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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 10. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 10.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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sonder« vor nicht gar lang entschwundenen Zeiten da« traurige Privilegium hatte, keinem Juden eine Rachtherberge gewähren zu dürfen — sie war so ganz recht, mucai D131D btnsr '33 'JBB und in wenigen Wochen wird in diesem Pribram eine prachtvolle neue Synagoge eingeweiht werden, die Gemeinde macht alle Anstrengungen, sich den böhniischen größeren wohlsituirten Gemeinden anzuschließen. Viel zum Aufschwünge der Gemeinde trägt vor Allem die nicht genug zu lobende Hingebung bei, mit der Herr Beständig, rin energischer, echt jüdisch niilde gesinnter Mann, sich als Vorsteher der EultuSangelegenheiten annimmt. — Auch die Eultu«gemeinde im Badeorte Teplitz soll einen neuen Tempel, dem Bedürfnisse einer Großgemeinde entsprechend, zu erbauen ini Begriffe stehen; wir möchten bei dieser Gelegenheit die Aufmerksamkeit aller, zunächst aber österreich-ungarischer Gemeinden aus Teplitz lenken, und zwar auf daS mit vieler Umsicht und besonderer Opserfreudigkeit geleitete jüdische Spital, da« al« ein wahrer „Quell de« Heils" für unsere leidenden GlaubenSgenoffen aus Nah nnd Ferne sich schon lange bewährt hat, und wahrlich mehr Thetlnahme und materielle Unterstützung seitens der jüdischen CultuSgemeinden verdient, als ihn, entgrgengebracht wird. — Wenn, was so oft geschieht, eine Gemeinderepräsentanz in die Lage kommt, einem ihrer Angehörigen, dem Armuth und Körperleiden den Weg in« Tcplitzer jüdische Spital vorzeichne», durch Ausstellung eines Atteste« die Ausnahme zu ermöglichen, mag e« doch wohl jener Repräsentanz eine gewiffe Genugthuung gewähren, sich sagen zu können: wir haben, wenn auch nur durch eine geringfügige Jahressubvention, an« Tcplitzer Spital nnS gewissermaßen ein kleine« Anrecht aus die Nutznießung seiten« unserer Angehörigen erkauft, und zu dem „Becher de« Heil»", der daselbst unseren Armen gereicht wird, haben auch wir einen Tropsen geliefert. Den zahlreichen galizisch-jü« bischen Gemeinde'», deren Angehörige ein große« Eontingent zur Anzahl der Curdrdürstigen auch in Teplitz stellen, seien diese mein« im Jntereffe der leidenden Menschheit geschriebenen Zeilen besonders zur Beherzigung empfohlen.*) — In Rachod, einer altehrwürdige», in religiöser Beziehung einer streng konservativen Richtung folgenden Gemeinde, nimmt da« Schulwesen, seitdem Hr. Dr. Feldscharehn daselbst al« Vorsteher wirkt, einen sehr erfreulichen Aufschwung; der Schule ist auch ein wohleingerichteter Kindergarten asfilirl worden. — Der unerquickliche Hader, der im Schooße der ultraczechischen sogenannten staatsrechtlichen Opposition seit längerer Zeit so zersetzend wirkt nnd in den nationalen Blättern seinen unheimlichen Spuk treibt, hat für un» Juden Böhmens insofern einen Vortheil, al« die Herren Staatsrechtler nun nicht Zeit und Raum haben un« zu stehenden Schniähariikeln al« wohlfeilen Stoff zu gebrauche» — wir haben Ruhe. E.l. Holland. A»fterdam, im Januar. (Or.-Eorr.) (Fortsetzung.) „Reue Streitigkeiten sind aber im jüdischen Lager entstanden, wovon Sie, Ehrw. Herr, Haupt eine« Rabbinats- SprengelS, die Ursache sind. Durch Sie ist eine That begangen, die Sie vielleicht vor dem Forum Ihres GewiffenS veramworten, jedoch nie mit unserm Codex in Uebereinstimmung bringen können, und die deshalb der übergroßen Mehrheit der Judenheit in Niederland Anstoß giebl." Eie, Ehrw. Herr Oberrabbiner eines israelitischen Sprengel», das sich bi« jetzt nicht von der Kirchcngenoffenschafl abgeschieden hat und bas dir jetzt, was die Religion und den EulluS betrifft, sich zu konservativen Principien bekennt, haben eine Handlung begangen, die wider Ihr Amt streitet; denn man darf sich nicht