Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 38.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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BrelU». Wiederum ist eine Leuchte in Israel, deren Strahlen wir un» noch lange zu erfreuen hofften, erloschen, ist hinübergegangen ein Priester im Reich« de» Gedanken» in» Land de« ewigen Frieden». Der Seminar'Rabbiner Dr. David Jovi ist. wie in diesem Blatte schon kurz gemeldet, am 8. d. M. in Folge eine« Leiden«, da« sich im letzten Winter zum testen Male zeigte, plötzlich verschieden. Kaum 3 Jahr« war e« ihm vergönnt, auf dem Lehrstuhle zu sitzen, den ein Frankel und ein Lazaru« geziert. Wie seinem unmittelbaren Vorgänger war e» auch ihm nicht beschieden, Schüler ganz nach seinem Geiste zu bilden und zu erziehen. Rur die erste Anregung durste er nach höherem Rathschluffe zu der talmudischen Au»bUdung der jüngeren geben 'und an di« der älteren die letzte Feile anlegen. Wenn so auch kein Schüler daganze talmudischc Wiffen, welche» da« Seminar bietet und fordert, ihm zu verdanken haben wird, so wird darum doch nicht» destoweniger sei» Andenken in dem Herze» Aller unverlöschiich ruhen. E« sind innigere Bande al« die de» Schüler» zu seinem Lehrer, welche die Dankbarkeit knüpft, die der unerbittliche Tod nicht zu ihrer ganzen Stärke sich au»bild«n lieb — e» sind die der jüngeren Freund« zu dem alteren Freunde und Rathgeder. Lein sanfte», alle Herzen gewinnende» Wesen athmete nur Lieb« und Freundschaft und so fühlten und schlugen auch für ihn alle Herzen, waren bestrebt — und werden von nun an in der Erinnerung e« sein — ihm dankbar wieder zurückzugebcn, wa» er so reichlich verthrilt. Sein Tugendoorbild» leinen Vater. Ob.-Radd. Heymann Jo6l, dem nabezustreben, wie er in seinem Erst» llng«werke „Midrasch Hasohar" bekennt, sein Bemühen, dazu erreichen der Wunsch und die Ausgabe seine« Leben« war. hat er gewiß erreicht. Möchte er nun wiederum Vielen al» Vorbild dienen! Bor seiner ilerusung an'« Seminar bekleidete der Verblichene. der »och zu den Füßen de» Rabbi Akiba Eger geseffen, da» Radbinat zu Kroloschin und vor diesem da« zu Schwersenz. In letzterem Orte schrieb er da« schon genannte Buch „Midrasch Hasohar", oder „Die Religion«philosophie de« Sohar und ihr Verhältniß zur allgemeinen Mischen Theologie." Im vorigen Jahre erschien von ihm im Jahre«- bericht» de« jüdisch theologischen Seminar« „Der Aberglaube und bi« Stellung de« Judenthum« zu demselben", von dem im nächsten Jahresberichte dle Fortsetzung folgen sollte. Fried« seiner Asche! R. Frankfnrt fl. M. Die Räume der provisorischen Synagoge im Lompostellhoie, welche seit der Vollendung der Hauptsynagoge im Jahre 1860 von der Gemeinde Angehörigen traditioneller Richtung besucht worden, füllten sich gestern um 13'/, Uhr mit einer großen Meng« Andächtiger. In tief empfundenen Worten gab Rabbiner Ur. Horovitz den Gefühlen Ausdruck, welche da« Herz bewegen, wen» man eine liedgewordene Stätte mit einer anderen vertauscht. Jnlbesonsondere betonte er, daß nur durch die friedliche, einträchtige Gesinnung innerhalb der G-meinde die Herstellung dr» neuen Got»e«hause« ermöglicht worden, und mahnte zu fernerer Erhaltung der gottgefälligen Eintracht. Um ü'/, Uhr fano sodann di« feierlich« Einweihung der neuen Synagoge am Judenmarkt statt. Da« Gebäude ist in italienischer Renaiffance gehalten; ,» enthält 530 Sessel für Männer und auf der amphitheatralisch angelegten Empore 360 Sitze für Frauen. Da» in der Mitte angebrachte Almemor, welche» ganz au« Marmor gearbeitet ist, wurde von den Herren Arthur und Juliu» May gestiftet; die heilige Lade die davor angebrachte feste Kanzel, die Ewige Lamp« und verschiedene» Andere sind au» freiwilligen Gaben hergeftellt worden Ueber den Thoraschrein kommt eine durchbrochene Kuppel, welche erst in diesen Tage« ausgest.llt werden kann. Zur Feier hatten stch Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, Vorstand und Ausschuß, sow.