Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 30.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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283 — §. 71 bet 4M<t<« vom 28. Juli 1847 wegen Anstelluug eines «ich! naturalisirlea Ausländer« zum Synagogenbeamten — angeNagt und der Termin z«r öffentlichen Verhandlung vor dem Schöffengericht im August anberaumt. - Darüber Näheres ein anderes Mal. Ems. Wir können nicht umhin, die Aeußerung des Rabbiner« Dr. Ech wabacher gegen ba« (Sunt seiner Denkschrift (6. 41 u. 42), womit er über di« von Rußland durch die Juden zu erzielend« Handelspolitik zur Beseitigung de« englische» Einflüsse» im Orient diplomattstrt, ernstlich zu tadeln I Wir — und auch wohl die meisten Juden in den civilisirten Staaten Europa'« — halten diese ckenßerung nicht blo« für eine» Fehler, sondern wir halten dieselbe sogar für eine Sünde der Undankbarkeit gegen die englisch« humane Ration, die in der Reuzeit unsere Glaubensgenossen al» gleichberechtigte Mitbürger behandelt und in der neuesten Zeit zuerst gegen di« ruffische Barbarei ihren «ibscheu — ausgehend au» allen Klaffen, Stünden und Lonseffion der Bevölkerung — öffentlich zu erkennen gab und di« au« Rußland au«maudernde» Juden großartig unterstützte! v<fterreich»Ung«rn Wien. Am 20. Juli findet hier eine Eonserenz von Delegirten der europäischen Hilf» - Somit«''« statt. E» find dazu ringeladen die Alliance J«ra6lite Universelle und da» Hilf« Somit«' in Pari», da» Miuuion Home Comtnilee in London, da» deutsche Sentrat-Somitä in Berlin, da» Somitä >n Frankfurt a. M., die verschiedenen Somitü'« in Oesterreich, da» Somilü in Amsterdam und Herr Veneziani, Vertreter de« Baron» von Hirsch U A. werden anwesend sein: Herr Justizrath Makower und Herr Stadtverordneter Dietmar al« Vertreter de» deutsche» Se»tral-Somit6's, Herr Benjamin L. Sahen al« Vertreter de» Mun<m>n llomte Coimniiee, Herr Direktor I)r. Baerwald al» Vertreter de« Frankfurter Somit«''», Herr Rabbiner Dr. Landsberger au» Liegnitz und Herr Veneziaui al» Vertreter der Alliance Israeli»« und de» Pariser Somit«''». Den Hauptgrgensland der Berathung bildet die Frage: Wie ist der Roth der noch ui Brody befindlichen Tausende von ruffischen Flüchtlingen am besten abzuhelsen? S« liegen ve.schiedene Vorschläge vor, darunter da« in vor.Rr. bereit» erwähnte Projekt de» Herrn Veneziani, welche« derselbe in einem an den Präsidenten der Alliance J-raelite gerichtete» Schreiben entwickelte. Wir iheilen au« den» wichtigen Aktenstück da» Wesentlichste mit: „Die Auswanderung au« Rußland scheint aufgehörl zu haben, aber Brody enthält »och 1'2,000 Flüchtlinge,') deren llnterhalt allun 2b,000 Franken pro Woche kostet. Indem ich diese Ziffer angebe, deute ich aus die Uninöglichkeil hi», e» auf lange Zeit zu bestreiten. Wi» müffen also darauf bedacht sein, dir»« armen Leute entweder zurück,useude» oder fie, sei e« nach Amerika, sei e» in unsere eigenen Länder, zu tra»«> poniren, rhe unsere Hilfsmittel e» schöpft sind. Wir sind für diele i 2,000 Menschen verantwortlich, die seit Monaten von uns ihr Heil erwarten. Indem wir sie beschützen, haben wir ihnen, un» selbst, sowie der öffentlichen Meinung gegenüber, stillschweigend die Verantwortlichkeit übernommen. fie nicht zu verlasse» und ihnen eine neue Existenz zu ermöglichen. Sie hier un Elend zu laffen (da« ich hinreichend beschreibe, wenn ich sage, daß wrr ihnen nur einen Will« den pro Woche und einen halben Gulden mehr für jede» Rind unter zehn Jahren bewilligen können), hieße nicht allein unserer Pflicht nicht Nachkommen, sondern auch di« reichen Opsergaben, die un« von überall jufließen, nutzlo« verschwenden. Wir setzen un» aus diese Weise au», daß der Winter herbeikommt, ohne daß wir etwa« gethan haben, und wir zwingen dies« Unglücklichen, da» Bitchen, wa» sie gerettet habe», zu verzehren, nach und nach da« armselige