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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1999-01-01 · No. 67 (1999) · p. Seite 4

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1999
Issue
No. 67 (1999)
Date
1999-01-01
Page
Seite 4 (sequence 1552)
Language
German
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4 Ein Zweig der Familie Haine lebt in Israel (Die Geschichte einer jüdischen Familie aus Deutschland) Mein Dank gilt Herrn Kim Chissick, welcher mir freundlicher Weise das Material für diesen Artikel aus dem Familienarchiv zu Verfügung stellte. Der Dichter Heinrich Heine, welcher aus einer gut bürgerlichen, jüdischen Familie aus Düsseldorf stammte, konvertierte zum Christentum um so, wie er sich ausdrückte, "das Entrebilliet zur europäischen Kultur" zu erhalten. Aber er hat nie seine Bindung zum Judentum verleugnet und hat viele jüdische Themen in seinen Schriften behandelt. Man erzählte sich folgende Begebenheit: Als Heine einmal mit dem Altmeister der Wissenschaft des Judentums, Lipmann Jom-Tov Zunz, zusammentraf, fragte Zunz, ob Heine aus Überzeugung oder aus Bequemlichkeit zum Christentum konvertiert sei. Die Antwort Heines war: "Da ich doch ein Jude bin, will ich Ihnen nach jüdischer Art mit einer Gegenfrage antworten: Haben Sie schon mal einen Juden gesehen, der einen anderen Juden für einen Gott hält"? s Der Zweig der Familie Heine, der nie das Judentum verlassen hat, sind die Nachkommen von Heinrich Heines Schwester Charlotte (sein "geliebtes Lottchen"). Ihre Nachkommen, welche noch heute in Israel leben sind Kim (1939) und Jonathan (1945) Chissick, beide in Haifa geboren. Die Familiengeschichte und die familiären Bande zwischen den Familien Heine und Chissick, entdeckte Jonathans Frau Sarah. Als sich Sarah und Jonathan Chissick in den siebziger Jahren in England aufhielten , bekam Sarah von einer Cousine der Mutter Jonathans einen Kasten, welcher Dokumente der Familie enthielt. Nach mühsamer Forschung dieser Dokumente kam man zu dem Ergebnis, daß es sich hier zweifellos um die Geschichte und Nachkommen von Charlotte ("Lottchen") Embden (geb. Heine) handelt. Von Charlotte Embden bis zu den Brüder Chissick, sind immer die Mütter und Großmütter das Bindeglied. Charlotte Embden war die Frau von Moritz Embden und nach ihrer Heirat wohnte das Ehepaar in Hamburg. Ihre Tochter Heiene heiratete Wilhelm Hirsch. Sie vergaß nie ihren Onkel, den berühmten Dichter Heinrich Heine, welchen sie als 10jähriges Mädchen bei einem Aufenthalt in Paris kennenlernte. Ihre Tochter Mathilde (Tochter von Wilhelm und Helene von M.E.Hauschner Hirsch) heiratete Heinrich Salomon, einen orthodoxen Juden, geboren in der Provinz Posen und ein Verwandter von dem berühmten Rabbiner aus Posen Rabbi Akiba Eger. Ihre älteste Tochter Edith siedelte nach England über und heiratete dort Percy P. Baker (17. August 1907), ein engagierter Zionist, welcher verschiedene zionistische Vereine in Schottland gründete. Er arbeitete eng mit Chajim Weizmann zusammen. Sarah Chissick fand in dem Dokumentenkasten eine umfangreiche Korrespondenz von Percy Baker mit den zionistischen Persönlichkeiten jener Zeit, wie Weizmann, Herzl, Max Nordau, Montefiore u.a.m. Edith und Percy Baker kamen 1940 bei dem "Blitz" Angriff der Deutschen auf London ums Leben. Die zweite Tochter von Mathilde, Leonie (Schwester von Edith) heiratete den am 16.9.1889 in Baden geborenen Hugo Kaminski. Ihr Vater Heinrich Salomon betrachtete schon vor dem Ersten Weltkrieg sorgenvoll die antisemitische Welle, welche sich in Deutschland bemerkbar