Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 3.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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22 trefflich« Lonjectur: Gwanien, Spanien, Sefarad bet Obadia gleich Gwanien, woran» irrthümlich Hkpani». Bienig bekannt ist auch, was über die Juden in den Turkomunen-Ländern gesagt ist, aber es beschränkt sich leider auch auf einige Notizen, mir denen wenig gedient ist. Ausführlicher ist dann von den (nicht mehr vorhandenen) Juden in China (Li Fung Fu) und von den Schwarzen in Ostindien die Red«; da» ist aber längst bekannt. Die Ausbeute ist äußerst gering. Oesterreich. Me». (Spenden des Barons Königswarter.) Moriz Freiherr v. Königswarter hat in Ausführung der ihm bekannten Absichten seines verstorbenen Baters, Jonas Freiherrn v Königswarter,*) zu dessen ewigem Andenken folgende Stiftungen errichtet: Zu Händen des Herrn Bürgermeister» vr. Felder 100,000 fl. Papier-Rente. Den gleichen betrag von 100,000 fl. Papier-Rente erhielt der Borstand der israelitischen Cultusgemrind« in Wien, und zwar 10,000, fl. zur Begründung von Stipendien für Hörer der jüdischen Theologie, die in Wien die philosophische Facultät besuchen; 20,')00 fl. zum Pensionsfonds der Gemeindebeamten, 10,000 fl. für den israelitischen Waisenverein, 10,000 fl. der Recoivalescenten- Kaffe des israelitischen Krankenhauses, 10,000 fl. der israelitischen Speiseanstalt, 5000 fl. der israelitischen Armenanstalt, 5000 fl. dem israelitischen Frauenverrin, 5000 fl. dem israelitischen Handmerkerverein, 3000 fl. der israelitische» Kinderbewahr- Lnstalt, 3000 fl. dem israelitischen Mädchen-Urterstützungsverein, 2000 fl. der frommen Brüderschaft, 2000' fl. dem israelitischen Studenten-Unterstützungsverein, 20)0 fl. dem Theresien-Kreuzerverein, 2000 fl. der Talmud-Thoraschule, 1000 fl. der Prediger-Mannheimer-Etsstung. Außerdem erhält der Wiener Schriftstellerverein „Concordia" 5000 fl. in Papier-Rente, die Sch" 'r-Stiftung in Wien 2l)00 fl., der Börsen-Unterstützungsverein 5000 fl., der Central-Krippenverein 1000 fl., der Fräuen-Erwerbverein 2000 fl., der Asylverein 3000 fl., der Börse-Galopins-Verein 2000 fl. In Summa 220,000 fl. Papier-Rente.' Nebstbei ist eine ansehnliche Anzahl von Prioatlegaten bereits erledigt. Ausständig find noch, aber endgiltig festgesetzt, ein Legat von 50,000 fl. für eine größere öffentliche Stiftung, ferner milde Spenden für Frankfurt am Main, die Geburtsstadt des Verstorbenen, für Karlsbad und noch andere auswärtige wohlthätige Vereine. (N. fr. Pr.) Me», 7. Januar (Orig. - Corresp.) Ich darf nicht unerwähnt lassen, daß das sonst so judenfeindliche „Vaterland" dem verstorbenen Königswarter Ehre erwiesen hat. Es erzählt, wie derselbe ein Honorar von 200,000 Gulden in Silber zurückgewiesen habe, das ihm die Einführung der Papiere einer wenig creditfähigen Bank mit voller Sicherheit gegen jedes Risico angeboren worden, und gebraucht dabei den Ausdruck: „Die Ehre soll ihm ungeschmälert bleiben." Ich habe ihnen bereits berichtet, daß bas Präsidium des Gemeindevorstandes Herrn Kuranta, dem Reichstagsabgeordneten und bisherigen Bicepräsidenten, übertragen worden. Die Wahl für den zweiten Präsidenten fiel auf Herrn Jakob Brandeis. — Aus der Ansprache des neugewählten Präsidenten heben wir folgende Stellen hervor: „Die Aufgabe, •) Die vom Rabbiner Dr. Güdemaim am Grabe gehaltene tiefempfundene Gedächmißrrde ist vom Sohne bet Berftorbenen alt Manuskript tu Druck gelegt worden. welche mir zufiel" — sagte