Bettzeug ihrer Kinder zu veräußern und sich ganz zu Bettlern hera^uwürdigen; durch da« lange Warten muß die Quelle der Energie ver- *) Jetzt «tut «och etwa 10,500. Red.) siegen, di« fit für die neuen Kämpfe, denen sie entge,;eng«hen, so nöthig haben. Gar viel« Männer, ja ganz« Haurhaltungen, die hier voll Kraft und Muth ankamen, find schon jetzt darch den langen Aufenthalt in «lenden Hütten und durch di« unzureichende Nahrung so heruntergekommen, daß man sie nicht zu Emigranten brauchen kann. Wäre e« nicht beffer gewesen, ihnen von Anfang an jede Hoffnung zu nehmen, al» sie so verkümmern und verderben zu lassen? Hätten sie gewußt, daß sic nicht aus un» rechnen könnten, so wären sie vielleicht ans ein and-re« Rettung-mittel bedacht gewesen oder in ihre Heimath zurückgekehrt, die ohnedem gewiß viele nicht vkllaffen hätten. Wa» aber nicht geschehen ist, kann noch au»geslchrt werden; wir müffen namentlich: 1) bestimmen, daß Brody definitiv und aus'» Baldigste geräumt werden muß; 2) ein Einoerständniß unter allen Hilf» - Somitü'» zu Stande dringe»; 3» die Gelder derfilbe» in ci»e einzig« Maffe vereinigen, und endlich 4) einen Extk«livau»schub, bestehend au« Bevollmächtigten der verschiedenen Somitö'». bilden, der in Brody zusammenkommt. Die» sind die Maßregeln, die nieinem Erachten nach zu ergreifen sind, um da« schwierige Problem zu lösen. Prüfen wir dieselben »och näher. Die Räumung hat bi« jetzt aus zwei Arten stattgefunden: 1) die Au »Wanderung nach Amerika und 2) die Rücksendung nach Rußland. Die erste entgeht un» au« dem Grunde, daß man in Rewyork zuerst die 3—4000 Emigranten versorgt haben muß, ivelch« noch nicht uniergebracht ivcrden konnten. Wir müffen daher die Flüchtlinge in die verschiedenen Länder E uropa'» zu vertheilen suche», wobei un» alle i»raelitischen Gemeinden, große und kleine, behülslich sein müffen. Wir dürsten dabei aut keine allzu,',roßen Schwierigkeiten zu stoßen haben, jede» Hils««omit6 würde sich mit den israelitischen Behörden de» Lande« in Einvernehnien setzen nnd diese ihrerse.t» erörtern, wie viele Familien in den Äenicindcn uniergebracht werden können. Sobald diese An«künste nach Brody gelangt sind, müßte man die Emigranten direkt nach ihrem Bestimmung»- or>e schicke». Die ans diese Weis« untergebrachten Familien hätten natürlich Anspruch auf einen mehr oder minder lange dauernden Geldsuccur», bi» sie sich selbst ernähre» können. Diese Hilisgelder würden ihnen durch die Gemeinden verabreicht, die sie im Voraus erhalten, und in der Gewißheit, nur wenige Geldopser bringen zu müffen. keine Schwierigkeiten machen dürsten. (Schluß folgt.) Au» Ungarn. Zur Ti»za-E»zlarer Affari« trifft die Meldung ein: Di« verhafteten jüdischen Flößer sind heute, mit Au»»ahme eine» einzigen, aus freien Fuß gestellt worden. Dieselbe» stellen die Tatsache de» Leicheafunve» wie folgt dar: „In Folge de» großen Winde» mußten uns« e Flöße in Ti«ja-Dada hrlten, wir ruhete» am User de» Flnffe», wurden plötzlich auigesordert, eine Leiche au» drin Waffer zu holen. Der Flurschütz ging in» Dorf melden, e» jchw.mme eine Leiche stromabwärts; die ausgefischte Leiche haben wir nach Flößergebrauch beerdigt. Kurz daraus tarn der OrtSrichter von Dada zu un» und ließ sich di« Leiche zeigeii. Abend» erschien der Stuhlrichter au« Lük mit vielen Herren, sie belobten un» und gaben un» ein Trinkgeld. Tag» darauf verlieben wir Ti«za-Dada. wurden jedoch bei DiSza-Deö verhaltet und nach Ryiregyhaza gebracht. Mau verhörte un« täglich dreibi« viermal, brachte un» nach Ti«za-Lök und schleppte un» durch mehrere Orte. Der Grund hierfür ist un« noch heut« unbekannt, wir konnte» nicht mehr deponiren. al« da« hier Ausgesagte. Der Grund unserer Verhaftung ebenso wie der unserer Freilassung, ist un» unbekannt." — Die vertheidiger der verhaftete» Jude» in Ti»za-E«zlar wurden telegraphisch nach Rtziregyhaza berufen, um vom Unter-