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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-04-13 · 15/16 (13.4.1870) · p. Seite 137

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
15/16 (13.4.1870)
Date
1870-04-13
Page
Seite 137 (sequence 13)
Language
German
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137 Schulzwang unterstützt; jeder Jüugling und jede Jungfrau *> muffen dem Heirathdgesuch eia Zengniß beilegen, daß fie hin» reichende Kenntniß ihrer Religion besitzen; jeder Bürger — selbst derjenige, welcher der einzige-Jude in seine« Wohnort ist — s muH sich irgend einer jüdisch«« Gemeinde anschließen u. s. w. „Aber die Pflichten, weliste dem Staate al» Gegenleistung für diese Rechte obliegen?" — Der allgemeine Schutz, und weiter nicht«. Freilich für die Schule sorgt er in -»«reichenbem Mäße. Zu den Elementarschulen gibt er Zuschüsse ebensogut wie zu denen anderer Eonfesfionen, und den dienstunfähigen Lehrern und de« Wittwen gibt er Pension. Auch hat er an mehreren höheren Unterricht»«,stalten, welche von einer gröberen Anzahl Juden besucht «erden, Reltgtoußlehrer angestellt (so z. B. an den Gymnasien zu Ansbach, Nürnberg, Würzburg rc., an der Handel»fch«le hier, an der Realschule zu Würzburg x.) — was Sie in Preußen noch nicht erreicht haben. Aber doch ist gegen die gewöhnliihen Religionslehrer die Hand de« Staate« seiten offen, und sie erhallen nur in den seltenstm Fällen Zuschuß au« öffentlichen Mitteln. Da« wäre so ziemlich unser religiöse« Leben, wie H sich äußerlich an der Oberfläche darstellt; wie e» aber tiefer im Jmiern pulstrt und wa« da Gute« und Schlimme« zu erwähnen ist, da« «erde ich Ihnen nächsten« zu schtldem versuchen, wenn Sie mk die Spalten Ihrer verbreiteten Wochenschrtst zu diesem Zwecke öffnen wollen. *) 7 »er Provinz Pose», im März. (Orig^ikmresp.) Di« Regierung «lserer Provftq h« wach totcifetang «iw* Gememdeftatm» ein« loben»« »«rthe vorstcht»maßng«l getrofft» str de» Fa» einer etwaigen Aushebung »«» 1847er Gesetze«. Di« Organisation der Verwaltnn-Dbehlrdea wird durch diese» Statut zwar -an, nach de» Bestimmungen jene« Gesetz«« geregelt, »admch aber «ns eine» neuen Recht« boden gestellt. Die Regelung de« Haushalte«, der Kasfenführung, der directe» nnd iadireete» Gemeinde» steuer, sowie Vorschriften »der Anstellung der Cultu« beamten und deren Wahl» »odu« bilde» den »eftem« gwhaft de» Statute». So hat daffelbe dnrchau» nicht» Rene« geboten, sondern da» gl Z. vesiehenb« «mf Grund fmiwilliger Uebereinknnst sauktionirt. Denn da« ist am meisten hervorzuhebeu, dag den Gemeinde» diese« Statut nicht anso«tr»tztr», sonder« ihnen auhetmgegeben wart«, aber ihnen beliebig« »endernngen «ft der Regierung p, verhandeln, rin stzecht, da» nicht nnbeniltzt blieb. Daher ist z. B. der Sahlmodu» der Beanfteu ein sehr mannigsaltiger geworden, hier abswnte Gemeindewahl, dort Vorschlag von Seiten der Repräsentanten und Vorsteher und Gemeindewahl, an andern Orten wieder Wahl dnrch jene Lollegie» «. s. f. Wa« Letztere betrisft, so scheint Herr v. (in Rr. 10 d. Bl.) längere Zeft feiner Heimath«. provinz fern geblichen pl sei», da «» sonst ihm nicht hätte unbelamtt bleibe» Ufern», dajetzt in de« meisten kleine» Städte» der „Mittelstand am Ruder ist" — oha« eine Bessern»- »er Verhältnisse herbeigeftthrt $a haben. Wie richtig Herr A. (in Rr. 6 d. Bl.) dieselben abep phowgraphirt hat, erzieht sich schon