Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 1.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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meinde ein Ehrenamt durch olle 25 Jahre ununterbrochen verwaltet haben, das dürfte wohl zu den Seltenheiten zählen. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde beging am 5. Decbr. solch ein seltenes Fest; an diesem Tage waren es 25 Jahre, seitdem oer'Vorsitzende des Gemeindeoorstandes, Herr Moritz Wieruszvwsky, sein Ehrenamt angetreten hatte. Nach den „Görlitz«r Nachrichten" wollen wir nur kurz erwähnen, daß auS Anlaß dieses Festes beim Sabbathgotiesdienste der Ehrensitz des JuUlars im herrlichsten Grün prangte, und der Prediger der Genieinde, Herr Dr Freund, in schwunghafter Red« die ausgezei hneten Verdienste und die fruchtbare Wirksamkeit des durch seine Uneigennützigkeit allgemein beliebten und geachteten Mannes hervorhob; daß Deputationen der Gemeinde, des Vorsiandrs und des Repräsentantencollegii, sowie der verschiedenen hiesigen Vereine zur Beglückwünschung erschienen und dem Jubilar von Seilen der Gemeinde ein prachtvoller silberner Ehrenpotal angeboten wurde; daß endlich der WohlthätigkeitSverein der Gemeinde seiner Verehrung in einer dem Geiste und den» Simie des Mannes entsprechenden Weise Ausdruck »erlich und ihn« eine Stistungsurkunde „Wieruskowsky-Stif- •ung" genannt, überreichte, vernröge deren die aus derselben fließenden Zinsen nach freiem Ermessen des Jubilarverwendet werden sollen all dieses sei nur flüchtig erwähnt. BZas aber an dieser St'elle für das Allgemeine hervorgehoben werden muß, ist, daß jüdische Gemeinden, vor Allem junge, erst in> Entsi.'hen begriffene, nur dann sich entwickeln und gedeihen können, wenn Männer an der Spitze der Verwaltung stehe», die Irin cpon rTbvrr mw jüdisches Wissen mit weltlichem Ansehen und gründlicher Bildung in sich vereinen. HerrWieruSzowSky, der Sohn des ob großer talmudischer Kenntnisse und humanen Charakters bei allen Mitbürgern hochgeachteten seligen David Wieruszvwsky in Kempen, saß z>l den Füßen de- Rabbi Akiba Eger b"W. mit reichem jüdischen Wißen ausgestc.ttet, nimmt er an allen bilduugförderiiden Bestrebungen unserer Zeit Theil. Aus ihn ist im wahren Zinne des Wortes dar nrCKS “H35£ ’a-ixz C'pcir anwendbar. Daß die israelitische Gemeinde Görlitz durch ihre inusterhast« Verwaltung, durch ihren erhebenden Cul'us, durch ihre zallreichen WohlthcitigkeitSanstaltm hervorragt, ist Wienlszowsky's Verdienst. Man muß das schöne, neue Gotteshaus, die unter der gewisienhasten Leitung des Herrn Dr. Fre nd stehende Religionsschule, den Friedhof mit seinen Parkanlagen, mit seiner Halle z»>r Abhaltung der Trauerrede, die die sinnige Aufschrift DSDnStt Kirr '2:re 'r:K trägt, — man muß das Alles gesehen haben, um das Wirken und Schaffen WieruSzowsky's. nach Gebühr würdigen zu können. — Der 5. December war daher ein wohlverdienter Ehrentag für WieruskowSky, aber auch für die intelligente Görlitzer Gemeinde, die ihrer Anerkennung und Verehrung solch einen würdevollen Ausdruck verlieh. Mit Hinblick auf Beide schließen mir mit dem Wunsche: ■a-r onios > Fiirth, 21. December. ,Or.-Corr.) Anliegend erhalten Eie die Satzungen eines Verbandes*), welchen gegen 80 jüd. Gemeinden im diesseitigen Bayern also mehr al« '/* der jüd. Bevölkerung dieses Landes, gegen den Wauderbettel ge- . gründet haben. Ob die hier ge.roffencn Maßregeln von Erfolg sein werden, ist freilich sehr zu bezweifeln, da die Versammlung sich gescheut hat, die Art an die Wurzel des Nebels zu legen, 'Nachdem wiederholt Hervorgehoden worden war, daß die Gemeinde des Verbandes ganz und gar keine Ersparniß an den bisher verwendeten Summen bezwecken, sondern blo4 der Demoralisation und dem Chiliul haachem, der nothwendig aus der Wanderbeltelei entstehe, nach Möglichkeit steuern wollen, machte Kaufmann Rosenthal au» Würzburg einen Vorschlag, dessen Annahme unsere» Erachten» höchst ersprießlich geroesen wäre. Dieser Antrag, e» möge der Verband hauptsächlich und neben den Wanderbettlern auch den Hau» armrn in den Verbandsgemeinden selbst durch