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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 10. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 10.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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IBS " 7« — Biogras hie und eingehrnde Würdigung weder gegeben werden sollen noch können. ES wird sich wohl eine berufen« Feder finden, um später Beidemit Muße auSzuarbciten. ES ist daher hier auch nicht meine Absicht, Nachträge und Ergänzungen zusammenzustellen; zwei Punkte jedoch, die weder in jenen Artikeln, noch in den verschiedenen Leichenrede« berührt worden sind, möchte ich inS Gedächtniß zurückrufen. Eie sind wohl dem jüngeren Geschlechte entweder gar nicht bekannt oder erinnerlich, oder sie werden nicht in ihrer Bedeutung gewürdigt, wie dies s. Z. von den lebenden Zeugen geschah. — Hr Rabb. Dr. Landau hat in seiner Rede geschildert, mit welcher Unerschrockenheit, ja — wie man damals sagen mußte — Kühnheit, Frankel der zur Zeit uoch so judeafeindlichen und Juden verachtenden sächsischen Regierung die Wahrheit entgegen gehalten hat. Es würde, erzählte Landau, nicht „ungeahndet" geblieben sein, hätte Frankel nicht schon an dem Prinzen Johann eine» Rückhalt gewonnen gehabt, der, selber ein Mann der Wissenschaft im eminenten Sinne, den nach Gleichem Strebenden hochschätzen gelernt hatte. Aber auch daim Jahre 1843 von Frankel an den preuß. Minister Eichhorn gerichtete und veröffentlichte Schreiben, in welchem er mannhast die Rechte der Juden, das Reckst der jüd. Religion, ihrer Lehrer und Rabbiner rec amirte, darf nicht vergeffen werden Krankel stellte dem Minister Bedingungen für die Annahme des Berliner Rabbinats, für das er designirt und von der Regierung bestätigt war. Wiederum gehörte dazu ein Muih, an deffen Bedeutung man nicht den Maaßstab der heutigen Zeit legen darf. Damals war der Deutsche, und nun gar erst der deutsche Jude, der hohen Obrigkeit g genüber gar zahm und demüthig, — zumal dann, wenn man für Juden und Judenthum pei itionirte, bettelte, und Anderekannte man kaum. *) Unmilte bare Folge hatte das Schreiben nicht, Frankel lehnte die Wahl ab. Roch einige Jahre früher (1839) hatte er nach einer ganz anxren Richtung hin denselben Muth, für seine Uederzeugung, für Recht und Gerechtigkeit, und gegen das, was er als Unrecht erkannte, einzustehen und offen aufzutreten, dethäligt. Ein istabbiner in Ungarn war verketzert und auf- Furchtbarste verfolgt, den Gegnern hatte sich auch jener „Einzige in 'einer Zeit" hinzugesellt, der nach Akiba Eger's Tod, als die höchste rabbinische Autorität galt, R Mose Sofer, s. A. — Jener Verfolgte ist vergeffen, die Geschichte ist verschollen, die Streit- und Flugschriften sind vergeffen, aber eS darf nicht vergeffen werden, d»h Krankel, ohne der Ehrerbietung zegen den Preßburger Oderrabb., ohne der Hochhallung raabinischer Autorität und Satzung un geringsten zu nahe zu trete», sich in offenem Sendschreiben an den große» Gaon d;s Verfolgten annahm, die ungenügende, ja ganz illusoriscze Begründung der Anklagen und Beschuldigungen nachwies und R M. Sofer darüber Vorhalt zu machen wagte, laß er aufs härteste verurtheilt halte, ohne den Beschuldigt:» zu hören, zu sehen, zu befragen. Ter Streit hatte keine weiteren Folgen, R. M. Sofer wurde nicht lange nachher aus dem Leben abberufen; die Offenheit aber und der Rechtssinn, mit dem ein selbst auf dem Boden des rabbinischeu Judenthnius fest stehender und verharrender noch junger Mann eine Stimme erhoben hatte — sehr ungleich also hundert Anderen, die jenen Anlaß gern ergriffen hätten, um aus Taluud und RabbiniSmus zu schinipfen — lenkte die Aufmerk janikeit weiterer Kreise auf Frankel, der sich sonst schriststellerrsch damals noch keinen Ruf erworben halte.