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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 38. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 38.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 893 — Einfluß genommen und sogar Zeugen verhört hätten. Luch über di« Lrt und Weis« de« Verhör« enthalte diese« Protokoll Daten. In den nächsten Tagen dürften diejenigen Häftlinge freigelaffen werden, die weder der angeblichen Ermordung, noch de« Leichenschmuggel» angeklagt stnd. Die Juden beklagen sich, daß alle diejenigen, welche entlastend« Aussagen machten, nicht durchsetzen konnten, daß ihre Aussagen zu Protokoll genommen wurden. Sehr auffallend erscheine auch, daß Frau Huri, bei welcher die verschwundene Esther Solymoffy bedieiittet gewesen, sich weigerte, an der Leichenschau theilzunehmen, und sagen ließ, sie sei erkrankt. Nun habe sich endlich eine energisch« Hand gesunden; jetzt werden auch diejenigen gehört, deren Aussagen nicht in jene« System paßten, welche» die Untersuchung zur Bast» genommen. Türket. tkovstanttuopel. „Arch. i«r." enthält eine sehr deinerkentwerthe Eorrespondenz. Sir Oliphant hatte je 2 Delegirte au» Rußland (I)l)r. Rosenberg und KaminSky) und Rumänien (Mo-cou-Ascher und Meyer Weinverg), sowie l au« Palästina (den englischen Eonsul in Jaffa, Amzalah) berufen, die er jedoch sich nicht vereinigen li.'ß. Die Anderen haben nicht« au«gerichtet, obschon der amerikanisch« Gesandte, General Wallace, ihnen behilflich war. Die Rumänen dagegen haben sich mit dem Shacham vaschi und ander portugiesischen JSroeliten in Verbindung gesetzt, und erhielten Audienzen beim Minister de« Innern, dem Großvezir und sogar dem Sultan. In der sehr beifällig aufgenommenen Petition ruien sie ihr Recht al« ehemalige türkische Unterthanen (da Rumänien ein Vasallenstaat der Türkei war) an und erbitten al« solch« die Srlaubniß, wieder «inwander» zu dürfen. Trotz dieser günstigen Aussichten hat di« Eomniiffio», welche nach Palästina geschickt worden war, kein Land gekauft Herr Rokeach, Redakteur de« „Je«reel," der Mitglied dieser Eommtffion war, giebt al« Grund Streitigkeiten unter den Mitgliedern an. In Palästina selbst sucht die Chalukapartei doch Jntriguen der gemeinsten Art die Eolonisation zu hindern. Gamaliel Schlang soll den Waly gegen die Einwanderer gestimmt haben. Herr Oliphant ist nach England hwmg,kehrt. Belauschte und neueste Nachrichten. Hauuover. Dem hiesigen „Kurier" wird au» Berlin geschrieben: In liberalen Kreisen der Hauptstadt erregt e« Aufsehen, daß die von I>r. Philippson in Bonn herau«grgeben« „Allg. Ztg. de« Judexthum»" in ihrer neuesten Nummer einen Leitartikel Aufnahme gewährt hat, welcher di« Juden allen Ernste» auffordert, bei den politischen Wahlen für den Fürsten Bismarck und besonder» für seine sozialpolitischen Pläne einzutreten. „Der Intelligente wird seine besiereEinsicht dadurch bekunden, daß er unterscheidet zwischen leeren, wenn auch schvnklingenden Redensarten und der kräftigen Hand, die da« EtaatSgetriebe regelt und ordnet. . . . Seiner eigenen Schwäch« bewußt, hat der AntrsemittSmu« sich hinter die „rechten" Parteien verkrochen; die „linken", stet» bereit, „Ettmmen zu angeln", haben dies benutzt, und Vas Judenthum in ein sogenanntefortschrittliche« Lager gezogen, welche« zwar — phrasenreich wie es ist — sehr schöne Reden gegen die Stöcker und Henrici gehalten hat. aber nicht «ine Ausschreitung der Antisemiten zu inhibiren verstand; während die Staatsgewalt da» Ministerium, kurz gesagt, die „Rechte *» gewesen ist, welch« den thatsächlich geschaffenen Wandel, den Niemand leugnen wird, herbeigeführt hat." Man traut seinen Augen nicht, wenn man so etwa» liest! Der Verfasser de» Artikels hat offenbar keine Ahnung von den Hetzreden, welch« die von ihm genannten Stöcker und Henrici gerade in jüngster Zeit wieder haben halten dürfen, von den Resolutionen und Pettttonen. die Staatsregierung möge di« Synagogen unter Polizeiaufsicht stellen, auf Grund