Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 28 (13.7.1870)
- Date
- 1870-07-13
- Page
- Seite 232 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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332 Nach Beendigung de- Krieges kehrte General Salomo» «ach dem Staate Illinois zurück, wo er in Chicago feinen Wohnsitz hatte. Als Anerkemumg seiner vielen Verdienste hat Präsident Grant ihn zuur Gouverneur deS im Nordwestm der Vereinigten Staaten belegen« Territoriums Washington ernannt und ward er von Freunde« durch Uebergabe eines Prachtvoll« Geschenks vor seiner Abreise von Chicago geehrt. II Hterki», 1. Juli. (Lrig.»Corresp.) Endlich hat Berlin ein« jüdisch« Stadlrichter. Sie werdm bereirs auS dm Zeitung« die Emennung deS Affeffor Rubo zu duffem Post« ersehm Hab«. Der Genannte ist ein Sohn deS in v. I. verftorbe im vr. Rubo, langjährig« SecretairS und SlmdicuS der hiesig« Gemeinde. Die längst erwartete Beförderung Lasker'S wird dagezm noch iramer ermattet. Von dm Bestrebung« deS vr. Pinner Hierselbst Hab« Sie leine Notiz zmommm oder gebracht. Sie Hab« Recht gehabt, denn ich kann versichern, daß sich hier kein Mmsch über seine Schreibereim — ärgert. Sonst hätten die Conservrtivm Grund, aus ihn das bekannte Wort von dm gefährlich« Frmndm anzuwendm. Kleinere Provinzgemeindm, welche Sachen und Person« nicht kenn«, haben eS der Mühe werth gehaltm, auf eine Polemik einzuzeh«; daß aber die „A. Z. d. I." Vergleich« abdruckt und so thut, als ob die hiesig« Conservativm für die Schreiberei« des Dr. Pinner verantwortlich wärm, ist unverzeihlich, obwohl erklärlich genug. Well« Sie nun Ihre Leser von dem nmestm Flugblatte des ManneS unterhalt«? Cs ist eine im überschwenglichen Loyalitätsfracktone gehaltme Aufforderung „an die wahren Judm PrmßenS" zur Feier deS 3. August. ES wird nicht nur auf das Edikt vom 11. März 1612 hinzewiefm (womit natürlich Jedermann einverstandm fein wird), sondern auch auf die Cabinetsordre vom 23. Dezember 1823, das Verbot jeder „Sektmkildung" bei dm Judm. Die Art und Weise, wie diese „unr>erzleichlich« Gnadenbezeigung«" zepriefm, wie die Feier für „Berlin" diktict wird (als ob 11r. Pinner irgmd etwas anzuordn« hätte?) wrd wie Bericht über die Festlichkeiten verlangt wird, „um es dm Könizl. Behördm mitzutheilen, ist — — (Wir brechen hier ab, da unser Blatt mit dm polttisch« Partei-Differenzen uichtS zu schaff« hat. — Unser D Correspcndcnt aus Berlin ist leiver in cm letzt« Wcchm verhindert gew.ffm die Fortsetzung seiner „Berliner Briefe" zu schreib«, wir (»offen sie schon in der nächst« Nummer bring« zu könnm. Red.) l. AuS der Provinz Smnnovex, tm Juni. (Oriz.-Corr.) Der Cid more ^uänico war bekanntlich lange vor der Annerion bei uns aufgrbobm, dagezm besteht die Vermahnung, wie sie für Juden vorzeschriebm wordm ist, noch fort. Der Hinweis auf die ewig« Straf« macht kein« gut« Eindruck und da» Citirm talmudifcher Stell« klingt im Munde deS Richter» fast lächerlich. Sollte nicht durch die n«e Gesetzgebung auch diese Vermahnung hinfällig gewordm und durch eine einfache am» fesfionSlose zu ersetz« sein? (Die Formel ist unS nicht bekannt. Red.) K An» rndt Juni. <Orig>«-rrrsp.) Ich habe Ihn» heute eine klein» Geschichte mitzutheilen. Nu« der Festung Saarloni« wurde vor vierzehn Tagen ei» preußischer Soldat (Israelit) nach dreijähriger Hast entlaffeu und seinem gegenwärtig in Trier garnisonirenden Rrgimente witder eingereiht. DaS wäre mm nicht weiter von Interesse, aber die Thal, wodurch er sich diese Snafe zugezogen, ist doch Werth erzählt z» werden. In einer der Schlachten im Jahre 1866 sah er nämlich seine» nicht weit von ihm kärnpsendea Bruder aiederslnke». Dal Gewehr weg» werfen, auf den schwer verwnadetca Bruder zueilen, ihn auf die Arme heben, um ihn himvegzutrageu, war das Wert eines Augenblicks. „Borwäns, Kameraden! Der Sieg ist unser!" schrie da mit mächtiger Stimme der Major, um gleich darauf jotnig hinznzufllgen: ,H«da, was soll da» heißen, «ursche! Liegen l-ffeu, ans der Stell«. Da» ist Sache der Krankenträger... zur Waffe greifen ..." ,Hch kann nicht, Herr Major," erwiderte unser Soldat, „der Gefallene ist mein Bruder!