Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 15/16 (13.4.1870)
- Date
- 1870-04-13
- Page
- Seite 136 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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136 ihrer Besucher, die billig und koscher esse» wolle«, ohne einer Wohlthat theilhast zu werden. Den Begründern dieses schönen Unternehmens, den Borstehern, Vorsteherinnen und Ehren» Kamen, die durch ihr« Eifer diese überraschenden Resultate erzielen, de» gebührenden Dank auSzusprechm, ist nicht bloS die Absicht diese» Referat», vielmehr soll dies« Mitteilung dazu beitrag«, sowohl Alleinftehende al» ga->^- Famili« anzuregen, durch zahlreiche Entnahme ihrer Mahlzeiten <» der Volksküche den schönen Zweck derselben immer mehr ju or. '.Glichen. Die räumlich« Einrichtung«, die schön« Loka! ..-.tm und die Küchen» utmsili« find dazu angethan, daß tägu 'i «00 Person« gespeist werd« könnm, und ein« einmalige persönliche Ueberz«gung genügt, um in d« Preis« ron I'/« Sgr. für eine ganze, I Sgr. für '/, Portion Erstaunliche« zu find«. Hiezu tritt, daß der Aufeuthalt in der Lolkrküch« selbst durch d« schön« Ton, der in derselbm herrscht, so amnuthmd ist, daß e» jedem Besucher zum Vergnüg« gereich« muß, daselbst zu verweilen. Wie viel« Familien wird gerade jetzt, bet Eintritt d,r warm« JahreSzett, wo die Fmerung in d« Wohnungen aushört, die bequeme Beschaffung de» Mtttageff«» eine Wohlthat sei«, «nd im Jnter» effe dieser Familim ist eS zu wünschen, daß da» segmtreiche Wirk« diese» Institut» dem Volke, für da» e» bestimmt ist, immer «äh« geführt werde. Während de» Pesachfeste» bleibt die Küche geschloff« und wird am Sonntag, 24. April, dem Verkehr wieder geöffnet, sicherlich, um kortan sich noch größerer Erfolge zu erfreuen. W Jauztg, im April. (Orig.-Eorr.) Biranlaßt durch die Anerkennung, welche Sie in einer der letzt« Nrn. der „Wochenschrift" dem Fmenmg»verein in Altona zoll«, will ich Ihn« einige Notiz« über eiue ähnliche Anstalt geb«, der« die Danziger GlaubmSgeuoff« sich feit zehn Jahr« bereit» erfr«m: e» ist die sogenanute Israelitische Kranken -UnterstützuugS» Kasse, der« Zweck ist, ihr« Mitgliedern, welche durch Erkrankung« io der Betreibung ihrer EnverbSzweige verhindert sind, so lange da» der Fall ist, die Mittel zu ihrer und ihrer Familie Emährung zu gewähr«, auch im Todesfälle de» Ernährer» die erst« gefährlich« Folg« der NahrungSlofigkett von dm Hinterbliebmm abzuwenden*). Reiche und Arme gehör« dieser Kaffe an; der Beitrag ist auf jährlich 2 Thlr. normitt. Da aber die Reich« niemals die Kaffe in Anspruch nehmm, so hoffe ich, Sie werd« auch uns Ihr btcan 02’TPK zurufm. Scheinbar ist diese Kaffe eine Affecuranz-Verbindung, in der Wirklichkett aber eine Anstalt, um dm ärmer« Famili« in KrankheitSfällm Hilfe zu gewähr«. Notorische Almosmempfänger könnm statutmmäßig nicht in dm Verein aufgmommm werd«. Die Krankmgelder sind pro Woche auf 8 Thlr. festgesetzt. Im verfloffmen Jahre haben wir gezm 450 Thlr. auf diese Weise verausgabt. Unsere Kaffe hat die landesherrliche Gmehmizung und steht unter Oberaufsicht der Behörde. Der frühere Rabbiner Hierselbst» Herr Dr. A. Stein, hat sich um dm Verein große» Verdimst erworbm. S—m Würüisch-Ariedlau», im März. (Orig.-Ccrresp.) Die hiesige Gemeinde könme al» eine klein« auf Erwähnung in Ihrem Blatte kaum Anspruch erheb«, aber hier bewährt sich, daß eiue auSgestrmte Saar auf religiösem Gebiete lange nachher noch Früchte ttägt. Man merkt, daß hier ein Rabbiner Akiba Eger, selig« Audmken», gewirkt hat. E» gibt selten eine Gemeinde von gleicher Größe, in welcher so hohe» religiöse» Jntereffe, solche Opferwilligkett für Erhaltung.aller Gemeindeinstttutionm sich fände. Da» beweist vor Allem die Bestellung vcn zeit« gemäß« Rabbinem, währmd andere ähnliche Gemeinden ^fich *) Ganz ebenso nnqerichtet» bestehen für