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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-07-13 · 28 (13.7.1870) · p. Seite 231

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
28 (13.7.1870)
Date
1870-07-13
Page
Seite 231 (sequence 3)
Language
German
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211 fftr Mefltdigion ganz gleichgültig«Frage kfi, ob Hund undWolf, bunt Hund nab Äwe, dann Hnnd and Udler ». s.». von jeher verschiede» gewesen, »der in der Vorzeit gemeinsame AbfianunnnA hak«, ist wohl klar. Aber mit der Bibel befindet sich der Danvintsmu» doch in einem unlösbaren Widerspruch! Man denkt dabei natürlich an dal erste Eapttet der Genesis, der Schöpfungsgeschichte. Eine genau eingehend« Erörterung hier» über würde die Grenzen unserer Wochenschrift in jeder Richtung überschreiten. Wir geben also nur einige Andeutungen. Zweck der Schöpfungsgeschichte ist nicht Darlegung eines Systems der Kosmogoutt — was hätte die», was hätte die Reih« und Stufenfolge der Geschöpfe ao sich out der Religion zu schaffen? — sondern sie »iO die Lehren erstens von dem Verhältnisse Gottes zur West, zweitens von der zweckmäßigen Ordnung und Einheit der Welt, dritten» von der Würde des Menschen und von seiner Bestimmung zur Gottebenbildlichkett, viertendie von der Gleichheit aller Menschen, auf einfache jedem Kinde verständliche Weise gefchichttich entwickeln. Auf keine dieser Lehren kann die Religion verzichten, nie kann sie ferner darauf verrichten, ihre Lehren zum Gemeiogute aller denkfähigen Menschen zu machen, nie kann sie dazu sich verstehen, da» Derstäudniß und das Aufnehmen ihrer Lehren von einem tiefen Durchforschthaben aller Geheimnisse der Natur, von einer vorhergehenden Lösung aller Fragen der rxacte» Wissenschaften abhängig zu machen. Es können nur Wenige. Wenige unter Millionen, Humboldt'- (oder Darwin'-) sein, aber Alle sollen für Religion und Humanität gewonnen werde«. Wenige können den höchsten Preis der Entwickelung menschlicher Intelligenz erringen, aber keiner soll verloren gehen in Verthierung. Da» will die Bibel. Sie will nicht Naturforscher lehren, noch ihrem Forschen Schranken ziehen, aber sie will ein Buch der höchsten für Menschenthum unentbehrlichen Lehren für Alle sein, und sie ist es. Hierzu noch einige kurze Fragen. 1) Glaubt Herr Dohru, daß es besser und zweckmäßiger sein würde, de« Kindern und den schlichten Leutm statt der mosaische« Schöpfungsgeschichte die Darwinsche Theorie von der natürlich« Züchtung vorzu» trazen? 2) Glaubt Herr Dohrn, daß enoch nicht genug des Jammer» auf Erden durch die Verschiedenheit der Ansichten, der Ansprüche und des Besitzes unter den Menschen sei, und daß eS wünfchenswerth wäre, den Unterschied zwischen Vielwissenden und wissenschaftlich ganz Durchgebildete« und „schlichten Leuten" recht scharf zu betonen, die Kluft recht weit auSeiuanderzusperren; glaubt er also, daß es besser rräre, lieber gar nicht» zu lehren, wenn man nicht dm vollm und ganzen Darwinismus vortragen kann? 3) Gesetzt, die Bibel trüge im erstm Capttel der Genesi» die Darwin sche Theorie statt ihrer Schöpfungsgeschichte vrr, glaubt Herr Dohrn. daß es gut sein würde, dem Mensch« recht allgemein wid recht früh dir Lehr» «inzuprägen, taß sich alle» um «in« Kampf um deck Dasein drehe, daß dies« Lehre der Renschhett Inilsawer fein würde, als die von einem Miebenden Gott und dem gleich«, Siechte und der gleich« Bestimmung Aller? (Wir btttm aber wieder nicht zu vergeff«, daß die Bibel ein Lehrbuch für All« sein will.) 4) Noch einmal den» selb« Fall xesetzt, glaubt He^r Dohrn, daß dann die Bibel nicht nach hundert, ja fünfzig und noch weniger Jahr« wieder auf eine« gänzlich überwunden« Standpunkte fleh« und