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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 3. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 3.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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steht — beide Herren artheilen übrigen« sehr unbefangen filici: jüdische Dinge, denn sie find iin praktischen Leben ihnen völlig fremd, — mochten von diesem Plane nicht« wissen, sondern beschloflen, in Geldsachen souverain, eine neu« Anleihe, und bestätigten so auf« Neue die Wahrnehmung, daß viele im Privatvrrkehr ganz solid« Leute sich als Stadt- und Gemeindevervrdnete, wo sie anderer Leute Haut zu Markte tragen, schr unbedenklich in'« Schulden machen stürzen. Herr Kommerzimrath Friedenthal indeß wollte sich zur Ausführung dieser Maßregel nicht hergeben und reichte seine Entlassung ein. 9!!un f haben wir hier ganz ebenso wie da« deutsche Reich und die I Franzosen, unfern Unentbehrlichen; Herr Friedenthal kann ohne die Gemeinde bestehe», aber diese, wie man behauptet, nicht ohne ihn. So mußte unser Eemeindeparlemeiit nachgeben und sich fügen. Aber dir Gegner de« Stellenverkauss hofften doch . uoch zuletzt zu lachen, weil sie meinten, die Lizitation würt« keine erhebliche Summe dem Baufonds zuführen. Diese Vermuthung hat sich jedoch nicht bestätigt; innerhalb weniger Stunden waren für 192,00t» Thlr. Stellen gezeichnet, und somit eine Summe herbeigeschafft, welche nicht nur die noch fehlenden Baukosten deckt, sondern noch einen erheblichen Beitrag zum Amortisationsfonds der Gemeindeschuld liefert. I Herr Friedenthal hat diesen Triumph zuvörderst dem Reichthum, dem besonders in der letzten Zeit sehr gewachsenen Wohlstand der Gemeinde zu verdanken; sodann ist in Betracht zu ziehen, daß die Lässigkeit, mit welcher bisher die Berwaltung ti« religiösen Bedürfnisse der Gemeinde an hohen Festtagen behandelt hat, viele honette Menschen zur Zeichnung fast ge» zwungen hat; hier befolgte nämlich der Borstand die Praxis, die jüdischen Einwohner recht fleißig zu Steuern heranzuziehen; dagegen überläßt er diesen die Sorge, wo und wie sie an den hohen Festtagen, für welche die vorhandenen Synagogen nicht auSreichen, beten wollen. Hierdurch wird der Gottesdienst an diesen Tagen Gegenstand der Prioatspeculation. Nicht nur wird derselbe in öffentlichen vergnügungslocalm abgehaltm — das ist ein Uebelaber noch kein Nothstaud — sondern der völlige Mangel an Ordnung, die Ungenirtheit, mit welcher die schlechtesten Elemente sich bemerkbar machen und die von den Entrepreneurs, um sich die Kundschaft zu erhalten, geduldet - wird, erinnert den religiös gesttmmlen Besucher solcher organistrter Betlocale nur allzuhäufig und allzudeutlich an die ursprüngliche Bestimmung derselben, dieser Nothstand rrieb selbst Weniger Bemittelte zum Stellenkauf. Denn der Anstand im Gotteshause, obgleich er nicht, wie mancher Reformvorstand zu'glauben scheint, mit dem geläuterten Gottesdienste identisch ist, ist doch ein höchst nothwendigeS Requisit deffelben. Nicht wenige hat auch die Hoffnung zur Zeichenstelle geführt, daß ' die jetzt tagende Kulturkommission an dem neuen Gemeindetempel nicht den von einer Partei gewünschten cultuellen Einrichtungen der Geiger'schen Reformsynagoge auf» neue etabliren wird. Herr vr. Joel wenigsten» ist bemüht, den sogenannten Geiger'schen Sidnr, der in seinem hebräischen wie in seinem deuffchen Theil von Geschmacklosigkeiten und Widrrfinnigkeiten wimmelt, bei Seite zu schaffen. Er hat hierbei einen schweren Stand. Die groß« Majorität dieser Komraisfion ist in Geiger'schen Grundsätzen erzogen, so oft oder vielmehr so selten diese Herren gebetet haben, beteten