Vermittelung ») Wir werde» »«« wefeMUch«» vesti>mnu»tze» delsetbe» ,elr,»nt. lich «it heile». der betr. Gemeindevorstände Unterstützungen verabreichen, fand zwar in dem Radbinatsverweser Dr. Nürnberger hier einen warmen und beredten Vertheidiger. Derselbe wie» daraus hin, daß mit der Gabe a» sich noch gar nichtgetha» sei; e» komme vielmehr darauf an, daß von den ungefähr hunderttausend Gulden, die bisher i» Bayern auf den Wanderbettel allein von Vereinen verausgabt worden seien» ein Theil wenigsten» in die rechten Kanäle und an wirklich würdige Armuth geleitet werde, lieber die Unwürdigkeit fast aller Wanderbettler sei nur Eine Stimme, so daß die Gabe« für sie auf ein Minimum zu redilciren, nicht nur kein Unrecht, sondern geradezil ein Gebot der Religion und der Menschlichkeit sei. Nach dem bisherigen Systenl setze man förmlich eine Prämie auf die Aufdringlichkeit, Scham- und Sittenlosigkest, indem man den Wanderbettler mit diesen Eigenschaften reichlich unterstütze, die.Hausarmen aber in den immer mehr;hsammenschmelzenden Landgemeinden vielfach darben laffe. Da» sei gegen den bekannten Satz "OC3 KDin k,t "72 (der Sünder darf nicht obendrein belohnt werde»», wie gegen den gesunden Menschenverstand und den Zweck de» Verband^ selbst. Aller» trotzdem wurde der Antrag Rosenthals abgelehnt. Wichtiger also vielleicht, als der Inhalt der Beschlüff« selbst war der schöne Ton, welcher in der Versammlung herrschte. Obwohl sie aus den verschiedensten Elementen und Parteischattiruilgen zusammengesetzt war und selbst di« extremsten Religionsanschau rngerr vertreten waren, athmete doch Alle» nur Eintracht und Frieden, was freilich neben dem guten Willen der Theilnehmer besonder» der ausgezeichneten Leitung de» kgl. Notars Dr. Ortenau, dieses in jüdischen Kreisen als Ausschußmitglied des Gemeindebundes und Vorstand der iSraelitttchen Cultusgemeinde hier rühmlichst bekannten Mannes, zu danken ist. Ta zeigte sich die viel bezweifelte und viel angesochtene Einheit Israels im hellsten Lichte, jo daß die Versammlung ihren Theilnehmern noch lange im Gegensätze zu dem heiseren Schreien nach Trennung eine angenehme Erinnerung bleiben wird. Mögen ihre Beschlüße segensreich wirken! Oesterreich. Wien, im December. (Schulen in Rumänien.) DaS Comite der isr. Alliance in Wien, welchespeciell die rumänischen Angelegenlieiten noch in Folge und im Austrage der im I 1872 abgehaltenen Brüffeler Conserenz zu beraihen bat, versendet «in als Mannscript gedrucktes „Memorandum Uber das gegemvärtige iSr Schulwesen in Rumänien und die daselbst zu errichtenden höheren Bilvungsanstaltcn." Man »volle sich erinnern, daß die i»r. Alliance in Wien (resp. da» rumänische Execntlvcomite) den Hrn. P SmolenSky nach Rumänien gefenMl hat, um sich dort in Betreff der vorhandeneil und der zmeckmäßigst zu gründenden isr Schulen zu informiren 1 nd unter den Juden selbst Jnterefle ffn solch« zu erwecken In der erwähnten Broschüre erstattet nun zunächst Smolensky einen sehr intereffanteu Bericht. Er erörtert einleitend, daß die Juden der Wallachai für Schule und Unterricht wohl diSponirt seien, während die moldauischen. meist a»S Galizien stainmenden, die Bildung verschmähe», doch immer nicht in dem Maße, wie die galiziiche« Chassidim; da ferner in recht vielen namhafte» Gemeinden Liebe zum Schulwesen und Opserwilligkeit vorhanden sei, so könne man im allgemeinen sagen, daß der Bode» fruchtbar zu werden verspreche Aber eS wird den rumänischen Jude» sehr schwer Schulen zu gründen und zu erhalten, und zwar ist dar zumeist die Schuld der Regiernug der Verwaltung, der Gesetze (Man muß die» Kapitel lesen um zu erkennen, daß kein Wort hart genug ist, uni die Niedertracht der rumänischen Behörden zu bezeichnen!) Es folgen genauere Angaben über di« bestehenden isr. Schulen, welche z,:m Theil erst neuerding» durch den von Gen. Cons. Peix tto in« Leben gerufenen Zicn-Berein (Loge) gegründet worden find; sie alle könnten Treffliche» leiste», wenn nur zunächst ihr Bestehen einigermaßen gesichert wäre. Auf diese Darstellungen gestützt empfiehlt Smolen«ky nun die Gründung einer i»r.