Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 15 (9.4.1891)
- Date
- 1891-04-09
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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3. Jahresbericht der hebräischen Schule (Lemle MoseS'sche!ausstiftuug) zu Mannheim, erstattet vom Stadtrabbiner Dr. Appel. Die Schule wurde von 1S3 Knaben und 151 Mädchen — gegen 158 und 152 im Vorjahre — besucht, di« sich aus 7 Knaben- und 6 Mädchenklassen vertheileo, außerdem besteht eine Selekta. Es unterrichten an der Anstakt außer dem Dirigenten und Rabbiner Dr. Fürst noch 4 Lehrer. Wie aus der Bezeichnung der Schule schon hervorgeht, wird nur Hebräisch in derstlben getrieben. Nachdem Kricht ist das Bibelübersetzen in sämmtlichen Klassen aus k>en Pentateuch beschränkt: doch werden auch in der Selekta die Mischnatraktate Beza, Rosch haschana und Schekalim Cap. 1—4 erklärt; ein solcher Sprung ohne jede 'Vermittelung — au» dem Bericht wenigstens ist kein liebergang ersichtlich — scheint doch etwas zu groß. Die Leistungen sind anerkennungswerth. ^Ppet«. Nach,dem Programme des königl. Gymnasiums rrtheilte Herr Rabbiner Dr. Wiener den "fakultativen jüdischen Religionsunterricht" im abgelausencn Schuljahr. Die sechs Klassen bildeten 3 Abtheilungcn, die in je zwei Stunden wöchentlich folgende Pensa absolvirtcn: Berclmgle Prima u»b Sekunda. Rachexilische und »achbibliscke ",schichte Israels. Tiefere Begründung mehrerer Glaubensartikel, ivie 1a« lasein Gottes, der göttlichen Offenbarung, der göttlichen Beicltung, der Unsterblichkeit der menschlichen Zeele Bioelkuude. Er» klärung wichtiger Bibelstellen. Bereinigte Tertia und Quarta. Glaubens- und Pslichtenlehr:, lHerxheimer), Leon. Biblische tüeschichte. Biblische «beschichte von Lamuei ,je zum babylonischen Exil. Erklärungen einiger «ylaudenssäpe. Aus- > tnrialernen wichtiger Bibelstellen. Bereinigte Quinta und Lexta. Biblische Geschicqle (Levy), Ieier- >* Biblische ktzeschichte von der Zchöpfung bis auf Zamuel. Einige ulaiibenssätze Tie zehn Gebote und einige andere Gesetze. Auswendiglernen von Bidelstellcn. (In größeren Städten mit stark besuchten höheren Schulen, an denen manch« Klassen mehrere Parallelkiasirn haben, ist eine Bereinigung der jüdischen Schüler zum Rcl'gionsunterricht nicht so leicht, und war zweimal wöchentlich gar nicht zu ermöglichen.) V«se», 1. Aprtl. In Pinne kommt nächstens ein -igrnthümlicher Prozeß zur Verhandlung, aus dessen Ausgang man allgemein gespannt ist. Einem Mitgliede der zraelitrschen Gemeinde in unserer Nachbarschaft wurde .iämlich aus dem Grunde, weil dasselbe von auswärts so- -nannkes ״koscheres" Fleisch cinbrachte und noch bringen läßt, ohne hierfür an die dortige Grmeinve die übliche .fleischsteuer zu entrichten, trotzdem dasselbe hierzu aufgefordert worden, seitens des Korvorationsvorstandes nicht nur ׳ir kirchlichen .Ehrenrechte" im Tempel entzogen, sondern cs wurde auch dem Kultusbeamten (Schächter) untersagt,! ir das cnvähnte renitente Mitglied Mflügel zu schlachten, -er hiervon Betroffene wandte sich deshalb mit einer Be- 'chwerde an die Regierung in Posen und wurde dahin -eschieden, daß ihm in der Sache nur der Weg der Klage ^üri> bleibe. Diesen Wxg hat er nun beschritten, indem er ■k drei Vorstandsmitglieder verklagte und die Aufhebung der gegen ihn erlassenen Verbote beantragte. — Nach einer chon vor einer langen Reihe von Jahren ergangenen Verigung der Regierung in Posen befaßt sich dieselbe mit ultusangelegenheiten der israelitischen Gemeinden über- Haupt nicht, sondern überwacht ausschließlich die Korporations- -!grlegrnheilen an sich. Den Korporalionsvorständen ist sogar Die Besugniß eingeräumt worden, falls in Kultus- Angelegenheiten Anordnungen getroffen werden, welchen keine -folgen gegeben wird, dem betreffenden Mitgliede die Tempelhrenrechte, wie solche bei den Israeliten üblich sind, zu entziehen. ES ist nunmehr abzuwarten, welche Entscheidung ba» Gericht fällen wird. Ha»I«rß, Ü. April. (Or.