Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1992
- Issue
- No. 56 (1992)
- Date
- 1992-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DES JUDISCH- ZUR GESCHICHTE JUEDISCH-THEOLOGISCHES SEMINAR IN BRESLAU (FRAENKEL’SCHER STIFTUNG) 1854-1938 Von EGON ISRAEL LOEWENSTEIN Am 27. Januar 1846 starb in Breslau Kommezienrat Jonas Fraenkei. In seinem Testament verfügte er über viele Stiftungen. Zu den wichtigsten gehörte die Gründung „eines Seminars zur Heranbildung von Rabbinern und Lehrern“. Am 19. August 1854 wurden die Tore des jüdicht-theologischen Seminars geöffnet. Zacharias Frankel s.A. wurde zum Leiter der neu gegründeten Anstalt berufen. In den religiösen Kämpfen seiner Zeit war ihm der Ausgleich zwischen den Anforderungen des Lebens und Geboten der Tradition ein Herzensanliegen. Dafür war ihm auch die wissenschaftliche Forschung wichtig. Frankel setzte durch, dass „die Wissenschaft der leitende Gedanke der an der Anstalt zu erteilenden Belehrung“ wurde. Es ist sein Verdienst die Grundlagen für den wissenschaftlichen Charakter des Seminars bestimmt zu haben. Die Berufung von Gelehrten, wie Jakob Bernays und Heinrich Zwi Graetz beweist das Niveau, auf welches er das Seminar stellen wollte. Sein Ziel für das Seminar war, das Studium der Theologie mit geeigneten Methoden, in materieller Unabhängigkeit, in untrennbarer Vereinigung mit der allgemeinen Bildung durchzuführen. Schon am Anfang seines Bestehens hatte das Seminar ein Publikationsorgan, die „Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums“. Später nannte sie ein Schüler des Seminars „das Hausorgan“. Die Bibliothek, mit der sofort begonnen wurde, entsprach dem wissenschaftlichen Lehrziel Frankels. Die Gründung des Seminars wurde als ein Ereignis angesehen, die in der Geschichte des jüdischen Volkes einzigartig ist. Zum ersten Mal wurde ein Rabbinerseminar mit materieller Sicherheit geschaffen. In ihm wurde eine wissenschaftliche Rabbinerausbildungsanstalt geschaffen. Durch das Seminar erhielt das jüdische Leben in Breslau eine besondere Bedeutung. Der Geist Frankels kam auch darin zum Ausdruck, dass er von den Lehrern forderte, dass sie auf dem Boden des positiven und historischen Judentums stehen müssen. Seine überragende Persönlichkeit ermöglichte ihm, zum Bildner von Menschen zu werden. Im persönlichen Umgang mit seinen Schülern übte er auf ihre Weltanschauung einen grossen Einfluss aus — aber mehr noch in seinen Vorlesungen. Bis zum letzten Moment der Existenz des Seminars trug es seinen Stempel. Er war es, der in den religiösen Kämpfen des 19. Jahrhunderts, die die Judenheit in Westeuropa zu zerreisen drohten, die Einheit des Judentums bewahrte. Obwohl Frankel durch seine Bildung und seinem Gefühl tief mit dem überlieferten Judentum verbunden war, stand er doch dem modernen Geist keineswegs ablehnend gegenüber. Das lebendige jüdische Leben, wie es sich durch die Tradition geformt hatte, und wie es aus der geschichtlichen Überlieferung des Judentums hervorgegangen war, ist die Garantie für die Erhaltung des Judentums. Die Meisten seiner Schüler blieben der positiv historischen Linie des Seminars treu. Den Hörern wurde die geistige Freiheit gelassen, die sie sich auf Grund ihrer wissenschaftlichen Überzeugung erworben hatten. „Nicht im Einreissen sondern im Aufbau besteht die Reform“, war eines seiner Lieblingsworte. Seine Auffassung vom Judentum wurden von beiden Extremen — von Geiger bis Samson Rafael Hirsch — angegriffen. Weite Kreise, die die Wärme der Frankelschen Einstellung Prof. Dr. Israel Levy, Dozent für Talmud; der verehrte Lehrer u. Vorbild von Rabb. Simonsohn s.A. spürten, traten für ihn ein. Hervorragende Lehrer standen Frankel bei. Heinrich Graetz, der die Geschichte unseres Volkes meisterhaft beschrieb. Manuel Joel, der gewandte Redner und Markus Brann, der das Werk von Graetz fortsetzte. Brann schrieb im Jahre 1904, als das Seminar sein 50. Jubiläum feierte, die Festschrift. Darin beschieb er die Entwicklung und Bedeutung des Seminars mit Liebe und wissenschaftlicher Tiefe. Gegen Ende des Bestehens des Seminars lehrten Prof. Michael Guttmann, ein bedeutender Gelehrter des Talmuds, Isaak Heinemann, an dessen Weisheit und Güte sich jeder gern erinnert hat, der das Glück hatte ihn zu kennen, Dr. Albert Lewkowitz, der bekannte Redner und Lehrer der Philosophie der Neuzeit und Religionspsychologie, und Prof. Ephraim Elimelech Urbach, der bekannte Forscher, der talmudischen Literatur. Mit der Zerstörung der Weimarer Republik, begannen auch für das Seminar schwere, Zeiten. Unter den Dozenten wanderten einige aus. So Prof. Guttmann. Dr. Zimmels wurde Dozent am Jewish College in London. Darum wurde Dr. Heinrich Speyer, der 1897 in Frankfurt a/M. geboren, wurde, Dozent am Seminar. 