Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 31 (3.8.1894)
- Date
- 1894-08-03
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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N. AUS Ungarn, 29. Juli. (Orig-Torr.) Alle die Äußerliche Stellung des JudenthumS bcrreffenden Angelegen» Heiken habe ich bereits in dieser gesch. Wochenschrift erörtert. f inzufügen darf ich noch, daß auch die Verstaatlichung der tandeSämter, welche jetzt von den Geistlichen aller Confessionen ausgcübt werden, in Consequenz der kirchenpolitischen Gesetzgebung, vom Hause der Abgeordneten beschlossen wor» den ist. Für den Ausfall der Gebühren wird sicherlich entweder auf staatlichem oder gemeindlichem Wege Sorge getragen werden. Ich komme nun zur Erörterung einiger inneren Angelegenheiten des ungarischen Judenthums. Hier thut zunächst die Fürsorge für die Vertreter des göttlichen Wottes und Liedes im Falle der Unfähigkeit derselben durch Krankheit und Alter noth. Sieben der Selbsthilfe durch Vereinigungen wäre auch wirksame Gemeindehilfe, beziehungsweise die Unterstützung von Seiten der Eenttal-Leitung der Gemeinde-Organisationen hüchst wünschcnswereh. Denn Talente scheitern zu sehen an der Ungunst des Schicksals und der Menschen ist gewiß ein großes Unglück für das Judenthum und die Menschheit. Persönlichkeiten aber von Begabung, Leistung und Stellung untergehen sehe», ist nicht nur ein Unglück, so idern ein unsagbarer Schmerz für jedes Menschenherz. Was hat die Menschheit zu ringen und zu kämpfen, um in einer Zeit materieller Verflachung eine Kraft zu finden, die für das Heiligthum gottgefälligen menschenwürdigen Berufes geeignet ist. Wenn man nun Kräfte brechen sieht durch Lieblosigkeit der Menschen, die oder weil sie von Gott begnadet und auserwählt sind, so ist dies ein unsäglicher Schmerz für jeden Menschenfreund. Zu dieser Reflexion führte mich die Bekanntschaft mit einem Eantor, dessen Stimme und gottesdienstlicher Vorttag von hinreißender Wirkung gewesen ist, als er in ersten Gemeinden unseres Landes im gottesdienstlichen Amte war. Dieser Vorsänger war ein berühmter, von Natur glänzend begabter Meister dcs göttlichen Liedes, der siegreich die Wanderung durch's Land gemacht hatte. Seine Melodieen waren Wiegenlieder, sein Name war mit Legenden umwoben in jüdischen Häusern. Heute ist der Mann alt und, in des Wottes eigentlichstem Sinne, ein Bettler. Mir brach das Herz bei diesem Anblick, und was die Hochherzigkeit gutgesinnter Landesgenossen zu leisten vermag, wird gewiß geschehen, um die Nothlage dieses einst so glücklichen ״Unglücklichen" zu mildern. Aber wie ist solch furchtbare Wandlung im Schicksale eiues Mannes möglich geworden, der so begnadet und ausgezeichnet war und und in seiner Lebenssührung unbescholten geblieben ist? ׳ . Man wird mir nun steilich einwenden: ״Das kann nur in'Ungarn Vorkommen." Aber ist es denn anderwärts in dieser Richtung gar so gut? Ist unsere Zeit der Förderung des Talents in Wort und Lied des Herrn günstiger, als sie es in früherer Zeit gewesen ist. iu welcher jede Gemeinde ihren Glanz und in ihre Herrlichkeit in den gottesdienstlichen Borträgen der Lehre und des Sanges gesucht und gesunden hatte? Ich kannte in einer hochangesehcnen Großgemcinde Deutschlands einen höchst achtenswerthen Vorbeter, der seines Berufes in gewissenhafter Weise gewaltet hatte, Vater einer zahlreichen Familie und bei den angesehensten Männern der Gemeinde beliebt war, der aus einer geringfügigen, kaum nennenswettheu Veranlassung zum Bettler geworden wäre, wenn er nicht, um seine Familie vor Noch zu rttten, sich über Nacht zum Würstenhändlcr verwandelt hätte. — Mir 'war diese Affaire durchaus ״nicht Wurst". Mir stand dieser 'Ehrenmann freundschaftlich nahe. Solche Verhältnisse erheischen im ׳Judenthum Abhilfe zunächst durch Solidarität der Gemeinden und der Amts-Inhaber ttüfc Neueste und vermischte Wachrichtm. Magdeburg. Die ״Schwäbische Kronik" meldet unterm 20. Juli aus Stuttgart: Der BerwaltungSau-schuß der Württ. Privatfeuervers.