an» de« Umstand«, daß mehrere kleine Städte sich die Ghrr streitig «acht», al» Original jene« Bilde» gelte» zu dürfe», vergeffen hat dieser »ei» Eonfrater ans de» »erderblichen tzkinstuß, den der ,^»raelft" auf mrserr Siddarlamdanim ,m«Sbl, aufmerksam za machen. m m *» DWim »« ist der leitende Grundsatz jene« Blatte« bei der Bmnheftung «»derer, »ährend e» sich und „seine Leute" stet« ,n den D'JWin zählt. Dieser abprechende Dünkel wird nun auch bei un« dadurch occlinatistrt nnd macht mi« jene» harmlosen Individuen wichtig, thuevde, gefährlich,- Zeloten. Dazu trage« auch die kleine» Rabbiner, «elche ihre ganze Wei»heit und Einsicht jene», Blatt« entnehmen, da« Ihrige ge» treulich bei. Da hat jüngst Herr Lehman» e« in dir Welt htnau«posaunt, Direktor Frankl '«t »ich« in dft Dieife» de« Dalmnd eingedrungen. Um di« Ltlcherlichkeft dieser vehauptaug ansiudecken, genügt e« die Ramm Frankl und Lehmann nebeneinander |u setzen. Sofort hat nun so tt» Rabbinerleiu Swff für eine Schekaltm-Derascha daran« gezogen, in der natürlich mit Pomp hrrvorgehobm wurde; „Wir lernen» tndeß die Indem nur »ach Ditel Haschen." Durch solche nicht ga», saubere Kanäle, wenn nicht durch dm»Israeliten" lelbft, wird als» di« Nichtachtung wahren wiffen» dm armen Lm«m al« Pflicht de» Jude» «ingeprägt. 8 »,» der Mtzei».Provinz, am Purimfest«.—) (Orig..C»rresp.) Ort und Damm sehr verdächtig! «ui! der weinseltgm Rheia-Proviuz und ») Mit Vergnügen. — Red. —) Daß »iesei: Brief in seinem irstm Dheil» etwa« paod kootum erschein;, ist nicht Schuld de« Herrn Korrespondenten. Wir habm erst die am Purim! Also sicherlich da« Product einer höchst bedenkliö^n weinlauuek Nuu s, versichere uh denn, daß ich da» ofstcielle Pnrim-Mahl noch vor mir Hab«. Und dm noch bin ich nicht nüchtern geuug, nm die «ich bestürmenden Gedanken kälbert ich zu reproducirm, sie georvnet in Reih' and Glied aus. marschirm z» laffm, ste, wie e« sich der Oestmftichkeit gegenltber geziemt, gestriegelt nnd geschniegelt zu präkmtiren. Ja, ja, sie trollen ,md tummeln stch, machm manchen a»Ito mortui«, manche luftige Sprünge nnd lustige Kapriolen — vielleicht gerade echte Purim-Gedanke». Ich bin eben »Mutten, aber nicht vom Wein". Und wie sollte ich nicht! I«) Hab« soebm «Sieder im Geiste die Megillah durchgenommm, jene nie an Reiz verlierende wundersame Historie von dem verliebtm Perferköuig nnd dem Junker Haman, von vem revermzweigemdm Mordechat und irr holdseligm, klngm Esther. Und wie immer, so hat auch heute diese Historie für mich etwa« gewaltig Erregende«, für mein« Gedankm hoch Revolutionäre«; ein« ganze Legion von Parallrlm und Differenzen erhebt sich da in meinem Jnaem; nebm jede« in dieser Geschichte berichtet« Factum, neben jede in ihr auftretend« Person stellt sich sofort ei» Factum und «tu« Person an» der Gegenwart hi», und sie rücken zu einer lebhaft converfircnden Gesellschast znsmnmen. — Und sieh«! Direct von der Post »ulaugew tritt auch mitten hinein die i«raelitische Wochenschrift. „Wie gerufen", rufe ich leb- Haft diesem papierene» Gaste in Gedanken zu, „auch Si, und Sie vor Illen gehören >» dieser» meiner gedanklich» Sotröe". I':n9 er in echt modernem, gedankenaulprestendetn Zettung»g«ist« sprich» zu »Ir: ,^vitt«, denken Sie laut." »Höohl, H sei! vorausgesetzt, daß Ihr geedrier Vormund in Stettin damit zufrieden ist. „Majestät, e« ezisttn ein Volk tu diese« Reich«, da« »fei all' keinem Denken und