sie au« dem Geiger'schen Sidur. Natürlich ist ihnm dieses Buch werth geworden, und so sehr wir eS beklagen, daß an ein solche« Werk die Pietät verschwendet wird, welche man den Mischen Heiligthümrrn versagt, noch unwürdiger wäre eS, wenn sie leichten Kauf« sich davon loSfagt«. vr. Honigmann, der geistvolle und redegewandte Syndikus der Gemeind«, ist, wie in Berlin fei« LandSmann Wertheim, die etgenttich« Seele der Berwaltung, der Vorkämpfer der rrformatorffchen Richtung; doch haben sich, wie kch höre, die Mitglieder der Kommission den Ausführungen de« vr. Joel nicht verschließen könne» und da« Geiger'sche Gebetbuch wird allerdings nicht durch daalte, aber wenigstens durch ein neue», welches dem alten näher kommt, ersetzt werben; daß man dem vr. Geiger, dem langjährigen Prediger der Gemeind«, diese bittere Pille mtt einigen höflichen Fonnen überzuckert hat, ist kaum zu verwundern; auch die pekuniäre Einbuße, die er durch die Einführung eines neuen Gebetbuches erleidet, soll ihm in irgend einer Weise erstattet werden. Akagdeßnrg. Der hiefige Gemeindevorstand hat sich der seiner Zeit ihm zugesandten Philippsohn'schen Petition (das Judrngesetz von 1847 betreffend) aus mancherlei triftigen Gründen nicht angeschloffrn. 31. München, 23. December (Cr. dorr.) Die heutige Beilage der „A. A. Z." bringt einen Arttkel „Versprengt« Juden." Die Einleitung desselben lautet: j „Wir besitzen leider noch kein Werk, welches unS die Verbreitung der Juden über den Erdball vorführt, und gerade ein solche« würde von hohem Interesse sein. Während die Splitter, welchvon fast allen übrigen Raren oder Stämmen sich absonderten und fern vom Mutterland eine Unterkunft fanden, mehr oder weniger in der Maffe der bodenständigen Bewohner aufgingm und, wenn ein Jahrhundert oder gar rin Jahrtausend über sie hinweggerollt ist, kaum noch zu erkennen find, findet bei den Juden das Gegentheil statt. Genau so wie sie uns auf affyrischen und ägypttscheit Denkmälern entgegentreten, erscheinen sie heute noch, und kein zweiter Stamm hat sich den Einflüffen welche Klima, Nahrung, Gesinnungszustand deS umwohnenden Volkes Hervorbringen, weniger zugängig gezeigt, als der jüdische. Sein Typu« ist derselbe geblieben. Er verschmähte die Vermischung, erhob die Reinhaltung de« Blute« zu einem der ersten Gesetz«, utrd steht noch heute physisch völlig abgesondert unter unS Europäern wie unter Asiaten oder Afrikanern da. Nur in Bezug auf die Sprache haben dir Juden mehr oder weniger Concesstonen gemacht und, unter fortwährender Erhaltung ihre« Hebräischen, überall die Sprache des herrschenden Volkes angegenommm." Es folgen nun einige Worte über die Juden in den Culturstaaten und ein paar ausführliche Nottzen über die in den unbekannten Ländern „versprengten". Zunächst übt» die im Süden, Timbuftu, wobei von dem dahin vorgedrunHnm Rabbi Mardochai aus Marocco die Rede ist, von dem Ihr Blatt noch gar nichterwähnt hat. (die in der „Rev. Jsr." wiedrrgegebene Notiz au« den Mittheilungen der geographffchen Gesellschaft war unvollständig; wir werden sie jedoch nächsten» ergänzen. Red.) Die verlorenen zehn Stämme könne man leicht wirderfinden, ohne fie deshalb unter den Rothhäuten, dm Afghanm u. a. a. zu suchm. ES gäbe noch an manchen Ortm Juden, die al» Reste jmer gelten könnm. So in Swanim, am Südabhange de« Kaukasus, wo Gust. Radde in dm Lachamuli Judm erkannt habm will. ES ist dabei auf ein Werk „Berichte übe: die biologisch-geographischen Untersuchungen in dm Kauft '»«-Ländern, Tiflis 1866" verwiesm; das Buch ist mir nicht zugänglich; für manch« unserer polnisch« Etymolog«, dmm ein Lautanklang gmügt, gäbe da« eine

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