Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 11. (16.3.1881)
- Date
- 1881-03-16
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 42 — hat, sondern von släva ״Ruhm, Heil“ abstammt. Ebenso I fehlt bei Zunz das Wort בילקא die Wcissliche, Bielka. I Nun zu einer Art von Namen, die von Zunz gar nicht in Betracht gezogen wurden, aus deir. einfachen Grunde, weil Zunz eigentlich nur die Vor na in e n der Juden in den Bereich seiner Forschung zog. Wenn wir aber diese Namen hier anführen, so thun wir es wegen des grossen Interesses der Sache selbst, als auch weil diese Art Wortbildung, soweit mir bekannt ist, in der Literatur einzig dasteht. Es ist nämlich die Sitte, aus den Anfangsbuchstaben mahrerer Wörter ei n W or t zu bilden und das Wort so zu behandeln, als ob mit dem Wort als solchen ein Sinn verbunden wäre. Wir haben oben bereits Katz als von dem Thiernamen Katze ganz unabhängig erwähnt. Der Name Schal it findet sich in dem von uns bereits erwähnten Machsor der Breslauer Stadtbibliothek. Schalit ist eine Abkürzung aus שיחי־ לימים טובים• Diß Familie Schalit lebte im 16 Jahrh. in Prag und war eine berühmte Druckerfamilie. Das Machsor der Stadtbibliothek gehörte der Frau צארט בת ר' חיים שליט Eine Familie Sc hol im in «reslau leitet ihren Namen aus den שיחיה לאורך ימים:ראשי תיבות ab. Die Familie Babad in Breslau bezeichnet den Ursprung dieses Namens authentisch als aus בן אב בית דין stammentf Mein Freund Wilhelm Münz theilt mir im Namen des Herrn Babad noch folgende Namen mit. Die Nachkommen des berühmten Talmudislen R Elia Wilna hiessen fast siimmtlich Schar lat; es ist dies eine Composition aus den Anfangsbuchstaben der Worte שלום רב לאוהבי תורתך, die Nachkommen gegenwärtig in Brisk und in Wilna. Der Name Barmaper (in Lemberg) ist aus ברר׳ מאיר פרנס entstanden. Der Name Chaffak (in Breslau) ist aus den Anfangsbuchstaben der Worte חונה פה קק documentarisch nachgewiesen Familien mit Namen Brav (in Glogau und Krakau) stammen aus יבן רב weil ihre Väter oder Grossväter Rabbinen waren. Der Name Bersal (in Mielitz) stammt aus ר׳ ולמן לייב p. Der Name Sachs, geschrieben זקש (so schrieb sich auch der verewigte Dr. Michael Sachs in Berlin) stammt aus den Worten דש שפייארp ״ זרעvon der heiligen Nachkommenschuft der Stadt Speyer“; die Fumilie Banascii in Breslau, die auch Verwandte Namens Beinisch haben, leitet inren Namen von Benjamin, der bei den polnischen Juden bekanntlich in Beinisch, Banesch, verwandelt wird Brasch (in Breslau) ist aus בן ר׳ שמעון, Bram, Biram aus בן ר׳ משה, Braun aus בן ר, נחמיה, Brak (in Szerdahely, Ungarn) aus אפפעלp בן ר׳ (Mittheilung des Herrn Dr. S. Fessler), Remak (in Broslau) aus אפפעלp ר׳ משה entstanden. Der Name M a 1bim, der in Minsk sehr häufig ist, stammt nuch Mittheilung des Herrn J. Zimlik daselbst aus ״ מלוייםvon dem Stamme der Leviten“, denn sämmtliche Träger des Namens Malbim sind Leviten. Mazi als Abkürzung aus מורע אהרן in Stolpzy bei Minsk, (ein Mazi besuchte das Breslauer Seminar); und Bar sc hu k ־= P"®" ״ ברSohn der Halle, des Marktes“, gleichfalls in der Stadt Stolpzy, Gouvorn. Minsk. Die Wichtigkeit der Namenforschung überhaupt wurde von bedeutenden Sprachforschern wie Pott u. a. bereits hervorgehoben, und haben wir diese Beispiele angeführt, um zu zeigen, welche Vorsicht man gebrauchenmüsse, um gewisse Familiennamen etymologisch zu erklären, liesse sich doch Brav, Katze, Braun aus dem Deutschen, Bersal, Brak u. a. aus dein Slavischen leicht erklären. Aber auch in diesem Punkte