Fühlen, mit seiner Religio», seine» Glanbe»«sätzeii im Wider, spräche mit alle» andere» Völkern, mit der ganze» Gegeuwart st kht. Darum weg mit diesem Volk"! Und ei» markerschütternd»« Hohnlach,-» wird »er. »ehmbar, und vor mir sehe ich hochaufgerichtet die verkörperte Nemesis der Geschichte, und sie zeigt mit einem ihrer knöchernen Arme nach der Residenz de« Jntelligeuzftaate« hin, wo ein Priester der herrschenden Religto» Jedem, der H hören will, im Namen dieser Religion lehrt und verkündet, daß die Erd« festgenagelt sei, und di« Sonne um sie herum lause. Und «ein ge» danNicher Khorn« fällt lachend «in: Ha! ha! Di« Juden! rsw arm!CD baa „Sie haben so absonderliche Gedanken!" Und den zweiten knöchernen »rm steckt die Remest« der Geschichte au» nach dem Kentrm, der allein seligmacheuden Kirche, wo eben die Sonne mit ihren wetterhelleni-en Strahlen ganz cafflr« werden soll, und der Khorn» ruft jubelnd: -"rrm errrrb. „Deu Juden wird doch'Licht!" I«, Ihr jubelt, liebe Gedanken, ober wie soll e» »un werden? Ihr meinet: wa« thur'«, die Sonne schein; doch; und auch ich meine mit dem Dichter: „Da« Licht vom Himmel läßt sich nicht versprengen, Roch läßt der Sonncnausgang stch verhängen Mit Purpurmänteln oder dunkeln Kutten". Und dennoch, dennoch —. Aber weiter. Da hör' ich die düstern, stnflern Rabbinen im düster« Talmud sagen: Wenn Du heute so recht über den Haman und seine vereitelten Bernich«ung«pläne triumphiren willst, so setze Dich hin und sprich so lange dem Glase zu, bi« Du in jene rosig« Stimmung gcräthst, die keine» Rachegedanken auflommen, die alle Zwiespfttigkeit und Gegensätzlichkeit verschwinden läßt, die nicht unterscheidet sk U1.* a*l thk pa "STa, die eben selbst einen Haman nicht verflucht. (Wahre humanistische Ideen hamanistischen Plänen gegenüber!) „Der sei verflucht"! „Der sei verflucht"! tönt'» mir dann wieder entgegen al» Reftain der heftig,« römischen Proscription»liftc. — Doch genug der Bifionen und eine andere ernstere Seite! So weit sehen wir, daß 3*n "»dn pro, aber nun wie steht e» btt«) an«? Zu deutsch: Gezückt wird draußen in Rom da» Schwert gegen un», scheinbar indirect; aber gezückt wird ««. Und wa« machen wir? — Li« fie es in Persten gemacht haben, wiffen wir. ,.E« ist ein Volk" spricht Haman, stch in di« Zunge beißend: „Die Juden find unau«stehlich einig und zusammen, haltend". Und ist e« in der Thal nicht merkwürdig? Da streiten fie don in Persten gar nicht um den abgeschafften oder vielmehr eingeführt, n P"® cp* gar nicht über die etngesühtte oder vielmehr abgeschaffre Temp.-lmuftk und äbnlich« Lebenlsrogen, sondern wie «in Mann wafsnen und wehren fie fich mit Hand und ',fuß gegen den äußeren Feind, für ihr Dasein kämpfend. Ich meine, wir könnten etwa« von ihnen lernen! — Und nun: habe ich nicht Recht gehabt, al« ich sagte, daß Du, lieber neugekommener Gast, i»reelitische Wochenschrtst, in mein« Purimgedaulen hiueingehörst? Za etwa« wie „t< ist ein Volt" ist ja wohl dein Motto. O bewahre und bewahrheit« «» um Gott,« und unsertwillen. Freilich, fteilich ist mir etwa« bang« um Dich. E» gehr mi: da wie jenem braven Manne, der, al» er mir einst seine lieben Kinder vvrstellte und an sein Liebling«ftnd gekommen war Scheu, LobeterHebungen abdruckc» zu lasten, die un« schon mamhe derartig? Einsendung weglegen hieß, «derwinden wüsten. Der Leser urth«ile> (Red.)

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