1935 wanderte Dr. Israel Rabin nach Erez Israel aus. Die durch den Fortgang von Dr. Rabin und durch den Tod von Dr. Speyer entstanden- Lücke wurde von Rabb. Dr. Samuel Ochs ausgefüllt. Er übernahm die talmudischen Vorlesungen. Er ist 1886 in Zboriw (Polen) geboren, erhielt eine tiefgründige talmudische Ausbildung in verschiedenen Jeschivot. 1911—1917 war er Student des Rabbinerseminars in Breslau. 1916—1939 war er (Fortsetzung auf Seite 6) PROF. ISAAK HEINEMANN *a. Am 28. Juli 1957 verschied Prof. Heinemann in Jerusalem Mit ihm ging ein bedeutender Repräsentant des ehemaligen Judentums in Deutschland in die Welt der Ewigkeit, ein. Prof. Heinemann ist in Frankfurt a/M. am 5. Juli 1876 geboren. Er war der Sohn einer alteingesesenen Familie in Frankfurt. Durch seinen Vater Dr. Heinrich Heinemann, der Ehrendajan der Frankfurter Gemeinde war, erhielt er schon in frühester Jugend eine gediegene jüdische Ausbildung. Nach Abschluss des Samson Rafael Hirsch Realgymnasium, hörte er an den altertumswissenschaftlichen Fakultäten in Strassburg, Göttingen und Berlin. Heinemann wurde bevorzugter Schüler von seinem Lehrer Ulrich von Wilamowitz-Möllendorf. Mit ihm verband ihn seit seiner Göttinger Studienzeit, eine herzliche Beziehung. Heinemann hatte schon in seiner Kindheit eine gründliche hebräische und jüdische Ausbildung erhalten und studierte klassische Philologie. Während seiner Frankfurter Zeit übten auf ihn einen besonderen Einfluss die damaligen Gemeinderabbiner Dr. Marcus Horovitz und Dr. Nehemia Nobel aus. Nach Abschluss seiner pädagogischen Examina hatte er die Leitung der von seinem Vater gegründeten Privatschule, an der er bis zu seiner Berufung an das Breslauer Rabbinerseminar tätig war, inne. Ohne Unterbrechung verfolgte er seine jüdischen und hellenistischen Studien. Zusammen mit Leopold Cohn übersetzte er Philo von Alexandrien. Seine Mitarbeit an der Monatsschrift und an der Festschrift zum 70. Geburtstag von Herman Cohen galt der Behandlung jüdisch-hellenistischer Themen. Er wurde im Jahre 1919 der Nachfolger von Dr. Saul Horovitz am Breslauer Rabbinerseminar. Am Seminar lehrte er 20 Jahre Religionsphilosophie, Midrasch, Mystik und Homiletik. Seine Schüler erzog er im Geist des traditionellen Judentums und erfüllt mit Liebe zu „Klall Jisrael“ zu Rabbinern und Lehrern jüdischer Gemeinden. Nach dem Tode von Dr. Markus Brann s.A. übernahm er im Jahre 1921 die Schriftleitung der „Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums“. Der Monatsschrift gab er einen lebensnahen und dabei doch streng wissenschaftlichen Charakter. 1920 wird er von der Breslauer Universität zum Honorarprofessor für hellenistische Kultur berufen. Trotz aller Hingabe zur Wissenschaft gehörte er nicht zu den Gelehrten, die an den tagtägliche Ereignissen keinen Anteil nehmen. Er suchte als Jude und als Mensch seine wissenschaftliche Arbeit mit dem Leben in Einklang zu bringen. Durch seine natürliche Begabung wie durch seine Entwicklung war er der berufene Vertreter der hellenistischen und religionsphilosophischen Disziplinen. Aus seiner Feder stammen die wissenschaftlichen Beiträge zu den Jahresberichten des Seminars. 1926 „Die Lehre von der Zweckbestimmung des Menschen im griechischen Altertum und im jüdischen Mittelalter“; 1929 erschien die Festschrift zum 75jährigen Bestehen des Seminars. Ausserdem sein 3 Teile umfassendes Werk „Phi- Ions griechische und jüdische Bildung“. Darüber hinaus schrieb er jüdisch-hellenistische wissenschaftliche Beiträge in der „Pauly-Wissowaschen Realenzyclopädie für klassische Altertumswissen- (Fortsetzung auf Seite 9) 4