Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1990
- Issue
- No. 54 (1990)
- Date
- 1990-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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HEINRICH ZWI HIRSCH GRAETZ .« Der Grabstein von Heinrich Zwi Graetz auf dem Friedhof Lohestrasse. ’Sf»»»1.'* «*- l '<k V jft-* f % i Von Rabbiner EGON ISRAEL LÖWENSTEIN (DEM ANDENKEN ELIESER ERICH LEVIN s.A.) Die ehemaligen Breslauer erinnern sich mit Wehmut an den Friedenhof Lohestrasse. Auf ihm haben hervorragende Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden. Unweit von dem Grab des bis heute unvergessenen Secharja Zacharias Frankel, des ersten Seminarrabiners, ruht der bis heute nicht vergessene Verfasser unserer jüdischen Geschichte — Heinrich Graetz s.A. Unter den Vätern der Wissenschaft des Judentums ist Heinrich Graetz der einzige, der Erez Israel besuchte. Hier besteht ein Zusammenhang — der eine Geschichte der Juden und nicht des Judentums verfasst hat. Heinrich Graetz ist am 31. Oktober 1817 in Xions (Posen) geboren. Da seine Kindheit nicht leicht war und seine Eltern, die eine Metzgerei hatten, unbemittelt waren, musste er sich in seiner Kindheit seinen Lebensunterhalt selbst verdienen. Seine jüdische Bildung eignete sich Graetz in seiner Heimatstadt an, seine nicht jüdische als Autodidakt. Die Talmudstudien in Wollstein (Posen) befriedigten ihn nicht. So studierte er Latein, Griechisch, Französisch u.s.w. Er lernte auch Mathematik, Naturwissenschaften. Beim Lernen vergass er seine materielle Not. 1834 erhielt er von seinem Lehrer den Chawer-Titel. Mit der Zeit empfand er eine innere Abneigung gegen die Erfüllung der Mizwot. Da fiel ihm ein Büchlein in die Hand, das für ihn eine grosse Bedeutung bekommen sollte. Das Buch war: “Die 19 Briefe über das Judentum” von Samson Rafael Hirsch, damals Rabbiner in Oldenburg. Nach der Lektüre dieses Buches fühlte sich der junge Graetz so interessiert, dass er beschloss Schüler von Hirsch zu werden. Hirsch antwortete ihm, dass er bereit sei, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. 3 1/2 Jahre lebte er in Oldenburg. Nach seinem Studium schied er reif und geschult aus seinem Haus. Trotz der Verschiedenheit der Weltanschauung zwischen Lehrer und Schüler, wahrte er Hirsch immer die Treue. Bevor er nach Oldenburg wanderte, beschloss Graetz noch Prag zu besuchen. Ein Missgeschick verhinderte die Fortsetzung der Reise. Ein österreichischer Grenzbeamter forderte von ihm 10 Gulden. Er war nicht in der Lage diese zu bezahlen. So reiste er 1837 zu Rabb. Hirsch. Er hatte sich bereit erklärt ihn bei freier Kost bei sich aufzunehmen. Nach dem Studium entwickelte sich das Streben, sich nunmehr seinem Lebensberuf zu widmen. Nachdem er wieder für kurze Zeit in seine Heimat zurückgekehrt war, begann er 1842 an der Universität in Breslau Philosophie und semitische Sprachen zu studieren. Waehrend seinem Studium wurde er Berichterstatter des “Orients" einem damals viel gelesenen Wochenblatt. Er nahm Stellung zu den religiösen Streitigkeiten in Breslau. Zwischen dem Rabb. S. Titkin und Rabb. Abraham Geiger waren religiöse Streitigkeiten ausgebrochen. Es waren Kämpfe zwischen traditionellem Judentum und religiösem Liberalismus. Seinem Temperament entsprechend nahm er Stellung gegen den Liberalismus und gegen seinen ideologischen Führer Abraham Geiger. In diesen Jahren begann er auch wissenschaftlich zu arbeiten. Er schrieb Abhandlungen in der Frankel'- sehen “Zeitschrift für die Interessen des Judentums”. Er schrieb auch einen ausgezeichneten Aufsatz über “Die Konstruktion der jüdischen Geschichte”. Darin entwarf er mit genialem Geist den Plan zu seinem Lebenswerk. Im Jahre 1845 erschien auch sein erstes Buch über “Gnostizismus und Judentum”. Es begründete seinen wissenschaftlichen Ruf. Auf Grund dieser Arbeit wurde ihm im April 1845 der Doktortitel verliehen. Er zeigte mit diesen Arbeiten seine Gabe der Kombination und Klarheit der Darstellung. Im Oktober 1850 heiratete er Maria Monasch. Damit begann eine glückliche Ehe. Sie war die Tochter des Begründers der hebräischen Buchdruckerei in Krotoschin. Später geriet er unter den Einfluss von Z. Frankel. Er gratulierte ihm als er die 2, Rabbinertagung in Frankfurt a/M verlassen hatte, weil die Majorität der Rabbiner beschloss auf den Gebrauch der hebräischen Sprache im G'ttesdienst zu verzichten. Er wurde Mitarbeiter der “Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums" und wurde später ihr Herausgeber. 1857 wurde er Dozent für jüdische Geschichte und Bibel am Frankel’schen Rabbinerseminar in Breslau. (Fortsetzung auf Seite 3) 2