zeigt sich die dem jüdischen Volke eigenthümliche Liebe zu den Namen der Väter. Literaturbericht Reeeasionc». Kahn, Dr. Samuel. Hebräische (Quellen und Materialien zur Geschichte Ungarns. (Hdber kutforräsok es adatok Magyarorszäg törtenet^hez) Budapest 1881. Die obige in ungarischer Sprache abgefasste Schrift verdient auch in ausserungarischen Kreisen Erwähnung und Beachtung. Dieselbe ist. genau in erster Linie für die Freunde der ungarischen Geschichte, denen die hebräischen Quellenschriften unbekannt und im Originale unzugänglich sind, interessant. Denselben werden die in verschiedenen jüdischen Schriften vom X.—XVIII. Jahrhundert von Josippon bis auf die Gutachten des R. Me'ir Eisenstadt zerstreuten mehr oder minder bekannten und richtigen Angaben über die Geschichte Ungarns und der Juden in Ungarn in Uebersetzung mit kurzen Einleitungen und erläuternden Noten geboten. Die 32 Nummern der Schrift, zumeist Auszüge aus den jüdisehen Chronographieen und Gutachtensammlungen,denen ein Excurs über ,.Hagar“ als Beziehung für Ungarn angehängt ist, enthalten aber auch mancherlei geographisches, geschichtliches und culturgesohichtliches Material, das den der ungarischen 8prache unkundigen Freunden der jüdischen Wissenschaft interessant wäre und nicht verloren gehen sollte. Vielleicht entschliesst sich der Herr Verfasser das Wichtigste aus dieser Schrift und seine in Vorbereitung begriffene ״Geschichte der Juden in Ungarn“ auch in deutscher Bearbeitung erscheineu zu lassen. Es würde zu weit führen, auf die verschiedenen Nummern der Schrift hier einzugehen. Ich greife einen einzelnen Punkt aus der Nummer XVI (S. 75—81) heraus. Kohn nimmt die von Löw (Ben Chan IV, 429 angestellte Untersuchung über Kinerich (ung. Itnre) Szerncses, den unfreiwillig zum Ch'istenthuin übergetretenen Finanzminister unter Wladislaus II. und Ludwig II. im ersten Viertel des sechzehnten Jahrhunderts wieder auf. In den Gutachten desJConstantinopler Rabbiners Elijahu Halevi (שו״ת זקן אהרן Nr. 95) und des It Metr Katzeneiieubogen aus Pudua (שו״ת מהרם מפדוואה Nr. 87) wird ein in Ofen lebender ehemaliger Jude erwähnt, der nach seinem wegen des Verhältnisses zu einer christlichen Frau unvermeidlich gewordenen Uebertritte zum Uhristenthume eine hervorragende Staatsstellung bekleidete, im Herzen Jude blieb, bei jeder sich darbietenden Gelegenheit für seine ehemaligen Glaubensgenossen in Ungarn und ausserhalb Ungarns aufs Kräftigste eintrat, jeden Freitag Nachmittag unter die jüdischen Armen in Ofen Almosen vertheilen liess und wegen seiner judenfreundlichen Gesinnungen sogar in den Kerker geworfen wurae, aber dennoch in der Bethätigung der unerschütterlichen Liebe zu seiner Religion fortfuhr und in der Sterbestunde vor zahlreichen jüdischen Zeugen die tiefste Reue über den ihm aufgezwungenen Uebertritt aussprach. Derselbe liess bei seinem Uebertritt eine Frau und zwei Kinder, Abraham und Ephraim, im Judenthum zurück, und die beiden genannten Gutachten befassen sich eben auf Veranlassung der Ofener Gemeinde mit der Frage, wie die im Judenthum zurückgebliebenen Sühne zur Thora gerufen werden sollten, ob mit den Namen ihres getauften Vaters oder mit dem ihres Grossvaters. Beide Gutachten kamen zu dem übereinstimmenden Resultate, das6 die Söhne unter dem Namen ihres getauften, aber um seine ehemaligen Glaubensgenossen hochverdienten Vaters zur Thora gerufen werden dürfen. Den eben geschilderten Mann, der als Jude nach R. Elijahu Halevi: Schneor ben Eplira im und-.bei