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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1990-01-01 · No. 54 (1990) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1990
Issue
No. 54 (1990)
Date
1990-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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HEINRICH ZWI HIRSCH GRAETZ - (Fortsetzung vor» Seite 2) 1869 wurde er ausserordentlicher Honorarprofessor an der Breslauer Universität. Von 1856 und 1870 erschienen 8 Bände seines grossen Geschichtswerkes. Es fehlten nur noch die ersten beiden Bände. Sie sollten die biblische Zeit und die Epoche des zweiten frühen Tempels behandeln. Er fühlte, dass er diese frühe Epoche unserer Geschichte nicht beschreiben könnte, ohne Erez Israel selbst kennen gelernt zu haben. Nach seiner Rückkehr schrieb er ein kritisches Memorandum über die sozialen und pädagogischen Zustände im Land. Und sprach sich gegen die “Chaluka” aus. Graetz trat auch der Bewegung der Chowewe Zion bei. Seine “Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart" trug die Geschichte des jüdischen Volkes aus der Gelehrtensiube in weite Kreise. In der weiten Darstellung kommt eine glühende Begeisterung für die Geschichte Israels, seine Leiden und seine Aufgabe zum Ausdruck. In der Einleitung zu seinem 4. Band sagt er: “Wollte man von dem Zeitraum beispielloser Leiden ein deutliches Bild entwerfen, so könnte man ihn nur unter dem Doppelbild darstellen. Von der einen Seite der geknechtete Jude mit dem Wanderstab in der Hand, dem Pilgerbündel auf dem Rücken, mit verdüsterten, zum Himmel gerichteten Zügen; von Kerkerwänden, Marterwerkszeugen und dem glühenden Eisen der Brandmarkung umgeben; auf der andern Seite dieselbe Figur mit dem Ernst des Denkers auf der Stirn, mit der Forschermiene in den verklärten Gesichtszügen, in einem Lehrsaal, gefüllt mit einer Riesenbibliothek in allen Sprachen der Menschen und über alle Zweige des g”ttlichen und menschlichen Wissen sich erstreckend — Knechtsgestalt und Denkerstolz. — Die äussere Geschichte dieses Zeitraums, eine Geschichte der Leiden, wie sie kein Volk in diesem gesteigerten Grad, in dieser unübersehbaren Ausdehnung erduldet; die innere Geschichte, die eine umfassende Geistesgeschichte, wie sie wiedrum nur Eigentum dieses einzigen Volkes ist... Forschen und Wandern, Denken und Dulden. Lernen und Leiden füllen die lange Reise dieses Zeitraumes aus... Es gibt wohl keine Wissenschaft, keine Kunst, keine Geistesrichtung, woran Juden nicht mitgearbeitet, worin Juden nicht ihre Ebenbürtigkeit gezeigt hätten. Denken ist ein ebenso charakteristischer Grundzug der Juden geworden wie Leiden”. Dieses Werk ist in der jüdischen Geschichtsliteratur grundlegend geworden und ist in viele Sprachen übersetzt worden. Die Feier des 70. Geburtstags wurde deshalb für ihn eine Huldigung aus vielen Ländern. Als besondere Auszeichnung empfand er, dass die spanische Akademie der Geschichte in Madrid, ihn, den schonungslosen Darsteller der Vertreibung der Juden aus Spanien, zu ihrem Ehrenmitglied machte. Ihm wurde auch eine Festschrift gewidmet. Er wurde eingeladen bei der Eröffnung einer Ausstellung in London einen Vortrag zu halten.Seine Erscheinung war nicht die einer starken Persönlichkeit, aber auch nicht die eines trockenen Stubengelehrten. Als Rabbiner Max Grünwald bei ihm seinen Antrittsbesuch machte, war er die erste berühmte Persönlichkeit, der er in seinem Leben begegnete. Er war tief erschüttert von seiner unscheinbaren Erscheinung. Das gigantische Werk, welches diese Kraft, eine ganze Akademie aufwiegend, geschaffen hatte und durch das er längst zu einem Begriff geworden war..., schien diesen schwachen Körper völlig aufgezehrt zu haben. Er konnte aber auch die Trockenheit eines Stubengelehrten ablegen und aus sich herausgehen. Er konnte gemütlich werden, wenn man am Abend bei einem Glas Bier und billigen Zigaretten zu Gast war. Seine Zerstreuung war eine Skatpartie mit Hörern, die dieser Kunst fähig waren. Bekannt ist sein hartes Urteil über den Gelehrten Leopold Zunz. Er wurde ihm vor dem Erscheinen des 4. Bandes vorgestellt: “Herr Dr. Graetz, der Verfasser einer jüdischen Geschichte”. Dabei ist für Graetz bezeichnend, dass man ihm zuschrieb, er wolle eine jüdische Geschichte schreiben, “aber diesmal eine jüdische” nicht im Sinn irgendwelcher unwissenschaftlicher Bindung oder blinder Parteinahme für die eigene Gemeinschaft, von der der leidenschaftliche Kritiker weit entfernt war. Wohl aber in der Bedeutung dass er als Jude Schicksal und Wirken seiner Ahnen nachfühlend begreifen und an solchem Nacherleben die Treue zur jüdischen Gemeinschaft neu entzünden wollte. Er stelte die vielfach auseinanderführenden Kräfte, Bewegungen, Entwicklungen und Lebensäusserungen der Juden waehrend der Jahre ihrer Zerstreuung zusammen. Spätere Historiker warfen ihm vor, die geistesgeschichtlichen und kulturellen Erscheinungen in den Vordergrund gestellt zu