Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 31 (3.8.1894)
- Date
- 1894-08-03
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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für alle inneren und äußeren Krankheitsrormen auf das Beste eingerichtete Krankenhaus darstellt. Tie Zahl der Kranken, die darin Aufnahme fanden, stieg allmählichbis auf 254 (zum Schluß des Jahres 1893), die der Altersschwachen aus 44. Am 1. Januar 1892 wurde eine ständige Poliklinik im Hause mit poliklinischen Sprechstunden für alle Krankheitsrormen eingerichtet. Tie Zahl der Hülfesuchenden spricht für den Segen dieser Einrichtung. Im ersten Jahre wurden 5355 Patienten in mehr als 20,000 Einzelconsultationen behandelt und im verflossenen Jahre zweiten Jahre stieg die Zahl der Patienten bereits auf 7816. Ter größte Theil der Kranken stammt aus den minderbegüterten Arbeiter- und Handwerkerkreisen, die gegen einen mäßigen Pflegesatz, den. sie selbst oder die Krankenkassen leisten, sich gerne dem Asyl anvertrauen. Eine Reihe Kranker jeder Confessiion wurde ganz unentgeltlich verflegt. Von hohem Interesse im soeben erschienenen Jahresbericht ist die Mittheilung über die Einsetzung einer erfahrenen jüdischen Oberin. Es heißt darüber: ״Ter Verein für jüdische Kranken- Pflegerinnen in Frankfurt am Main, der in den wenigen Jahren seines Bestehens den Beweis erbracht hat, daß es an jüdischen Mädchen und Frauen nicht fehlt, die sich gerne dem schweren aber ehrenvollen Berus der Krankenpflege weihen, und die an Lpferwilligkeit, Ausdauer und Geschick Mitgliedern ähnlicher Corporationen in keiner Weise nachstehen, hatte uns schon früher auf unseren Wunsch Schivestern zur Pflege zugewiesen. Tieser Verein wählte für uns aus seinen Schwestern eine in allen Zweigen der Verwaltung, der Haushaltung und der Krankenpflege gleichmäßig erfahrene energische Dame aus, Fräulein Frieda Brüll, die als Schwester Oberin im August vorigen Jahres ihr Amt in unser Anstalt antrat. Ihre Liebe zu deni stci gewählten Beruf der Krankenpflege, ihre Gewandtheit in der Buchführung und in Angelegenheiten der Küche des Hauses, gepaart mit Gewissenhaftigkeit und liebevoller Behandlung von Kranken und Personal, befähigen sie in hohem Maße zu einer solch verantwortungsvollen Stellung und verpflichten uns zu dankbarer Anerkennung ihrer Leistungen. Gerne übernahmen wir mit dieser Oberin die Verpflichtung, auch unsere Anstalt in den Dienst der hoheu Aufgabe des Vereins, der bisher als Ausbildungsstätte für die Pflegerinnen nur das Frankfurter Gemeindehospital zur Verfügung hatte, zu stellen, eine Ausgabe die gleich bedeutsam sür die Krankenpflege wie für die sociale Förderung jüdischer Mädchen ist, und der wir schon früher reges Interesse entgegengebracht hatten. Zwei Schwestern sind seit August vorigen Jahres, eine seit März dieses Jahres, im Asyl zu ihrer Ausbildung thätig, und wir dürfen von ihrem Lerneifer, ihrer Dienstbeflissenheit und Gewissenhaftigkeit, die sie bei der Kranken- Wartung bethätigen, die besten Erfolge erwarten und uns der Hoffnung hingeben, daß in nicht zu ferner Zeit, wenn die Krankenhäuser versorgt sind, jüdische Krankenschwestern auch in unserer Stadt für die Pflege Kranker jeder Konfession bereit stehen. Es ist also ein erfteuliches Bild, das die Anstalt am Ende ihrer 25jähigen Wirksamkeit bietet. Herrlich ist die Saat ausgegangen, die die Pietät gegen Eltern in diesem Hause gelegt hat, und reicht gelohnt ist die stamme That der Stifter und der zahlreichen Wohltäter. Der zum Schluß des interessanten Berichtes vom Kuratorium ausgesprochenen Bitte an die Begüterten, in denen der Geist vorurteilssteier Menschenliebe wie in unserer Anstalt lebt, ״sich an diesem Liebeswerk durch Spenden, Jahresbeiträge, Bettstiftung, Vermächtniße oder Stiftungen zum Andenken teurer Vorstorbencr zu betheiligen," schließen wir uns von ganzem Herzen an. Krotoschiu. lieber die für die neue hiesige Synagoge beschlossene Orgel schreibt die amerikanische ״Teborah" wie folgt: ״Wer hätt' es je gedacht?" fühlen wir uns versucht mit den Worten Uhland's auszurufen. Natürlich ohne Intervention