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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 50. · p. Seite 389

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 50.
Date
1888-01-01
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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- - j’.'~ > — 889 — di« Dmckgeschichte de* Talmud. In rascher Falze erschienen weitere 14 Binde, etwa di« Hälfte de« gesammteu babylonischen Talmud umfassend. Mitte» in der Drucklegung de« 16. Bande« (über den Traktat Chullin) überraschte ihn der Tod. Durch diese«, auch von christlichen Belehrte« vielfach benutzte, für jeden Forscher auf dem Gebiete der rabbi» nischen Sprach» und >lterthum«kuude unentbehrliche Werk hat sich Nabinowicz ein dauernde« Denkmal gesetzt. Ra» biuovicz's zahlreiche Reisen nach Italien. Frankreich. England, Rußland und der Türku waren auch in einer anderen Richtung ergrbnißreich für die Wissenschaft. Ueberall erschlaffen sich ihm die Pforten der öffentlichen und Privatbtbliolheken. Selbst in der Benützmig der sonst spröden Vaticana wurden ihm durch Vermittelung de« Cardinal« Hohenlohe die größten Erleichterungen gewährt und sein scharfer Luge entdeckte nicht wenig uugehobene literarische Schütz«: sel'ene Inkunabeln und Handschriften, auf welche er befreundete Gelehrte ansmertsam machte, nud von denen er manche werthvolle der von ihm verwalteten Merzbachtr'schen Bibliothek uud den großen öffentlichen Bibliotheken zuführte. Luch die München'» Hof» und Staatsbibliothek, zu deren trenesteu Besucher» er gehörte, »erdankt seiner Vermittelung manche «öffentliche Bereicherung ih-er hebräischen Lbtheilung, beispielsweise die kostbare, imter den Limelieu ausbewahrte Bibelhaudschrift (oocl. dotw. Nr. 422). Nabinowicz war eint echte Gelehrteuuaiur, von unermüdliche« Fleiß« und scheinbar »uverfieglicher Lrblit«kraft, dem Streben nach Ehre «nd äußerer Lnerkenuung abhold, den Leben«genüffeu entsagend uud seine einzige Freude im Studium findend. Seine dnrch die Erziehuog in den östlichen Ländern genährte Einseitigkeit kam seinen Leistungen, auf welche er. ungehemmt durch Lu«blicke in andere wissenschaftliche Gebiete, seine gauzr reiche Begabung ecacenttiren konnte, in gewissem Sirme zu gute. Zahlreichen Gelehrten de« In- und Au«- landr«, die stch jahraus jahrein mit wiffenschaftlichen Lnftagen an ihn wandten, war er ei« stet« gefälliger Berather «nd Helfer, vor kurzer Zeit erst halte er da« Münchener Bürgerrecht erworben, um bald darauf in seiner alten rusfischeu Heimath eia Grab zu finden.- Der Berfaffer obigen Lriikel» schreibt uu« außerdem: Lnf religiösem Gebiete trat R. wenig hervor. Er war streng orthodox, behielt dre Gewohuheiteu seiner Heimath sog«« bi« auf seine Kleidertracht bei, war aber im Uebrigeu mÜre uud tolerant in der Bemtheilung Luder«denkeuder. Er war fich dessen wohl bewußt, obzwar er ungern darüber sprvch, daß die krittsch« Tendenz seine« 8ebr»«werke« dem alten naiven Talmudiste» nicht unbedeuNich erscheinen müffe. An» diese« Grund« schob er die Veröffentlichung der über die Ordnung „Naschim" fich erstreckenden Traktate immer »eit er hinan«, von der Neuorthodoxie hatte er eine geringe Meinung, und mit tan Vertretern derselben stand er «ns keinem besonder« guten Fuße. Der Würzburger Rabbiner N. Seligmann Bär Bamberger >71 sprach sich geringschätzig über da« Werk Dikduke Soferim an« uud Nabinowicz'« UrtheU über R. Seligmanu ist al« geflügelte« Wart in Süddeutschland »dt verbrettet. Ein anderer noch lebender Hauptvertreter der Nmorthodoxie entzog Nabinowicz danrrnd seine Gunst, — neU derselbe am Schluffe de« erste» Baude« seine« Werke,» auf Frankel'« „Darke harnmiaohna* hinwttL und Frankel da« Prädttat eine« Gaou c*a B-n-io teon tom pwn anro ertheUte. Nabinowicz'« bibliographisch« Kenntnisse waren sehr bedenteud, er wurde ans diese« Gebiett höchsten« noch von Steinschneider übertroffra. Obzwar N. sich ans da» talwndlsch« Gebiet beschränkte — er uannte fich selbst tea mx Hatte — so erfaßte er doch instinktiv «tt seinem scharf« Blicke auch die Tragweite von Erfahrungen, dtt «ißrrtzalb seine« Artattskrrff« lagen »nd bmrtheiltt dieselben in