Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 12. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 7)
- Language
- German
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95 zwischen e!p av&pdmot{ und 7cpö; xd S-siov den Gegensatz he• tonen, der bei ״gewaltthätig und religionslos“ nicht so offen zu Tage tritt. Der Herr Bearbeiter ist hier, wie an einigen andern Stellen auf Kosten des tieferen Sinnes etwas zu knapp im Ausdruck gewesen. Was jedoch für jeden Leser, der kein Fachmann, sehr störend wirken muss, dass ist die Schreibweise der Eigennamen. Der Uebersetzer selbst ist inkonsequent in diesem Punkte, denn auf ein und derselben Reihe schreibt er für 21׳q(j1ac, 'Ia^e&a; und Xajia!;: Sem, Japhet und Ohamas (der väterliche Fluch wird doch nicht etwa noch in der Namensverstümmelung fortwirken!?) Im Allgemeinen aber richtet, sich Herr l)r. Clementz hierin genau nach dem Original, und das ist durchaus verfehlt. Josephus selbst bemerkt im ersten Buche der ״Alterthiimer“ ausdrücklich, dass er die Namen nicht so schreibe, wie sie von den Juden, sondern wie sie von den Griechen ausgesprochen wurden, d. h. mit andern Worten, er richte sich hierin nach seinem Leserpublikum. Hätte nicht der Herr Bearbeiter daraus allein schon den Grund herleiten müssen, seinen deutschen Lesern die Namen in einer Form zu qieten, wie sie allen schon aus den biblischen Erzählungen von frühester Kindheit her im Gedächtnis» haften und vertraut sind? Dass er dieses nicht gethan, muss uns uui so mehr befremden, als er die römischen Namen in ihrer lateinischen Form beibehält, weil sie uns so bekannter er• scheinen. Namen wie Movses, Sarra, Nebrod, Palästiner (für Philister) u. a. m. müssen jedem deutschen Leser — es 8011 ja doch ein Volksbuch werden - geradezu barbariseh Vorkommen. Orthographisch zu beanstanden ist in der Anmerkung auf Seite 171 das Wort ,,Bad“. Es muss entsprechend dem hebräischen בת dafür ״Bat.11" gesetzt werden. Auch die Einleitung, in welcher eine kurze Schilde• rung von dem Leben, dem Charakter und den Werken des Josephus gegeben wird, bedarf in einem Punkte der Richtigstellung. Betrachtet man heutzutage jenen verdienstvollen Historiker auch nicht mehr als eompleten Böse• wicht, für den man ihn früher ausgegeben so ist doch kein Zweifel, dass er nicht blos 0״ i n i ge sittliche Schwächen“ besessen, wie auf Seit(* 5 so schonungsvoll gesagt■ wird, vor Allem ist er niemals ״ein tapferer Feldherr" gewesen. Jene sittlichen Schwächen aber auf Rechnung des Pharisäismus, dem Josephus angehörte, zu setzen!Seite •>), die Pharisäer selbst engherzig und hartköpfig zu schelten, vorrätli (*inen durch die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien längst überwundenen Standpunkt. Noch scheinen die Akten über die Erforschung dieser Religionspartei nicht völlig abgeschlossen zu sein; soviel jedoch hat man bis zur Gewissheit erkannt, dass es innerhalb dieser Partei verschiedene Richtungen gegeben und dass ihr Grundzug nicht Engherzigkeit und Hartköpfigkeit, nicht das Streben gewesen, Andern aufzubiirden, was man selbst nicht tragen wolle, sondern, wie ihr hervorragendster Vertreter IliHel durch Wort und ,!'hat bewiesen, das strikte Gegentheil jener tadelnswerthen Eigenschaften, nämlich Verständnis» für die Forderungen der Zeit und deren lebendige religiöse Fortentwickelung auf der einen und das Streben, schwerlastende Religionsvorschriften durch geeignete Massnahmen dem Volke zu erleichtern, also Milde und Domuth auf der andern Seite. Es wäre endlich an der Zeit, Auswüchse des Pharisäismus nicht mehr mit diesem selbst zu identiliziren. Im Uebrigen erscheinen die hier gerügten Mängel im Verhältnis» zu den grossen Vorzügen, welche das Buch aufweist, so gering, dass wir es nur