Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 30.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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finden, den er hienieden vergeblich gesucht hat." Vielleicht belchP der eigentlich« Rabbiner der Mainzer Gemeind« (Herr t)r. Colfrib), der «in Schüler de« sei. l>r. Meyer aeweser, seinen Amtsbruder eines Andern und Vesser« über dm hinleben »um Frieden (otorS strebenden und im Jenseits im Frieden wandelnde« sei. Lehrer, d'ri! Red.) A. Vs» Rhein (Or.«Corr) E« ist viel gefordert, wenn ich um Ausnahme de« Folgende« bitte, da es sich gegen den. von dem Herrn Redakteuer d. Bi. zuerst angeregten Plan, dir russ. Flüchtlinge in tfuiopa anzustedeln, wendet. Die Joe« find« auch ich sehr schon — doch ist sie durchsüjrdar s Ich habe es versucht, mehrere Gemeinden dafür zu f «■ »innen. Da wurde mir aber überall die gleich« Abweisu ig »u Theil. Wir können wir es wagen — wir wollen i'ir Frage, ob die Gesetze diese Einwanderung gestatten — den Gemeinden eine solch« Lost aufzubürdenk An Handwerke.'« ist Ueberflub, fl eisige und tüchtige Sinbeimische darben. Fabrikarbeiter werden entlassen, oder die Tagesardeit vermindert. Wollten wir da durch privat« Vorstellungen die Annahi ie einiger Arbeiter bewirken, so würde der Schabbo« zuerst in die Brüche gehen, sodann ist es mehr als fraglich, ob die Emigranten soviel Kraft, Tüchtigkeit und Arbeitslust imben, diß sie mit den Besten der aitringeschulte« Arbeiter Zug zieh:» können.*) Sonst sind sie nach wenigen Wochen brodio«, u »d wir haben ein Proletariat uns aus den.Hai« gezogen, da« >u erhalten wir unvermögend sind. Di« Majorität der Einwanderer würde nur zu gewerbsmäßigen Schnorranten, jen:n Vorbildern der „hosenoerkausenden Jünglinge" «erden!**) Ersetzt aber, sie hielten Stand, dann säen wir unter tie Arbeiterbevölkerung eine Rischußsaat, di« uns theuer zu stehm kommen dürste! Nicht ln übervölkerte, sondern i» schwach levölkerte Gegenden muß die Einwanderung hingeleitet werden, soll sie dem Lande und den Leuten zum Heile gereichen! So schön der Vorschlag der Alliance auf dem Papier« sich ausnimmt. wir fürchten, er ist praktisch wenig durchführbar.***) Hamburg, »0. Juli, (Or.-Eorr.s Wie da« hier erscheinende Tageblatt »Die Reform* berichtet, wären Vorstand u id Deiegirten-Eollegium de« Synagogen-Verbande« mit ihrer Petition um die Erlaubniß, eine« eigene» Begräbnißplatz zu erwerben, vom Senate abschlägig beschieden worbe». Auch ui« ist gestern diese Mittheilung gemacht worden, trotzdem müffn wir di« Wahrheit bezweifrl». Wenn gl> ich ei« andere« Resultat nicht zu erwarten ist, so kann eine Entscheidung schon deshalb wohl »och nicht erfolgt sein, weil der Referent in dieser Argeiegenheit, Herr Senator VerSnrann, sich aus einer Badereise befindet. Der Oberrabbiner hat sich diescn Genuß vorläusig versagt und seine bereits festgesetzt gewesene Reis« nach Helgoland verschoben, um ungestört mit seinen Besuchen bei verschiedenen Mitgliedern de» Raths sortsahren zu könne», weil er von seinem persönlichen Einfluß auf dieselben sich viel verspricht. Wie wenig übrigens in Preußen, aus das man sich beruft, ein als Eigenthuin erworbener Begräbnißplatz geschützt i), hat vor einigen Jahren die Gemeinde in Königsberg i/Pr. erfahren, wo der Anlegung einer Straß« nregen, auf einsacze Minlsteriai-Berfügung hin ein Theil der Gräber gegen »in« Seringe Entschädigung beseitigt werden mußte. Ein äh»lich:r fall ist in gleicher Veranlassung auch in Ottensen vor einig,n Jahren vorgrkommen; ja in Posen soll zur Zeit des Rabri Akiba Eger der jüdisch« Friedhof der Gemei.td« gänzlich entzogen und für Frstungsbauten verwendet ivorden sein, ju Hamburg dagegen ist man höchst schonend verfahren, als man bei Auiegung der Verbindungsbahn, den Begräbnißplatz vi r •j Dieser Unterschied würde »ei der drtannlrn Getehri-kei» der ja,, »rdeti sich rasch audglrichen. (Red.) **J Der geehrl« Herr Larresp. verwechselt die« die raff. Ju»«« »tt den palnischen; die «rsterrn stn» durchweg ihsii- und «rdeiisa«, — wie wir hier tsgiich zu sehen di« »deie-enheit hadeu — un» »erschmäh,» zed« nicht durch »rdrit rrwarden« Sad«. Pted) ***) Bit haben uns hier »raetisch »»« Eegentheit überzeugt. <K«d. dem Dammthor berührt«, ttotzdem derselbe niemals Eigenthum war. — — Am »origen Sabbath betrat Vr. Jfaacsohndie Kanzel, um soweit die Sabbachfeier es gestattet«, einen kurze« Rach, ruf dem jüngst verstorbenen Landrabbinrr Dr. Meyer zu widmen Er gedachte nämlich der großen Erfolg«, welcher diese»' um di« Erhaltung de« Frieden« und der Eintracht in der Gemeinde sich rühmen konnte und daß di« Lieb« welche ihm von allen Parteien gezollt wurde, nur die Anerkennung für di« Opfer enthielt, welcher er ihnen gebracht hatte. Erst als es sich um die Eiusührung der Orgel handelte, habe er der Gemeind« anheimgegeden, zwischen ihm und dieser zu wähle». k»»i>, 17. Juli. Ein besonder,« Interesse bot eine Verhandlung vor der Strafkammer de« hiesigen königlichen Landgerichts gegen den Schneidermeister Wilhelm Wind« au« Baldenburg, welch« nachträglich einen Beitrag zu den bereit» früher geführten Verhandlungen gegen die Exzedenien aut den Judenkrawallen lieferte, di, im vorigen Sommer in einem Teile Pommern« und Westpreußen« in die Erscheinung traten. Am Abende de« 3. August 1881 brach in Baldenburg, ähnlich wie in anderen in Westpreußen und Pommern gelegenen Rachbarstädten, ein sogenannter Judenkrawoll au», bei «eichein große Menschenmassen durch die Straßen zogen, sich vor die Häuser jüdischer Mitbürger stellten und unter dem Rufe: »Hepp! Heppl* und »Juden rau»*, Steine gegen Fenster und Häuler warfen. Den Sicherheilsbeamten gelang es nicht, die Thäter f,stzu»ehnien. weil diese beim Herannahen der Beamten die Flucht ergriffen. An dem genannten Abende hatten sich in der Nähe der Wohnung de» jüdischen Kaufmanns Lesbare drei Hausen ausgestellt: Lrsr-vre beging die Unvorsichtigkeit, sich vor seine Hauslhür zu stellen, wodurch die Massen noch mehr gereizt und erregt wurden, denn er hörte au« tenselbrn die Ruse: »Hurrah! die Juden müssen rau«*, »Werst ihm einen Stein an den Kopf, bann wird er wohl hineingehen*, erschallen. Unter einem dieser Hausen befand sich auch der Angeklagte Winde, welcher darauf in de» dicht vor dem Lefövre'schrn Hause stehenden Haufen übertrat. Sogicich wurde es in seiner Umgebung besonder» lebendig; es ertönten von hier aus nicht nur dieselben Ruse, sondern e« wunden nun auch aus dieser Menge widerboil Stein« nach dem Hause geworfen, von welchen ver ein« die neben ihrem Ehemann stehende Frau Lesöore rras. Rach den, so die Les^ore'schen Eheleute genöthigt worden ivaren, sich zurückzuziehen, auch die Fensterläden zu schließen wurde da» Hau« mit Steinen bombardirt und der Hinierzaun am Hause nitdergeriffea. Bon de» nicht durch Laden geschlossenen Fenster» sind 24 Scheiben zerstört morden. Winde, der in Baienburg allgemein als die Seele der Antisemiten galt, war det Landsriedensbruch» angeklagt und wurde zu d r c i Monaten Gefängniß verurtheilt. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr Gtsängniß beantragt. B. Tchnribkmrihl. 18. Juli. iOr. Enrr.) In Rr. 38 d. Zeitung finden wir au« Schönebeck eine» Bericht über ein« Streitsache zwischen dem Gemeinde-Vorstand und einem Steuerzahler. E» ist zu bedauern, daß derartige Fälle sich so o»c wiederholen, und konnten diese« der Gesammtheit nur zuni Nachtheil gereichende» Differenzen vermieden werden, wenn in allen Gemeinde» der Bestrurungs-Modu« in aer Art geschieht, wie es in unserer Gemeind« seit langen Jahren eingesühu ist. Eine direkte Einschätzung der Geineiirdefteuern finde: wahrlich hier nicht statt; e» wird von den Gemeindebehörden der nach dem Etat aufzubringende Prozentsatz festgesetzt uni> die Steuerquoten nach deren Klaffen-, refp. Einkommensteuer repartrrt Erfolgt später durch die tönigitch« Regierung eine Ermäßigung der Staatsfteuer, so tntt von selbst auch er», Ermäßigung der Eultussteuer «in; der ermäßigt« Betrag wirk bei den letzten Zahluirgen abgrlrhnt. — Auf diese Weis« ist jeder Rechtsweg «egen Prägraoatron von Gemeindeabgabrn abgeschnitten und ohne Erfolg. — Der hiestge Eorporationsoorstand ist auf -rund de»