Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1999
- Issue
- No. 67 (1999)
- Date
- 1999-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 1551)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/7506414-7411879-7411904--343-7411907- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3 Ich überlebte... Von Anni Goldstein geb. Jonas Ich bin eine der wenigen Überlebenden von Auschwitz-Birkenau, No. 46213 tätowiert. Bin eine geborene Jonas aus Patschkau Kreis Neisse, und war viele Jahre Angestellte im Jüdischen Krankenhaus, Hohenzollernstraße 96. Mit dem letzten Transport am 17. Juni 1942 kam ich mit ungefähr 200 Personen nach Auschwitz, von den Frauen kamen nur vierzehn in das Arbeitslager, wir hielten sehr zusammen, bis ich als einzige übrig blieb. Mütter mit Kindern hat man sofort separat gehalten und die Männer kamen auch woanders hin. Der andere Transport war die Auflösung der Jüdischen Gemeinde in der Wallstraße 9 in Breslau. Alle Persönlichkeiten wie Mr. Pollack, Mucke Rosenthal, Günter Singer nebst Familien, sowie der Rest von unseren Patienten, meine Vorgesetzte und persönliche Beschützerin, Frau Charlotte Hülsen.. Frau Hüsen hätte ihr Leben retten können, der Gestapo-Mann Marsch wollte sie in die Schweiz bringen, doch sie zog es vor, mit den anderen nach Theresienstadt zu gehen, wo sie elend zugrunde ging. Man fand bei ihr Kaffee und Zigaretten, was Juden nicht haben durften, sie aber zum Leben brauchte. Für diesen Besitz bekam sie Kerker in der Festung. Was die Breslauer Gestapo anbetrifft, daß sie alle ungeschoren davon gekommen sind, ist eine Schande! Wir Überlebenden haben Furchtbares mitgemacht. Jede Minute kämpften wir mit dem Tode, nach meiner Befreiung aus Bergen-Beisen habe ich mich in Lüneburg dem Gericht gegen den Kommandanten von Auschwitz und seinen Mithelfern als Zeugin gestellt. Sie haben ihre Strafe bekommen, und ich habe meinen Vater und zwei Geschwister gerächt. Ich war mit Judith Sternberg und Anita Lasker zusammen. Als Hitler die russische Front verlor, hat man angefangen, das Lager zu räumen, man brauchte mehr Soldaten an der Front, so schickte man uns überall hin, wo die Munitionsfabriken waren. So kam ich von Auschwitz nach Hundsfeld. Zwei Monate später mußten wir das Lager wieder räumen, weil die Russen weiter nach Schlesien vordrangen. Wir wurden zu Fuß gejagt über Breslau nach Groß- Rosen in den Bergen von Jauer im Schnee und Eis, keinen Mantel, nur Lumpen um die Füße gewickelt, auf den Straßen in Breslau war so ein Durcheinander, wir konnten kaum durchkommen, wir mußten über die Oderbrücke, die nach uns gleich gesprengt wurde. Über den Königsplatz nahe der Wallstraße gingen wir raus in Richtung Schweidnitz. Ein SS-Weib immer neben mir, es solle mir ja nicht einfallen, zu flitzen. Wer nicht mehr weiter konnte und sich am Straßenrand niedersetzte, wurde erschossen. Wir begegneten einer Kolonne nach der anderen von Kriegsgefangenen und Juden alle in der selben Richtung. In Groß- Rosen nach zwei Tagen angekommen, hat Gott mit einen Engel geschickt, den Lager-Capo, er war ein Berufsverbrecher, der im im Lager Karriere gemacht hat. Jedenfalls brachte er für uns Frauen die Brotrationen. So fragte er, ist hier jemand aus Breslau? Worauf ich mich meldete. Er fragte mich, was ich brauche. Antworten brauchte ich nicht, denn er sah genug. Er sagte zu mir, ich solle am nächsten Tag um die selbe Zeit hier sein, er werde mir einen Mantel und Schuhe aus der Kleiderkammer bringen. Ich war wie neu geboren! Ja, ich glaube daran, wenn die Not am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten. Acht Tage später wurde das ganze Lager Groß-Rosen aufgelöst. Wir wurden in offenen Viehwaggons untergebracht und es ging nach Buchenwald. Dort war das Lager schon überfüllt, so ging es weiter nach Österreich zu, nach Mauthausen. Dort behielt man nur die Männer, wir Frauen mußten, Gott sei Dank, nach zwei Tagen wieder weg. Es war das Schlimmste, was ich. je gesehen habe. Jede einzelne Baracke war eingemauert in Stein, man konnte nichts sehen: Nur Steine, Steine, Steine! Also ging es durch ganz Deutschland nach Bergen-Beisen in der Lüneburger Heide, bis wir am 15.4.1945 von den Engländern befreit wurden. Wir waren schon derart ausgehungert, daß auch wir noch acht Tage später nicht mehr gelebt hätten. Bitte seien Sie mir nicht böse, daß ich Sie mit meinem Schreiben unnötig belästige, aber die Erinnerung ist wieder so frisch vor meinen Augen. Ich bin heute eine alte, zerbrochene Frau im Altersheim und grüße alle ehemaligen Breslauer recht herzlichst. »»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»» Ignatz Bubis s.fi Bei Redaktionsschluss erfahren wir, dass der Vorsitzende der jüdischen Gemeinden in Deutschland, Ignatz Bubis, im Alter von 72 Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Er war ein Überlebender des Holocaust. Auf seinen Wunsch hin, wurde er in Israel bestattet, da er fürchtete, dass in Deutschland Neo Nazis sein Grab schänden werden, wie sie auch das Grab seines Vorgängers, Heinz Galinski s.A. schändeten. Bei der Beerdigung in Tel Aviv nahmen der Aschkenasische Oberrabbiner von Israel, Raw I.M. Lau, der Präsident des Staates Israel, Eser Weizmann, der Präsident der Bundesrepublik und deren Innenminister, so wie viele andere prominente Persönlichkeiten aus Israel und Deutschland teil.; Die letzte Ausgabe der "Tribüne" (Nummer 150) enthält eine; Beschreibung des Internationalen Suchdienstes des Roten Kreuz (ITS), welches das größte Archiv für NS Opfer mit Millionen; von Namen besitzt. Laut unserer Anfrage bei der Redaktion der ' "Tribüne" können wissenschaftliche und personenbezogene : Anfragen an das ITS gerichtet werden. Die Adresse lautet: Internationaler Suchdienst, Große Allee 5-9, 34444 Bad Arolsen, Fax: ++49-5691-6037 Eine wichtige Nachricht an unsere Leser Wie wir in Erfahrung gebracht haben, wurde in den U:S: ein "dass action lawsuit" für jüdischen Besitz in Polen (auch Breslau) beim "federal court" in Brooklyn eingereicht, und zwar durch Mel Urbach Esquire, ein Rechtsanwalt und Sohn eines polnischen Überlebenden des Holocaust. Herr Urbach benutzt einen Teil seiner Rechtsanwaitspraxis, um Überlebenden des Holocaust zu Restitution oder Entschädigung ihres Besitzes zu verhelfen. Unser Komittee hat Herrn Urbach beauftragt, unseren Anspruch auf den Besitz der jüdischen Gemeinde vor Gericht zu vertreten. Seine Adresse ist: Mel Urbach Law Offices, One Exchange Place, Suite 1000, Jersey City NJ 07302, Tel: 201-3954709, Fax: 201-3954711, e-mail MURBA@ AOL.LOM