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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1992-01-01 · No. 56 (1992) · p. Seite 6

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1992
Issue
No. 56 (1992)
Date
1992-01-01
Page
Seite 6 (sequence 7)
Language
German
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ZACHARIAS (SECHARIA) FRANKEL *.a. (Fortsetzung von Seite 5) seiner Tätigkeit als Lehrer und Leiter des Seminars und als Vorbild für die Studenten desselben. Seit Moses Mendelsohn konzentrierte sich die jüdische Forschung auf die Bibel, und speziell auf die Tora. Nach der Übersetzung Mendelsohns und seiner Schüler und deren Erklärung zur Bibel (Biur) waren es die zwei Antipoden, Samson Raphael Hirsch und Abraham Geiger, welche sich, jeder seiner Anschauung gemäss, der Forschung der heiligen Schrift widmeten. Geiger verfasste damals sein Buch „Urschrift der 'Bibel“; Samson Raphael Hirsch übersetzte die Tora und die Psalmen mit einem tiefschürfenden Kommentar. Frankel war der erste in dieser Epoche, welcher sich mit der Forschung von Mischna und Talmud befasste. Frankel war sich bewusst, und proklamierte es auch, dass es ohne den Talmud keine jüdische Religion gäbe. Interessant ist, dass Frankel seine wichtigsten Werke: Darke HaMischna, M’wo Hajeruschalmi, und die Erklärungen zu drei Traktaten des Talmud Jeruschalmi in hebräischer Sprache geschrieben hat und nicht in der deutschen Sprache wie die Bücher von Geiger und Hirsch. Auch Prof. Raw David Zwi Hoffmann vom Hildesheimer Seminar in Berlin verfasste sein Buch „Die erste Mischna und Controversen der Tannaim“ in deutscher Sprache. Auch hier sehen wir die Liebe Frankels zur hebräischen Sprache und die Wichtigkeit derselben für die Erhaltung des jüdischren Volkes. Es sei hier bemerkt, dass Frankel einen Kommentar zu drei Traktaten von Seder S’rai'm des Talmud Jeruschalmi in hebr. Sprache verfasste, welchen er bezeichender Weise „Ahawat Zion“ betitelte. In der Einleitung zu seinem Werk Darke Hamischna schreibt Frankel, dass es sein Bestreben sei, die Mischna gründlich zu erforschen, zusammen mit den Braitot, der Tossephta, Mechillta, Siphra und Siphri. Das Werk Frankels ist nur vergleichbar mit der Einleitung und Erklärung der Mischna des Rambam. Frankels Ansicht über die Wichtigkeit des Talmuds für das Judentum hatte in dieser Epoche noch einen besonderen Grund: In dem Zeitalter Geigers, welcher seine Gegnerschaft zum Talmud offen zur Schau trug, musste ihm ein Talmid Chacham gegenüberstehen, welcher ihm in jeder Beziehung überlegen war. Um nur ein Beispiel zu geben: Im Jahre 1840 griff die „Leipziger Allgemeine Zeitung“ den Talmud an, im Zusammenhang mit der Ritualmordverläumdung in Damaskus. Geiger äusserte sich überhaupt nicht, im Gegensatz zu Leopold Zunz, welcher einen Prozess wegen Verläumdung gegen die „Leipziger Allgemeine“ anstrengte. Über dieses tadelnswerte Verhalten Geigers gegenüber dem stolzen Verhalten von Zunz, schrieb die „Allgemeine Zeitung des Judentums“ (1840) über Geiger: .Er hat seinen Privathass gegen die Talmudisten in diese allgemeine Angelegenheit übertragen“. Nur ein Mann wie Frankel musste hier in die Bresche springen um den Talmud gegen solche Verläumder zu verteidigen und seine ganze Schönheit und geistige Tiefe zu zeigen. Trotzdem Frankels religiös-traditionelle Einstellung