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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 29. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 29.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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1» -sei« Vmtf)iw«(r Mb feste fe tietmal ehitm bert an« ■Hofe» Herrn mit den Warten vor: „Fräulein L wirb die Güte haben, Ihrem Töchterchen bi« gewünscht« Nach hüls« zu §«be». Sie erhäl: monatlich ei, Honorar von ......* <£c «mrU ei«, für bie BerhLltniffe des Mädchen» entschieden befeeüenbe Summ«. M« sich der Fremde entfernt hatte, nnd sich da» Mädchen von ihrem Staunen erholt, gestand sie ihrem »äirrlichen Freund«, baß sie sich brr Aufgabe nicht gewachsen fühl«. Er irüstete sie lächelnd, indem er ihr befahl, ihn heb jeder Gelegenheit zu Ruthe zu ziehen und nur muthig «qnfange«, du sie bei« Lehren schon lernen würde. So g«' schuh'» denn auch. Die Privatftunden mehrten sich und machte» -bald jeder Sorge ein Ende. Unter der Leitung ihre» Verehrten Lehrer« bestand sie ei» gute» Examen und ist jetzt eitre geachtete und geehrte Lehrerin in einer unserer intelligentesten Hauptstädte. — Ser diesen herrlichen Mann, wie »ir näher kennen lernte, der wird , unfern Wunsch billigen, de« greisen Jubilar durch da« für ihn zu verausta ttend« Fest einen beredten Ausdruck der wohlverdienten Lieb« und Anerkennung zu gebe». Die Beiträge können an Frau 0r. Clara Licht heim, ged. Boa«, Schweiduitzer Stadtgraben Nr 28, eingefchickt werden. Smtitz, W.-Pr., l. Juli. (Or.-Corr.) Seit dem 15' Jnni erthelle auch ich am hiesigen Gymnasium Religionsunterricht, nachdem der Semeindevorstand deshalb beim Provin« zialfchulcvllegium vorstellig geworden. — CS besuchen gegenwärtig SS jüdisch« Schüler da« hiesige Gymnasium, die, in S AbtheUungen combinirt, 5 Stunden wöchentlich haben Anfänglich wurden nur S Stunden gewährt, da mir da« aber nicht genügend erschien, wurden auf meinen Antrag, durch Vermittelung de« Gymnasialdirektor», Unterhandlungen mit he« CultuSministerium gepflogen, da« 2 Stunden mehr wöchentlich bewilligte. Ich theilte die 5 Stunden so ein, daß Prima und Seeunda 1 Stunde, die andern Klaffen, au« denen ich 2 AbtheUungen bildete, je 2 Stunden die Woche Unterricht empfangen.*) Dr. L Roth, Rabbiner. r NX Westprenßen. (Nekrolog.) Der vor Kurzem in Zimpeldurg verstorbene Rabbiner Samuel Caro, ein ehrwürdiger Grei«, erfreute sich in der ganzen Provinz eines bedeutenden Rufe«, so wenig er vielleicht in weitern Kreisen bekannt fei» mag. 1794 in Schubin, Grobherzogthum Posen, geboren, zeichnete sich der Dahingeschiedene schon als Knabe durch seine glänzenden Anlagen au« und wurde daher frühzeitig von seinem Later zum Talmudstudium angehalten, da« sein spätere« ganze« Leben ausfülltr. So viel bekannt, besuchte er zwei Jeschiboth. Bi« zu seinem 18. Jahr« hörte er den nm mrt in Äffa, von wo er 1810 nach Rärkisch-Friedland ging, wo der hochwürdige weltbekannte Rabbi Akiba Eger, viele Schüler um sich geschaart hatte, von denen Caro, dem er die Hattarah verlieh, sich seiner besonderen Gunst erfreute. In Labischin, wo Caro nach seiner Berheirathung sich niederließ, widmete er sich unablässig seinem Studium und entfaltete im Knmpfe mit berühmten Talmudisten eine groß« Gelehrsamkeit. Er wurde zum ersten Dajan ernannt und mußte m einer Chebra regelmäßig jede Woche Borträge halten. Vielfache Aufforderungen von verschiedenen Gemeinden, bei ihnen «l» Rabbiner zu fungiren, lehnte er ab, bi« ihn schließlich ein Brandunglück, da« ihn fast seine« ganzen BermögenS beraubte, zwang, ein Amt zu brveiden, um seine Existenz zu sichern. Er folgte einem Rufe nach Tuchel, W -Pr., wo er 4 Jahre ak« Rabbiner in segensreicher Weise wirkte. Bo» dort berief. ihn die Gemeinde Zempelburg, die stet« bedeutende Männer al» Rabbine« hatte, und hier verwaltet« er sein Amt in *) Soviel wir wissen, werde» in keine« preuß. hiymnastmn in irgend einer Klaffe weniger al« zwei Rel^Stunden wöchenU. gege» den. Da nun nicht adzusehm ist, warum jlid. Schiller weniger Stunden