Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 12. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
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93 gewordene Anssage nicht mehr widerrufen. Wenn Simon ben Schetaeh darauf zu bestehen sucht, dass Jannai als Angeklagter seine Erklärung vor Gericht stellend ab geben soll, so giebt er damit für alle Fälle die formale Rechtsregel: Aussagen vor Gericht sind vom Angeklagten immer stehend zu leisten. Den Geist und den Ernst, von welchem unsere beiden Synhedrialhäupter bei der Führung ihrer Amtsgescliüfte beseelt waren, reflekt-iren die in Abotli uns von ihnen überlieferten Maximen am Besten. Juda ben Tabhai — heisst es da*) — pflegte zu sagen: ,.Mache dich nicht zum Sachwalter der Parteien! So lange die Parteien vor dir stehen, betrachte beide für schuldig! Haben sie sich aber nach gefälltem Urtheilspruche von dir entfernt, betrachte beide für unschuldig!•' Simon ben Schetaeh pflegte zu sagen: ,.Stelle ein genaues Verhör mit den Zeugen an. sei aber vorsichtig in der Fragestellung, auf dass sie durch dieselbe nicht verleitet werden, sich an lügenhafte Aussagen zu gewöhnen!•1 Der von Juda ben Tabbai angeführte Satz athmet besonders so viel Humanität und Toleranz, dass er selbst im Munde moderner Reehtslehrer 1mr deren Gesinnungsadel und edle Herzensbildung zu verrathen im Stande ist. — SfillllSS f0l<£t.) Kritik und Tradition. Von Kirolienratli l> r. T11. Kroner in Stuttgart. VIII Jesnjah. Kapitel 1. Vers 13. Die Schwierigkeit dieses Verses, die mit לא תוסיפו begonnen hatte und in der anders eingerichteten Verseintheilung der Septuaginta ihren .Hauptgriiml hatte, wollten Chevtto und Andere damit erklären, dass der Massoret mit. Absicht die volle Abweisung der Opfer in eine mildere Form bringen wollte. Sie meinen, dass der Prophet jedes Auf-uiehen der Tempelliöfe, jedes Speiseopfer, jedes Riiucherwerk als Gott missfällig bezoichnete. Es ist bereits der beweis erbracht, dass der Prophet eine solche Absicht unmöglieh gehabt haben kann. Darum ist aber auch die Aenderung der oben genannten Kritiker, welche ..Menachoth‘■ also die absolute Pluralform, oder ..Minchath“ als absolute Singnlarform aufgefasst wissen wollen, annöthig. ja sogar falsch und eine schwerwiegende Ent- Stellung der dogmatischen Wahrheit des prophetischen Gedankens. Nicht schlechterdings jede Opfergabe, sondern die נחת שוא“, die durch den!Mangel einer echt gottesfiirchiigen Gesinnung und Lebensweise des* )pfernden sinn- und werthlos gewordene (iahe, will Gott nicht. Die massoretische Verbindung entspricht also dem wahren Gedankcngunge der prophetischen Rede. Nun ist nicht in Abrede zu stellen, dass die Satzbihlung nach massoretischer Lesung schwierig ist. Es scheint ein Wort hinter קטי״ת zu fehlen. Man prüfe: ״Ihr sollt nicht fortfahren — nichtige Opfergabe zu bringen — Riiucherwerk, ein Gräuel ist es mir“. Nach unserer Darlegung ist ja eben nicht jedes Riincborwerk, sondern nur das mit blutigen Händen gebrachte ein Gräuel; deshalb müsste bei Hlttp ein Wort sinnverwandt mit שוא stehen. Aber