« die Rabbiner und anderen Angestellten der Gemeind« und zahlreiche Ehrengäste neben den Inhabern der Sitz« eingesunden. Nachdem der neugegründete Ehorverein einen einleitenden Gesang vorgetragen, reeltiert« der Vocbeter Münz eine» Psalm; unter den üblichen Gesängen wurden die zehn Thorarollen zur Estrade getragen, der Rabbiner sprach ein hebräische« Weihegebet und ein deutscher Gebet für den Lände-Herrn, di« Rollen wurden wieder in den Schrein gebracht und die Predigt begann. Auch jetzt ictontc Herr Rabbiner Dr. Horovitz wieder di« Rothwendigkeit kriedlichen Zusainmengehen« und mahnt« zu gottgefälligem Wandel. Er gedachte de« gleichfall« gottgefälligen Werkes der Krankenpflege, den» der Platz, auf dem jetzt di« Synagoge sich erhebt, geweiht war. Schließlich segnete er alle, die zu dem (Gelingen de« 'Werke« beigetragen haben und sprach ein innige« Gebet für die Gemeind« und ihre Leiter, die Stadt und ihre Behörden, den Staat und seine Lenker. Die Feier schloß mit einem Psalm, von Ehor und Vorbeter vorgetragrn. Trotzdem kein Plätzchen leer war, war die Temperatur in der Synagoge gemäßigt; viel trägt hierzu die Beleuchtung bei. Hierzu sind nicht Lüfter verwandt, sondern 5 leuchtende GaSringe, welche über dem dt« Synagoge bei Tag erhellenden Oberfenfter angebracht sind. Die Treppen sind äußerst bequem, fänrmtiich« Räume haben überall AuSgänge, so daß eine Entleerung de« Gebäude« in wenigen Minuten stattfinven kann. Oesterreich. Pest. 11. September. Oberstaat«anwaltschaft Kozma kehrt« heut« au» Ryiregyhazia und Ti»za-E«ziar zurück, woselbst er im Vereine mit dem Ger»chl«p.äside»ten Korni» einen Lotalaugenschein vornahm. So ltellt« er mit dem Präsidenten »ichrsache Versuche a», ob dt« wichtige Aulsoge de» Knabe» Mori, Schars, wonach er durch da« Schlüsselloch gesehen habe» will, wa« sich in der Synagoge bei der angeblichen Ermordung der Esther S o l y m s > y zugetragen, aus Wahrheit beruhen könne. ES stellte sich Sie U n nc ö g l i ch k«i t heran«, daß der Knabe aus diese,» Weg« die Vorgänge verfolgen konnte. Von Wichtigkeit ist, daß der Jung« anfänglich au«- sagte, die Ermordung sei zur Nachtzeit bei Kerzenlicht gischehen, während er jetzt behauptet, die Mordthat sei Mittag« erfolgt. Mit Rücksicht auf diese Wledersprüche, sowie aus annre Um» stände dringe» mehrere Journale darauf» daß die Zurechnungsfähigkeit de« Knabe» von hervorragenden «erzten N ilersucht werde. Die Synagoge in ESzlar ist vollständig devasttrt. Die dortigen Juden, Männer und Frauen, versammelten sich wehklagend vor dem Ober-StaalSanwalte und dem Gericht»- Präsidente»; Beide richteten beruhigende Worte an die Juden und versprachen einen möglichst raschen Abschluß der Affarie. Der al« Unter suchung«richter sungirenve Notar Vary erklärte, daß er heute nach Nyiregyhaza zurückkehren und mögen die Untersuchung beendigen werde. Der neu rnstallirte Staatsanwalt Hava« studirt gegenwärtig die Akte.» nnd wird in einigen Tagen feine Anträge stellen. Er wird heute jene Angeklagte» verhören, die darüber klagen, baß der Uni uchung». richter Vary sie mißhandelt: «rnrr derselben behaupiet, Vary hätte ihn bei den Haaren gerissen und wiederholt xeohrseigt. Wenn diese Angaben sich bewahrheiteil, wird die Staatsanwaltschaft im Sinne de« Gesetze« die Anklage geg.-n Vary erheben. Pest, 12. September. (Zur TiSza - E-zlarer Affairc.) Der Berichterstatter de» „Remzer" meldet: Mehrere Personen au» Ti«za Dob kamen zum Ober Staat»a»walt Kozma. um bei ihm Klage zu führen, daß sie anläßlich ihrer Vernehmung al» Zeugen chicanir», einige sogar thätlich lnsultiri wurden. Man wie« sie an den neuinstallirten Staatsanwalt Hava«, Alle Verhaftet«, werden seit mehreren Tagen aus Kosten de» Grafen Johann Paissy verpflegt. Lin teinerzeit in Huszt aufgenommene» Protokoll spielt ,n dieser seltsamen Untersuchung eine große Rolle. Der Referent de» „Si-mzet" demerkt, daß au» diesem Protokolle sehr demerken-we.th« Thalfachen hervorgehen, welche derzeit noch nicht verlauibart werden könnten. E« scheine, daß die Untersuchung nicht au«- schließlich von dem noch nicht majorennen Notar Vary geführt werde, sondern daß auf dieselbe andere unbesugtc Personen