tzNdr» sollen, al« christliche, so verstehe» «ir nicht, warum erst der R», Niger di» hier angeaedem Stundenzahl ««»ähren mußt», und bitte» tzemn Dr. R n LuskUirung. (Red.) unermüdlicher Thätigkett 46'/, Jahre, di« die weise vorieheng de» 81jährige» Brei» gerade am Beginn de« Wochenfest«« von dannen rief. Da« Judenthu»! verliert in dem Lerblichenen einen bedeutende» Talmudisten und seine Gemeind« außerdem eine» liebevollen, treuen Leiter und Berather! Sein Charakter »rar sanft und leicht zu versöhnen, ruhig und besonnen, seine Handlungsweise überlegt und klug, sein Wesen freundlich und mild; darum die vielen Freunde und Berehrer, di« von nah und fern herbeisträmten, um dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen Alle Volksschichten, alle Confessionen betheiligten sich bei seinem Begräbnisse. An seiner Bahr«, die nach der Synagoge gebracht worden, sprachen 2 Rabbinen, Dr. Roth (Könitz) und Schick (vriejen) weihevolle Worte. > Der Heimgegangene hatte bis zu seinem Ende nicht nur sein seltene« Srdächtniß seinen durchdringenden Geist^klar erhalten, sondern auch sein scharfe» Auge ungetrübt, so. daß er bi« zu seiner äußersten Lebenszeit in angestrengter reger Thätigkeit bleiben konnte, von der die vielen Schriften, fWTT und n'Vttt. die er hinterlassen, Zeugniß geben. CS war t«m Verklärten «licht vergönnt, sie der Oeffentlichkeit dürch »e» Druck zu übergeben, vielleicht finden sich seine Verehrer dazu bereit. Oesterreich». Br«hy. Heber den verstorbenen Maier von Kallir bringt der Lemderger „JSraelit* ein-n ausführlichen Nekrolog von dem al« Schriftsteller wohlbekannten Herzberg Fränkel, den wir seinem Hauptinhalt nach, hier wieder geben. (Wir haben noch einen warmen Nachruf von Hrn. I F. in F. erhalten, nebst einer Elegie; letztere brachten wir in vor. Rr., erster« ist durch da« Folgende erledigt) ES ist dem Juden nirgendso schwer geworden, e« zu einiger Bedeutungzu bringen, al« in Galizien; nirgendSaber fand ein begabter, da« Wohl und da« Wehe seiner Glaubensbrüder warm mitfühlender Mann in hervorragender Stellung ein so dankbare« Feld für seine cultivirende Thätigkeit al« «de« hier, wo ein große«, brache« Gebiet der thatkrästigen Hmd harrte. Die galizische Judenheit lag in den ersten Jahrzehnten unsere« Jahrhundertwie eine träge Maffe unterm Drucke alter Gesetz« und in den Schranken noch älterer Traditionen. Der Weg zum Leben war den Juden von der Regierung, der Weg zur Intelligenz durch den starren Wille» der Rabbinen, konservativer Eltern und der großen Masse der orthodoxen GlaubenSbrüder vrrbarricadirt. Da« Studium außertalmudischen Wiffen« galt als Häresie, da« Ife* treten einer öffentlichen Lehranstalt al« Abfall. Die Dämmerung begann erst mit jener Zeit, in die die Jugend imv da« Streben einiger Männer fallen, welche unserer Stadt eine» Namen machten, Nachman Krochmal, Rapaport, Blumenfeld, Jsak Erter, Maier LrtteriS und de« Manne«, der sie Alle überlebte, der sie in unserer Erinnerung lange überdauern wird und der sich in Brody mit eigener Hand ein unvergLnglicheS Denkmal setzte: Moyer Kallir! Geboren 178S einem au« Böhmen «ingewanderten, gebildeten Vater, Alexander Kallir, vor deffe»'Lugen der re» ligö« erzogene und talmudische unterrichtete, aber wiffenteifrig e Sohn seine profanen Studien nicht verheimlichen mußte, trat Mayer, Biele sein r damaligen heimischen Religionsgenoffen an Intelligenz überragend, in seinem zwanzigsten Leben« jahre in dar Geschäft seine» Onkel« Judl Nathansohn, de« Gründer» unsere» i»r. Spital» unv anderer Humanitären Stiftungen. Aber erst später, im Jahre 1831, nach dem Tod« diese« Oheim«, deffe» hochherzige Leistungen Kallir vorauleuchteten und testamentarische Bestimmungen in ihm den gewiffrithafteften Vollstrecker fänden, entwickelte sich der damal« «äiährige thatkrästige und 'hatdurstige, in seiner Gemeinde bereit« hochgeachtete Mann, zu jener Bedeutung, die ihm den Erfolg sichert« und di« ihm de» Erfolg gab Bor Allem adoptirt« er da» von sei««» Onkel ereirt«

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