Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 29.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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219 — L„ sie die rechte Zeit vorübergehen lassen, um ihrer Schule L Kohlthat der Lrffentlichkrtt zu verschaffen. — Mandel- Ijnj bringt die Titelfrage der jüdischen Lehrer, die ja fast pk j„ Rheinland-Westfalen zugleich EultuSbeamtr sind, vor. »it vollem Rechte wurde e» gerügt, daff manche Lehrer mit [t so schönen Bezeichnung .Lehrer" nicht zufrieden sind und ch gern .Prediger" titulieren. Auch wer predigt sei ein ft.Ielirrr"; ja. der, von dem die Schrift sagt: onow meod tikköi hoodom wird Mo»cheh „rabbenu“ (unser.Lehrer") Uaiiut. Ifr sei uns in der Bescheidenheit ein Muster, lebrigen« sei der Titel .Prediger" dir Bezeichnung für einen sade»usch gebildeten Theologen und Niemand, auch keine uttuegemrinde. habe da« Recht Titel zu verleihen, nur eine vnigliche Behörde. Recht drastisch führte Spier-Bocholt r Beispiel von der Titelsucht eine« Lehrer« an. — Abelrrycn regt dir vom (ltemrinde-Bund aufgeworfene Frage t beabsichtigten Einführung von Inspektionen an. Die lgememr Stimmung war nun dir entschiedrustr Ablehnung ise» Vorhaben». Sehr richtig bemerkte ein Redner, wir bni schon einen Lokalschulinspektor, einen KreiSschuljpektor re. und »u» noch eine» Gemrindebundinspektor! tandpr Lehrer, der nur wenig Schüler hat, könnte bald hr Vorgesetzte haben al« Schüler. Der gewissenhafte Lehrer der beste Schulinsprktor selbst, und >ver nicht getvissenhast , dem helft» alle Inspektoren nicht. Und werden die kgierungen solche Rrbeninspektoren sich gefallen lassen? schon beim Beginn der Berhandlungrn hatte der Bürende die Bertreter der Lrben-verfichrrung« - (Gesellschaft lictoria" in Berlin, die Herr, n Stapelkamp, Reinoldstr. 14. »ln und Menke in Münster (Wests.) der Eonserenz vorgr» Ut und diese« mit dem D'-J. G.B. in Verbindung stehende iftitut ans» wärmste empfohlen. Rach Erledigung der igeeordnung sprachen beide Herren beherzigenswert he Worte n de» de» israelitischen Lehren, gewährten Bort heilen, der itzlichkrit und Ziveckmäffigkeit der pei ihnen bewirkten Ber- »mnigr», die kein Lehrer versäum«! dürfe. Einige Eollrgr» ten svsott mit den Hern, in Berbindung. — Herr Dr. Wolf spricht zum Schluff der Eonftrenz >hm»ls seine Freude darüber aus, daff die noch junge lieburger Gemeinde nun doch auch einmal (Gelegenheit gehabt de, da« Rathen und Thal«, der ftrebsameu jüdisch«! Lehrer beobachten, indem er ihnen zugleich Segen und Gedeihen ihrem schwierigen aber heiligen Benif wünscht. Der Bornide dankt hierauf der Gemeinde Duisburg für die gastliche lsnahme, die freundliche Bewirthung, dir veranstalteten lischen Festlichkeiten am verflossen«! Abend rc. und schlietzt ml dir Eonftrenz gegen 12 Uhr, indem er den Wunsch! »spricht, daff die gepflogenen Diskussionen all«! zum Segen eiche» und allen rin ftohe« Wiedersehen im nächst«! Jahre Hersord deschirden sein möge. Am Nachmittage hatten einige Gemeindemitglirder mit eungen Lehren, einen Ausflug nach dem nahen Kaiferldchri, uiitrniommcn, dem beizuwohnen wir leider vechindert Die Schriftführer der Bersammlung: : «ronen berg-Ruhrort, Siegfried Graf-Essen. Gerichte »nd G»rrrfpm»de«-e». De»tsck»l«»d.?le»th«, im Juli. (Or.-Eor.) ES ist eineau» Schassigen Antisemitenbewegung längst bekannte Thatsache. Fehl« und Vergehen einzelner GtaudniSgenoffen ge- "ulich verbreitet rverden, um sie mit um so grvfferem ^behagen der Grsammtheit zum Borwurf zu machen. In Dftrnsive gedrängt, grnst man zur Statistrk, um an der derieldm den Nachweis zu führen, daff der Prozentsatz gemeiner Vergehen verurtheilten Juden keineswegs «rhaltniff entspricht. welche« sie zur Grsammtbevölkri rinnehmen. Bon dieser Widerlegung pflegen aber dir semitische,, Zritung«scribrnten niemal» Notiz zu nehm«i; denn ihnen ist ja die Schürung de« RacenhasscS