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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 40. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 40.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Gnadengeschenk Vielen geben, dir, gleich «ir, grl,ungei.t und gedurstet haben «ach Worten de« Stauben« und der Hoffnung in dieser Wildniß de« Unglauben« und de« Aberglauben«. Ich bin Ihr ergebenster Diener Charles Voysey. Camden Houae, Dulwich, 15. Sept. 1873." * * * Wir fügen noch einige Bemerkungen hinzu, de wir ganz kurz faßen, mil «ir sie hier doch nicht ansführiich begründen, können. Was Voysey über die Aufgabe der Inden und die Bestimmung dc« Judenthuni« sagt, ist unter uns unendlich oft, von einem. Christen aber noch sehr selten so offen, und unverclausulirt ausgesprochen worden. — Daß da« ganze s. g. Ceremonialgesetz nicht die Bestimmung hat, je Eigenthum der Gesummt-Menschheit zu werden, daß di« Lehre von dem einen Gott Wesen und Hern des Judenthum» ist, daß nur diese, und was mit ihr im nächsten Zusammenhang steht, zu ■ allen Böllern kommen, und da« Gesetz jene nur in der Judenheit wahren soll — da« Alles ist von den jüdischen Theologen aller Zeit«,« und aller Echattirungen fast ganz csnftaut geglaubt und gelehrt worden. Mit dieser Einschränkung kann man die betreffenden Boysey'schen Sätze vollkommen gelten lassen. — Für sehr richtig und ganz mit unserer persönlichen Ansicht übereinstimmend erklären wir ferner den Ideeugang, de« B. zur Begründung seine« Thenias «infchlägt: die veweirführnng aus der Geschichte — nur aii« der Geschichte, setzen «ir hinzu. Eben an« der Geschichte geh', nun aber auch die Unentbehrlichkeit de« Eeremonialgesetze» für Israel hervor, alte Zeit (Alexandria) und Gegewart lehren unwiderjprechlich, daß die »Lehre" sich vermischt und total verflüchtigt, wenn da« »Gesetz" seine positive Geltung ixrlieil. — Was B. über die au« dem Leben geschwundenen Theile de» Gesetze« sagt, und was vor ihm bi« zum Ueberdruß von Juden gesagt ist, ist, wie wir einmal dargelegt haben, ganz falsch; wa« aufgehoben ist (Opfer u. s. «.), hat Gott selbst, d. h. die GotteSoffenbaruug, die nu« nach dem Anfhören der Prophetie geblieben ist, die offenbare Fügung Gotte» in der Geschichte, aufgehoben. — Wenn Gott un« ebenso von Speisegesetzeu u. s. w. dispensirt, wie es von den Opfer- und Reinheitsgesetzeu geschehen ist, dann werden sie aufgehoben sein. — Betehrungsversuche im Großen können, dürfen «ir nicht machen, wir würden dadurch altbald - heut, wie e» einst vor 1900 Jahren geschehen ist — ln Religiousmeugerei verfallen, mir möchten wollen oder nicht; wir würden di« Reinheit der Lehre trüben, proi-geben, compromittirrn, intensiv verlieren, wa« »ir extensiv gewiimen. E« ist da» allein Sach« Gotte«, greifen wir seiner Leitung der Geschichte nicht vor. Predigen wir für die Unsrigen — »wer hören,will, höre, wer «» unterläßt, unterlasse es." Berichte und ^Korrespondenzen. Deutschland. Stettin, 8. Dct Wie fgst. alljährlich, so habe» auch jetzt ntied«, kurz vor dem Neüzahrrseste, viele Sgnagogen-Sinweihungfn stattgesunbeu. Die,m den verschiedenen Blattern darüber vorliegendait Berichte würde», vollständig mitgeiheilt, mehr als «iup unserer.'Nummer» fülle», lieber chw Einweihung der Synagoge in Ulm ist im vor.Bl. berichtet, und dies ist-Imrch die geschichtliche Bedeutung dm Feiex .gerechtfertigt — die Erbauung einer großartig« Synagoge in einer jener Stödtr, die, uralte Sitze jtbischer Gemeindeu in Deutschland, in der grausamen Berfolgungsperiode des 14. Jahrhunderts ihre Juden »auSschlachteter" oder vertrieben und ihnen dann bis an die .'chwelle der neuesten Zeit keinen Aufenthalt