wieder de« Spott des Naturkundigm verfall« würde? Run aber verwahr« wtt uns dagegen, daß man uns Vorhalte, wir ging« auf ein Press« der „heilig« Einfalt" und auf ein Perhorresrir« der Wissmschaft aus. Rein, wtt sind uns bewußt, die Forschung so hoch zu schätz«, wie irgend »er, und sie soll frei sein; aber, ihr Herren, wtt ms« mch zu: „macht nicht eure Forschung und ihre Resuttatr zum Schibboleth! Fahrt ihr geg« dmjmigm aus» dem der Mensch erst beim Baron aofängt, so hütet «ch, daß euch nicht der Mensch bei demjenigen anfange, der fähig ist, sich andm Standpunkt der je nmestm Entdeckung« zu beweg« l"_(Schwtz >lgt) Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Akt»»», Ende Juni. Am 17. d. MtS. starb in Hamburg R. Mose Michael kichtmstein, ein weg« seiner talmudsschm Gelehrsamkeit in weit« Kreis« berühmter Mann. Au» Pol« gebürtig, Shüler der R. Akiba Eger s. A., hat er über 20 Jahr hier gelebt. Er schrieb ein schöne« Hebräisch, hat manch« Gedichte in dieser Sprache verfaßt, und seine Bekaansschaft mtt der h. Schrift, welche er durchweg buchstäblich auswendig konnte, war staunenswerth. Wtt heb« dies nur hervor, weil man e» bei Talmudistm seiner Schule seit« findet. Mü ihm ist «ine de» letzt« talmudsschm Celebrttätm Hamburg» zu Grabe ge» gang«. fnanffD p-ctn bv ^an! . lieber dm neuerdings, besonder» auch gelegentlich der russisch« Judm-Emigratiou viel gmanutm Governor Salomon berichtet dtt „Reform": Herr Eduard S. Salomon, ei» geborener SchleSwige«, der «ährend mehrerer Jahre in einem Altonaer Manufafturwaarmzeschäft al» Commis beschäftigt waging vor länger« Zähren «ach dm Vereinigt« Staat«, wo er sich währmd de» Bürgerkrieges sowohl in poltttscher al» in wilitärischer Hinsicht auszeichnete und bi» zum General avancirte. mein« Schreck« ein, daß dtt bloße Nmuung seine» Namen» sogar Leute dieses Schlages, dtt vor keinem Verbrechen zurückbebt«, erzittern machtt. Und ttotzdem hatte nicht ein einziger dieser Männer je auch nur die geringste kirchliche Pflicht vernachlässigt, au» Furcht» als Ketzer angezeigt zu werdm und io die Hände der Inquisition zu fallen. Alle warm bleich geworden und sah« sich mihttauisch an. Derjenige, welcher dtt letzt« Worte gesprochm hatte, war still geblieben, wie die Andern. War er ein Unvorsichtiger oder etc. Berräther? „Ist e» wahr," sagte die Gitana, dtt schon vorhin gesprochen hatte, ,chaß Diego d'Almora seine Tochter Juanita au Fmumdc vecheirathm wttd?" Diese Frage hatte dm gewünscht« Erfolg. Stt ließ der. peinlich« Eindruck, dm die Worte des letzt« Redner» gemachi hattm, vergessm. E» war AU« ein Stein vom Herz« gefalle», und dtt Unterhaltung belebte sich «n Nmem. „Das scheint eine ausgemachte Sache zu sein," antwortete »in anderes Weib. „Ich glaube e» nicht," sagte ein Guapo, „d'Almora ist reich und FernarLo hat nicht ein« Pfennig." ,Menn d'Almora reich ist, so reicht daS für Beide au», und dtt ganze Stadt weiß, daß er Fernando liebt." „Man spricht schon so lange von der Hochzeit, und doch ist noch immer nicht» daran» gewordm." „Das ist richtig, aber die junge Juauita hat schon so viett Partim ausgeschlagm." „Mau sagt sogar d« Sohn de» mächtig« Graf« Franz von Ramira." „Jetzt habt Ihr aber gmug geschwatzt," donnerte sie plötzlich Mateo au, „wenn man Euch so frei« Lauf ließe, Ihr möchtet dm ganz« Tag fortplappern. Kümmert Euch nm Euch selber und laßt andere ehrliche Leute in Rnh." Dtt Person«, dtt der Hauptman« für gefährlich gehalttu hatte, war« nämlich soeben verschwunden, und dieser unterbrach das Gespräch, um Beschtt zu ertheil« und das vorhin empfangene Geld unter dtt ziemlich zahlreiche Rotte, dtt ihm unumschränkt untergeb« war, zn vertheil«.

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