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Israelitische Wochenschrift · 1894-08-03 · 31 (3.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
31 (3.8.1894)
Date
1894-08-03
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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lachte» Herzeneine so Hohe Persönlichkeit wie die Prinzessin Sabbath. , (F,ttsep1ug folgt ) Kkrichlr und Korrksponöknjkn. Magdeburg. 28. Juli. Die ,Kizzur Schulchan-Aruch- Angelegenheit will in Baden nicht zur Ruhe kommen. Der Oberrath der badischen Israeliten hat sich darum veranlaßt gesehen ,im Interesse deconsessionellen Friedens״ in der amtlichen ,KarlSruher-Ztg." folgende nähere Aufklärungen über das genannte Buch zu geben: ,Der Kizzur Schulchau-Arnch ist eine von einem kaum . bekannten ungarischen Gelehrten verfaßte, in Deutschland .wenig verbreitete und jedes autoritativen Ansehens entbehrende Kompilation aus verschiedenen älteren Religionscodices mit eigenen Zusätzen des Verfassers, welcher für sein Buch, um daSsxlbe in weiteren Kreisen zu empfehlen, von dem mitbenützten ,Schulchan-Aruch" des Joseph Karo (1486 bis 1575) den Namen entlehnt hat, obgleich er von diesem Werke vielfach obweicht. Der durchweg in hebräischer Sprache verfaßte Kizzur Schulchan-Aruch ist übrigens kein Lehrbuch im ge» wöhnlichen Sinne, sondern etwa einem schwierigen griechischen oder lateinischen Schriftsteller zu vergleichen, aus welchem in der Schule besondergeeignete Kapitel durchgenommen werden. Dir in der privaten Handelsschule zu Gailingen lehrplanmäßig behandelten Abfchnitte betreffen die Pflichten gegen Eltern, Lehrer, Vorgesetzte u. s. w.. das Verhalten in Synagoge und LehrhauS, die Gebete, Ceremonialgesetze, Fest- und Fasttage, sowie die Vorschriften für Trauernde. Nicht dozirt wurden die Bestimmungen über Reinheit deehelichen Lebens, .welche zwar an' sich die strengste Sittlichkit zu fördern bestimmt und geeignet sind, aber natürlich nicht für Schüler paffen. Das Gleiche gilt von den veralteten Bestimmungen über die;Akkum" (Sternanbeter), wobei bemerkt wird^ daß die nur aus Unkenntniß oder Uebelwollen zu erklärende Be- Häuptling, eS sei dieser Ausdruck auch auf Christen anwendbar, von sachverständigen und voruttheilslosen christlichen Gelehrten, wie Delitzsch, Strack, Wünsche, längst widerlegt ist, daß übrigens auch die Akkum nur in rituellen Dingen, nicht aber in Bezug auf Schutz des Lebens, des Vermögens, der . Ehre u. dergl. anders als die Juden behandelt werden. Die rabbinische Aufsichtsbehörde hat sich jedoch dahin entschieden, daß ein Buch, welches auch nur zum Theil für Schüler nicht geeignete Partien enthält, besser von der Schule fernzühalten sei.*) Zudem war sie der Ansicht, daß die von ihr seither genehmigten bezw. zugelassenen Lehrbücher völlig ausreichen. AuS diesen Gründen hat sic dem Vorstand der erwähnten Handelsschule den ferneren Gebrauch des Kizzur Schulchan-Aruch untersagt. An einer Stiftungsschule in Sulz bürg, woselbst der Religionslehrer zum Zwecke erweiterter UnterrichtSettheilung in den Ritualien sich ebenfalls dieses Buches bedient hatte, wurde dasselbe schon vor längerer Zeit durch den Stiftungsvorstand selbst wieder beseitigt, io daß die Auffichtsbehörde damit nicht wefter besaßt war." Wir können auunseren Beobachtungen noch hinzufügen, daß verschiedene mit dem Nimbus besonderer Otthodoxie sich umgebende jüdische Handelsfach, und Fortbildungsschulen — meist mit Pensionat verbunden — zur Vermehrung der Zufuhr von Schülern und Pensionären aus dem Auslande (besonders guS Rußland. Holland, England) die üblichen deut - -scheu ReligionHbücher bei Seite zu lassen pflegen und zum Zwecke der Reclame das hebräische Eompendium Kizzur Schulchan-Aruch als Aushängffchild gebrauchen. Es ist gut, daß dem nun ein'Ende gemacht ist. ‘ , . *) >11demselben pädagogischen «runde ist, wj, wir jüngst in diesem Blatt« «»«geführt, auch die ganze Bibel nicht al« Schulbuch <ün gewühnjichen Sinne des Watte«) zu gebrauchen^ Berlin. 29. Juli. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Böckel ist von Marburg, daS er im Reichstage vertritt, nach Berlin übergesiedclt. Obgleich von den acht Reichstagswahlkreisen des Regierungsbezirks Kassel nicht weniger denn fünf, und von den tieun Krisen des Großherzogthums Hessen drei im Reichstage antisemitisch vertreten sind, scheint Dr. Böckel mit seiner Marburg« Druckerei und seinem ,Reichsherold" im Hessischen doch kein rechtes Glück gehabt zu haben, da auch seine Druckerei nach Berlin übergefühtt werden soll. Unter der Ueberschrift ,Dr. Böckel in Berlin!" teilt der antisemitische ,General-Anzeiger" mit, daß in einer auf Böckel'S Veranlassung einberufencn antisemitischen Versammlung, an der auch Ahlwardt thrilnahm, die Bildung einer Actiengesellschaft Mn Betriebe der Böckel'schen Druckerei in verrößertem Maßstabe mit einem Mindeft-Kapital von 80000 Mk. cschlossen worden ist. ES hätten sich auch sofort einige 30 Actionäre mit etwa 20000 Mk. eingezeichnet. Die offizielle Gründungssitzung werde im engsten Kreise nächstens ftattfinden. Dr. Böckel habe sich bereit erklätt, mit seinem ,Reichsherold" und seiner Druckerei sofott endlich nach Berlin überzusiedeln, und wolle vorläufig (nicht geschäftlicher) Leiter des Unternehmens sein. Der Ahlwardt'sche Liebling-plan, die Gründung einer großen Tageszeitung, sei vorläufig verschoben worden. Man darf nun auf die weitere Entn'ickelung im antisemitischen Lager gespannt sein. Einigkeit ist bekanntlich in demselben bisher nicht zu finden gewesen, und der Radau dürfte erst recht losgehen, da durch Böckel'S Uebersicdelung wieder die Interessen anderer antisemitischen Berliner Blätter bedroht werden. Es ist bezeichnend, daß die 16 Antisemiten, welche bisher im Reichstage sitzen, es noch nicht zu einer einheitlichen Fraktion gebracht haben. Das offizielle Frac» tionS-Verzeichniß führt vier von ihnen (Ahlwardt, Dr.Kvnig, Leuß und Liebermann v. Sonnenberg) als ,wild" aus, während elf die ,Deutsche Rcformpartei" bilden, zu der auch Prof. Dr. Förster als Hospitant gehört. Innerhalb der Deutschen Reformpartei klappt es aber, wie aus dem fortgesetzten Preßgezänk zu entnehmen ist, auch nicht recht. Die sechs sächsischen Abgeordneten halten mehr zu dem Abgeordneten Zimmermann (Vertreter von Dresden-Altstadt), die hessischen mehr zu Dr. Böckel. Die ,deutsch-socialen" Antisemiten L la Liebermann v. Sonnenberg wieder vertreten mebr den Antisemitismus im polittschkonservativen Gewände und mißbilligen Ahlwardts Schlag, wort: Gegen Juden und Junker! Die letzte Zeit hat aber gelehrt, daß der sogenannte konservative Antisemitismus Stöckers und der Deutsch-Liberalen seine Anziehungskraft auf die Massen verliett, und daß der Antisemitismus nur durch den Radikalismus seiner Forderungen, durch die scharfe Betonung^ der ökonomischen Momente Erfolge erzielen konnte. NeuerdmgS suchen die Antisemiten mit dem Deutschen Bauerbund enge Fühlung zu gewinnen, welcher s. Z. mit rund 42,000 Mitgliedern dem Bunde der Landwitte beitrat, seit einiger Zeit sich aber wieder abgezweigt hat. weil, wie es in dem Wochenblatt des Bauernbundes heißt, im Bunde der Landwitte zunächst wohl, die Interessen des Großgrundbesitzes vertttten würden. (Bert. Bolk«,eil.) Köln, Ende Juli. Das ,JSr. Asyl für Kranke und Altersschwache", dieses auf dem festen Grunde reinster Menschenliebe errichtete Werk, auf welcheunsere Synagogengemeinde mit gerechtem Stolz blickt, und das sich in allen Kreise» unserer Bürgerschaft wahrer Schätzung und eines ehrenhaften BettrauenS seitens derAngehörigen aller Confessionen rühmen darf, hat das erste Birrtrljahrhundett seines Bestehenzurückgelegt. Im Jahre 1869 durch die pietätsvolle Gesinnung der fünf Brüder Eltzbacher zum ehrenden Andenken an ihre sel. Eltern gegründtt, wuchs das Asyl v»n Jahr zu Jahr unter der' umsichtigen Verwaltung seine- Kuratoriums nach außen durch An- und Ausbau, nach innen durch Anschaffung aller der modernen Hygiene entsprechenden Einrichtungen und durch die Anstellung tüchtiger Aerzte,' so daß die ,Anstalt außer als behagliches Heim für Greise sich nun auch 'alein

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