« „31* hier ganz gleich", schrie der Major noch zorniger, „und wenn'« Ihr Barer selbst wäre ... vorwärts, oder Sie werden die Strase der Desertion zu tragen haben!" „Und wenn ich mein Leben dafür einbüßen sollte, ich kann nicht ander« handeln!" entgegnete der Soldat, und trug seinen jetzt rollständig leblosen Bruder mit größter Au. strengung bis in das nächste Tors, wo derselbe dann deerdigt wurde. Oekrrreich. Hstest, 29. Juni. tLriginal-Corresp.) Die Wahl de» vr. Kayserling ist durch „Plebiscit" bestätigt. Dieser bis jetzt wohl ziemlich unerhörte Wahlmodus ist gleichwohl nunmehr unfern Liberal« noch nicht liberal genug, und sie verlang«, daß man männizlich über die drei Candidatm hätte abstimmm lass« soll«. Die Schomre hadath stimm« wacker bei, sie find von jeher für direkteste Urwahl gewesen; eS ist bei ihnen noch nie dazewefm, daß etwa ein reicher Mann, als Rofch hakohol, ganz auS eigmer Machtvcllkommmheit einen — Schwiegersohn in gpe der Gemeinde als Rabbiner eingesetzt hat! Sie Hab« jüngst (Nr. 26) einen fanatisch« judmfeindlichm Artikel im Wimer „Vaterland" erwähnt. Da» hiesige berühmte Blatt des Grafen Nikol. Bethlen antwortet darauf in einem länger« Aufsatze, auS dem Sie folzmde Stell« mittheilm mögm. „Die Judm sind durch ihr Talmi und ihre Thätigkett ein bedmtmder Faktor der Civilisation gewordm und wir könnm sie in Pest brauch«. In Pest selbst find« wir zwei Städte. Der eine Theil von Pest gleicht einer europäisch« Handelsstadt, — e» ist die Stadt der Judm. Der andere gleicht einem Die Stammgäste der lothm Herberge warm jedoch nicht die Einzig«, die sich über die mehr oder minder nahe bevor» stehmde Ehe zwischm Fernando und Juanita uMerhieltm, man sprach davon in ganz Saragossa. Dieses UnterhaltunzSthema war äbrizms deswezm um so interessanter, weil es ganz ungefährlich war und in der Zeit, in welche untere Erzählung fällt, war mar. sehr froh dergleichen Themata zu find«. In der That war der Schreck«, dm die Inquisition einflößte, ein allgemeiner. Niemand, er mochte noch so hoch gestellt sein, war vor ihren Angriff« sicher; ein unvorsichtiger Gedanke, ein unüberlegtes Wort, die Dmunciation eines Feindes genügte, ein« Unschuldig« der Ketzerei für überführt zu halt« und zum Scheüerhaufm zu führen. Alle persönliche Sicherheit hatte aurzehörr, es war so wnt gekomm«, daß die anzesehmstm, die edelst« und stolzest« Männer es sich zur Ehre anrechiieten als Dimer wrd geheime Azmtm der gefürchtet« Gewifsensrichter anfgemmme» zu werden; daS war Vas einzige Mittel, sich der fortwährend« Gefahr, die über d« Häuptern Aller schwebte, zu entziehen. DaS heilige Officium ließ aber diese i Dimer nur auf ein« schrecklichen Eid zu, durch welch« sich j die Letzteren verpflichten mußt«, auf alle FrmndfchaftS-, auf > alle Familicnbande zu Verzicht«, jedes glaubmSfeindliche Wort, : das ihnen zu Ohren komme, anzugebm, rücksichtslos ihre nächst«; Verwandt«, ihr« Vater, ihre Mutter, ihre Frau, ja sogar ihre! Kinder anzuklazen, da es sich um die Sache Gottes und der I hellizm Kirche handle. So hatte im Schooße der Famili« | selber alles Vertrauen aufzehört, jeder liebevolle Gefühlsausdruck» : jede sanfte Herzmsrezunz war geschwunden. Der Freund fürchtete! dm Freund, der Bruder scheute dm Bruder und der Vater miß» ' traute den eigenen Kindern. Saragossa war, wie alle Städte SpanimS, öde und traurig geworden; daS Leb« hatte jeden Reiz, jede Freudigkeit verlor«;. man nahte einander nur mit Vorsicht, man wog jede» Wort ab, obwohl man sich nur von ganz gleichgültig« Ding« . unterhielt. ' i Man sprach also in Sarazoffa viel von der Verbindung j zwischm Juanita und Femando, trotzdem daß die GlückSzüter j so ungleich auf beide vertheilt waren. Denn darüber war man