Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 12. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 6)
- Language
- German
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94 Schriften Leopold Löw's, sein Sohn I)r. Immiinuel Löw, der sonst in den Kussnoten die Litteratur bis zur neuesten Zeit mit aufführt, im Jahre 1890 nicht anmerkt, dass das fragliche Schreiben bereits im Jahre 1864 im ״Chatham Sofer“ veröffentlicht worden ist, ist auffallend. Dort ist auch, wie ich bereits oben bemerkt habe, in No. 94 der Widerruf Ahron fhorin’s, aus dem Schreiben A. Uh. an Moses Münz resp. aus dem Schreiben des R. Moses Münz an K. Moses Sofer copirt, abgedruckt. Der selige Leopold Löw hat jedoch den Inhalt des fraglichen Schreibens nicht genau wiedergegeben. Nicht R. Moses Münz fordert Ahron Chorin auf: ,,Schullehrer zu werden, was er in Arad früher war, bevor er die Gemeinde überredet hatte, ihn zum Rab biner zu wählen“ (Löw, Schriften 1. 1. Anm. 1). Das hatten die Rabbiner gesagt, die Münz aufforderten, gegen A. Ch. mit einzuschreiten, wahrscheinlich schrieb dieses an Münz der Lehrer A. Chorins, der Mattersdorfer Rabbiner R. Jeroinia, der A. Ch. nach Arad empfohlen hatte. Ol) Leopold Löw s. A, auf seine Anfrage eine ״authentische Antwort" hierüber erhalten habe oder nicht, ist mir unbekannt: für mich ist es evident, dass A. Ch. ursprünglich nur als Lehrer nach Arad berufen worden war. Der Berichterstatter an Münz sagte, A. C11. sei Lehrer gewesen: 5יח -א הצירה" d. h. ״bei seinem Hinkommen“, dann sei er wohl kurze Zeit darauf infolge seiner Intriguen zum Rabbiner gewählt worden. Das stimmt genau zu dem Umstande, dass A. Ch. wie Löw (1. 1. 258) berichtet ״bereits im Friihlinge 1789 nach A. berufen wurde, seine Aufnahmsurkunde jedoch später am 22. Klul 5549 — 13. September 1789 ausgefertigt wurde“. Die vorzeichneten vier Beilagen umfassen besonders paginirte 18 Kolioseiten. Dazu kommen dann, 46 Folioseiten umfassend, noch folgende drei Beilagen. 1) Ausziige aus den theils gedruckten, theils handschriftlichen Werken von zwanzig hervorragenden Rabbinern aus der Zeit nach Jecheskel Landau, welche mit den itn ״Noda Bijeliuda" ausgesprochenen Sentenzen sich eingehender beschäftigt haben. Diese Auszüge haben nicht bloss Worth für den Halachbetlissenen, dem die betreffenden Werke nicht, zu Gebote stehen, sondern sie haben auch einen litteraturgeschichtlichen und culturhistorischen Werth. Wer z. B. durch die Auszüge aus dem ״Chatham Sofer“ veranlasst würde, auf die Beziehungen R. Moses Sofers zu R. Jecheskel Landau näher einzugehen, wird sich von der Richtigkeit der nachstehenden Bemerkung überzeugen. Während meiner Studienzeit in Kecs-Kemet, in den Jahren 1866—68, las mit mir privatissime mein Lehrer Rabbiner Simon Hirsch Fischmann s. A., gestorben am 20. Tebetli 5639;■■= 15. Januar 1879, bie wichtigsten R.-G.-A. im ״Noda Bijehuda“. Er, Fischmann 8. A., hatte als Bachur in Ungvi'ir mit seinem Studiengenossen Sabbathai Diamant, dem nachmaligen berühmten Rabbiner von Retsche-Neudorf, sämmtliche R.-G.-A. im ״Noda Bijehuda“ erste Serie durchgenommen. Dieses hatte ihnen, F. und I)., ihr Lehrer, R. Mayer Eisenstüdter, gestorben am 24. Tebetli 5622, Verfa88er der R.-G.