Raw Jizchak Nissenbaum (Letzter Präsident des Misrachi in Polen vor dem Holocaust, welcher in einem Vernichtungslager der Nazis umkam), in seinem Nachwort zu Darke HaMischna; Dr. S. I. Kaempf, welcher wie kein anderer in seinem Buch „Mamtik Sod“, Beleuchtungen des Frankelchen Werkes „Hodegetik zur Mischna in dogmatischer Beziehung“ (Hebräisch), Frankels Werk zu würdigen verstand. Es handelt sich hier im Prinzip um die Grundlagen des Glaubens: Tora Min Haschamajim (die G'ttliche Offenbarung der Tora) und Halacha L’Mosche MiSinai (Die mündliche Überlieferung des G’ttlichen Gesetzes an Mosche am Berge Sinai). Zacharias Frankel wurde im Jahre 1801 in Prag geboren. Sein Vater Rabbi Ja'akow Koppel führte ihn schon früh in das Studium der Tora und des Talmuds ein. Dann lernte er in der Jeschiwa von Rabbi Bezalel Ransberg, wo er seine Approbation als Rabbiner erhielt. Dann widmete er sich allgemeinen Studien an den Universitäten von Prag und Budapest, wo er im Jahre 1831 seinen Doktortitel erhielt. Frankel war der erste Rabbiner in Böhmen, welcher allgemeine Bildung besass und so wurde er als Rabbiner und Aw-Bet-Din in Teplitz gewählt. Dort machten sich schon Anfänge einer Reform- .bewegung bemerkbar. Als eines Tages der Vorsteher der Gemeinde sich an Frankel wandte, verschiedene „Missbräuche“, wie er sich ausdrückte, aus der Synagoge zu entfernen, welche nicht mehr „zeitgemäss“ seien, antwortete ihm Frankel prompt, dass es im Judentum keine „Missbräuche“, sondern nur alte geheiligte Bräuche gebe. Im Jahre 1836 wurde er zum Oberrabbiner von Dresden ernannt. Frankel kämpfte für das strikte Festhalten von jedem Brauch und Gesetz und trat öffentlich gegen den Landesrabbiner von Sachsen- Meiningen, Joseph Hofmann, auf, welcher den jüdischen Schülern an den öffentlichen Schulen erlaubte am Schabbat zu schreiben. (Orient, III. 398). Im Jahre 1842 veröffentlichte Frankel ein Gutachten gegen das Gebetbuch, welches die Hamburger Reformgemeinde herausgab, weil dort alle Teile des traditionellen Ssidur, welche sich auf die Rückkehr nach Zion und die Wiedereinführung des Opferdienst beziehen, weggelassen wurden. Da in Preussen die Rechte der Juden noch sehr eingeschränkt waren und z.B. der Schwur eines Juden vor Gericht weniger galt als der eines Nichtjuden, veröffentlichte Frankel 1846 seine grosse Forschungsarbeit „Der gerichtliche Beweis nach Mosaisch-Talmudischen Rechte“ und „Die Eidesleistung bei den Juden in Theologischer und Historischer Beziehung“ (1840). Er bewies darin, dass der Schwur auf Grund des Talmuds und der Dezisoren ohne Zweifel gerecht und glaubwürdig ist, und vielelicht noch mehr, als der allgemeine Schwur bei Gericht. In den zwei Rabbinerversammlungen, in Braunschweig und Frankfurt, trat er der damals aufkommenden Reformbewegung, welche unter dem Einfluss von Abraham Geiger und Holdheim stand, mutig entgegen. Infolge des Beschlusses der zweiten Rabbinerversammlung, die deutsche Sprache im Gebetbuch anstelle der hebräischen einzuführen, verliess Frankel aus Protest diese Konferenz. In diesem r :«'■ w f Sinne erklärte er: „Die hebräische Sprache ist mit dem Wesen des Judentums verwachsen, sie ist ihm die heilige Sprache. Für den Juden ist der hebräische Ausdruck 'n bei weitem mehr als der 'deutsche Ausdruck G“tt. Die Beibehaltung des Gebetes in hebräischer Sprache ist ferner notwendig zur Erhaltung der Kenntnis der der heiligen Schrift. Ohne jene würde alles Verständnis der letzteren bald ganz vernachlässigt sein, wie einst bei den Alexandrinern, wo ein Mann wie Philo sogar den hebräischen Text unrichtig erklärte... Es bestehe daher zwischen dem hebräischen Gebet und den heiligen Büchern ein Band das erhalten werden müsse". Und Frankel fügt noch einen schwerwiegenden Grund hinzu, warum man das traditionelle Gebet in hebräischer Sprache beibehalten müsse. Das hebräische Gebet ist — .ein Kennzeichen der Religionsgemeinde, die die Juden bilden... an dem der Jude, unter welchem Himmelstrich er dem Juden begegene in ihm den Glaubensgenossen, in seinem Tempel sein G'tteshaus