gewiffermaffen zum LrbniS-Elemrnt geworden. Ist r» nun schon eine betrübende Erscheinung. das I ii d r n t h u m für schlechte Handlniiqr» einzelner Misftthäter verantwortlich zu machen, so ist um so viel trauriger, wenn die» in öffe»tliä>er Gerichtssitzung von autoritativer Seite durch den Bertreter der Anklagebrhörde geschieht. Gestatten Sie mir. Herr Redakteur, über den Fall genauer zu referiren. Der jüdisch« Handel«mann F. au» Kattomiy stand am 18. v. M. vor dem hiesigen Schwurgericht unter der Anklage, zwei Mitangeklagte — seinen christlichen Hausknecht und den Mischen Handelsmann E. au« Königshütte — zur Ablegung eines falschen Zeugnisses vnleitrt zu haben. Das Ergcbniff der Beweis-Aufnahme lieferte zwar Belege genug von der moralischen Brrkommrnheit de« Hauptangeklagten F. — und wir sind keineswegs gesonnen, irgendwelche Sympathien für ihn und seine Eomplicen zu haben, welche .1 der Spruch der Juch für schuldig erklärt hat — doch ergab die BcwriS- Aufnahme keinen direkten Beweis für die Schuld. Indem nun der Bertreter der Anklagebehörde in feinem Plaidoyer die Motive erörterte, welche den Angeklagte» F. zur Berleitung de« E. ei» falsche« Zeug»,ff abzulege», veranlaßt haben könnte, führte er unter anderem auch an »die Solidarität des Judenthums und die Stammes und Glanben»- genossenschaft der jüdischen Angeklagten". Gestatten Sie mir, im Anschluß hieran auf die nicht hinweg zu leugnende Thatsache hinjiiweisen, daff von den Kapital-Verbrechen, derentwegen Jude» unter Anklage gestellt werde», der Meineid leider das häufigste ist. Man wird den Grund hiesür in dem Umstand suchen müssen, daff rin übenviegrnd großer Theil unserer Glaubensgenosse» dem Handelsstande angchört und so häufig in die Lage kommt, Prozesse zu führen. E« kann hierbei den Herrn Rabbinern, Predigern und Lchrern nicht dringend genug rmpsohlrn werden, auf dir Heiligkeit des Eide« und da« verabscheuungSwnrdigr Verbrechen de« Meineide« in ihren rrsp. Kreisen so oft al« möglich hinzuweisen. K. $fli«g, (i. Juli. (Or.-Eor.) «Zur Hebung de» religiös«, Sinne»" war die Rabbinerversammlung zusammrngetrrtrn. Ich muff gestehen, war ich auch von fast allen diesbezüglich in der V^saminlnng vorgeschlagenen und endgiltig angenommenen Heil- und Hilfsmitteln recht befriedigt, so entzückte mich geradezu das die Heilung wenn auch langsam, so doch am sicherst«, herbeisührcnde Mittel: die Vermehrung der Lehrer-Seminarirn. Denn die Jugend wahrhaft religiös belehren und erzieh«!, heißt eine vom religiösen Bewußtsein getragene Zukunft sichern — 1TI" ll'» — Die Belehrung muff aber eine wahrhaft religiöse sein, und eine solche wird sie nur dann, wenn auch der Lehrer wahrhaft religiös ist. Man wird bahn in erster Reihe ein gar wachsame» Auge auf die religiöse Erziehung der Lehrer selber haben müssen. Die zu gründenden Seminarirn werden gewaltig abzuweichen haben von den irreligiösen Principien einzelner bestehender Lehranstalten, noch mehr von den Grundsätzen einzelner Leiter derselben. — Eine kleine Erfahrung au« den >üngsten Tagen mag un» belehren. Am vergangenen Freitag Nachmittag kommt ein junger Mann. R. zu mir und bittet mich, ihm zur Weiterreise nach K. zu verhelfen. Seine Bitte wird wärmstenS unterstützt durch ein Zeugniff au» dem Berliner Lehrerseminar, da» mit Unterschrift und Siegel de« Leiters des Anstalt Dr. H. versehen ist. Auf meine Frage, wann er den» abreisen wolle, meinte der zukünftige RrliaionSlehrer: Heute nicht mchr, weil ich in K. um 12 de» Nachts ankäme und da» ist zu anstrengend, ««tzerde« möchte ich nicht am rDl? fahren. Ich schickte R. an zwei Kassen. Nach dem AbendgotteSdienst am Freitag rief ich den Jüngling zu mir und erkundigte mich, ob und wa« er erlangt habe. «Ich danke Ihnen, Herr Dr., ich habe nun was ich brauche; ich will mich auch gleich empfehlen, denn ich reise morgen mit dem ersten Zuge nach K.!" Auf mein Vorhalte», wie er