Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2001
- Issue
- No. 70 (2001)
- Date
- 2001-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Kalonymos Seev Wissotzky Wer Israel besucht hat, kennt das Logo, vom Gang durch den Supermarkt, vom Frühstückstisch im Hotel und dem Cafe am Strand von Tel Aviv. Es ziert die Produkte der größten Teefirma Israels, deren Anfänge in das Moskau der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts zurückreichen: Wissotzky. Daß dahinter ein "Kalonymide" steht, der zu den großzügigsten Förderern der jüdischen Wiederbesiedlung Palästinas zählt, wissen allerdings nur wenige. Kalonymos Seev Wissotzky, Gründer des Teeimperiums, wurde 1824 im litauischen Sagare geboren, wo er eine traditionelle Erziehung am lokalen Lehrhaus genoss. Mit 18 verheiratet, führte er sein Studium im Haus seines Schwiegervaters fort und besuchte für kurze Zeit die berühmte Jeschiwa von Wolozhin. Nach einem gescheiterten Versuch, seinen Lebensunterhalt mittels der Landwirtschaft zu bestreiten kehrte er nach Sagare zurück, wo sein Leben als Handelsmann von größerem Erfolg gekrönt war. Der jüdischen Tradition treu geblieben, verbrachte er im Jahr 1853 drei Monate an der Jeschiwa von Israel Salanter, dem Gründer der Mussarbewegung in Kowno, der das Studium der jüdisch-ethischen Literatur in den Vordergrund stellte. 1858 zog er nach Moskau, wo er sich der Teeindustrie zuwandte. Nach kurzer Zeit gründete er sein eigenes Teehandelshaus, das bald zu einem der größten Rußlands wurde und seinen Inhaber zu einem reichen Mann machte. Durch Aufrufe eines der Vordenker des Zionismus, Rabbi Zwi Hirsch Kalischer, wurde Wissotzky früh auf den damals entstehenden Gedanken der praktischen Wiederbesiedlung des "Landes Israel'VPalästina aufmerksam gemacht und er förderte verschiedene Einrichtungen, welche die kleine im Land befindliche jüdische Bevölkerung, den Jischuw unterstützten. Er zählte zu den ersten Mitgliedern der Bewegung Chowewe Zion, den "Liebhabern Zions", die 1881 infolge der Pogrome in Russland gegründet wurde. Als Schatzmeister und später Vorsitzender der Moskauer Ortsgruppe übernahm er auch Verantwortung, so daß er auf der Kattowitzer Konferenz der Chowewe Zion im November 1884 in den Vorstand gewählt wurde. Im Auftrag des Zentralkomitees der Bewegung reiste er im Frühling 1885 nach Palästina, wo er sich während eines dreimonatigen Aufenthalts über Zustand, Entwicklung und Bedürfnisse der wenigen jüdischen Siedlungen des Landes informierte und um die Einrichtung eines Sitzes der Chowewe Zion in Jaffo bemühte. Seine Erlebnisse schilderte er in Briefen und Berichten, die er aus Palästina an die leitenden Persönlichkeiten der Bewegung schickte, darunter Leon Pinsker und Moses Löb Lilienblum, Briefe, die 1898 unter dem Titel Kwuzat Michtawim in Warschau veröffentlicht wurden. Sie zeigen Wissotzky als unermüdlichen Kämpfer für die jungen Siedlungen und als leidenschaftlichen Werber für deren Unterstützung aus Europa - allerdings mit nur geringer Wirkung. Neben der Förderung der jüdischen Bevölkerung in Palästina widmete sich Wissotzky zahlreichen Projekten im sozialen, kulturellen, erzieherischen und wissenschaftlichen Bereich. Seine Liebe zur hebräischen Sprache spiegelt sich nicht nur in seinen Schriften ("Eretz Israel und die hebräische Sprache sind die zwei Säulen, auf die sich die Kraft der jüdischen Nation stützt"), sondern auch in seinen Bemühungen um die Errichtung einer jüdischen Akademie und Hochschule in Palästina, in seiner Förderung der nicht verwirklichten Pläne von Achad Haam, eine hebräische Enzyklopädie herauszugeben, und in seiner Finanzierung der ab 1898 erschienenen Monatszeitschrift Haschiloach. Am 25. Mai 1904 starb Kalonymos Seev Wissotzky im Alter von fast 80 Jahren. Ein Nachruf des Berliner orthodoxen Blattes Die Jüdische Presse pries ihn u.a. mit folgenden Worten: "Im wohltuenden Gegensätze zu so Vielen unter unseren Millionären wollte Kallmann Wolf Wissotzki nichts weiter als Jude sein, und das war er in seinem Empfinden, wie in seinem Handeln." Er hinterließ eine Million Rubel für wohltätige Zwecke und für den Ausbau jüdischer Einrichtungen in Eretz Israel. Heute wird sein heißes "Erbe" wie allerorten auch am weltberühmten Technion in Haifa getrunken, das seine Existenz ihm mitverdankt. ap "Kalonymos", 2000 Deutsch-jüdische Geschichte in Breslau Till van Rahden - Juden und andere Breslauer Die Beziehungen zwischen Juden, Protestanten und Katholiken in einer deutschen Großstadt 1860-1925 Inwieweit waren die Juden in die deutsche Gesellschaft integriert? Gibt es eine Kontinuitätslinie von der deutsch-jüdischen Geschichte vor dem Ersten Weltkrieg zum nationalsozialistischen Antisemitismus? Till van Rahden geht diesen Fragen am Beispiel der Beziehungen zwischen Juden und der übrigen Bevölkerung in Breslau nach. In der Sozialstruktur von Juden, Protestanten und Katholiken, im Vereinswesen, in den Heiratskreisen, im Schulwesen und in der städtischen Politik zeigt sich, daß seit der Mitte des 19. Jahrhunderts das Ausmaß der jüdischen :::::::::::::::::::::::::::: Integration in Breslau ständig zugenommen hatte und die Beziehungen zwischen Juden und anderen Brelauern bis zum Ende des Kaiserreichs auch meistens frei von Antisemitismus blieben. Die Studie geht aber über die Frage nach den Kontinuitätslinien hinaus. Die Geschichte der Breslauer Juden und Christen wird als eine gemeinsame Geschichte von ethnischer und religiöser Vielfalt und Differenz geschrieben. Für diese Arbeit erhielt Till van Rahden 1999 den "Fraenkel Prize in Contemporary History" des "Institute of Contemporary History and Wiener Library", London. Der Autor Dr. Till van Rahden ist Historiker am Historischen Seminar der Universität zu Köln, Albertus Magnus Platz, D-50923 Köln.