mosaischer Vorschriften über da« Jubeljahr den Juden ihr Eigeuthum nehmen u. s. w., sonst würde er nicht von ei rem „thatsächlich geschaffenen Wandel" reden, von dem hier leider Niemand etwa» weiß Und sollte sein« Sttmme mit da,u beitragen, daß die von ihm gelobte „Rechte" in den pa lamentarischen Körperschaften eine unzweifelhasle Majorität «hielte, so würde er höchst wahrscheinlich auf alle» Gebieten de« StaatSleben« Erfahrungen sanrmeln können, die für ihr und seine Glaubenrgenoffen recht trübselig wären. Berlin. In den letzten Tagen ist wieder eine große Anzahl erst vor Kurzem nach Amerika auSgewandeter ruffifcher Juden auf Kosten der „Alliane iSraelite" mit der Hamburger res,. Lehrter Eisenbahn, und zwar mit ersterer 4S7, mit letzterer 99, über Hamburg zurückdesördert worden. Dieselben wr rden von einem Mitglied« de» hiesigen Eomitö« auf den Bahnhöfen empfangen und mittelst Fuhrwerk« zunächst nach d:r Fruchtstr. Nr, l. — dem eingerichteten Asyl — geschafft Al« Ursache ihrer Rückkehr gaben, einem hiesigen Blatt« zufolge, die Auswanderer an, daß sie in Amerika zwar Arbeit gefunden hätten, daß sie aber zu schwach und entkräftet gewesen seien, den gestellten Anforderungen zu entsprechen. Berlin. Der jüngst verstorbene Rechtsanwalt Dr. Albert Mahner war der erste Jude, der in Berlin (und an einer preußischen Universität überhaupt) al» Doctor juris utriusque promov ren durste (bi» dahin creirte man Juden nur zu Doc> tores j iri« cirilis), und daß er der erste Jude war, der in Preußen zum Rechtsanwalt ernannt wurde. Birli». Der hiesigen jüdischen Alter«versorgung»anstalt ist mittel« Allerhöchster Ordre die Genehmigung zur Annahme der ihr von dem verstorbenen Ehepaare llommerzienrath Sally, gen. Sikgfried Simonsohn, mittel» letztwilliger Zuwendung vermachten 9000 Mark und der von den Eheleuten Geh. Komme zirnrath Meyer Cohn schenkungsweise üb.'rwiesenen 12000 Mark ertheilt worden. Shueidemühl. (Or^Lor.) „Wie in diesem Blatte bereit» mitgeth, ilt, war der Vorstand der hiesigen Gemeinde und ein früher zier angestelter Ea»tor de» Vergehen» gegen 8 71. b«» Gesetze» vom 23. Jul, 1847 angeklagt. Dieser § bedroht, dir Anstellungen eine« Autländer« al» Synagogenbeamten, sowte auch den Angrstelten mit 60 — 900 Mark Strase eoent. i)aft. Air 29. v. M. waren die Angeklagten zur Schöffen- Sitzung de» hiesigen Amtsgerichts vorgeladen; die 3 Vorstandsmitglieder wurden freigesprochen, dagegen Cantor L. zu 60 Mk. Strafe und Kosten ve>uriheilt. Ai «schlaggebend für die gänzliche Freisprechung de» Vorstanx« war hauptsächlich der Umstand, daß Cantor L. bereit» 5 Jahre in einer andern deutschen Gemeinde unbeanstandet fungirt hat, wa» den Vorstand wohl zu der Annahme berechtigen könnte, daß L. bereit» naturalisirt sei. Wie». Am 6. Oktober feiert der Prediger der irraelitischen EultuSgemeinde in Wien, Herr l)r. Ad. Jellinek, da» Jubiläum seiner 25jährigen Amtsthätigkeit in Wien. Dem Vernehrren nach werden demselben au» diesem Anlässe von vielen (Seiten ehrende Ovationen bereitet werden. Zu wünschen w Ire, wenn «in Comit 6 die Angelegenheit in die Hand nähme, damit die Gesammtgeminde. an chrer Spitze der Vorstand, sich an einer diese» großen Kanzelredner« und Gelehrten würdigen Dotation betheiligen könne. Vielleicht gelingt e» für ihn eine „Villa" zum Sommeraufenthalt zu erwerben. Die Wiener Gemeind« wird ihren unermüdlich thätigen Seelsorger schon zu ehren und ihm einen heiteren Lebensabend zu bereiten wiffen! Staberg, 15. Sept. Abgeordneter Merunowicz behauptete gestern in der öffentlichenLandtag«fitzung. da» Wiener Rabbinat Hab« auf die Anfrage einer galiz. Gerichsbehörde geantwortet, daß die jüd. Religion in gewissen Fällen den Mord gestattete. In Folze dessen wendete sich der hiesig« Rabbiner Löwenftein telegraphisch an da» Wiener Rabbinat um Aufklärung, worauf folgend« Dresche au» Wien anlangte. „Dievehauptung de» Abg. Merunowicz ist gänzlich erfunden. Da»

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