einer hohen Regierung geht es in Preußen einmal nicht. Tie Minorität der Gemeinde (Orgelgegner) hat geklagt und die Regiemng hat zu Gunsten der Majorität entschieden. Herr Rabbiner Tr. Baneth, ein Schüler Hildesheimer's, der durch Ordinations-Gelübde verpflichtet ist, niemals eine ״Orgelschul" zu betreten, hat seine Stelle gekündigt, wird sie aber erst verlassen, bis die Orgel aufgestellt ist. Heroismus mir einem Vorbehalt! etwa wie der eines Selbstmörders, der sich dann erst ausknüpst, wenn ein Polizist in der Nähe ist, um ihn rechtzeitig abzuschneiden. Indessen ist es interessant genug zu notiren, daß in Groß-Polen, das vor 50 Jahren die Domäne Rabbi Akiba Eger's war, heute die Reform von der Majorität anerkannt ist." Aus Sachsen. Tre ״Zittauer Nachrichten" ist nicht nur das Amtsblatt der städtischen Behörden, es wird auch als Eigenthum einer Stiftung, welche dem Stadttath untersteht, von dem Sthdttathe verwaltet. Auf erfolgte Beschwerde hat der Stadttath wiederholt die Zusicherung gegeben, daß das antiseinitische Hetzen des Blattes unterbleiben werde, trotzdem kann man gar nicht selten Geschichtchen, die zum Theil erlogen, zum Theil übrrtrieben und tendenziös gefärbt, den Zweck haben gegen Juden und Judentdum zu Hetzen, in demselben finden. Vor längerer Zeit entnahm es auch der ״T. R." die Schauergeschichte;von Samuel Hohenstein mit der Ueberjchrift: ״Wie Samuel Hohenstein sein Geschäft oer־ kaufte". Nachdem die ״T. R." diesen Bericht als erlogen widnrusen mußte, wurde der Redaction der ״Zitt. Nachr." ein Zeitungsblatt eingehändigt, welches angestrichen die Mittheilung von dem Widerrufe brachte. Seitdem sind 4 Wochen verflossen, der moralischen Pflicht auch ihrerseits diese Geschichte zu widettusen ist das Blatt jedoch noch nicht nachgekommen. — So lange Gerichte und Behörden dem Spielen mit dem anarchistischen Funken unthättg oder gar wohlwollend - zusehen, reicht unsere geringe Kraft nicht aus, ihn zu ersticken, reißen wir ihm auf einer Seite die heuchlerische Larve vom Gesichte, so grinst sie uns von hundnt andern Seiten um so frecher an, möchte man doch an geeigneter Stelle der Einsicht , * sich nicht verschließen, daß Menschen, die fanatisirt sind, zu Gesetzlosigkeit neigen und darum eine schwere Gefahr für die ganze Gesellschaft bilden. Aus Lt-Pftadt i. Wests, schreibt uns der dortige Lehrer und Cantor Herr E. Rosen selb: Zu den in Ihrem geschätzten Blatte veröffentlichten Berichten über militärische Leistungen seitens jüdischer Soldaten gestattet Untttzeichneter sich, Ihnen mitzuteilen, daß er den Feldzug gegen Frank- - reich 1870—71 freiwillig als Combattant mitgemacht hat; (als Lehrer konnte derselbe in der Garnison beim Ersatz zu- . rückbleiben.) Er genügte als Schulamtskandidat ׳ feiner Militärpflicht vom 16. December 1869 bis zum 26. Januar 1870 יי beim 1. Westfälischen Infanterie-Regiment Sir. 13, ist am, 21. Juli 1870 zum 2. Westfälischen Infanterie-Regiment Nr. 15 einberufen worden, marschitte freiwillig mit diesem Regimente aus und kehrte mit demselben am 7. Juni 1871 aus Frankreich unverwundet, aber infolge dn Sttapazen mit Rheumatismus behaftet, zurück. Er hat mitgekämpft bei Metz am 14. August, bei Gravelotte am 18. August, machte die Belagerung von Metz und den Zug gegen Bourbäki und Garibaldi mit, gegen welche er am 26. Januar 1871 bei Borges an dem letzten Gefechte teilnahm. Er ist im Besitze dn Kriegsdenkmünzefür Combattanten 1860—71, sowie der Landwehrdienstauszeichnüng durch Vn-, fügung dn Königlichen 27. Infanterie-Brigade, untnzeichnet vom Bezirks-Kommando. Lehrer E. Roscnseld. .. Zittau. Herr Kaufmann M. Mühsam hin, kam' 1864 als Ersatz nach Holstein 1866 beim 1. Leib-Grenad. Reg. Nr. 8 in den Schlachten b. Gitschin,und Köniagrätz. . 1870—71 beim Westpr. Greyad. Reg. Nr. 6 als Gefreiter an den Kämpfen bei Weißenburg, Wötth. Znninung von Paris, Malmaison, Mont Valerien. (Herr M. ist der jüngste Brudn des Herr» Obnlandes- Rabbiner der Steuermark in Graz und des Apothekenbefitzers, Senators M. in Lübeck und besitzt die Kriegsdenkmünzen rc. der 3 Kriege, die n im Dienste des Vaterlandes mitgekämpst.)