j^treffender Seife. E« war »oranrznsehe», daß sei» bet der weitschtchtige» Lnlag« desselben «in Torso t» werde. Dir vtriwüea der Münchener Lalnrnd- Handschrift, «elche die ^>auptgruudlage de« Werke« büdet, sind jedoch von ihm in einer schönen Lbschrtft über den ganzen Talmud gesammelt vorhanden. Kanrönrg, 7. Decamber. Heute vormittag fand die Bestattung de« Herrn I. Frensdorfs (von der Firma L Behren« Söhne) unter zahreicher Setheiliguug der Angehörigen und Geschäftsfreunde de« Berstorbeneu statt. Die Leichenfeier im Trauerhanse wnrde durch ein von de« Sängerchor de» amen Tempelveebandes angesttnlmtt« Lied eröffnet, worauf der Prediger Herr Dr. Lnmdärfer dem Dahingeschiedenen mit warmempsuudeneu Worten dir Leichenrede, u. zwar ankuüpfend an das Psalmwon: „Liebe wandelt vor ihm und bestimmte seine Schritte-, httlt. Nach der Rede trat die tiefgebeugte Gattin des Rbgeschiedeaen betend an den Sarg ihre« Manne«, zu dessen Fußende zwei "Töchter knieend ihre Andacht verrichteten, während der Sän^erchor da« Lied anstimmie: „lieber den Stern« wohnt Gotteil Frieden." Um 10'/, Uhr setzte fich der aus einer großer. Reihe von Equipagen bestehende Leichencooauct nach Ohlsdorf in Bewegung, wo auf dem israelitischen Friedhof die Beisetzung nach jüdischem Ritus erfolgte Me Bestattung der Leiche wurde von dem ueum israelitischen Beerdigung-Verein »««geführt. — Der int 64. Lebensjahr« lSerstorbene war seit lang« Jahren Vorsitzender der Sachverständigen-Commission für den Effektenhandel, ferner Mitglied im Auffichtsrath der Wechsierbank, der Maklerbauk »nd de» Hamburger Hafens. In verschiedenen Wohlthätigkeit« - Anstalten war sein Wirke« sehr segensreich, so namentlich im „Wohlihätigen Schulverein-, wo er fich um die Gründung der Kinder-Bolksküchen hoch verdient gemacht hat. Er war auch Präses des Hamburger Schrchklubs. K. Insterbnrg, 2. Decemder. (Or-Corr.) Dtt klein« ostpreußischen Gemeinden e-freuen fich in Bezug auf jüd. Leben keineswegs de« besten Rufe« uud leidee nicht ohne Ursache. Daß aber doch der altknltivireude Boden de« Judeuthum« hier wtt überall oft ohne sonderliche Pflege Gewächse hervorbringt, die herrliche Blütheu treiben, dafür lttße fich manch'» Beispiel anführeu. Auch httrort« ist Gottlob noch nicht Alle« erstorben. Das bewies eine schöne Feier. A» verflossenen Sonntag beging nämlich der „Israel. Verein für Krankenpflege «nd Beerdigung- (Ghewr& Kadiaoha uud Bioknr Cholim) dahier serueu 15. Gründuugstag. Unser Rabbiner Herr Weinberg hielt bei der Festtafel einige anregende Ansprachen au dtt zahlreich versammelten TheU- «ehmer. Er gedachte mit warmen Worten de« im Jahre 1879 verstorbenen Herrn Weinstein, de« »uvergeblichen Stifter» unsere« Verein«, nnd wie« auf die gedeihliche, segensreiche Thätigkett de« Letztere» hin, z. Z. unter der regsame» Oberleitung de« Herrn Adolf Sklowrr. Die »ttleu »MischeberachS-, diese echtjüdische» Toaste, brawten der Lhewra-Kaffe über 200 Mark ei»! Este», den 9. Dezember. (Or.-Eorr.) Dtt sett einige» Jahren hier eingeführtt Etmnnkahfettr hat sich in hiesiger Gemeinde einer großen L>eliebhfft und Theilnahme zu erfrmen. Wochenlang voihir halten dtt Vorstände der drei Wohlthätigkeitsoereine unter Hinzuziehung der Lehrer und einiger des. für dtt Sache fich interessirenden Damm Sitzung« ab, sammeln Gelder, besorgen Einkäufe «ad bereden im Sttllm Alles so vor, daß wenn der Festtag kommt, Alle über Erwart« zufrieden gchrllt »erd«. So hat «an auch in diesem Jahr mit dem zu diesem Zwecke gesammelt« Betrage von 550 Mack 42 Kinder mtt vollständig« Anzüge«, Wäsch«, Schuh« uud Strümps« beschenk« können. Dtt schon ttnmal früher bemerk^ werden dm bedürftig« Familim dies« Gab« in« Hau« geschickt; dag«« ist die Schulfeier, bei der alle Kinder mtt inhalträchm Dütm beschenft »erd«, «ine öffentliche. Dtt letztere fand «uu am Mittwoch, dm 5 ds. Mts. im groß« Castnosaal« statt und hatte sich dazu ein äußerst zahlreiches ljtubltkn» eingefund«. Besondere Anziehung mag wohl die Aufführung des im „Jüd. Familen« blattveröffemlicht« Festspiels:^DieChanuka H-Wnoderm«geübt haben, das, vo« Schülern der Oberklaffe recht

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