der Redner — „ist eine ehrenvolle; ich bin an die Spitz« eines Gemeindewesen» gestellt,' da» nahezu 50,000 Mitglieder vereinigt, und großartige Anstalten der Wohfthitigkeit sind zu verwalten. Aber diese Aufgabe ist auch eine schwierige; auf allen Gebieten der Cultur, ganz vorzugsweise aber auf dem Gebiete der religiösen Fragen sehen wir einen Kamps der Geister, einen Kampf zwischen alten und neuen Ideen. Auch uiisere Gemeind« bleibt davon nicht unberührt. Er mahne zum Aufrechthalten der Einheit der großen Eultuogemeind« Wien, die so Wohlthätige» bereit» geschaffen und die durch weitere Thaten ein leuchtende» Beispiel zu geben berufen ist. „Dir Einheit," sagt Redner, giebt Ansehen und Würde nach Außen, die Zersplitterung führt zur Ohnmacht." — Da» Leichenbegängniß de» sel. Oberrabbiner» Schreiber in Preßburg hat auch hier Theilnehmer gefunden. Ein Extrazug soll von hier gegen 100 Personen befördert habea. Der noch vor der Beerdigung des verstorbenen Oberrabbiner» zu seinein Nachfolger ernannte Sohn desselben betrieb bislang hier ein Manufakturwaarengeschäft. Er soll übrigens tüchtige talmudische Kenntnisse besitzen. 3fre$l»rf im Januar. (Nekrolog). Den am 31. December erfolgten Tod des OberrabbinerS von Preßburg, des hochgefeierten S. W. Schreiber (Sofer) haben wir im vorigen Blatte kurz angezeigt. Ueber das am 2. Januar erfolgte Leichenbegängniß liegt uns eine Korrespondenz vor, welche auch einige eilends niedergejchriebene Worte zur Charakteristik des Verblichenen enthält. Wir ziehen jedoch vor, den in der Prager „Wahrheit" enthaltenen, von M. Stark Unterzeichneten Nekrolog mitzutheilen und bemerken dazu, daß jenes Blatt der Reform zugethan ist; um so vollgültiger ist die dem Verstorbenen gezollte Anerkennung „der Ueberzeugungstreue, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, strengen Rechtschaffenheit und schlichten Frömmigkeit." „Rabbi Samuel Wolf, Sohn de» berühmten Rabbi Moses Sofer, wurde im Jahre 1815 geboren und stand demnach im 57. Lebensjahre, als ihn Gott zu sich nahm. Er hatte noch nicht das 25. Jahr vollendet, als sein Vater starb und er noch vor dessen Beerdigung von der Preßburger Gemeinde zu seinem Nachfolger auf dem Rabbinatsstuhle ernannt wurde. Er fungirte mithin 32 Jahre. Mit der Uebernahme des Rabbinats war aber auch die der „Jeschibah" verbunden. Rabbi Moses Sofer hatte nämlich vor seinem Tode angeordnet, daß keiner von seinen Hörern nach seinem Ableben bis nach Verlauf eines Jahres Preßburg verlasien sollte Durch diese Anordnung, welche getteulich befolgt wurde, wollte er die Auflösung der „Jeschibah" verhüten. Wenn man bedenkt, daß unter den von ihm hinterlaffenen Jüngern nicht wenige waren, welche düi jungen Preßburger Rabbiner an Jahren übertrafen, und an talmudischer Gelehrsamkeit ihm gleich kamen, und wenn man ferner weiß, welche heftige Meinungskämpfe sich in früherer Zeit bei talmudische» Vorträgm zu entwickeln pflegten, so wird man sich von der Schwierigkeit der Aufgabe, welche Sofer mit der Leitung der „Jeschibah" übernommen, einen kleinen Begriff machen können. Rabbi Samuel Wolf ging, auf den Beistand Gottes verttauend, mit Muth und Zuversicht an die Erfüllung seiner Aufgabe und zeigte, was ein unbeugsamer Wille im Vereine mit einem ausdauernden, unermüdlichen Fleiße vermögen. Schon nach wenigen Jahren galt er als eine der ersten Autoritäten auf talmudischem Gebiete. Seine scharfsinnigen Vorträge lockten immer mehr und mehr Talmudbefliffenc nach Preßburg, so daß die Preßburger Jeschibah bald \ l