-A. אמרי אש (Lemberg 1852 und Ungvär 1864^ empfohlen. Wer ein tüchtiger, richtig denkender Talmudforsehor werden wolle, sagte ihnen E., studire den Koda Bijehuda, erste Serie, wo sieh R. Jecheskel Landau auf realem Boden bewegte. Nicht die Scholiensammlung 1סי" <צ"לד er sich, auf theoretischem Boden bewegend, leicht von blossen Hy ' son hinreissen lasse; nicht die ganze zweite Serie des ״Noda Bijehuda“, wo er, J. L., zur Vertheidigung seiner angegriffenen Ansichten oft zu nothgedrungenen Behelfen Zuliucht zu nehmen pflegt. R. Mayer Kisenstädter, der hervorragendste Lieblingsschüler des R. Moses Sofer, wurde durch seinen Schwiegervater, den oben genannten R. David Deutsch in Waag-Neustadtl, ein grosser Verehrer Landaus. Eisenstüdter erzählte auch im Vertrauen seinen Schülern Fischmann und Diamant, R. M. Sofer habe, in seinem Bestreben die massgebendste Autorität im Lande zu werden, mit Vorliebe jene Themata bearbeitet, in denen er zu einem mit Landau widersprechenden Resultate gelangt war. Ein eingehendes Studium des ״Ohat.ham Sofer“ wird diese Behauptung bestätigen. 2) Kurze Bemerkungen und Hinweise auf neuere rabbinische Schriften: 3) ein alphabetisches Sachregister nach den einzelnen Theilon des ״Noda Bijehuda“ geordnet. Kann auch diese Ausgabe nicht mit den kritischen Ausgaben älterer halachischer Schriften von Auerbach, Bamberger, Buber, Hildesheimer, Hurwitz u. A. in eine Reihe gestellt werden, so bekundet sie doch einen erfreulichen Fortschritt auf dem Gebiete der Herausgabe rabbinischer Schriften. Recensionen. Bibliothek der Gesamintlitteratur des In- und Auslandes No. 1329 —1339: Des Flavins Joscphus Jüdische Altcrthtillicr. Uebersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von D1■. H o i n r i c 11 C1 e in e n 17.. I. Band, Buch L—X. Mit 8 Darstellungen auf 2 Tafeln (Verlag von Otto Hendel, Halle a. S.). In einer Bibliothek der Gesamintlitteratur darf ein Josephus nicht fehlen. Denn wollen wir den allgemeinen Werth eines litterarischen Erzeugnisses allein schon nach dem Grade bemessen, in welchem es sich mit dem Entwickelungsgange eines seit uralten Zeiten auf die Geisteskultur der Menschheit einwirk,ende11 Volkes beschäftigt, so gebührt schon darum den Geschichtswerken des Josephus ein hervorragender Rang in der Weltliteratur. Kommt noch hinzu, dass der Verfasser ausserordentlich begabt und mit dem Wissensschatze seines Volkes wie der allgemeinen Bildung seiner Zeit sehr vertraut gewesen, dass seine Werke beachtenswerthe Ergänzungen zu den heiligsten Urkunden der Menschheit bringen und für einen langen, nicht unwichtigen Zeitraum seiner Volksgeschichte fast die einzige, zum Theil auf Autopsie beruhende Quelle bilden, so wird hier unser Interesse sich ganz besonders angeregt fühlen. Weisen aber zu alledem auch die Dar- Stellung eine lebendige reizvolle Anschaulichkeit, der Ausdruck einen schönen und edlen Stil, so sind damit alle Grundlagen für ein belehrendes bildendes Volksbuch in glücklicher Mischung gegeben, und es bedarf dann nur einer geschickten Hand, um die fremdsprachige Geistesspeise für unsern deutscheu Gaumen mundgerecht zu machen. Der Versuch hierzu, den Herr Dr. Clementz unternommen, ist, soweit die bisher erschienenen 10 ersten Bücher der Alterthümer darthun, im Ganzen als gelungen zu bezeichnen. Die Uebersetzung ist sinngetreu und fliessend, und es timt dem günstigen Eindrücke des ganzen keinen Abbruch, wenn hier und da unwesentliche Stellen fortgelassen sind, wie z. B. 1, 6,1 der Schlusspassus. Mancher Ausdruck allerdings könnte vielleicht treffender wiedergegeben werden wie z. B. 1.11,1 am Anfang, wo ei; te ävö־pw7t&t{ ößpcßtal xat itpö{ tö S-elov äoeßeij durch ״gewaltthätig und religionslos“ übersetzt wird. Wollte der Herr Bearbeiter eine kurze Bezeichnung für die letzten Textworte wählen, so wäre ״gottlos“ vorzuziehen; denn dieses bedeutet eben — nicht ״ohne Gott“ sondern -- ״ohne jede Scheu vor Gott“, während ״religionslos" nur von den Gelehrten und zwar im Anschluss an das lateinische religeo Deorum, nicht aber von dem Laien in solchem Sinne verstanden werden kann. Ausserdem aber will Josephus an dieser Stelle offenbar 4