orthodoxer Rvbbiner nennen und eine Thal vollführen, welche dieser Qualifikation zuwider ist." *) Wir fürchten, daß et um di« Dinte und Druckschwärz« „dieser Zeilen" schade ist. (Sied.) „Uebrr die Vollziehung der bekannten Trauung «erb« ich in keine Polemik treten; denn darin allein besteht nach meiner unmaßgeblichen Ansicht, da» llebel nicht. Ater wrffen ich Sie vornehmlich tadele, und viele Geistlichen mit mir, ist Ihr Kommen nach Amsterdam, um hier eine Trauung zu vollziehen, die dem zuständigen Ausspruche der dortige» Geistlichen widerstreitet" „Wäre da« Brautpaar nach M astricht gekommen, urd hätten Sie die Trauung in Ihrem Refforl vollzogen, so iväre Ihnen nichts andere« oorzuwerfen, als daß Sic, abweichend von Ihren Amt«genoffen, eine Handlung verrichtet, welche von geringer Uebereinstimmung zwischen tv:n verschiedenen geistlichen HäupternZeugniß giebl; wir würden Ihnen darüber nichts bemerkt haben." „Doch über da» Ajirfüßentreten so vieler Vorschriften in Mischna und Talmud rufe ich, und viele mit mir, Siie zur Verantwortung. Diese Verantwortung sind Sie ihrem hohen Amte schuldig. AlS Fremdling sind Sie hier hirgekommen, Gastfreundschaft ist Ihnen gewährt worden. Mm hat Sie als Oberradbiner erwählt. Sie haben in Rabbinats-Eollegien Sitz genommen; hierdurch haben Sie f.ch mit Ihren AmtSbrüdrrn vereinigt. Man ist Ihnen freund» sich entgegen gekommen, wie niederländische Israeliten die« Fremdlingen gegenüber immer gewohnt find. Und die« Alles haben Sie vergolten mit Ihrem Erscheinen in Ainslerdam une mit der Behandlung zweier Ihrer Eolleg:« auf eine Weise, die nicht von Wohlwollen zeugt und zügle ch den Beweis liefert, daß Sie die Ansichten Andersdenkender verachten und sich nur auf eigenes llrtheil verlassen, ohne jede Bewerkstelligung einer gründlichen Prüfung, die so nöthig ist, wenn man sich von der Menschheit trenne» will " „Darf rin Fremdling Alle« lhun, waS er in feinem Vaterland nach bestehendem Gebrauch gethan? Steht niiht in der Mischna: oipan -iBim Dtfb wrw aipan na'in?av^ 7^7>"NY Dürfest Sie in Amsterdam thun, was oi:lleichk in eine»» anderen Orte erlaubt war? Heißt e« .« dieser Hinsicht nicht ausdrücklich '3£8 Q*TK!73v' *7Kl r npibnan — Wer mehr al« der Geistliche, wer mehr al« der israelitische Geistliche muß sich vor Allem hüten, waS zu Zwist führt? Wer uiuß mehr durch Thun und Lasten zeige», daß er Alles für den Frieden aufzuopfern bereit sei? Weder die Gunst der Großen noch eigene Eenügsamkeit, weder gewaltige Größe noch Meisterschaft über Viele darf ihn einen Augenblick vergeffen lasten, was er seinen« hohen Amte schuldig sei. Macht er sich eines FehltrilteS schuldig, was soll dann auS dem Pöbel werden, waS aus allen den Schreiern unter den Freisinnigen, welche n it hohlen Worten milschreien ohne sich je die Mühe genoinnien zu haben, die Principien zu untersuchen, worauf da« Judenthum gestützt ist und wonach Geistliche handeln sollen? Nicht durchdacht, übereilt nenne ich Ihre Thal, und überdies gefährlich für da« Judenthuin in Niederland." (Schluß folgt.) Vermischte und neueste Nachrichten. Stkttill. (Ein Wort an Herrn S. Bloch, Red. de« „U n i v. J«r") Unser sehr geehrter Herr College ist gegen Deutschland unversöhnlich, er wendet vielleicht die Qualifikation eine« n"n ala“)B131 D|713 nach dieser Richtung hin an. Darüber im Allgemeinen mit chm zu streiten, liegt uns fern. Er wird und ist dabei überempfindlich; so ärgert er sich z. ö. darüber, daß Hamagid gesagt hat: „Die Franzosen können in ihren politischen Experimenten nnd bei der Zerfahrenhrit der Parteien immer noch keine feste Richtung finden." Dich da« gehl den Magib an. Als wir unlängst bei Besprechung der Ehegesetzgebung und der Zulässigkeit der Ehescheidung beiläufig äußerten, in Frankreich, wo dl« Ehescheidung verboten, stehe die Reinheit de« eheliche« Berhältuiffe« nicht sonderlich

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