Jüdische Jugend
- Journal
- Jüdische Jugend
- Volume
- 1 (1924-25) Tischri 5685
- Issue
- 6 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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98 J ü.d i gehe Jugend Heft 6 jeder in seiner Weise, und jeder auf seinem Gehiete für das gleiche Ziel. Man könnte diese erste Periode zionistischer Vorgeschichte die europäischsefardische nennen. Zum Teil bereits neben ihr hergehend, schloß sich ihr eine deutschjüdische Zeit an, in der unter den deutschen Juden mit dem erwachenden Selbstbewußtsein die ersten Keime eines zukünftigen nationalen Lebens entstanden. Bereits der „Verein für Kultur und Leben der Juden" in Berlin, dem Männer wie Zunz als Gründer und Leiter angehörten, hatte im Jahre 1819 für Berlin die Vertretung der Noahschen nationalen Pläne übernommen, wenn es auch nur bei der Theorie blieb. Ein nationaler Studentenverein in Prag, der Palästina erobern wollte, b'ieh ohne Bedeutung, und erst das Jahr 1840 ließ in Berlin die Broschüre Neu-Judäa erscheinen, in der ein Plan wie der Noahsche entwickelt wurde, nur daß ein anderes amerikanisches Territorium als der zukünftige Judenstaat, der einer der Vereinigten Staaten sein sollte, in Aussicht genommen wurde. Dann durchflog von Konstanz aus ein leidenschaftlicher Aufruf mit glühenden Worten die jüdische und europäische Presse, in der ein ungenannter deutscher Jude aufforderte, die Unruhen im Orient nicht vorübergehen zu lassen, ohne die nie verjährten Rechte der Juden auf das alte Stammesland der Väter geltend zu machen. Eine lebhafte Diskussion schloß sich an, und bald hier, bald dort wurden Stimmen laut, die der nationalen Wiederherstellung Israels im Lande der Väter das Wort redeten. Endlich erschien ein Buch, das die Geisteslinien der neuen Richtung festlegte, das grundlegende Werk von M. Hess: Rom und Jerusalem. Seine freigeistige Schrift wurde durch Zwi Hirsch Kalischer, den der alten Richtung angehörenden Rabbiner von Thorn ergänzt, der in seinem Werke jpjj WYl von talmudischem Standpunkte aus das Gegenstück und die auf Tradition ruhende Grundlage der gleichen Bestrebungen gab. Beide vereinigten sich, und bald schien es, als sollte die Kolonisationsarbeit durch deutsche Juden ins Rollen gebracht werden. Doch der entstehende Judenhaß, der unmittelbar nach dem siegreichen Kriege gegen Frankreich im neuen Deutschen Reiche mächtig einsetzte, fiel wie "ein Reif in der Frühlingsnacht und erstickte alle jungen frischen Keime im Entstehen. Die Furcht vor dem Antisemitismus hat diese deutsche Periode des Vorzionismus zu Ende gehen lassen. (Fortsetzung folgt.) 8©R9©^G^63©<^ Wettbewerb I Thema: „Die Schule, wie sie ist und :-: wie sie sein soll" :-: Letzter Termin der Einreichung: 30. November 1924 unter Angabe des Namens, Alters und der Adresse an unsere Redaktion Für die besten Arbeiten sind uns von befreundeter Seite eine Reihe yon Prämien zur Verfügung gestellt worden g56»9<3S<9<33©<55^