haben. Nach ihrer Meinung wurden von ihm die sozialen und politischen Ereignisse nicht genüaend behandelt. Für ihn selbst war an dem nationalen Charakter des jüdischen Volkes kein Zweifel möglich. Die Geschichte der nachtalmudischen Zeit hat immer noch nationalen Charakter. Sie ist keineswegs eine blosse Kirchengeschichte, weil sie nicht nur den Entwicklungslauf eines Lehrinhalts sondern auch einen Volksstamm zum Gegenstand hat. Er ist zwar ohne Boden, Vaterland, geographische Umgrenzung und ohne staatlichen Organismus, aber diese realen Bedingungen wurden durch geistige Potenzen ersetzt. Er spielte auch eine bedeutende Rolle bei der grossen Kontroverse mit dem Unvierstätsprofessor Heinrich Treitschke. Der Kern der Polemik Treitschkes ist gegen den Willen der Juden, ihre eigene Identität und ihren stammhaften Zusammenhang zu bewahren, während sie an dem Leben der europäischen Nationen teilnehmen. Graetz kämpfte gegen die antisemitischen Attacken des nationalistischen Historikers. Graetz wurde vorgeworfen, das Christentum zu hassen, ein jüdischer Nationalist zu sein. Er habe keinen Wunsch das Judentum in die deutsche Nation einzuordnen. Es begann eine öffentliche Diskussion, an der Juden wie Nichtjuden teilnahmen. Treitschkes heftiger Antisemitismus wurde von den meisten abgelehnt. Mit wenigen Ausnahmen distanzierten sich auch Juden von dem jüdischen Nationalismus von Graetz. Diese Polemik mit Treitschke erregte in einem Teil des deutschen Judentums solches Missfallen, dass man sich nicht traute, ihn — den anerkannten Historiker — zum Mitglied der vom “deutsch-israelitischen Gemeindebund” eingesetzten historischen Komission zu waehlen. Sein Fehler war, sein übertriebener Rationalismus. Er zeigte deswegen kein Verständnis für die Kabbala und den Chassidismus. Diese Bewegungen verachtete er und sah in, ihnen einen üblen Auswuchs am Körper des Judentums. Er wollte — vielleicht unbewusst — die Geschichte der Juden in Polen, Russland und auf dem Balkan nicht kennen. Die polnischen Talmudisten betrachte er als “Versteinerte”. Jiddisch war für ihn ein “Lächerliches Kauderwelsch”. Seine Auffassung vom Judentum war, dass es keine Religion ist, sondern ein Staatsgesetz. “Das Gesetz ist die Seele, Erez Israel ist der Körper dieses einzigartigen Staatsorganismus! Die Tora, die israelitische Nation und Erez Israel sind untrennbar vereinigt durch unsichtbare Bindungen". Will man die Geschichte der jüdischen Diaspora charakterisieren, so kann man nichts anderes sagen, als dass sie vor allem Kulturgeschichte ist. Sie hat nicht einzelne hervorragende Geister zu Traegern sondern ein “Volk". Graetz schuf für die Juden eine jüdische Geschichte. Selten hat ein Geschichtsforscher solch einen Einfluss auf den Geist eines Volkes gehabt wie er. Seine Geschichte ist eine ausgezeichnete Geschichte des jüdischen Volkes, seiner Literatur und seiner grossen Dichter und Denker. Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts starb am 7. September 1891 in München auf einer Besuchsreise im Hause seines Sohnes. Mit seinem Ableben verschied auch der Letzte aus dem Kreis um Secharja Zacharias Halevi Frankel, s.A. ANREGUNGEN FUER UNSERE MITGLIEDER 1) Von gegenseitigen Besuchen von ehemaligen Breslauern (wo auch immer in der Welt); Besuche bei kranken Breslauern; Anregung von gegenseitigen Besuchen von Breslauern, zum Zweck geselligen Zusammenseins, entsprechend dem persönlichen Interesse der Breslauer für einander. 2) Vorträge oder künstlerische Darbietungen können von oder für Breslauer auf Tonband aufgenommen werden und dieses kann auf Wunsch körperlich behinderten so wie auswärtigen Interessenten zugestellt werden. 3) Photokopiezentrale von Breslauer Dokumenten: Kopien von Dokumenten, Briefen, Artikeln u.s.w. welche von allgemeinem Intresse sind, bitte an Frau Chaja Bar-Or, P.O.B. 3257, Tel Aviv 61032 zu senden. Eine katalogisierte Liste von solchen Kopien kann allen Breslauern im In- und Ausland zugesandt werden, je nach persönlichem Wunsch und Interesse. 4) Organisierung von “Telephonaten”. Telephonfreundschaften bzw. regelmässigen Telephonkontakt mit Breslauern die einsam oder ans Haus gebunden sind. (Persönlich oder nach Einführung durch Kontaktperson). SUCHNOUZ Henry Newman (früher Heinz Neumann) und seine Frau Anne Newman (früher Anneliese Bloch) ehemals Breslau, 463 South Niagara Street, Denever Colorado, U.S.A. 80224, suchen Verwandte: 1) Ruth Geliert, früher in Berlin, Suaretz Str. 23, dann ausgewandert nach Erez Israel, zuletzt gesehen 1938/39 in Haifa. 2) Annemarie Blut geb. Neumann, Tochter von Moritz Neumann; evtl, in Chicago oder dortiger Umgebung. Wer den Kantor und Lehrer Herrn Albert Wolfgang und seine Ehefrau Seima aus Bernstadt (Schlesien) kannte, wird dringend gebeten, sich mit seiner Tochter Frau Ilse Daniel geborene Wolfgang, Hannassi Avenue 133, Haifa 34634, Telephon 04-383362 in Verbindung zu setzen. 3

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