in seinem Gebete das eigene wiedererkenene“. (Protokolle und Aktenstücke der 2. Rabbinerversammlung in Frankfurt am Main von 15. bis zum 28. Juli 1845). Dieser Schritt Frankels, die Rabbinerversammlung unter Protest zu verfassen, wurde von dem grössten Teil der Rabbiner in Deutschland gut geheissen. Ein Artikel in „Orient“, 1. Oktober 1845, welchen eine Gruppe von 8 Rabbinern aus Oberschlesien veröffentlichte, bringt diese Ansieht zum Ausdruck: .Mutig und offen haben Sie ihren Austritt motiviert und vor aller Welt bezeugt, welche Richtung die ihrige ist, und wie sie diese mutig und furchtlos zu vertreten wissen. Und so rufen wir Ihnen 2“-' ."inKxn nnx inm isan nnx iro». KSei gesegnet bei deinem Eingang und sei gesegnet bei deinem Ausgang). Frankel brachte seine Gegnerschaft gegen die Reformbewegung und ihren Wegbereitern wie Geiger und Holdheim unzweideutig zum Ausdruck. In der „Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums“ unter der Redaktion von Frankel nannte man Geiger „einen Touristen auf dem Gebiet der jüdischen Geschichte“. Nach dem Tod von Samuel Holdheim, als man ihn in der Rabbinerreihe des jüdischen Friedhofs in Berlin bestattete, bringt Frankel seinen Unwillen darüber unverblümt zum Ausdruck. Er schreibt in der „Monatsschrift“, es sei ein Hohn gegen die verstorbenen Rabbiner, „dass dieser Reformrabbiner und 'Feind des positiven Judentums' in der Rabbinerreihe des Berliner Friedhofs bestattet wurde“. (M.G.W.J., 1861, S, 17), (Der Historiker Heinrich Grätz bemerkte einmal mit beissendem Spott, dass das einzig jüdische was an ihm (Holdheim) noch übrig blieb ist sein Deutsch). Frankels Gründe zum Festhalten an dem traditionellen Ssiddur und der hebräischen Sprache »beweisen in Stil und Inhalt seine religiös-nationale Weltanschauung. Schon drei Jahre vor der 2. Frankfurter Rabbinerversammlung drückte sich Frankel unzweideutig gegen die Absicht der Hamburger Reformer aus alle nationalen Momente aus dem Ssidur zu entfernen. So schreibt er im „Literaturblatt des Orients“, 4. Juni 1842: „Hat die Idee, dass ein jüdischer Staat wieder erstehe, in sich so viel Abnormes...? „.Den unter österreichischer Herrschaft lebenden griechischen Untertanen war der Wunsch nicht versagt, dass ein freies Griechenland sich wieder erhebe“. Frankel bedient sich hier derselben Argumente, wie auch einer der Vorläufer des religiösen Zionismus, Raw Jehuda Chat Alk’lai (1798 1878), welcher in Jugoslawien lebte und sehr von den nationalen Bewegungen des Balkans beeinflusst wurde. Frankel sah, wie die sogenannte Emanzipation keine Gleichberechtigung für Juden mit sich brachte und schrieb: „Und weil wir mit unseren Brüdern, die um des Namens 'Jude' willen unterdrückt sind, leiden, darum weisen wir den Gedanken an Erlösung nicht zurück; ...und sollte, — was G“tt verhüte — die Zeit noch weiter zurückgehen, so möge ein Vaterland uns aufnehmen, wo unser Name frei sei... Einst waren wir ein selbständiges Volk; Religion und Geschichte sprechen davon; wer kann uns den stolzen erhebenden Wunsch, dass unser Name einst wieder selbständig hervortrete, versagen? An das Land unserer Väter knüpfen uns heilige Erinnerungen“. Frankel verfocht seine Ansichten in Wort und Schrift. Er redigierte die „Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judentums“, und von 1851—1868 die „Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums“, in welcher Forschungen der grössten Experten in allen Sparten der Wissenschaft des Judentums veröffentlicht wurden. Die Herausgabe der „Monatsschrift“ wurde.nach der Schliessung des Breslauer Seminars im Jahre 1938 nach Berlin verlegt, wo ■noch im Jahre 1939 der letzte Band veröffentlicht wurde. Als im Jahre 1854 in Breslau das Jüdisch-Theologische Seminar Fränkelscher Stiftung gegründet wurde, wurde Frankel zum Leiter desselben ernannt, eine Stellung, welche er bis zu seinem Tode 1875 innehalte. In diesen Jahren entfaltete er eine fruchtbare Tätigkeit sowohl auf dem Gebiet der Forschung der talmudischen Literatur, wie auch in (Fortsetzung auf Seite 6) 5