warm einpfehlen und ihm einen recht• grossen Leserkreis wünschen können. Wir erwarten mit Interesse den zweiten Theil und würden uns besonders freuen, wenn der Herr Bearbeiter in einem dritten auch noch die kleineren Schriften des Josephus vor Allem die ״contra Apionem" den weitesten Schichten des deutschen Volkes durch Veröffentlichung in derBibliothekderGesammtlitteratur zugänglich zu machen sich entschlösse. Birkenfeld. Landrabbiner I)r. Loevv. Lewlt. Julius Dr., Darstellung der theoretischen und praktischeh Pädagogik im jüdischen Alterthum nach talmudischen Quellen unter vergleichender Berücksichtigung des gleichzeitigen Schriftthums. Berlin 78 S. Vorliegendes Schriftchen, welches eine populäre, ausführliche Darstellung der theoretischen und praktischen Pädagogik des talmudischen Zeitalters geben will, behandelt seinen Gegenstand mit Geist, Liebe und Geschmack. Wir heben jedoch mit Absicht ״populär“ hervor; denn ein streng wissenschaftlicher Charakter ist allerdings der Arbeit nicht zuzuschreiben, da wir in derselben die Merkmale einer streng wissenschaftlichen Untersuchung: so die Beleuchtung eines dunklen Gebietes von einem neuen Gesichtspunkte, die Förderung neuer Wissenschaftlieber Resultate völlig vermissen. Uebrigens kann Verfasser das Prioritätsrecht für sich durchaus nicht beanspruchen, und wenn Verfasser behauptet;, dass zu einer Darstellung der talmudischen Pädagogik nur Ansätze gemacht worden sind (S. 7), so scheinen ihm die Arbeiten von Strassburger S. Z, Marcus, Ehrentheil entgangen zu sein. Die Arbeit zerfällt in zwei Hauptabtheilungen:!.Theoretische Pädagogik: 1. Erziehungsziel. 2. Methode. 3. Lehrerberuf. II. Praktische Pädagogik: 1. Häusliche Erziehung. 2. Sehulerziehuug, 3. Hochschulen. Anhang: Geschichte der geistigen Entwicklung der Lehranstalten und der bedeutendsten Lehrer im jüdischen Alterthum. Das Erziehungsziel ist nach biblisch-talmudischer Auf- Fassung, wie aus den vielen beigebrachten Stellen hervorgeht, Gottesfurcht, Gotteslehre und Verwirklichung der Gottähnlichkeit. Wir möchten noch als Ergänzung auf das (.'harakteristische hinweisee, dass der Hebräer ״erziehen“ und ״einweihen“ mit ein und demselben Ausdrucke bezeichnet: חנך. Der Hebräische Volksstatnm zeichnet sich von allen andern des Altertums, wie aller Zeiten, wesentlieh dadurch aus, dass alle seine Zustände in den manuigfuchsten Wendungen seines Geschickes um einen Mittel- [)unkt kreisen, welcher als lebenskräftiges ('entrinn den ganzen Ideenkreis der Einzelnen wii* der Gesanimtheit in Bewegung setzt. Dieser Mittelpunkt ist unser(* Beziehung zu Gott. Daher darf es uns nicht wundern, wenn ״erziehen“ und ״einweihen“ nach biblischem (feiste (*in und dasselbe ist. Drum beide im Begriffe חנך. Den kategorischen Imperativ Kant's will Verf. linden in dem Ausspruche ״Seid nicht wie Knechte, die dem Herrn dienen des Lohnes wegen, sondern seid.“ (S. 11). Allein Verf. scheint mit dieser Behauptung den Schwerpunkt des Kautischen Imperativs missverstanden zu haben. Der Schwerpunkt der Kaniisehen Ethik liegt oben darin, dass der kategorische Imperativ mit der Mat.erie des Sittengesetzes überhaupt nichts zu thuu hat, sondern lediglich ein formales Gesetz ist; d. h. der Bestimmuugsgrund unseres Willens, der ihm entsprechen soll, darf nicht in den Gegenständen liegen, auf welche unser Handeln sich bezieht, sondern nur in der Unbedingtheit der sittlichen Anforderung als solcher in der gosetzgebenden Form des Sittengesotzes. ln der Erörterung über di(* Methode, in welcher Verf., wie seine Vorgänger auf diesem Gebiete, auf das auch von modernen Pädagogen unerkannte biblisch talmudiseho Princip hiuweist, nämlich die Leitung des Jünglings nach seiner Weise; d. 11. die Berücksichtigung der individuellen