bekannt war, wurde von Samson Raphael Hirsch und seinem Frankfurter Kreis Kritik gegen Frankels Werk „Darke HaMischna“ lautbar. Hier sei nur die wichtigste erwähnt. Raw Zwi Benjamin Auerbach aus Frankfurt am Main veröffentlichte eine Polemik-Broschüre „Hazofe AI Darke Ha¬ Mischna“, in welcher er Frankel beschuldigte eine zweideutige Stellung in Bezug auf den G“ttlichen Ursprung der mündlichen Lehre einzunehmen. Den Angriffen von Seiten der Frankfurter Kreise um S. R. Hirsch und Zwi Benjamin Auerbach antwortete Frankel im Jahre 1861 in einem kurzen Artikel. Im Jahre 1923 wurde das Werk „Darke HaMischna“ in Warschau unter der Redaktion von Raw Jizchak Nissenbaum neu gedrückt und Frankels Artikel am Ende des Buches zugefügt. (Neuauflage dieses Buches im Sinai-Verlag, Tel-Aviv, 1959). Frankel beweist in diesem Artikel, dass er in jeder Beziehung in den Fusstapfen von Rambam und von Rabbi Ascher Ben Jechiel (Rosch) gehe. Das war das einzige Mal, wo Frankel auf die Angriffe von Hirsch und Auerbach reagierte. Die Kritik von Hirsch und Auerbach waren als Fragen formuliert („Offene Anfrage“) und Frankel fand, dass es unter seiner Würde sei, sich so einer Inquisition zu unterziehen. In den Fusstapfen Frankels (so Raw Nissenbaum), „ging der grösste Toragelehrte unter den Rabbinen in Deutschland, Rabbi Dawid Zwi Hoffmann“ (Leiter des Hildesheimer Rabbinerseminar in Berlin), Verfasset von „Die erste Mischna und die Controversen der Tannaim“. Wenn Frankel auch nur ein Mal auf die Angriffe von Hirsch und Auerbach reagierte, veröffentlichte sein Freund und Kollege Dr. S. J. Kaempf ein Buch zur Verteidigung der Ideen Frankels: „Mamtik Ssod“ Beleuchtung des Frankelschen Werkes „Hodegetik zur Mischna“ in dogmatischer Beziehung. Schon am Anfang schreibt der Verfasser, dass „jeder jüdische Mensch zum Glauben verpflichtet ist, dass die mündliche Lehre von G“tt gegeben ist* (S. 4), „und in dem Buch Darke HaMischna gibt es nichts, was dem vollkommehen Glauben an die mündliche Lehre widerspricht“. Kaempf beweist auch die Wichtigkeit der Frankelschen Methode, die Geschichte der Gelehrten der Mischna— Tannaim — historisch zu kennen, — insbesondere für angehende Rabbiner: „Was nützt es dem Lehrer, wenn es nur den Inhalt des Talmuds kennt, aber wenn ihn ein Schüler fragt: Wer waren diese Weisen? In welcher Zeit haben sie gelebt und an welchen Orten lebten und lehrten sie? Und wenn er darauf keine Antwort geben kann, ist das für ihn doch beschämend“. (S. 25). Die Hebrew Encyclopaedia Otzar Israel nennt die Methode Frankels „Wissenschaftliche Orthodoxie“. Max Wiener schreibt in seinem Buch „Die jüdische Religion im Zeitalter der Emanzipation“, dass Frankel sich lediglich mit den philologischen Problemen des rabbinischen Schrifttums befasste, „aber er hütete sich strikt die heilige Schrift kritisch anzutasten“. Frankel sah keinen Gegensatz zwischen der wissenschaftlichen Forschung der rabbinischen Literatur und des Talmuds, und seinem unerschütterlichen Glauben an die Verbindlichkeit aller Gesetze der Tora und des Schulchan Aruch. So proklamierte er auch am 10. August 1854, als er die Grundlinien des Seminars unterbreitete: .Die Wissenschaft ist vergänglich aber der Glaube bleibt“. Frankel nahm sich als Vorbild grosse rabbinische Gelehrte, wie Rabbi Yoel Sirkis (Verfasser des Buches „Bajit Chadasch“ — „Bach“ genannt) und Rabbi Elijahu der Gaon von Wilna. Beide verfassten „Hagahot“, d.h. Verbesserungen des talmudischen Text. Durch das Abschreiben des Talmuds (vor der Erfindung der Buchdruckerkunst) und den Ausstreichungen bestimmter Stellen durch die christlich-klerikalische Zensur, schlichen sich in den Text Fehler und Ungenauigkeiten ein. So schrieb Rabbi Joel Sirkis über eine Stelle in dem halachischen Werk „L’wusch Malchut“ (verfasst von Rabbi Mordechai Yaffe, geb. 1530 und „Ba'al Ha'lwuschim“ genannt): „Ba’al Ha'Lwuschim erklärte eine Stelle, welche irrtümlich gedruckt wurde, und kam so zu einer falschen Entscheidung“. Auch der Wilnaer Gaon fand im Talmud bestimmte Ungenauigkeiten im Text, welche er verbesserte und auf diese Weise verschiedene halachische Entscheidungen änderte. Frankel ging in den Fusstapfen dieser rabbinischen Gelehrten; insbesondere aber hielt er sich (wie er sich selbst ausdrückte) an die Persönlichkeit von Rabbi Ascher Ben Yechiel (genannt der „Rosch“), welchen er wiederholt zitiert. ★ Nicht alle Dozenten des Breslauer Seminars blieben der Linie Frankels treu. Aber gerade in den letzten Jahren des Seminars (Mitte der zwanziger Jahre bis 1938) waren die massgebenden Dozenten des Breslauer Seminars der Frankelschen Idee treu. Der Seminarrabbiner Dr. Israel Rabin, Prof. Isaak Heinemann und vor allem der grosse Forscher der rabbinischen Literatur, Prof. Ephrajim Elimelech Urbach (die beiden letztgenannten erhielten den Israel-Preis des jüdischen Staates) waren würdige Nachfolger von Secharja Frankel. (JÜDISCH-THEOLOGISCHES SEMINAR) IN BRESLAU (FRAENKEL'SCHER STIFTUNG) 1854—1938 (Fortsetzung von Seite 4) Gemeinderabbiner in Gleiwitz und fuhr in den letzten Jahren jeden Montag und Donnerstag nach Breslau, um am Seminar zu unterrichten. Sowohl seiner Gemeinde wie auch dem Seminar diente er mit seiner ganzen Hingabe. In diesen Jahren veröffentlichte er verschiedene Publikationen. .Nachdem er im November 1938 im Konzentrationslager Buchenwald gewesen war, gelang es ihm im April 1939 nach London zu entkommen. 1942 starb Dr. Ochs in London. 1854 hatte Frankel begeistert ausgerufen: „Es werden sich uns unwillkürlich die Blicke mancher, an sich der Anstalt abgeneigter, hierher wenden und ihr wenigstens einen, wenn auch äusserlichen Vorzug einräumen und sie als eine Bewahrerin wissenschaftlicher Werke anerkennen müssen“. Alle Jene, die der Anstalt gegenüber eine bejahende Einstellung haben, müssen anerkennen, dass sie eine Stätte hoher wissenschaftlicher Forschungen war und half die Weiterentwicklung des Judentums zu fördern. Im Jahre 1929 wurde feierlich das 75. Jubiläum des Seminars, gefeiert. 1938 wütete gegen die dem Frieden gewidmete Anstalt die sinnlose Wut der Verfolger. Damit hörte auch die „Monatsschrift“ auf veröffentlicht zu werden. Von 1920 bis 1938 'war ihr Herausgeber Prof. Dr. Isaak Heinmann s.A. Ihr letzter Jahrgang wurde 1939/40 von Dr. Leo Baeck in Berlin herausgegeben. Viele bedeutende Persönlichkeiten, die am Seminar lehrten und auch unter denen, die an ihm lernten, bleiben unvergessen in Israel. Viele von ihnen wurden in die Geschichte des jüdischen Volkes eingeschrieben. Spuren des Seminars finden ihre Fortsetzung auch in Israel und an vielen wissenschaftlichen Institutionen in der jüdischen Welt. 6

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