ist dieser Schwierigkeit durch die kritische Satzformung abgeholfen? Man prüfe: ,.Meine Höfe betreten — sollt ihr fürder nicht — Opfergaben bringen — eitel ist Räucherwerk — Gräuel ist es mir“. In dieser Satzverbindung haben die Worte .,Opfergaben bringen‘• nur einen Sinn, wenn man sie als zweiten Intinitifsatz zu .,sollt ihr fürder nicht־־ zieht, eine gewiss nicht leichte Verbindung. Aber nach der massoretischen Auffassung bedarf es solcher Kunst nicht; es ist eben das מנתה שוא ein קטרת תועבה. Und!las mit Recht! Nach Leviticus, Kap. 2, Vers 1 — 2 gehört• zum Minehah als wesentlicher Opferbestandtheil nicht nur das Mehl und Oel, sondern auch ״Weihrauch“. Von diesem Opfer sagt die Schrift: והקטיר הכהן את אזכרתה ונ)־ ריח ניחת לה, ist also das Minehah ein שוא, ein Schein, ein Nichts, dann ist die nothwendige Folge, dass sein lieblichster Tlieil, das קטרת, kein Wohlgeruch, keine Besänftigung, sondern ein Gräuel, eine תועבה ist. So fassen es Raschi, Kimelii, Malbiin und das Targum. Darum ist nicht מנת von שוא zu trennen, wohl aber הטרת mit תמועבה zu verbinden, ganz so wie es die Massora thut. i-01׳tsetzung folgst.1 Litteraturboriclit. 7/11r lioiiorn raltbiniNclicii I.itlernt ur. Von Rabbiner Dr. (i 0 1*1 f a 11 n* . Schluss. Identisch ist auch Rabbiner Alexander Memels in Schütt-Szerdaholy 1X0.42׳ mit Rabbiner Sender in Schütt- Szerdahely!No.272), desgleichen der No. 71 genannte David mit dem No. 75 genannten David Kittsee, Rabbiner in Jamnitz, starb 1880 als Rabbiner von Waag Xeustadtl, sein Familienname war Deutsch: er verfasste die Novellen- Sammlung אהל דוד zu mehreren tnhündischen Traktaten!Wien 1S22 —1825, Prossburg 1805 und l'ngvär 18(17). l'nter No. 117 wird ein (iiitz Lewin (ללווין) verzeichnet; im Texte, zweite Serie (Jore Dea Xo. 103), steht aber:;רווי d. h. ,.nach Wien". Der fraglich*' (!ätz ist identisch mit (iiitz Oppenheimer, dom Präses der israelitischen Gemcinde Wien, an den .Moses Sofer im Jahre 1814 (('hatiinm Sofer III. No. 19111 ein (iutachten sendet und dessen llrief an!Moses Sofer, datirt vom 2:!. Schebhat 5579 i׳= 18. Februar 1819, im (’hatham Sofer Mi, Xo 92 ahgedruckt ist und für den Moses Sofei 1. I. Xo. 9.J und 9p das Schreiben dos Altofner Rabbiners Moses Münz an den Arader Rabbiner Ahron Churin und das Schreiben des R. M. Münz an M. Sofer mit der Copie des Widerrufes von Chorin und 1׳. I. 951 sein Schreiben an M. Münz copirt und mit dom Schreiben an (iiitz Oppenheimer (l. 1. Xo. 9ti sendet. Da der sechste linnd des ,,('hatham Sofer״ erst 1894 gedruckt wurde, so könnt*‘ Leopold Low s. A. 18(i;l mit Recht sagen: ״Das altofnor Schreiben ist niemals gedruckt worden" (l.iiw, (ies. Schriften I». II, S. 28s. Dass aber der Herausgeber der * 1111 *■rsleii Art. (in vor. Nr.) sind folgende simii'iUstelleiiile llriitkleliler zu lierielitigen: S 8711, 7.. 15 v. 11. ist zu lesen: 32B י2יפי Anspielung auf in. 7,2 29 ./ .יח :מה יפו פעמיך v. **. 179״:!•• statt 189:1; il). Amu. Z. 2 v. 11. ״inir" statt nur: S7I1 /. 2:1 v. n, ״war“ statt von; S. 88 Z. .'i v. o. ,,18:17“ stall 18:19. *) Abotli I, S—0.