Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2004
- Issue
- No. 76 (2004)
- Date
- 2004-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Mut zum Überleben, von Marion Kaplan jüdische Frauen und ihre Familien in Nazi~Deutschland Aus dem Amerikanischen von Christian Wiese, Aufbau Taschenbuch-Verlag, 1. Aufl. 2003, 409 S. Jüdische Frauen und ihre Familien, d.h. ihre Kinder, aber auch ihre Männer, werden beschrieben auf Grund von Quellen, die Marion Kaplan gesammelt hat, mit vielen interessanten Anmerkungen und Literaturhinweisen. Die Verfasserin ist die Tochter jüdischer Emigranten nach USA, die das Schicksal von Frauen in den Vordergrund stellt, aber das gesamte Umfeld berücksichtigt. Nach einer Einführung in die Frauengeschichte und die jüdische Gemeinschaft werden acht Bereiche sowohl hinsichtlich des zeitlichen Verlaufs als auch schwieriger, bestimmter Schwerpunkte (Mischehen, Schule) geschildert: 1) Es ist erschreckend, wieviele Menschen 1933 plötzlich Juden verachten und ablehnen, die sie vorher als Mitmenschen behandelt haben. "Die Minderwertige Rasse" erschlägt das bisherige jüdische Leben, ohne dass den meisten Menschen diese Lüge bewußt wird. Selbst die Mehrheit der Christen werden "Deutsche Christen", die sich vom Judentum, ihren Wurzeln, trennen und gewalttätige Nazis werden. 2) Das alltägliche Leben verändert sich. Die Religion bietet Trost. Die Juden werden mehr und mehr isoliert von anderen Menschen, auch besonders die Kinder. Arbeitslose Männer, das Problem der Auswanderung (einer will gehen, der andere bleiben) belasten die Situation. 3) "Gemischte Familien", jüdisch-christlich oder rassisch gemischt (germanischjüdisch) werden zum Problem. Wie sich jetzt auch in dem Film "Rosenstraße" zeigt, war das ein besonders schwieriges Kapitel. Arische-christliche Frauen setzten sich für ihre jüdischen Männer ein. Die Konflikte in einzelnen Familien sind noch vielfältiger. Haussuchungen, verbunden mit Schlägen, Beschimpfungen, Diebstahl waren an der Tagesordnung. 4) Kinder und Jugendliche sind besonders betroffen, in der Schule, auf der Straße; Freunde wenden sich ab, bespucken die Juden - Isolierung ist die Folge. Die Eltern, besonders die Mütter, leiden. Gott sei Dank gab es auch Ausnahmen: gegenseitige Hilfe. 5) Das November-Pogrom 1938 verschärft die Situation: viele Männer werden verhaftet: KZ. Frauen müssen erdulden, wie ihre Männer gedemütigt, geschlagen, verhaftet werden. Kinder werden gerettet (nach England), von den Müttern getrennt. Auch die Mütter werden bald nach Auschwitz gebracht... 6-8) Die Verschlimmerung der Situation wird anhand von Beispielen vielfältig gezeigt: vom sozialen Tod zur physischen Vernichtung; von der Isolierung in den Untergrund, in die Illegalität. Das Leben im Versteck, aber auch jüdischer Widerstand werden geschildert. Wer Mut hat und Freunde findet, der wird versteckt, was für alle Beteiligten lebensgefährlich ist. Anna und Salomon Samuel sind ein Beispiel (S. 242-246), sind ein lebendiges Beispiel für die fast hoffnungslose Situation. "Ich kann es nicht ertragen, von meiner großen Familie in Deutschland die einzige Überlebende zu sein. Wenn ich einmal die Gewißheit habe, dass Gustl tot ist, dann will ich mit dem Kind auch nicht mehr leben. Was sollen wir denn hier? nirgends auf Erden eine Heimat. . . (S. 322) Marion Kaplan, Tochter jüdischer Emigranten, hat erstaunlich viele Erfahrungen gesammelt, sortiert und aus der Sicht von Müttern, von Frauen spannend zur Darstellung gebracht. Frauen erhalten die Stimme, die ihnen zusteht. - Ein unerhört lesenswertes Buch mit wertvollen Anmerkungen zu jedem Kapitel und einer Bibliographie (Bücher und Dissertationen, Artikel und Vorträge, Zeitschriften, Archive und Bibliotheken), die weitere Quellen erschließt, wenn sie gewünscht werden. Franz von Hammerstein "Die Mahnung", 1.12.2003 Das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas Soll am 8. Mai 2005 - dem 60 am 4. April beim offiziellen Baustart für Jahrestag des Kriegsendes - eröffnet das Holocaust-Mahnmal in Berlin an. werden. Das kündigte Für 27 Millionen Euro sollen auf dem Bundestagspräsident Wolfgang Thierse Gelände am Brandenburger Tor ein von dem Architekten Peter Eisenman geplantes Feld von 2700 Betonstelen und ein unterirdischer "Ort der Information" entstehen.