gewähtten. — In Deutfchlano sind ferner Synagogen orthodoxer Separatgemeinden in Berlin und Darmstadt eingeweiht worden. Ferner in Frar kreich: in Vesoul, Remiermont und Boulogne s. M. Erster« beide verdanken ihre Entstehung der Auswanderung elsässischer Juden nach Frankreich, und es nur den an noch anderen Ortm aus demseiben Grunde Gemeinde,i entstehen oder sich dahin vergrößern, daß neue Synagogen zu erbauen sein »»erden. In Eugland ist in Manchester eine neue Synagoge eingewecht worden. — Das Verzeichnis ist hiermit durchaus nicht vollständig, mag jedoch genügen. — Der Bericht aus Magdeburg resp. Pest in unserer Nr. 38 ist in »Jew. World" (aus Miß.erständniß «der Flüchtigkeit?) gänzlich entstellt worden. Nicht eine Reformgemeinde — tergl. existirt in M. nicht — hat eine Abkürzung der Gott« sdienstzeit am Sieujahrs- und Bersöhnungsseste beschlossen, sonrern «an hat eine solche Maßregel für dieses Jahr, der Cholera wegen, nothwendig gefunden; Ähnliches ist schon vor vierzig Jahren z. B. in Posen durch R. Akiba Eger s. A. angrordnrt worden. Brest«, Ans. Oct. Für die Gemeinde-Synagoge »zürn Storch", in «llcher der Landrabbiner Dktin fungirt, ist eine neue Gebetordimng, das ganze . ahr umfassend, ausgegeden worden. Es fitst» für Neujahr und Berföhnungstag mehrere Pijuüm, so z. 8. alle die Kaduschah unterbrechenden, gestrichen, die für die Feiertage sind auf einige »venige reducirt, an den s. g. ausgezeichneten Eabbathen werden, ausgenommen dieklei ne« Emschattiulgen im Muffaf der zwei Sabbathe Schekalim und Hachodesch gar kein« Pijutim mehr gesprochen. Ebenso bieibm die drei Megilloth an den Festen weg. Jekum Purkan und Mscheberach am Sonnabend werden durch ei» deutsches Gebet ersetzt. Kvste». Lon hier wird dem »Wiarus" Folgendes mitgechellt: »Unsere Kreisstadt, welche eine höhere für di« Tertia vorbereitend« Ssthule hat, regt sich auch iu industrieller Beziehung. Die jüdischen Laufleute Hamburger und Plonsk, haben an der Chaussee nach Schmirgel eine Züildholzfabrik angelegt. Die'e Unternehmer verfuhren sehr uachahmungswürdig, denn sie schoflen für den Geistlichen Heinrich: sechs Thaler für eine h. Messe zusamuien und baten ihn, die Andacht in der Intention abzuhaltea, daß Gott ihr Unternehmen segnen möge. Bei der Andacht waren sogar diese Fabrikanten und der Dirigent der Fabrik Herr Zimmermann au« Hotzeuplotz in Schlesieu zugegen." Der Correspondent fügt erbmlt hinzu, daß nun auch die Fabrik sich glücklich entwickele und bereit« fibcr 60 Menschen beschäftige. Was doch Alles so eine bezahlte Messe bewirke» kau«! Aus ikrotrschia schreibt man der Pos. Ztg.: Am Vorabende des Bersühauiigstage» kam der hiesige Brauereibesitzer Z. in dt« Hiesig e Sonagoge und benahm sich in einer Weise, daß der Thürstiher ihn hiaausnöchigte. Z. ging hierauf »ach taufe, holte s:in« Doppelflinte, kam in Begleitung zn»«ier unde zur Syr agoge zurück und feuerte daselbst zwei tschüsse ab. Zum Glück hatte bereits der größt« Thell der Betenden die Synagoge ,erlasse«. Au» JnvXraclaw ivird berichtet, daß dort am Bocabend de« Versöhn»»^ «festes dieselbe Katastrophe zu befürchten war, wie im vorigen Jahre zu Ostrowo. Während des (Gottesdienstes erschall der Ruf: »Feuer!" glücklicheriveise gelang es, nach einiger Verwirrung die Ruhe wtederherzustellea. Wetzlar, 3. Tischri. Da« alte Jahr schied, indem eü uns großen Sä merz zurücklleß. Am verschied nämlich Herr Jacob vudge im Alter von 75 Jahren «nt zehn Monaten. Die Gewände, für deren Wohl er währrid 30 Jahren al« Boltand «yirkte, verliert ln dem Verblichenen eine« ihrer ' Herr orrageudsten Ritzßlieder. Trotz seine« hohen

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