Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 30.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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I. »S1 ki b» Außen nicht um de» geringsten Beistand zu dieser für st« wohlchätigen Sache »achsuchen. Ich tröste «ich nicht mit der Hoffnung, daß «eine Worte All« überzeugen »erden, daß dieser »on «tr vorgcschlagene Schrttt der beste und der richtigste ist. Die Fanatiker wird man durch kein» Beweise überzeugen, die verzweifeiten fto*> mopoltten werden sich nicht so leicht von einer Lffimilation lossagen, während die verblendeten Palästinier immer nach dem tobten Meere streben werden. Wenn meine Worte Euch nicht überzeugt haben, daß dieser von mir vorgeschlagrne Schritt zur vollständigen und glücklichen Lösung der Judensrage sührt, so gebet wenigsten« zu, daß dieser Schritt keinen Schaden her» beiführen wird, daß er wenigsten« in diesem Augenblicke nothwendig ist. Wenn e« sich Herausstellen sollte, daß wir ftotmo» politen sein müssen, so verlieren wir nicht dlo« nicht aus unserem Territorium die Möglichkeit dazu, sondern wir bekommen sogar da« Recht, Menschen-Brüderschaft zu predigen. Wenn e« sich Herausstellen sollte, da« wir Palästina nölhig haben, so wird es uns auch dann nicht verloren gehen, wenn wir unfern Familienherd in Amerika haben werden, — es wird uns nicht blo« nicht verloren gehen, sondern e» wird für uns dann bei weitem zugänglicher werden, denn in den» wir vereinigt und aus Herumziehern Weltbürger wurde», werden wir bedeutend mehr Kräfte und ein gewichivoUere« Stimmrecht a>» jetzt haben. Wenn ihr fürchtet, daß die Bewohner de« jüdischen Staate« viel zu viel Anhänglichkeit zu ihrer neuen Heimath hegen werden, um nach Palästina gehen zu wollen, so haben wir denn nicht Leute genug, um zwei nationale Herden zu bilden? und ist et denn nicht besser, ähnlich den Deutschen, zwei Heimathsländer all kein einzigeL zu haben? Berichte und Correspondeuzen. Deutschland. Magdeburg. Die »Neue Evangelische Kirchenzeitung" vom 1. Juli zeigt uns einmal wieder i» einem »Rußland und die Juden" überfchricbenen Artikel, wie sie gegen die Juden verübten Bestialitäten zu beschönigen und mit ihren bekannten sittlichen Grundsätzen in Einklang zu bringen versieht. Sie verwirft die von der »Jüdischen Presse" verbreiteten Berichte über die Gräuelthale» als übertrieben und fährt bann folgendermaßen fort: »Inzwischen erinnern (!) kleinere Ausstände, sowie Feuersbrünste, welche jüdische Häuser zerstört haben, immer von Neuem daran, daß die Neigung zu Gcwaltthätigk.-ilen gegen die Juden »och immer nicht erloschen ist. Die Revolullonäre aber würden (die »Kirchenzeitung" gesteht hiermit die Existenzberechtigung der Revolutionäre zu!) nicht diese SchreckenSscenen immer wieder erneuern können, wenn sich nicht ein ungeheurer Zündstoff de« Hasse« gegen die Jude» in der Bevölkerung angesammelt hätte." Geistreiche Auseinandersetzung eine« harmlosen Kleinstädter«! Demzufolge könnte» wir auch sagen: Würden die in den Abruzzen hausenden verthierten Menschen nicht von Haß gegen ihre Mttmenscheit erfüllt sein, dann würde die wrlde Bestie d:e Menschen nicht überfallen. Aber ganz abgesehen hiervon, sieht die „Kirchenzeitung" in ihrer Verbitterung gar nicht ein, welcher bodenlosen Unsittlichkelt sie Raum schafft. Denkt sie den» gar nicht, hat sie ganz der so schnell aus einander gefolgten ruchlosen Attentate aus unsern Heldenkaiser vergesse»?! Will sie gar nicht lernen die Cousequenzen ziehe»?! Und warum räumt sie zur Ehre der Wahrheit nicht ein, daß die im Besitz von Popen sich befindlichen Schänken am »leisten zur Eorruption der russischen Bevölkerung beigetragen haben Auch dem »Kölner Aabviner Plato" (P. ist bekanntlich gar nicht »Itölner Rabbiner".) wird wieder wegen de« berüchtigten Auirus» zugesetzt. Die »Evangelisch«" schließt ihr Elaborat in folgender unlogischen Weise: »Unter allen den Völkern, in denen sich eine Judensrage geltend macht, bedient Gott sich der Juden, um die Nation für ihr Abweichen von den christlichen Bahnen zur Rechenschaft zu ziehen." Diese