-Corr.) Bon einem schweren -erlust ist unsere Gemeinde heimgesucht worden; in der , lacht vom 27. aus den 28. März ist unser verehrtes Vorstands- .Nitglied Herr E. Z. Mi «hart nach längerem Leiden im .lter von 66 Jahren plötzlich abberufen worden. Die Gemeinde betrauert in dem Verblichenen, eine» ihrer tätigsten, verdienstvollsten Mitglieder. Volle 24 Jahre gehörte er der Verwaltung derselben, theil» im Vorstände, theil» im Repräsentanten-Collegium an. — Allen Pflichten, welche ihm au» diesen mannigfachen Aemtern erwuchsen, unterzog er sich mit einer Gewissenhaftigkeit, einer ArbeitS« und Opferfreudigkeit, welche nur derjenige in ihrer ganzen Verdienstlichkeit zu würdigen vermag, der Zeuge dieser seiner Tätigkeit gewesen. — Daß der Thareneifer und die Hilfsbereitschaft de» verdienstvollen Mannes sich nicht in der Erledigung seiner Pflichten für die Gemeinde erschöpft:, daß er mit gleicher Freudigkeit jedem Unternehmen, da» der Erhaltung und Kräftigung des gcsetzestreuen Judenthums galt, seine Unterstützung lieh, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden: so gehörte er unter Anderm circa 7 Jahre von 1879 bis 1886 dem Vorstände dcrXsv«-8oboI»aw-Gemeinde als Vorsitzender an: — einer Synagogcn-Gemeinde, deren Bestreben einzig und allein dahin gerichtet war, für einen würdigen Gotte»- dienst, besonders für eine gute Predigt und Abstellung mancher Mißbräuche, die sich im Laufe der Jahre in der Synagoge eingeschlichen hatten, zu sorgen. — Kein Wunder, daß die Trauer, um den in seinen besten Jahren Abberufenen eine allgemeine ist und in der a« 30. März Nachmittags stattgehabten Beerdigung zum Ausdruck gelangte Ein großes Trauergeleite folgte der Bahre nach dem Fricd wse in Ohlsdorf, wo Herr Marcus Nordheim Namens des Vorstandes und Herr Dr. H. B. Levy Namens heS Repräsentantcn-Collegiums ergreifende Worte dem Verstorbenen widmete. Im Trauerhause sprach unser verehrter .Herr Oberrabbiner Hirsch Worte der Trauer und de» Trostes Einige Daten über die vielseitige Wirksamkeit des edle» Verblichenen mcrven den Lesern Ihres gesch Blattes, dcffe» Förderer und Mitarbeiter er seit dem Bestehen desselben unausgesetzt war/) sicherlich von besonderem Interesse sei«: M. war Mitglied resp. Vorsitzender der LiquidaiionS-Eommissio» der (Gemeinde vom 18. Febr. 1887 dis zu deren Beendigung a« *ö. Decemder 1889; war Mitglied der Repräsentanten vom 9 t Decemb.1876 bis Aoveinb. 1889 wo er fast obne Unterbrechung Schriftführer war; Mitglied des Vorstandes vom 7. Rovemb. 1889 ad bis zu seine» Tode im April 1891. Als Vorsteher verwaltete er folgend« Ehrenämter: er war al« Vorsitzender Altenhauses von 1884 bis 1890, — Vorsitzender der Armen-Kommission vom Octob. 1889 bis 1889, ebenso Bor,ltze«drr de» Äallich-Tiisles vom Aovemb. 1885 bis zu seinem Hinscheiden sowie auch von Jsaac Hardvig Testament. Er bekleidete augerdem da» Amt eines Wortführers bei der Eommission zur Besorgung der Mazzot und war caffenfuhrender Borsteher der iSrael Mädchenschule vom M 31878 bi» zu deren Auflösung im Jahre 1883 und noch von manlhen andere» Instituten — Der Dank der Zeitgenossen pflegt nur selten den Trägern von Ehrenämtern schon bei Lebzeiten dargebracht zu werben, aber wenn einmal der Tod eine Lücke verursacht, dann empfindet Jeder, was die Allgemeinheit verloren hat und ist zu Anerkennung bereit. So wird auch das Andenken unsere» E. Z. Michael in unserer Gemeinwesen ein dauernd ehrenvolles sein. —!ודנ׳צ׳ב־ה׳ B. #u Hesse«, 1. April. (Or.-Cor.) In Darmstadt besteht jetzt auch ein Verein zur Abwehr de» Antisemitismus welcher kürzlich eine Versammlung hielt. Es mehren sich jetzt vieler Orten die Zeichen der Umkehr, und menn erkennt, wer vord-m die Anregung zum Antisemitismus gegeben und die Bekämpfung verhindert hat. Es waren die Führer de» «alten Kurses", und seitdem sich dieser geändert, tritt man auf der ganzen Linie offen gegen den AntisemitiSmu« auf. Vorher geschah die» nur dann, wenn man fühlte, daß vom Feuer der Gefahr bereits die nächste Wand brenne und dieses die eigene Wohnung anzugreifen drohe. Heute bekämpf man den Antisemitismus nicht nur um der allgemeinen Gefahr, sondern um seiner selbst willen. ES werde» *) Di« Eorresponbeaz vom 18. v. M. (in Ar. 19) war seine letzt« für unser Blatt; sie athmet — wie sein ganze« Leben un» Streb«» — Milbe und Sanftmütigt Er schlummert sanft! . f