-Gescllschaft hat kürzlich dem Brandmeister Bruno Jacoby in Anerkennung von dessen hervorragenden Verdiensten um die Feuersicherheit von Stuttgatt und damit auch um die Privatseuerversicherungsgesellschast eine wettvolle Taschenuhr mit verbindlichen, Dankschreiben übersandt. Auf dem inneren Deckel sind folgende Wvtte eingravitt: ״Die Wüttt. Privatseuervers.- Gesellschaft Herrn Brandmeister Jacoby in dantbarer Anerkennung seiner Verdienste um die Feuersicherheit der Stadt Stuttgatt. Juli 1894." Der äußere Deckel enthärt das Monogramm Jacobs». — Der Bürgeroerein der inneren Stadt verehtte dem Brandmeister eine schwere Uhrkette mit Medaillon, ״Zum Andenken 1894" und den Feuerwehremblemcn eingravitt, als Ausdruck de- Dankefür die in diesem Verein gehaltenen Botträge über das Verhalten de- Publikums bei ausbrechendem Feuer. — Au- Anlaß des?' - - - . - “״ . c. ״ ״ Schloßdiencrschaft ausgearbeitet und dem König übersandt, wofür d-r Berf. aus dem Kabinet des Königein Dankschreiben erhielt. (Herr B. Jacoby ist, wie wir gelegentlich des ihm vom deutschen Kaiser verliehenen Ordens bereitbemerkt haben, ein geborener Magdeburger, der Sohn de- Seniors der hies. Repräsentanten- Versammlung, Vorstehers der Ehewrah Kadischa und Mitbegründerde- Synagogen-Gesangverein-, Herrn Adolph Jacoby.) Berlin. Die ״StaatSb. Ztg." schreibt: ״Die Träger de- Namens Götze hatten bekanntlich ihr Recht auf den Namen dian die höchste Stelle verfolgt und gegen die Abänderung de- Namens Schmul in Götze an den Kaiser eine Jmmediatvor- Stellung gerichtet. Diese Eingabe war auf Besehl des Kaisers dem Ministerium des Innern zur Prüfung und Bescheidung überwiesen worden. Der Minister des Innern hat nun den» Herrn Dr. Rudolph Götze in Würzburg «rbssnet, daß es nach erfolgter Prüfung bei dein Bescheide vom 12. März d. I. sein Bewenden haben muß. Ein weiterer Schritt steht nicht mehr offen. Ein weiterer Schritt steht nicht mehr offen." Letztere Behauptung ist falsch. ES gäbe sogar für die ״Träger des Nomens Götze" ein einfaches Mittel, der Schmach, mit dem ci-devant Schmul den gleichen Namen zu tragen, audem Wege zu gehen: sie brauchen sich nur aus den Namen Schmul umtaufen zu laffcn, was voraussichtlich - keine Schwierigkeiten haben wird, da der frühere Schniul voraussichtlich gegen diese Aenderung nichts einzuwenden haben dürste. So wären beiden geholfen, dem Schinul und dem Götze. Berltu. 29. Juli. Auch die Konservativen machen jetzt schon in ״praktischem Antisemitismus". Die neue Auflage des unservativen Handbuches״ bringt zu!» ersten Male offen die Aussorderung: Kaust nicht bei Juden! In einem neuen Abschnitt de- Attikels ,.Antisemitismus", der in der Ausgabe von 1892 noch fehlte, wird au-gefühn: ״Dir Deutschen sollten grundsätzlich keines der zahlreichen jüdische» Geschäfte in Nahrung setzen u. s. w.: wenn es in der Judensrage eine ״Schmach" gebe, so liege sie in der Thalsache, daß deutsche Frauen und Männer der HSchftcn Kreise sich nicht scheuen, solche Geschäfte zu betreten. Man müsse auch denjenigen Juden gegenüber zusammenhalten, die sich in ihrem bürgerlichen und geschästlichen Leben nichtzu Schulden kommen lassen. Ter christliche Deutsche sollte unbeirrt auch im geschäftliche» Leben in erster Linie seine« Gleichen unterstützen". Berlin. Schweinhagen, der verhaftet werden sollte, um die wegen Beleidigung des «taatsministers Dr. Miqucl über ihn verhängte Strafe abzubüßen, ist, wie die ״Staatsbürger-Ztg.״ hön, nicht auszufinden. Er soll in- Ausland gegangen sein. 8. L. Hannovers 26. Juli. (Cr,־Gurr.) Am 20. Juli feierte da- Lehrer Eckmann'sche Ehepaar in Nienburg a. d. Weser das Fest der silbernen Hochzeit. Nachdem dasselbe am Vorabende durch ein vom Nienburger Gesangverein dargebrachtes Ständchen würdig cingeleitet, erschien am Tage selbst eine Deputation des Vorstandes und Repräsentcntcn-CollcgiumS und überbrachte dem Jubelpaar die Glückwünsche der Gemeinde nebst einem sehr ansehnlichen Getchenk in zinstragenden Obligationen als Anerkennung für seine 21jährige, segensreiche Wirksamkeit. Zahlreiche Telegramme und Glüchvnnschadressen mid eben so viele, zum Theil sehr wetthvolle Geschenke, speciell von israelitischen Familien Nienburgs, legten Zeugniß ab von der allgemeinen und herzlichen Theilnahme an dem Ehrenfest des Jubelpaares.