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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2003-01-01 · No. 74 (2003) · p. Seite 4

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2003
Issue
No. 74 (2003)
Date
2003-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Die Fünfte Joseph Carlebach-Konferenz: Unvollendetes Leben zwischen Tragik und Erfüllung der den Erniedrigten aufrichtet aus dem Staube und aus dem Elend erhöht den Armen" (Psalm 113.1) Herausgegeben von Miriam Gillis*Carlebach und Wolfgang Grünberg Das Joseph Carlebach Institut in der Bar-Han Universität befaßt sich mit Forschungen auf dem Gebiet der jüdischen Erziehung. Das Institut trägt den Namen von Rabbiner Dr. Joseph Carlebach s.A., der letzte Rabbiner von Hamburg-Altona, welcher mit einem Teil seiner Familie von den Nazis ermordet wurde. Seine Tochter, Prof. Dr. Miriam Gillis-Carlebach ist die Direktorin dieses Instituts. Das Institut veranstaltet zusammen mit der Hamburger Universität alle zwei Jahre eine "Joseph Carlebach Konferenz", welche abwechselnd einmal in Israel und einmal in Hamburg stattfindet. Nachstehend der Vortrag von Prof. Dr. Arno Herzig über den uns allen bekannten Historiker Dr. Willy Cohn, s.A. auf der "Fünften Joseph Carlebach Konferenz". Der Breslauer Historiker Willy Cohn (1888-1941) von Arno Herzig Entwicklung eines Juden aus dem nun untergehenden deutschen Kulturkreis festhalten". Das Ende dieses Kulturkreises, dem er sich zugehörig fühlte, von dem er sich aber trennen mußte, stand ihm vor Augen, als er sich nach dem Sinn von Geschichte und von historischer Überlieferung fragte. Was vermittelte ihm, dem gläubigen Juden, engagierten Zionisten und ambitionierten Historiker in diesem Chaos noch einen Sinn? Obgleich er bei aller Akkulturation in seinem Glauben und der Zielsetzung jüdischer Geschichte eine feste Orientierung besaß, fiel es ihm nicht leicht, nach 1933 eine neue Identität zu finden: Er als Jude und die anderen - "die arischen Menschen". Trotz dieser Identität rissen nach 1933 die Kontakte nicht ab, ja man hat als Leser den Eindruck, daß sie sich vor der Katastrophe noch intensivierten, so wenn Wer sich mit dem Leben des Breslauer er am 3.2.1941 von einer Unterhaltung mit dem Historikers Willy Cohn (1888-1941) befaßt, der Milchhändler berichtet, der ihn "in ein Gespräch wird vielleicht das Exzeptionelle, das verwickelt" habe, und Willy Cohn erstaunt Außerordentliche, vermissen~Obgleich als feststellte: "Das tun die Arier jetzt sehr gern, Historiker nicht unbedeutend, so zählt er doch weil sie hoffen, eher von uns eine Meinung zu nicht zu den großen jüdischen Historikern hören, wie es wirklich ist." Vor allem bestanden Breslaus wie Heinrich Graetz (1817-1891) oder noch enge Kontakte zu den Wissenschaftlern Marcus Brann (1849--1920). Als Opfer der und Angestellten des Domarchivs und der Schoa aber gewinnt sein Leben etwas Dombibliothek, die ihm bis zu seinem Ende ein Exzeptionelles. Es mag uns helfen, das wissenschaftliches Arbeiten ermöglichten. Ungeheure etwas verständlicher zu machen; Dennoch blieb die Trennung, denn es konfrontiert uns mit dem schlimmsten Bevor wir uns mit den hier aufgeworfenen Verbrechen in der Geschichte, das aus einem Fragen näher befassen, zuerst einige Kulturkreis hervorging, dem sich Willy Cohn biographische Anmerkungen zu dem Historiker durch Herkunft, Erziehung und Geschichte eng Willy Cohn. Er wurde am 12.12.1888 in Breslau verbunden fühlte. geboren. Wie zahlreiche Mitglieder des Seine ’Lebenserinerungen', an denen er bis jüdischen Establishments Breslaus, auch des kurz vor seiner Deportation intensiv arbeitete intellektuellen, war sein Vater aus der Provinz und um deren 'Rettung' er sich angestrengt Posen in die Odermetropole gekommen und bemühte - die Rettung der 3.453 Seiten gelang hatte sich als Kaufmann am Ring etabliert. Die Gott sei Dank -, sie sollten, wie er schlicht am Lage des Geschäfts läßt auf Wohlstand 20.11.1938 seinem Tagebuch anvertraute, "die schließen. Cohns Mutter entstammte der Breslauer Musikverlegerfamilie Hainauer. Die Familie war liberal. In Breslau bedeutete dies: Sie besuchte an den hohen Feiertagen die Neue Synagoge, damals die größte Synagoge Deutschlands. Nach dem Besuch des Breslauer Johannesgymnasiums (1895-1906) studierte er in Heidelberg und Breslau Geschichte und Germanistik (1906-1911). In seiner Vaterstadt promovierte er 1910 mit 22 Jahren mit einer Arbeit über die normannisch-sizilische Flotte. Der Normannen- bzw. Stauferstaat Süditaliens spielte später in seinen Forschungen eine wichtige Rolle, so vor allem das Zeitalter Kaiser Friedrich II., was ihm den Spitznamen "Normannen-Cohn" einbrachte. Eine wissenschaftliche Laufbahn an der Universität bzw. der Pädagogischen Akademie ließ sich nicht realisieren. Eine Berufung als Geschichtsprofessor an die Pädagogische Akademie Breslau, bei der Cohn 1930 in die engere Wahl gezogen war, wäre wohl zustande gekommen, "wenn wer nicht", wie Cohn zu Recht vermutete, "Jude gewesen wäre und den Namen Cohn getragen hätte". Trotz der Liberalisierung der Lehrerausbildung in der Weimarer Repulik spielten gerade in diesem Bildungszweig konfessionelle Gesichtspunkte eine wichtige Rolle. Nach seinem Staatsxamen 1912 ging er in den Schuldienst und wurde Lehrer an seiner alten Schule, dem Johannesgymnasium. Diese Schule gehörte zwar nicht zu den alten Breslauer Traditionsgymnasien, war aber in ihrer Art als "Simultangymnasium" einmalig, weil in ihr "dem evangelischen, katholischen und jüdischen Bekenntnis das gleiche Recht prinzipiell eingeräumt wurde". Willy Cohn stellte einmal stolz fest, daß "die meisten tüchtign Breslauer" von dieser Schule kamen. Wenn man Schüler wie Emil Ludwig, Siegfried Marek, Norbert Elias, (Fortstzung auf Seite 5)

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