Jüdische Jugend
- Journal
- Jüdische Jugend
- Volume
- 1 (1924-25) Tischri 5685
- Issue
- 6 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Heft 6 jüdische Jugend 99 ARBEITSFORMEN UND IMMIGRATION IN EREZ-ISRAEL Von M. Ussischkin Die Form des sozialen Lebens in Erez-Israel ist zweifellos besser als in Europa; allerdings treten innerhalb der Arbeiter- I schaft zwei gegensätzliche Anschauungen darüber zutage. Die einen sagen, dass man nur allein arbeiten kann mit seiner "amilie; das genüge vollauf, es bedarf daher keiner Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die andern aber halten diese Arbeitsform für unzulänglich und sehen ein Gedeihen nur in der kooperativen Zusammenarbeit, sind also nach europäischen Begriffen kommunistisch. Während jene ihre Individualität nicht aufgeben wollen und können, behaupten diese, die Kibuzim, ihre Arbeitsform, sei eine so grosse, dass selbst Idealisten darin Platz zur Betätigung fänden. Der Keren Kajemeth gibt beiden Boden; dort ist die Einzelperson Pächter einer Parzelle, hier eine ganze Gruppe. Beide Formen sind im Entwicklungsstadium, daher ist es schwer, schon jetzt zu sagen, welche die richtige ist. Meine persönliche Ansicht geht dahin, dass ich selbst keinesfalls in eine Kommune ginge. Da man also noch nicht entscheiden kann, welche Siedlungsform die bessere ist, sind auch alle Beschlüsse darüber, welche anzunehmen sei, verfehlt. Dieser Streit kann demnach auch nicht durch Kongresse entschieden werden. Entwickelt sich die Individualität der Juden im Lande, dann geht dort die Kommune zugrunde, im anderen Falle ist die Individualität verloren. Es wird sich zeigen, was besser und praktischer für das Ganze ist. Ein jeder soll nach seiner inneren Überzeugung arbeiten, je nachdem er in der individualistischen oder kommunistischen Entwicklung sein Heil findet. Die bisherigen Erfahrungen haben indessen ergeben, dass viele von der Kommune weg zur anderen Gruppe gehen, was umgekehrt nicht der Fall ist. Für mich ist das ein deutliches Zeichen für die Entscheidung in diesem Streite. Beide Siedlungsformen sind jedoch hochinteressant. Die Kibuzim gleichen einem Laboratorium, sie sind die Dynamik unserer Arbeit, während man bei den moschah owdim, der Statik unserer Arbeit, nur die Resultate der Arbeit sieht. Einmal wird dieser Kampf der beiden Richtungen zu Ende sein, ihre Resultate haben zu entscheiden. Im grossen und ganzen ist es jedoch keinesfalls von ausschlaggebender Bedeutung für uns . selbst; denn es sind , doch nur Lebensformen, daher etwas Äusserliches und das Äusserliche kann wechseln. Es wäre also ein grosser Fehler, in diese Entwicklungen einzugreifen; sie entscheiden sich von selbst, wir sind nur Zuschauer. Wichtig ist einzig und allein der innerliche Impuls, der den einzelnen Menschen nach Palästina führt. Und da komme ich zur Frage der Immigration.