Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 29.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 220 — al» angehender Religion-lehrer am N2V reise« möchte, bekam ich die recht bezeichnend« Antwort: .Da» collidirt nicht mit dem Geiste unserer Anstalt. Der Direktor hat un« dir» zu wjederholten Malen ausdrücklich erlaubt, nur Geschäfts» reism soll man am N2W nicht unternehmen." Ich würde dem „aufgeklärten" russischen .Religion«, leerer" in tpe nicht geglaubt haben, wenn ich nicht vor?anz kurzer Zeit von einem wohlinstallirten Schüler derelben Anstalt ähnliche Aussprüche über den Geist de« Seminar« gehört hätte. Da erzieht man den KBin und den K*Bn&. Solche Schulen uno solch« Lehrer können un« wahrlich nicht helfen, im Gegentheil mit ihrem „Geiste" benagen sie da» noch Bestehende und dann kommt zur traurigen Geltung da«: riTIS®1? nittTl JTVJB fl"3 0,0001 un« der Himmel bewahre! gl«* itiffliura. Der hies. Restaurateur Leopold Murck veröffentlicht im „Israelit" Nr. V3 Folgende« „Zur Abwchr": Der Herr Distrikt« > Rabbiner Bamberger dahier hat folgend« Annonce in der jüdischen Zeitung „Israelit" b«. kannt gegeben: „Sehe mich zur Bekanntgabe veranlaßt, daß in dem israelitischen Hotel „Europäischer Hof" dahier Fleisch von auSwärt« bezogen wird, für dessen Kascheru« ich natürlich keine Verantwortung tragen kann. Bad Kissinaeu. Rabbiner Bamberger." Da« Interesse meine« Geschäfte«, welche« Herr Rabbiner Bamberger hierdurch zu verdächtigen und zu schädigen sucht, zwingt mich zur folgenden Erklärung: Dessen „Grundangabe", Fleisch von auSwärt« zu b«. ziehen, ist diese verschleierte Abfassung zu weitgehend und von Herrn Rabbiner Bamberger absichtlich so geschehen, auf daß keine gerichtlich« Klage erhoben iverden könne. Man könnte ja Wunder denken, woher ich da» Fleisch beziehe, allein Herr Rabbiner Bamberger weiß ganz genau, daß ich da« Fleisch vom Herrn Metzgermeister Max Oppenheimer von Schweinfurt erhalte, der s. Z. seinem seligen Baker, den berühmten Rabbiner Seligmann Bär Bamberger. Jahre lang da« Fleisch besorgte und von dessen Bruder. Josef Oppenheimer in Würzburg, der jetzige Rabbiner Bam. berger, da« jüdische Seminar und die frömmsten J«raeliten in Würzburg da« Fleisch beziehen. und berechtigt diese« mit Sicherheit zur Annahme, daß überhaupt dir Familie Oppen« heimer für streng gewissenhaft in ihren Geschäften rrnommirt ist. Der Herr Rabbiner Bamberger weiß auch so gut wie Jedermann hier, daß gerade die hiesigen Metzger am Samstag und an höchsten Feiertagen wie an Werftagen da« Fleisch verkaufen »c. — und dem Anscheine nach kann Herr Rabbiner Bamberger dafür trotzdem die Verantwortung tragen, da er daffelb« von ihnen bezieht. Folgende« Zeugniß bc# Herrn Distrikt«»Rabbiner Leb recht in Schweinfurt wird mich rechtfertigen: „Aus Ersuchen de« Restaurateur« Morck von Kisstnaen wird bezeugt, daß der Metzger Herr Oppenheimer da« hier, von welchem jener, nach beiderseitiger Aussage, sein Fleisch bezieht, sowie auch der hiesige Schächter Herr Ledermann einen so ungetrübten religiösen Leumund besitzen, al« irgend ein anderer Metzger oder Schächter, daß ich demnach die Verantwortung für da« von demselben al« koscher gelieferte Fleisch so weit übernehme, al« man überhaupt für Menschen Verantwortlichkeit übernehmen kann. Leb recht, Distr.