Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1888-01-01 · 19. Jahrgang Nᵒ 50. · p. Seite 388

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
19 (1888)
Issue
19. Jahrgang Nᵒ 50.
Date
1888-01-01
Page
Seite 388 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/5369809-5935050-5956487--6924-5372794
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Daß »ir mit unsere« Urthell nicht «Heia stehen, daß in diese« Schriftchen der Ton der Selbstüberhebung vorherrscht, der gerade bei einem jünger« Lehrer sehr unaogehm berührt, ist un« auch von mehreren andern Lollegen mitgrtheilt worden, und leuchtet ebenfoll« au» dem Urtheile durch, da» der Broschüre in der »Preuß. Lehrrr-Z-it.' (Pädagog. Litteraturbl. Nr. 9) zu. theil wird, dir ich der geehrte« Redac non zn» gef. Abdruck hier beilege.*) Wohin geratheu wir, wenn «ir B l ä t t e r. die un« Jahr» zehnte in unseren Bestrebungen unterstützen, un» rathgebeud und belehrend zur Seite stehen, wegen einiger un» vielleicht zu scharf moralisirenden, aber im Ganzen doch wohlgemeint«, Artikel eine« Mitarbeiter», al« »lehrerfeindlich' schreien! Ein jüdischer Lehrer. Fonitz (Westpreußen), 8. December. (Or.-Lorr.) Einen herben, unersetzlichen Verlust hat die hiesige Syuagogenge. meinte erlitten. Ihr langjähriger Seelsorger, der Rabbiner Dr. Lont« Rot», ist nach nur kurzem Sraukenlagrr am 3. December verstorben. Nahezu zwanzig Jahre hatte er mit freudigster Pflichterfüllung und einer ganz außerordentlichen Gewissenhaftigkeit seinen Beruf al» Seelsorger und Religion«lehrer an allen hiesigen Scholen erfüllt, und noch in den letzten Stunden seine» Lebens konnten diejenigen, die an seinem Srankenbete weilte», vernehmen, wie fich sein Geist mit dem Unterrichte und der Erzichung beschäftigte. So war er im Leben nur von dem einen, einzigen Gedanken erfüllt, wahre Frömmigkeit zu pflegen und die Jugend zu religiöse« und guten Menschen heronzubildev. Bon der außerordentlichen Verehrung deren sich der Verstorbene in allen Kreisen der Bevölkerung erfreute, legte di« Trauerandacht und die Begräbuißfeier beredte» Zeugniß ab. Der von Palmen umgebene Sarg war in der Synagoge aufgedahrt. Nachdem die tiefgebeugte Wittwe und die Linder de» Berstorbenen. sei» Schwager, der frühere Reich»lag»- abgeorduete Hiurichseu au» Hamburg, und die sonstigen Angehörigen am Sarge Platz genommen. betrat zuerst Rabbiner Dr. Brann au» Schneidemühl, eine ehrwürdige Rabbi» ergrstall und eiu Freund de» Berstorbenen. die Lanzel. um an derselben Stelle, von welcher Dr. Roth so »st mit seiner Gemeind« gebetet, dem eigenen Schmerze und der Trauer der verwaisten Familie «ud Gemeind« rührenden Au»druck zu verleihen. Mit Recht erinnert« dec Redner daran, daß der Verstorben« fast bi» zum letzten Athemzuge trotz schwerer körperlicher Leiden den anstrengende^ Beruf de» Lehrer» erfüllt hatte. Demnächst gedachte Rabbiner Dr. Baer au» Graodenz in längerer, durchgeistigter Rede der hervorragenden Verdienste de» Verstorbenen und seiner idealen Hingebung zum Studium der Thora, wie ihn die Sehnsucht nach gründlicher Erforschung der Gesetze»bücher erfüllt und ihre Befriedigung da» Glück and diejFreude seine» Leben« gewesen sei. Die Synagoge war während dieser Traueraudachtdicht gefüllt. Auch heivorrageudeBertrrterder chriftluheu Loufrsstoueu hatten fich eiugefuudeu, der Bürgermeister Mühlradt, Stadträthe und Stadtoerordnete, der Stadtverrrdneteuvorsteher Rechtsanwalt Meidauer, der Gymuasialdirector Toma»zew»ki mit de« Lehrercollegium de» Gymnasium», au welchem Dr. Roth seit Jahren den jüdischen Religionsunterricht erlheilte, der Rector der städtische» Schulen, Marquardt, mit de« Lehrerkollegium der. selbe», der Director der Landarmeaanstalt, Grofebert, Räche, Richter, Anwälte und viele Vertreter der Behörde». Unabsehbar war der Zug der Leidtragenden. Bora» schritt da» gesäumte Gymnasium mit seinen Lehrer», dem Sarge folgten der Landrath von Rosenstiel, Bürgermeister, Stadträthe und Stadtverordnete, der Landtagsabgeordnete Landrichter Reukirch, Mitglieder aller Bchördeu und Bürger an» alle» Ständen und sänuntlichrr Eonftsfione». Bor de« *) Mr »atrrlaffe» de» Abdruck Mtict