machte. So begann sein Interesse an der Kolonisation in Erez Israel. Erfuhr 1911 nach Erez Israel und kaufte 359 Dunam Boden in der Nähe von dem Moschaw Merchawia. Ein Jahr später kaufte der Vater von Hugo Kaminski - Simon - noch 100 Dunam, als Hochzeitsgeschenk für Leonie und Hugo. Leonie und Hugo Kaminski heirateten 1913 in Haifa. Auch der Bruder von Leonie und Edith, Walter, kam zu dieser Zeit nach Erez-Israel. Nach einem kurzen Aufenthalt in Haifa, siedelten die Kaminskis und Walter Salomon nach Merchawia über. Sie bauten dort ein Haus mit vier Zimmern, eine Halle und Küche, aber ohne fließendes Wasser und Elektrizität. Für Sicherheit sorgte ein zwei Meter hoher Wall rund ums Haus. Leonie schreibt in ihren Memoiren, daß sie dort eine Farm aufgebaut haben mit 8 Kühen, 4 Pferden, Hühnern u.s.w. Außerdem pflanzten sie Mandel-und Olivenbäume. Auch heräisierten sie ihren Namen von Kaminski auf Ben-Zur. Im Jahre 1914 wurde ihr erster Sohn, Elijahu, in der Klinik von Dr. Elias Auerbach in Haifa geboren. Hugo brachte seine Frau in einem Pferdewagen von Merchawia nach Haifa. Nach dem Brith kehrte die nun vergrößerte Familie nach Merchawia zurück. Im August 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Walter Salomon (Leonies Bruder) kehrte nach Deutschland zurück. Er starb im Ersten Weltkrieg. 1915 requirierten die Türken ihr Haus und machten in der Farm was sie wollten. Im August 1915 wurde Hugo auf das deutsche Konsulat bestellt und es wurde ihm klar gelegt, daß er nach Deutschland zum Militärdienst zurückkehren müsse. Inzwischen wurde das zweite Kind, Yakov, geboren. Im Oktober 1915 kehrte die Familie nach Deutschland zurück. Nach Ende des Ersten Weltkrieges begann Hugo Kaminski sich eine neue Existenz aufzubauen. Aber der aufkommende Antisemitismus in Deutschland, schon in den Zwanziger Jahren, beschleunigten den Entschluß von Leonie und Hugo im Jahre 1932 nach Erez Israel zurückzukehren. So geschah es, daß die vierte Generation einer prominenten jüdischen Familie in Deutschland beschloß, zur rechten Zeit in das Land Israel zurückzukehren. Sie ließen sich mit ihren vier Kindern in Kfar Saba nieder, ihre Farm in Merchawia mußten sie zu einem Spottpreis verkaufen. Einer ihrer Söhne fiel in den Kämpfen des israelischen Befreiungskrieges 1948. Hugo Kaminski starb 1961, und Frau Leonie hütete liebevoll ihre unzähligen Erinnerungen. Ruth Baker, Tochter der schon erwähnten in London lebenden Edith Baker (ältere Schwester von Leonie Kaminski), heiratete Louis Chissick. Dieser Ehe entstammten zwei Kinder, Kim und Jonathan, welche in Israel.leben. Ihre Mutter Ruth starb frühzeitig, im Alter von 41 Jahren im Jahre 1949, als die Kinder erst 10 und 3 Jahre alt waren. Der Vater heiratete zum zweiten Mal und niemand sprach mit den Söhnen über ihre Vorfahren mütterlicherseits. Erst als Jonathans Frau Sarah in den siebziger Jahren von der Cousine von Kims und Jonathans Mutter einen Kasten mit den Familiendokumenten erhielt (wie schon oben berichtet) erfuhren Kim und Jonathan alles Wissenswerte über ihre Familie mütterlicherseits. Ruth Bakers Cousine hatte ein kleines Haus außerhalb von London. Dahin flüchtete sie zur Zeit des "Blitz" auf London im Zweiten Weltkrieg. Zum Glück nahm sie den Kasten mit den Familiendokumenten mit sich, so daß die interessante Geschichte einer jüdischen Familie aus Deutschland erhalten blieb. Die Nachkommen dieser Familie leben heute in Israel, "an den Ufern des Jordans", wie Heinrich Heine es in einem seiner Gedichte nannte.

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