-Rabbiner." Im Besitze obigen Zeugnisie« de« Herrn Rabbiner Lebrecht und zur Veröffentlichung de« wahren Sachverhalte«, glaub« ich. daß die Bekanntgabe de« Herrn Rabbiner Bam« berger auch für den ftümmsten J»raelitei« gegen st and«lo« sein werde und zwar noch au« dem weiteren Grunde: In Folge, daß die Stadt Schweinfurt die bedeutendsten Vichmärfte im Königreiche Bayern hat, so ist da« Jahr über auch der grüßte Verkehr dort, und zwar von denjenigen Israeliten, die der streng orthodoxen Richtung und die alle in den jüdischen Restaurationen Schwein Run scheint der Herr Rabbiner Bamberger dahier da« Seelenheil der Kurgäste au» Rußland, Pwußeu re. t» au« besorgter, al« für die Gläubigen seine« eigenen Bezn zu sein, denn im wirklichen Falle müßte er schon längst , öffentlicht haben, da« Fleisch von Schweinfun sei nicht koscher.^ Hievon hat ja im ganzen Bezirke Niemand eine Ahnung und ich glaube, daß der Herr Rabbiner Lebrecht zu Schm 1 furt ebenso religiös ist. al« Hen Rabbinn Bamberger hin, Herr Schächter Ledermann in SchweinfuN gnade gewissenhaft in seinem Bnuft ist, wie Herr Schächtn in Bad Kissingen, endlich daß die Schweinfurtn Metzger i brave Leute wie die Bad Kissingn sind. Zum Schluß erftäre ich noch: ich achte und verehre/, Rabbinn Bamberger nach wie vor. sollte n meinem Gesä auch grundlos geschadet haben, so ist diese verantwort» größer, al« von Schweinfurt Fleisch zu beziehen; jedoch Principien de« Herrn Rabbinn Bamberger, daß überha« Fleisch „nur von hier sein dari" und man so noch dn kürlichsten Behandlung de« Metzgn« übnliefnt ist, bei mir keinen Erfolg nzielen. Zur gefälligen Beherzigung diene noch, daß ich bei wetteren Anfechtung die vertretpng dn Sache dem kgl. rathe und Rrcht«anwalte Herrn Qr. Full in Würzburg ud tragen wnde". Kck««»rß. Ein Hen Robinsohn und 12 Ge»o veröffentlichen von Amerika au« im „Hameliz" eine Warnur, die wir auch im Jntnesie de« angeschuldigtrn Geschäftshaus veröffentlichen. Die Warnung geht dahin, e« sollen dieÄ, wandern sich hüten, Schiffkarlen bei dem Hause Emil! Lemo« in Hamburg odn bei deffen Agenten in anderen!?» (Memel z. B.) zu kaufen; denn anstatt de« zugesicherten druliä Postdampfschiffe« wurde zur Beförderung nach New-Aort i kleiner englischer Frachtda mpfn gestellt. Nachdem schon in Hamb« die verheißene freie Unterkunft und vnpflegung autgeblieben > vnlangte man in Grim«by von den wie Heringe im Lä Zusammengeprrßten, sie sollten da» Fahrbillet nach Liverpa bezahlen. Erst nachdem sie sich hartnäckig deffen weigri wie« da« Hau» de Lemo« thrlegraphisch a». nicht Zahlung zu bestehen. Außerdem wären sie schlecht behänd worden. (Tine „Berichtigung" wird wohl nicht a« bleiben. Red.) Mamchei«. Sie haben über die jüdischen Waisenhau in Berlin ausführlich berichtet, gewähren Sir auch bin kurzen Bemerkungen einen kleinen Raum. Ueber 2V wirkt segensreich in unserer Gemeinde der Verein zur Erz» armer Waisen und Kinder dürftiger Eltern i«r. üonsessu Schon dieser Namen bekundet da« Ersaffen eine« beherzigen«werthen Gedanken«: Wie oft sind Kinder an Eltern bei Lebzeiten dieser Eltern schlechter daran, al« naä die Thore de« Waisenhause« sich ihnen geöffnet hadnü Darum: Achtet auf dir Kinder der Armen, auch bevor s Waisen geworden sind, damit nicht die Elter» in ihrem ~ Hilfe für ihre Kinder zu suchen sich gezwungen sehen! stiftet wurde der Verein aus Anregung de« verewigten -» rabbine»« vr. Praeger am 1. Oktober 1858 und schon erste Jahresbericht zeigt 23ö Mitglieder und ein Bermö von 2143 Gulden 26 Kreuzer. Schon im ersten wurde für 3 Ganz- und v Halbpflegliage gesorgt. Jetzt der Verein 24 Ganz» und 14 Halbpfleglinge, von 7- Lehrlinge in Geschäften, 1 Mädchen im Franksn Mädchenstiste sich zur Kindergärtnerin au»bildet und 30 I Volksschule besuchen. Leider fehlt die Angabe der Gesa» leistungen. ö8ö Mitglieder mit 4095 M. Beiträgen m» der Verein in da« zweit« Birrteljahrhundert hinüber, >« ei» vermögen von 99,150,83 M Dazu kommen Sttftungen (Friederike Traumann 42,759,81 M. und •) Dieser Fall zeigt wieder einmal, welcher Dkigbranch in gtdN hoch«rttzod»l« Kreisen Mit den, "*IV3. getrieben wird.