**) *) Zir selben Zeit halten die rheinischen Provinzial-Ständ« sich für Emanzipa iott der Juden ausgesprochen. De: Berliner jüd. Borstand dacht« daran, ihnen dafür einen Dankbrief zu schreiben. Rach langem Besinnen, Zagen und Zögern kam er zu Stande; da radirte noch in letzter Stund« ein geheimer Lommerzienrath sein« Unterschrift wieder au«. Sc stand es damals! **) Ziemlich nahe lag's, daß manch« dies Auftreten nach i h r e m Sinn« au»l«gt«n, und so wendrre man sich im zweiten Hamburger Ternpelstreite (1841—1l) an Frankel, iu der Hoffnung aus ein günstiges Gutachten. Sr zeigte aber, daß Id an sich in ihm geirrt habet Erst Ende drsselben Jnhre» (183») erschien seine „Eidesleistung der Juden" und dann 1841 seine „Vorstudien zur Septuaginta " So kann man i» geringfügiger Umdentung der Wort« von ihm sagen: 1iie2r6 nöTip lKBn AKT der Ruf seiner Ehrenfestigkeit und UeberzeugungStreue ging dem Ruf, de» er durch gelehrte Werke schuf, voraus. (Schluß folgt. Frankfurt a. M., 21. Febr. (Or.-Corr.) Bezug nehmend aus die mitgeiheilten §8 des StatutenentwurfS der i<r. Rel.-Gescllich. in Rr. 7 dieser Blätter fügen wir zur Ergänzung hinzu, daß in der heute stattgefundenen Generalversammlung der Entwurf mit einigen wichtigen Berbefferunge« angenommen wurde, durch welche die Machlbefugniffe de» Rabbiners, wenn auch nicht gänzlich aufgehoben, aber denn doch sehr beschränkt wurden. Selbst die kleinen Intelligenzen verschlossen sich nicht der Erkennlniß, daß es ein Anachronismus sei, in der Zeit des „CulturkampseS" ihrem Rabbiner eine Allgewalt einznräumen, die nach so manchen Antkeyde»- zien der Rel.-Gesellsch. nicht zum Heil gereiche» würde. Der 8 24 lautet nunmehr: „Der Schnlralh besteht aus 6 Mitgliedern. Der Rabbiner resp. Direktor ist ständiges Mitglied desselben" Die Worte des Entwurfs „vorsitzendeS Mitglied" fielen weg. Als Eompensation wurde aber hinzugcfügt: „Dem Direktor ist die pädagogische, diSciplinär« und didaktische Leitung innerhalb des SchulplanS überlassen." Im ß 32 wurde der erste PassuS „Alle Beschlüsse re." und der letzte PassuS „Gemeinheitliche Anordnungen rc." gestrichen, und der mittlere Satz wurde dem § 31 beigefügt. Die R -G hat sich hier somit wenigstenim Prinzip der „allen Kehilla" angeschloffen. Von andern unerheblichen Modifikationen wollen wir nur die in § 25 hcrvorheben. I« Entwurf lautet derselbe „Zum Vorstand .... ist wählbar: Jedemännliche Mitglied, welches .... da» 25. Lebensjahr zurückgelegt hat, einen sittlich und religiös unbescholtene» Ruf genießt und nicht »ach den Bestimmungen deS 8 27 al» unfähig erscheint." Der letzte Satz heißt nunmehr „da» bürgerlich und religiös unbescholten ist (8 27)." — Honny soit qui mal y pense. Rakel, im Februar. (Or. Eorr.) Am 10. d. M. feierte die hiesige jüdische Gemeinde ein bedeutungsvolle» Fest, nämlich die Einführung unseres neuen Rabbiners Herrn Dr. Porges, eines Schüler» Frankel'» Um 2 Uhr RachnullagS versammelte sich die Gemeind« im festlich geschmückte» Tempel. Unter den geladenen Ehrengästen befanden sick die Stadtverordneten, die Magistrat-Mitglieder, der Gymnasialdirector und viele unserer christliche» Mitbürger. Der durch die Vertreter der Gemeinde und de» Gymnasialdirector abgeholte Herr Rabbiner wurde beim Eintritt von unserem Chor mit einem von« l iesigem Cantor componirten KDA IpAD empfangen, und von dem Gemeindevorsteher Herrn L. A Kallmann mit einer würdigen Ansprache, in welcher derselbe auf die zwar schwere, aber darum um so bedeutendere Stellung gerade in hiesiger Gemeinde hinwieS, begrüßt. Hierauf bestieg Herr Dr. Porge« die Kanzel und behandelte in einitündiger, sehr ansprechenden Rede den PsalmverS '21 D'bv 'IT- Mil dem Minchagebel und Absingung de» „Adon olam" schloß die Feier. — Am darauf folgenden Sabbalh hielt Herr Dr. Porge» die eigentliche Antrittsrede, zu deren Text er die Worte Irrem. K. 1. V. 6 u. 7 gewählt hatte. Es war die» ein nach Inhalt und Form gediegener Vortrag, und befriedigte unsere schon seit vielen Jahren an gute geistvolle Predigten gewöhnte Gemeinde vollständig — Möge die Wirksamkeit unseres neuerwählten Rabbiners eine eben so segenSvolle sein als sein Empfang ein herzlicher und vielverheiße»- der war' Oesterreich. AuS Böhme», im Febr. (Or.-Corr.) Die Bergstadt P ribram — wer weiß nicht, daß sie nicht etwa vor olinu,

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