Di ärmer, grauen, Fremd« x. seit «ehr all 60 Jahren i» grantsmt a. M. und gewiß noch an anderen Orten. (Ded.) mit einem f'« yv begnüg«. Ehrend und befriedigend für da» Breslauer Seminar ist e», daß schon der dritte Rabbiner au» dieser Schule beruf« wurd«, wa» beweist, wie da» Wirk« derselbm für Schule und Synagoge al» segmSreich anerkannt wttd. Besonder« hervorzuhebm sind die Leistung« der hiesig« Gemeinde auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit. Außer der TO p"H und einem Humauttät-verei» besteht ein Verein für Märkisch- Friedland, dem fast alle hier geboren« Friedländer, welche in ander« Städt« wohn«, angehör«. Von diesem Vereine erhalt« anständige arbett«unfähige Männer und Frau« namhafte Uuterstützungm, die sich jährlich auf mehrere hundert Thaler belauf«. Jüngst bildete sich auf Anregung de» Rabbiner» ein Verein zur Erhaltung eine» Beth-Hamidrasch, in de« derselbe allabendlich omsx ps Vorträge und allsabbathltch Raschi-Vorträge hält. Auch die „Alliance JSraeltte Univ." erhielt unlängst von hier eine Anzahl Mitglieder. Ein hohe» Verdimst hat der Gemeindevorstand, der mtt seltmer Hingebung dm Gemeindeiutereffm sich widmet und vollkommmm Fried« in der Gemeinde erhält. R Meurek, 24. März. (Orig.-Eorresp.) Sin Schreib« ttt „Alliance Jtraeltte Univ." in Pari» an da» Haupt-Eomitö in Königsberg bmachrichtigt daffelbe, daß e» Her« Alb. Eoh«, dem ttmm Frmnd feine» Volke» und Förderet alle» Gut«, ge» lungm ist, dreißig Waifmknab«, welche da» genannte Eomitö an»such« und brförde« möge, in Pari» unterzubrtugm. (Siehe uns«« Wochmbericht in Nr. 13. Red.) Möchte die» edle Leispiel doch Nachahmung find« und die jüdisch« Natter e» verbrett«! E» gibt ja fast kein« Ort, an de« nicht wmigst«» ein oder zwei Waismkinder unterzubringm wärm. Daß dabei nicht» zu fürchtm ist, zeigt sich bei uu». 8» sind gegmwärtig am hiesig« Orte 24 Handwerkerlehrlinge bei dm best« christllchm Meiste« untergebracht, und alle find mtt dmselbm höchst zufriedm, obschcn all diese Knabm nur junge Mmschm, gar nicht ausgesucht, sondem al» verkomm« und verwahrlost gleichsam auf der Sttaße aufgelesm Word« find. A Munch«, 6. April. (Orig.-Corr.) Bei d'em hervorragmdm Jntereffe, welche» gegmwärtig die Frage über da» Verhältniß de» Staate» zur Kttch« überall beansp«cht» ist e» nur natürlich, daß auch die jüdische — Sie erlaub« mir d« Ausdruck — Kirche von sich sprechen macht. Wir hier verfolg« daher die Vorgänge in Bad«, Württemberg und Ungarn mtt gespannter Aufmerksamkeit, denn wir wiffm, daß „böse» Beispiel gute Sitten verdttbt" — und wir sind mit unserer Lage in dieser Hinsicht ganz zufriedm. Die bayerische Gesetzgebung weist der jüdischen Religion eine Zwitterstellung an, die, so unnatürlich sie vielleicht Manchem scheinen mag, doch ihr Angenehme» hat. Vom Staate al» „öffmtliche ReligionSgenoffenschaftm" anerkannt ist die römische, evangelische und griechische Kttche, und alle» Ander« ist „private ReligionSgenosienschaft" die mtweder vom Staate anerkannt ist und in Folge deffm öffmtlichm Gotte»dimst abhält, oder die al» nicht anerkannt auf die HauSandacht' beschränkt ist. Ich brauche Ihnen wohl nicht erst zu sag«, zu welcher Klaffe wir Juden gehören, und doch sind wir noch durch manche» engere Band an dm Staat geknüpft. Nicht nur, daß der Staat da» Aufsichtsrecht über alle Einrichtungen und Gemeindeangelegmheitm hat und daß er unsere CultuSbeamtm prüft und bestättgt: er hat sich da» Placet zu allen cultuellen Amderung« Vorbehalt« und er sorgt dafür, daß jeder Jude einer jüdisch« Gemeinde angehöre. „Der Staat hat darauf zu acht«, daß seine Bürger religiös find", da» ist ein Grundsatz, au« welchem manche gefetzliche Bestimmung mtsprungm ist: Jeder jüdisch« Kuab« muß Religiontunterricht genießen und deßhalb muß überall ein geprüft« Religionslehrer angestellt werd«, d« der Staat durch