Vermeffenheil, Gotte- Wege ergründet zu haben I Der bekannte Ver» ist ihr einmal wieder entfallen: »Denn nicht meine Bedanken sind eure Ge» danken, und nicht eure Weg« meine Wege, ist der Spruch de« Ewigen." Jes. 66, 8. Und dann bitten wir zum Schluß um die Präciflrung de« Begriff» »christlich« Bahn", ob nach dem evangelisch-lutherischen oder reformirten, ob nach dem römisch-katholischen oder griechisch-katholischen Bekenntniffe, nach den, der Mennoniter oder der Herrnhuter u. s. w. Berlin. Der Kronprinz, begleitet von seinem persönlichen Adjutanten Major v. Psuhlstein, sowie von mehreren Stabsoffizieren au« dem KriegSministerium und dem Generalstab«, beehrte am 13. d. Born», die Fabrik von Ludwig Löwe u. Ko. mit seinem Besuche. Da« »Tagebl" berichtet darüber: Bon den GeschästSinhabern Ludwig Löwe und Löwe jnn. enipsangen und durch die zahlreichen Arbeitrsäl« geführt, verfolgte der hohe Herr mit vielem Interesse die Fabrikation von Militär-Reoolvei n, welche in der Fabrik in großen Massen vermittels eine« Park« von ca. 400 Stück selbstthättgen Spezialmaschinen für die russische Regie, un z angefertigt werden. De» weiteren wurde ihm eine vollstänoige Fabrikeinrichtung für eine von der chinesischen Regierung zu errichtende Fabrik für Militärkartouchen im Betriebe vorg-fühct und die exakt« Durchführung der vielfach verschiedenen Operationen fand lebhafte Anerkennung de« hohen Herr». Er ließ sich zum Schluß noch Bericht erstatten über die Organisation der Fabrik und die Ausdehnung de« Geschäftsbetriebes. Der Besuch währte über zwei Stunden. Der Kronprinz nahm auch das dargebotene Döjeuner huldvoll an. Berlin. Der Ausschuß des deutsch - israelitischen Gemeindedundegedachte in seiner Sitzung am IS. d. M. schwer bewegt deS großen Verluste«, den engere und weiter« Kreise und auch der Bnnd durch den Heimgang de« Herrn LandrabbinerS k)r. Meyer in Hannover erlitten haben. Der Borsitz-nde berichtete, daß er der Familie de« Verewigten im Namen des AnSschuffeherzliches Beileid auSgevrückl, und daß auf sein Ersuche» der Delegirte, Herr Rechtsanwalt Bensey in Hannover, die Güte gehabt habe, den Bund bei der BestattnngSseierlichkeit zu vertreten. Der Vorsitzende hob mit herzlichem Danke hervor, welche treue Anhänglichkeit uns ersprießliche Hilfe der Verewigte jederzeit dem Bunde gewidmet habe. WaS ihn dem Bunde so besonders werth gemacht habe, sei seine tiefe Religiösität, seine Begeisterung für das Judenthum, verbunden mit Freundlichkeit und Energie, dazu ein klarer Geist mit einem seltenen Verständniß für da« praktische Lel-en und die socialen Verhältnisse der Jude». Diese glücklichen Eigenschaften haben den Entschlafenen befähigt, der BundeSsache Dienste zu leisten, welche ihm ein unvergeßliche«, ehrenvolle- Andenken sichern. (Der Mainzer „Israelit", der eine Force darin besitzt, um da« Judenthum wohlverdiente Männer, sobald st" ihre Auge» zugedrückt haben, zu begeifern — er hält eS wahrscheinlich für eine Mizwa. statt, »ie e« üblich, einige Handvoll Erde aufs Grab der Verstorbenen zu schütten, sie lieber gleich mit ttolh za bewerfe» — verabsäumt natürlich nicht, dieser redaktionellen Liebespflicht auch gegen den verstorbenen Lai.drabbiner s. A. nachzukottimen. Weil in allen am Grabe desselben gesprochenen Trauerreden seine Friedensliebe besonder« hervorgehoben wurde — wir waren selbst Zeuge, als er vor eunzen Monaten bei den lctzleit Beralhunge.i d.r Delegirlen des Denlsch-Jsr. Geiueittdebunde» in Berit», da wegen einiger von orthodoxer Seite gestellten Anträge ein Confllkt drohte, sofort sich erhob, versöhnend und vermittelnd eintrat und in edler Begeisterung i» die eindrucksvollen Worte ausbrach: „Man nannte mich höanisch den „FriebenSjäger", ich wünsche, daß man mir diese Bezeichnung dereinst aus meine Muzewu schreibe!" — glaubt der „Israelit" als Vorkämpfer der eccleniu militun* dagegen Folgendes schreiben zu müssen: »Nicht der Fried« mit den Feinde» des JudenthumS, solider» der Friede mit dem Herrn des Weltalls ist der echt«, wahrhafte Friede. Möge der Entschlafene im Jenseit« den Frieden