tteeafUn «erschaff» nl dam Bkat; aix Mita na» Mt ftaMfet »«schätz» aak fU nach Subtiafi fcOk tistznch»; W» dar Herr Hmschstr aas wia MtctaßoaSgflcsKBgi DOM Mm gflm Mtjhg, Friedhof« hielt Rabbiner Dr. Werner an» Danzig, der al» Lohen in der Synagoge nicht hatte Mitwirken könne», eine ergreifende, nicht nur inhaltreiche, sonder» auch durch meisterhafte Form ganz au»gezeichaete Ansprache. Mit lautloser Stille folgt« die ungeheure Zahl der Leidtragenden den Worten de» Redner», der mit berechtigte« Stolze bekaunte, daß hier ein von wahrer Frömmigkeit durchdrungener Rabbiner durch seine unerschütterlich« Ehrenhaftigkeit und durch sein bescheidene« Verhalten fich die Achtung der Bekenner aller Eoufesfiouen in vollem Maaße erworben batte. Nach einigen Namen» der Syuagogeugemetud« gesprochenen Abschied»- warten de» Stab«arzte« a. D. Dr. Joseph betrat der ansehnliche Zug den Friedhof. Am offenen Grabe richtete der Rabbiner Dr. Nordheimer au« Schwch, eiu Freund de» verstorbenen, Worte de« Tröste» an die gebeugte Familie und die verwaiste Gemeinde. Wihread der Trauerandacht und der Begräbnißfeter hielten die jüdischen Laufleute ihr« Geschäfte geschloffen. P. (Auch wir beklagen in dem Frühvcrstorbenen «inen lieben Freund und treuen Mitarbeiter, mit dem sett kurze« auch ein verwandtschaftliche» Baud un» enger umschloß — er sollte und wollte noch selbst den jüngst geschlossenen Liebetbund in unserm Hause segnmd weihen, »wenn seine Lräfte e» gestatteten" — da. am Vorabend der Vermählung»- feier entschlief er, um selbst eiuzugeheu in den „ewigen Liebetbund!' ttSMTI» Der Beschützer der Wittweo und Vater der Waisen tröste und schirme die edle frühverwittwete Gattin und vaterlosrn Linder, möge da» Andenken de» Frommen und Tugendhaittn ihnen zum Segen qereichen! R>d.) München, 4. December. (Or.-Lorr.) Die hier er« scheinende (früher »Augsburger-) .Allgemeine Zeitung' bringt in ihrer heutigen Rr. folgenden Nekrolog über den, wir i» unserer vorigen Nr. bereit« kurz gemeldet, nach kurze« Lrankenlager verstorbenen R. N. Rabinowicz: »P. Einer der eigenartigsten und hervorragendsten Vertreter der rabbinistisch« Gelehrsamkeit in der Gegenwart, der seit mehr al» einem Bierteljahrhundert tu München lebend« Gelehrte Rafael Nathan Rabinowicz, ist am 29. Noo. auf der Reise nach Rußland in Lije» nach nach nur drettägigem Lrankenlager im 54. Lebensjahre verschieden. Rabiuooicz war in Neu-Schagoriu (Gouvernement Wilna) in Litthaueu geboren und erregte schon al» Jüngling durch seine ungewöhnliche Begabung große« Aufsehen im streife seiner Glaubensgenossen. Sein Scharfblick und sein wahrhaft bewunderungswürdige» Rieseugedächtuiß, da» ihm bi» zu seinem 8ebeu»««de treu blieb, befähigten ihn, fich tu de« weitschichtige« babylouischeu Talmud «ud in den angrenzenden Litteraturgebitte» mit voller Freihett zn bewegen. Schon seine erste wiffeuschastliche Publikation, die Herausgabe der Gutachten de» Rabbi Meir den Baruch an» Rothenburg (VIII. Jahrhundert) bekundete di« geschickte Hand» habnag handschriftlicher Lritik (1860). Im Jahre 1862 kam R. »ach München, augezogen durch die an hebräischen «ud rabbinischea Handschriften besonder» reiche Hof- und Staatsbibliothek. Hier reifte in ihm der Plan, unter Zugrnudeleguug der in der Münchener Bibliothek al» Unicm» bewahrten, einzigru vollständigen Lalmud-Haudschrift (ood. hebr. 95) den kritischen Apparat für eine neue wiffeuschastliche Ausgabe de» Talmud oorzubercitea. Ein edel finnig er Mäcen, der vor drei Jahren dahier verstorbene Numi««attker Abraham Merzbacher, selber im rabbiutscheu Schriftthnm wohl bewandert, stellte ihm zu diesem Zwecke fort^setzt reichliche Geldwittel and eine auäerleseue Fachbibliotbek zur Verfügung. Nachdem Raviuovic, «ch die meiste« größer«» Bibliotheken Europa'» zam Zweck« seiner Stadien besucht hatte, veröffentlichte er üa Jahre 1868 den ersten Baud de» groß angelegten Werke» ,0ibänlro Sotorirn, Varia« laotionai in Mi«ohnain «t in Talmud babyloniotun*, Hebst dm caltnr^schichtlich höchst tntereffaaten. 1877 t» zweiter bedeatrn» vermehrter Anpege erschtern«, Abhemdlnng über

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.